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Zinsrisiko-Management in Banken
Schriftenreihe des
Instituts für Kredit- und Finanzwirtschaft
Herausgeber: Prof. Dr. Joachim Süchting
Ruhr-Universität Bochum
Fakultät für Wirtschaftswissenschaft
Band 13
Dr. Michael Bangert
Zinsrisiko-Management
in Banken
GABLER
CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek
Bangert, Michael:
Zinsrisiko-Management in Banken / Michael
Bangert.
Wiesbaden : Gabler, 1987.
(Schriftenreihe des Instituts fiir Kredit- und
Finanzwirtschaft; Bd. 13)
NE: Institut fiir Kredit- und Finanzwirtschaft
(Bochum): Schriftenreihe des Instituts ...
Der Gabler Verlag ist ein Untemehmen der Verlagsgruppe Bertelsmann.
© Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden 1987
Softcover reprint of the hardcover 1s t edition 1987
Druck: Lengericher Handelsdruckerei, Lengerich/Westf.
Das Werk einschlie8lich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschiitzt. Jede Verwertung
au8erhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags
unzuliissig und strafbar. Das gilt insbesondere fiir Vervielfiiltigungen, Obersetzungen, Mi
kroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
ISBN 978-3-409-14721-7 ISBN 978-3-322-88003-1 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-322-88003-1
Geleitwort
Seit der (teilweisen) Freigabe der Wechselkurse und im Zuge der Liberalisierung der Ka
pitalmärkte haben sich die Wechselkurs- und Zinsschwankungen erheblich verstärkt.
Entsprechend gewachsen sind die Risiken aus dem Halten von Forderungen und Ver
pflichtungen in ausländischer und inländischer Währung vor allem für die auch internatio
nal operierenden Geldinstitute.
Speziell Zinsrisiken haben eine Reihe von Kreditinstituten im In- und Ausland in ernst
hafte Schwierigkeiten gebracht, in der Bundesrepublik - nach dem "klassischen" Einzel
fall Münemann im Jahre 1970 - während der Hochzinsphasen 1973/74 und zu Beginn
der 80er Jahre, als die extrem teuer gewordene Refinanzierung von in den voraufgegan
genen Niedrigzinsphasen aufgebauten Festzinspositionen erhebliche Verluste in den
Zinsmargen brachte. Das Auftauchen dieses Risikokomplexes hat zwar nicht zu der (teil
weise erwarteten) behördlichen Begrenzung des Zinsänderungsrisikos durch einen
Grundsatz IV der Bankenaufsicht geführt; diese läßt sich seitdem jedoch von den Wirt
schaftsprüfern regelmäßig über die (geschätzte) Höhe des Zinsänderungsrisikos berich
ten. - Vor diesem Hintergrund erhält das Thema des Buches seine Bedeutung für das
Bankmanagement. Der Verfasser befaßt sich dabei sowohl mit Ermittlungsrechnungen
für Zinsänderungsrisiken als auch vor allem mit ihrer Steuerung.
Es handelt sich um eine - im Sommersemester 1986 von der Fakultät für Wirtschaftswis
senschaft an der Ruhr-Universität Bochum als Dissertation angenommene - überaus ge
haltvolle Arbeit zu einem wichtigen bankpolitischen Problem. Vor allem bei den bisher
weitgehend vernachlässigten risikopolitischen Maßnahmen und ihrer Bewertung erzielt
der Autor deutliche Fortschritte gegenüber dem Stand der Literatur. Dabei kommt ihm
zugute - und dies ist nicht eben häufig -, daß er sich einerseits als Kenner der bankbe
trieblichen Praxis und auch in Kapitalmarktfragen erweist, aufgrund seiner analytischen
Fähigkeiten andererseits aber auch die verschiedenen relevanten Theorieansätze im Griff
hat. Die Ausführungen sind stets auf das Ziel gerichtet, handhabbare Verfahren für die
praktische Anwendung zu liefern, und enthalten als Nachweis der Praktikabilität und zur
Veranschaulichung ein reichhaltiges Zahlenmaterial.
JOACHIM SOCHTING
Vorwort
Die Bedeutung des Zinsänderungsrisikos für Kreditinstitute ist spätestens in der Hoch
zinsphase 1981-1983 sichtbar geworden. Sinkende Zinsen haben zwar dessen negative
Ausprägungen reduziert und eine erfolgreiche Transformation von Zinsbindungsfristen
ermöglicht; dennoch wird vor erneuten Ertragseinbußen aus Inkongruenzen gewarnt (vgl.
Monatsberichte der Deutschen Bundesbank, Nr. 8/1986, S. 18). Damit steht jedes Kre
ditinstitut vor der Aufgabe, die Höhe des Risikos möglichst vollständig zu erfassen und -
bei Nutzung der Chancen - durch risikopolitische Maßnahmen zu steuern.
Ziel dieser Arbeit ist zunächst die Entwicklung eines Rechenwerks, das mittels einer An
wendung der Marktzinsmethode die verschiedenen Ausprägungen des Zinsänderungsrisi
kos isoliert und zu einer Erfolgsgröße aggregiert. Besonderes Gewicht liegt dann auf einer
systematischen und detaillierten Anwendung des absatzpolitischen Instrumentariums
(unter Einbeziehung der Kosten) zur Gestaltung der Zinsrisikoposition einer Einzelbank.
Für die Auswahlentscheidung zwischen grundsätzlich gleichgerichteten risikopolitischen
Maßnahmen wird ein Scoring-System mit einer Vielzahl von Kriterien entwickelt und
exemplarisch angewandt.
Die Ausführungen richten sich sowohl an Praktiker in Kreditinstituten als auch an theore
tisch interessierte Leser. Sie geben der Bankleitung Hinweise zur geschäftspolitischen Be
stimmung der angestrebten Zinsrisikoposition und dem Rechnungswesen zur Gestaltung
einer umfassenden, in andere Rechenwerke integrierten Sonderrechnung zum Zinsände
rungsrisiko. Zielgruppe sind ferner die Mitarbeiter, die durch Planung absatzpolitischer
Maßnahmen und Eigengeschäfte die angestrebte Zinsrisikoposition gegen Marktwider
stände realisieren sollen. Der theoretische Aspekt der Untersuchung liegt in der Aggre
gierung der verschiedenen Ausprägungen des Zinsänderungsrisikos zu einer quantifizier
ten Risikogröße unter Berücksichtigung der Unsicherheit.
Das vorliegende Manuskript entstand als Dissertation während meiner Tätigkeit als Wis
senschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Dr. Joachim Süchting an der Ruhr
Universität Bochum. Ich danke meinem geschätzten akademischen Lehrer, Herrn Prof.
Dr. Joachim Süchting, für die Anregung und die Betreuung dieser Arbeit sowie für die
Aufnahme in die Schriftenreihe des Instituts für Kredit-und Finanzwirtschaft, des weite
ren Herrn Prof. Dr. Walther Busse von Colbe für die Übernahme des Koreferats.
Diese Untersuchung profitierte wesentlich von einem Arbeitskreis mit Praktikern aus
Kreditinstituten sowie einer Vielzahl von Gesprächen mit Vertretern aus Banken und
kreditwirtschaftlichen Verbänden, mit denen ich meine Überlegungen konstruktiv disku
tieren konnte und die mich an den Entwicklungen der Praxis teilhaben ließen. Dafür dan
ke ich ihnen. Mein Dank gilt weiterhin den ehemaligen Lehrstuhlkollegen für wertvolle
Hinweise und technische Hilfestellung; besonders hervorheben möchte ich dabei Herrn
Dr. H. J. Hockmann und Herrn Dr. F. M. Keine.
Dortmund, im Februar 1987 MICHAEL BANGERT
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverze i chn i s
Abbi I dungs- und Tabellenverzeichnis
A Problemstellung und Gang der Untersuchung
I. Problemstellung I
I I. Gang der Untersuchung 15
B. Die allgemeine Risikopolitik und ihre Anwendung für bankwirtschaftliche
Fragestellungen 22
I. Risiko und die allgemeine Risikopolitik 22
I. Zum Risikobegriff 22
2. Zum Begriff der Risikopolitik 2fj
I I. Die Anwendung der allgemeinen Risikopolitik auf bankwirtschaftliche
Risiken in der Literatur 33
I. Bisherige Anwendung des Instrumentariums der allgemeinen Risiko-
poli tik für bankbetriebliche Risiken 33
2. Mö g I i cher Beitrag der allgemeinen Risikopolitik zum Management des
Zinsänderungsrisikos 36
C. Beeinflussung der Realisation des Gewinnziels von Kreditinstituten durch
das Zinsänderungsrisiko und seine Berücksichtigung im Rechnungswesen 40
I. Beeinflussung der Realisation des Gewinnziels von Kreditinstituten
durch Zinsänderungsrisiken 40
I. Das Gewinnziel als dominierendes Ziel von Kreditinstituten 40
2. Isolierung der zinsabhängigen Komponenten der Gewinn und Verlust-
rechnung 43
I I. Berücksichtigung des Zinsänderungsrisikos und seiner Erfolgswirkungen
im externen Rechnungswesen 51
I. Die Veränderung des Zinsergebnisses 51
2. Die Veränderung weiterer Positionen von Bilanz und Gewinn und
Ver lustrechnung aufgrund von Marktzinsänderungen 66
a) Die Anderung des Wertansatzes einzelner Vermögensgegenstände
aufgrund von Marktzinsänderungen 66
aI) Niederstwertabschreibungen auf festverzinsliche Wertpapiere 66
a2) Abschreibungen auf Forderungen mit unter dem Marktzins
liegender Verzinsung 69
a3) Passivierung des Barwerts von Zinsmehraufwendungen bei
überverzinsl ichen Verbindlichkeiten 71
b) Die Bildung von Rückstellungen für Zinsänderungsrisiken 73
bI) Rückstellungen für Zinsänderungsrisiken zur Verlustantizipation 73
b2) Rückstellungen für Zinsänderungsrisiken zur Erfolgsglättung 78
I I I. Anforderungen an Sonderrechnungen zum Zinsänderungsrisiko im internen
Rechnungswesen 82
I. Zur Zukunftsbezogenheit der Sonderrechnung und Integration in
gesamtbankbezogene Planungs- und Kontrollsysteme 83
2. Die Vollständigkeit risikorelevanter Geschäfte 86
3. Die Häufigkeit von Kontrollrechnungen 93
IV. Vorschläge für Sonderrechnungen zur Quantifizierung des Zinsänderungs-
risikos in der Literatur 98
I. Die Bewertung von Inkongruenzvolumina eines Kreditinstituts als
Sonderrechnung zum Zinsänderungsrisiko 98
a) Die Höhe der offenen Festzinsposition in der Zinsbindungsbilanz 99
b) Die Höhe kritischer Zinssätze zum Schließen offener Festzins-
positionen 102
c) Der Quotient der Rate Sensitivity-Methode 105
d) Die Höhe der Vorsichtsabschreibungen in der Solvabilitätsbilanz 108
2. Die Bewertung des Gesamtgeschäfts eines Kreditinstituts als Sonder-
rechnung zum Zinsänderungsrisiko 110
a) Die Veränderung des Marktwerts eines Kreditinstituts unter
Anwendung des Duration-Konzepts 110
b) Die Veränderung des Marktwerts eines Kreditinstituts unter
Anwendung des Solvenzkonzepts 116
c) Der Zinsbindungsfristen-Transformationserfolg nach der Markt-
zinsmethode 119
CI) Voraussetzungen für die Anwendbarkeit von Opportunitäts-
kostenansätzen im Zinsgeschäft von Kreditinstituten 120
C2) Darstellung der Marktzinsmethode 125
0:) Die Bewertung risikorelevanter Geschäfte 129
ß) Die Zuordnung von Zinsbindungsfristen zu zinsvariablen
Positionen 154
r) Die Ermittlung des Kundenkonditionenbeitrags 166
<5) Die Ermittlung des Zinsbindungsfristen-Transformations-
erfolgs 187
C3) Die Schwankung des Zinsbindungsfristen-Transformations-
erfolgs als Maß für das Zinsänderungsrisiko 197
3. Zusammenfassende Begründung und Formulierung eines eigenen Vor-
schlags für eine umfassende Sonderrechnung zum Zinsänderungsrisiko 198
a) Zusammenfassende Würdigung der Vorschläge für Sonderrechnungen
zum Zinsänderungsrisiko in der Literatur 198
b) Noch zu integrierende Elemente einer umfassenden Sonderrechnung
zum Zinsänderungsrisiko 198
bl) Einbeziehung von zinsbedingten Erfolgsbeiträgen aus der
Anlage in festverzinslichen Titeln und von zinsbedingten
Rückstellungen 199
b2) Die Aggregierung der Zinsbindungsfristen-Transformations-
erfolge mehrerer künftiger Perioden 208
c) Formulierung eines eigenen Vorschlags 209
D. Risikopolitische Maßnahmen im Rahmen des Managements von Zinsänderungs-
risiken 214
I. Geschäftspolitische Bestimmung eines Rahmens für die Übernahme von
Zinsänderungsrisiken 214
I. Kriterien zur Bestimmung eines Rahmens für die Übernahme von
Zinsänderungsrisiken 214
a) Die Risikoneigung der Entscheidungsträger 214
b) Art und Höhe anderer bankwirtschaftlicher Risiken einschließlich
deren Verbund 217
c) Art und Höhe potentieller Risikoträger 221
d) Beschränkung der Übernahme von Zinsänderungsrisiken durch die
Bankenaufsicht 225
2. Bestimmung eines quantitativen Rahmens für die Übernahme von Zins-
änderungsrisiken 228
3. Vorüberlegungen für den zieladäquaten Einsatz des risikopolitischen
Instrumentariums 240
11. Ursachenbezogene Maßnahmen zur Steuerung des Zinsänderungsrisikos 246
I. Organisatorische Maßnahmen zur Steuerung des Zinsänderungsrisikos
im Rahmen eines umfassenden Controlling-Konzepts 246
a) Aufgaben des Controlling beim Management des Zinsänderungsrisikos 246
b) Aufbau- und ablauforganisatorische Maßnahmen zur Steuerung
des Zinsänderungsrisikos 253
2. Gestaltung eines Systems zur Erfassung des Zinsänderungsrisikos
für eine verbesserte Selbstinformation 258
a) Prognosebildung über das Geschäftsvolumen und seine Struktur
sowie über Zinssätze 258
a!) Prognosebildung über das Geschäftsvolumen und seine Struktur 258
a2) Prognosebildung über Zinsniveau und Zinsstruktur 267
cd Theoretische Konzepte für Zinsprognosen 267
(i) Pragmatische Konzepte für Zinsprognosen 276
b) Zusammenfassung von Geschäftsvolumens-, Geschäftsstruktur- und
Zinsprognosen zu Zinsertragsbilanzen 282
c) Beispielhafte Konkretisierung der Risikogröße für alternative
Szenarien und Interpretation der Simulationsergebnisse 289
3. Maßnahmen zur Verringerung des Schadenspotentials 301
a) Überwälzung des Zinsänderungsrisikos auf Bankkunden durch absatz-
politische Maßnahmen 302
al) Produkt- und sortimentspolitische Maßnahmen 303
cd Überwälzung von Zinsänderungsrisiken durch Kündigungsrechte 303
ß) Entwicklung neuer Produkte und Verfahren zur Überwälzung
des Zinsänderungsrisikos 308
(i.I) Spareinlagen mit Zinsbindung an den Kapitalmarktzins 309
(i2) Neuere Produktvarianten für zinsvariable Kredite 312
r) Gezielte Strukturierung des Sortiments 317
a2) Preispolitische Maßnahmen 320
a) Überwälzung von Zinsänderungsrisiken durch einseitige
Preisanpassungsrechte 321
ß) Preispolitische Strategien zur Beeinflussung der Präferenzen
für eine Vereinbarung fester bzw. variabler Verzinsung 325
r) Besondere Preisstellungsformen 328
a3) Kommunikationspolitische Maßnahmen 330
b) Flexible Geschäftssteuerung durch Boni und Mali sowie Volumina-
vorgaben 331
c) Maßnahmen zur Zerfällung des Zinsänderungsrisikos 334
cr) Innerbetriebliche Risikoteilung nach Sparten, Beträgen
und Fristen 335
C2) Teilung des Zinsänderungsrisikos mit Dritten 338
d) Gestaltung zinsänderungsrelevanter Bestände durch aktive und
passive Eigengeschäfte 341
d!) Koordination und Steuerung der Eigengeschäfte 344
d2) Kassageschäfte am Geld- und Kapitalmarkt 347
d3) Termin- und Pensionsgeschäfte in zinstragenden Titeln 356
d4) Zinsswapgeschäfte 363
d5) Maßnahmen zur Steuerung des Abschreibungsrisikos und
Anlagestrategien für festverzinsliche Titel 372