Table Of ContentHans G. Nutzinger (Hrsg.)
Wirtschaft und Ethik
Hans G. Hutlinger (Hrsg.)
Wirtschaft und Ethik
f[)fl1:\f7 DeutscherUniversitiits Verlag
~ GABLER'VIEWEG'WESTDEUTSCHERVERLAG
ClP-Titelaufnahme der Deutschen Bibliothek
Wirtschaft und Ethik / Hans G. Nutzinger (Hrsg.). -
Wiesbaden : Dt. Univ.-Verl., 1991
(DUV : Sozialwissenschaft)
NE: Nutzinger, Hans G. [Hrsg.]
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Deutscher Universitats-Verlag GmbH, Wiesbaden 1991
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ISBN-13: 978-3-8244-4081-8 e-ISBN-13: 978-3-322-86434-5
DOl: 10.1007/978-3-322-86434-5
INHALT
Vorwort 6
Hans G. Nutzinger
Einleitung: Zum Spannungsfeld von Wirtschaft und Ethik 7
Josef Meran
Ethik und Wirtschaft in philosophischer Sieht 21
Hans G. Ulrich
Die Okonomie Gottes und das menschliche Wirtschaften.
Theologische Zugange zur Wirtschaftsethik 37
Eberhqrd K. Seifert
Okonomie und Ethik in historischer Perspektive 61
Wilhelm Krelle
Positive und negative Ethik 95
Eberhard Stock
Ethik -eine Wissenschaft von positiven oder negativen
Imperativen? Einige Anfragen aus theologischer Sicht 117
Wilhelm Krelle
Erwiderung an Eberhard Stock 125
Josua Werner
Ethische Postulate und wirtschaftspolitische
Gestaltungsmoglichkeiten 129
Georges Enderle
Annaherung an eine Unternehmensethik 145
Otto Walterspiel
Wirtschaftsethische Fragen aus unternehmerischer Sicht (I) 167
Hellmut Steffens
Wirtschaftsethische Fragen aus unternehmerischer Sieht (II) 181
Hermann Sautter
Die internationale Schuldenkrise. Ein Beispiel fUr
die wirtschaftsethische Problematik der internationalen
Nord-Siid-Beziehungen 203
Hans G. Nutzinger .
Zum VerMltnis von Okonomie und Ethik am Beispiel
der Umweltproblematik 227
Klaus Rohrin~
". .. daB em Kamel durch ein Nadelohr gehe ... "
Yom unmoglichen und vom moglichen Leben 245
Autorenverzeichnis 257
VORWORT
Der vorliegende Sammelband gibt die uberarbeiteten Beitrage eines Expertenge
sprachs von Theologen, Philosophen, Okonomen und Wirtschaftspraktikern wie
der, das yom 10. bis 12. Marz 1989 an der Evangelischen Akademie Hofgeismar
stattfand. Ziel der gemeinsamen Uberlegungen sollte es sein, anhand typischer
Problemfelder (Entwicklungslander, soziale Beziehungen in der Produktion, Um
welt) MaBstabe fUr ethisch verantwortliches Handeln zu entwickeln, die einerseits
die besonderen Funktionszusammenhange wirtschaftlichen Handelns respektieren,
sich zum anderen aber auch nicht darauf beschranken, wirtschaftliches Handeln
und die ihnen tatsachlich oder vermeintlich zugrunde liegenden "Sachgesetzlich
keiten" quasi von au8en ethisch zu qualifizieren. Eine derartig externe ethische
Bewertung bleibt namlich -so die zentrale These des Expertengesprachs -in jedem
Faile hOchst unbefriedigend, gleichviel, ob sie als ethische Uberhohung unterstell
ter Funktionsnotwendigkeiten oder als moralisierende Kritik an wirtschaftlichen
Prozessen schlechthin auftritt.
In der angenehmen Atmosphare des Hofgeismarer SchloBchens Schonburg wurde
diese komplexe Thematik von Praktikern und Wissenschaftlern aus unterschiedli
cher fachlicher und auch normativer Sicht heraus fruchtbar diskutiert. Nicht nur
dafur, sondern fUr vielerlei Un~erstutzung bei der Vorbereitung und DurchfUhrung
der Tagung habe ich vor allem dem damaligen Akademiedirektor, Herrn Ober
landeskirchenrat Klaus Rohring (Hofgeismar/Kassel), herzlich zu danken. Wert
volle Hinweise erhieIt ich auch von Herrn Dr. Ernst-Joachim Westerburg (Stellver
tretender HauptgeschaftsfUhrer der Industriec und Handelskammer Kassel) sowie
von Herrn Dr. Eberhard K. Seifert (Hamburger Institut fUr Sozialforschung). Dank
schulde ich auch den Referenten des Expertengesprachs, die groBtenteils innerhalb
kurzer Zeit ihre Beitrage fUr den Druck uberarbeitet haben. Herzlich danken
mochte ich Frau Elke Kalden (Gesamthochschule Kassel), die mich bei der organi
satorischen Durchfiihrung des Publikationsvorhabens in vielfaltiger Weise unter
stutzt und die endgiiltige Druckvorlage fertiggestellt hat. SchlieBlich danke ich dem
Deutschen Universitats-Verlag und insbesondere Herrn Manfred Muller fUr die
rasche VerOffentlichung des Tagungsbandes.
Kassel, im Februar 1991 Hans G. Nutzinger
EINLEITUNG: ZUM SPANNUNGSFELD
VON ETHIK UND WIRTSCHAFT
Hans G. Nutzinger
1. Wirtschaftsethik zwischen Akklamation und moralischer Verdammung
Zumindest in der neueren Gescbichte waren die Beziehungen zwischen Ethik und
Wirtschaft schon immer konflikttriichtig. In der gegenwiirtigen Diskussion scheint
sich, veranlaJ3t durch dramatische aktuelle Entwicklungen, dieser Konflikt noch
zuzuspitzen: Bedrohliche weltweite Riistungsproduktion und Riistungsgeschiifte,
Oberschuldung und wachsendes Elend in der Dritten Welt, die globale Gefiihrdung
unserer natiirlichen Lebensgrundlagen -das sind nur einige der Themen, die be
rechtigten AnlaS zur -leider nicht immer von Sachkenntnis getragenen -Kritik an
unserer Art des Wirtschaftens geben. Eine ethisch begriindete Neuorientierung der
Okonomie wird gefordert, und sie ist auch in der Tat erforderlich. Nun empfinden
Verantwortliche in der Wirtschaft und der Politik oftmals solche ethischen Forde
rungen als von auJ3en an sie herangetragene "Zumutungen", die den komplexen
okonomischen und politischen Erfordernissen hochgradig arbeitsteiliger und welt
weit miteinander verbundener Gesellschaften in keiner Weise gerecht werden
kannen. Zu Recht wird geltend gemacht, daB jede emstzunehmende Kritik
zuniichst einmal die funktionalen Zusammeohiinge des kritisierten Gegenstandes -
bier der Wirtschaft -zur Kenntnis zu nehmen habe. Gewi6 ist dies nicht immer in
ausreichendem Ma6e der Fall. Allerdings entsteht in der Offentlichkeit oftmals -
weit iiber den engeren Kreis der engagierten Kritiker unserer Wirtschaftsweise
hinaus -der Eindruck, daB derartige Verweise auf wirtschaftliche Sachgesetzlich
keiten nicht selten dazu dienen sollen, daB sich die Verantwortlichen in Wirtschaft
und Politik ethischen Fragestellungen giinzlich zu entziehen trachten.
Max Webers (1968, S.17S) polarisierende Gegenuberstellung einer "religiasen" Ge
sinnungsethik und einer handlungs- und folgenbezogenen Verantwortungsethik
erlebt also unter neuem Vorzeichen eine gefiihrliche Renaissance.! Max Webers
Auffassung, es sei "ein abgrundtiefer Gegensatz, ob man unter der gesinnungsetbi-
Vgl. dazu im. vorliegenden Sammelband den Beitrag von Wilhelm KreIIe und die kritische
Reaktion von Eberhard Stock darauf.
schen Maxime handelt -religios geredet: 'Der Christ tut recht und stellt den Erfolg
Gott anheim' -oder unter der verantwortungsetbischen: daB man fiir die (voraus
sehbaren) Folgen seines Handelns aufzukommen hat", wird emeut in polemischer
Absicht bemiiht: Die verantwortlichen Akteure in Wirtschaft und Politik sehen sich
selbst oftmals als die sachbezogenen Verantwortungsethiker und ihre Kritiker als
die wohlmeinenden, aber inkompetenten Gesinnungsethiker. In dieser holzschnitt
artigen Selbstwahmehmung vieler "Macher" steckt zweifellos ein Komchen Wahr
heit. Beschiidigt wird allerdings dieses bequeme Selbstbild dadurch, daB es oftmals
gerade diese "Verantwortlichen" in den Fiihrungsrangen von Wirtschaft und Politik
sind, die, einmal auf ihre individuelle Verantwortung fiir die von ihnen (mit-)
veranlaBten Handlungskonsequenzen angesprochen, sich allzuschnell und allzu
leicht als Gefangene eines sozialen Organismus darstellen, der ihnen ihr Handeln
gleichsam diktiert und praktisch kaum mehr Raum fiir individuelle Verantwortung
laBt. So entpuppen sich manche selbstemannten Verantwortungsethiker im Emst
fall als Akteure eines komplexen wirtschaftlichen und politischen Bezie
hungsgeflechts, die -auf ihr personliches Eintreten fiir die von ihnen verursachten
Folgen bin befragt - gewisserma6en argumentative "Nebelkerzen" werfen in der
Hoffnung, angesichts der komplizierten Interdependenz menschlicher Handlungen,
die keine einfachen kausalen Ursache-Wirkungs-Relationen zuUi6t, lose sich ihre
individuelle Verantwortung in einem (tells selbsterzeugten) diffusen sozialen Ne
bel auf. Von der Pose der Verantwortung fiber die Behauptung der sozialen De
terminiertheit individuellen Verhaltens ist es dann oft nur noch ein kurzer Weg bis
bin zur Zuriickweisung persanlicher Verantwortung.
Derartige Entlastungsversuche mancher Betroffenen scheitem oftmals schon
daran, daB man ihnen durchaus Handlungsspielraume -und damit auch Moglich
keiten der Wahmehmung oder Verfehlung individueller Verantwortlichkeit -
nachweisen kann. Aber selbst wenn und soweit derartige Handlungsspielraume
nicht bestehen, ist damit die ethische Anfrage an das Wirtschaften noch nicht bin
auseliminiert: Sie verlagert sich dann zu einer Frage nach der ethischen Qualitiit
bestehender Wirtschafts-und Gesellschaftsordnungen. Es sind dann nicht mehr die
individuellen Akteure, die man gegebenenfalls an ihren Friichten als "falsche Pro
pheten" erkennen kann (vgl. Matthaus 7,16), sondem die wirtschaftlichen und po
litischen Ordnungen, in denen diese Akteure leben, die man nach ihren erkennba
ren Konsequenzen fiir alle Beteiligten ethisch zu beurteilen hat. Angesichts welt
weit bedriickender Entwicklungen -wir hatten beispieihaft Problembereiche wie
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Riistung, Dritte Welt und Umweltgefahrdung genannt -ist die Notwendigkeit, aber
auch die Verlockung einer ethischen (Ab-)Qualifizierung dieser Ordnungen be
sonders groB.2 Die Notwendigkeit einer ethischen Beurteilung sozialer Ordnungen
ist gerade angesiehts eines komplizierten wechselseitigen Zusammenhangs wirt
schaftlicher Entscheidungen, Handlungen und Konsequenzen, der oftmals keine
eindeutigen Adressaten individueller Verantwortlichkeit zuliiBt, unmittelbar ein
siehtig. Ebenso verstiindlich ist auch die Versuchung gerade fiir den Ethiker oder
den Theologen, skh erst gar nieht auf die Analyse dieser komplexen Interdepen
denzen einzulassen und statt dessen, gestiitzt auf offenkundig unannehmbare Kon
sequenzen dieser okonomischen Prozesse, die gesamte Wirtschafts- und Gesell
schaftsordnung moralisch abzuqualifizieren. Ein derartiges Vorgehen hat aber zu
mindest drei Nachteile:
Der ethisch argumentierende Kritiker wird von den unmittelbaren Akteuren
in der Wirtschaft kaum als Dialogpartner anerkannl, da er ja offenkundig
"nichts von Wirtschaft versteht". Er erscheint dann oftmaIs als der exteme
Kritikaster, der in handlungsentlasteten Situationen und Institutionen -wie
Hochschule oder Kirche -lebt und "gut reden hat".
Das Fehlen einer sachkundigen Analyse fiihrt iiberdies hiiufig dazu, daB eine
falsche Zurechnung unerwiinschter Ergebnisse auf die sie angeblich verursa
chenden Ordnungselemente erfolgt; so werden z.B. weltweite Umweltscha
den oder Oberschuldung in Liindem der Dritten Welt mitunter pauschal "der
Marktwirtschaft" zugeschrieben, obwohl eine eingehendere Analyse zeigt,
daB es oftmals gerade das Fehlen rnarktwirtschaftlicher Steuerungsmecha
nismen war, das zu dem beklagten Zustand beigetragen hat.3
Den Kritikem bestehender Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen gelingt
es aufgrund ihres hiiufig mangelhaften Fachwissens regelmiiBig niehl, die von
ihnen geforderte "andere Wirtschaftsordnung" hinreichend zuverliissig und
priizise zu beschreiben.
Vgl. dazu auch die in dem Beitrag von Hermann Sautter eingangs angeflihrten Beispiele.
3 Vgl. dazu die Ausfiihrungen in den Beitragen von Sautter und Nutzinger.
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Man sieht also, eine ernstzunehmende Wirtschaftsethik muE eine schwierige Grat
wanderung zwischen zwei gleichermaBen bedrohlichen Abgriinden meistern: Auf
der einen Seite muE sie vermeiden, sich nur bestatigend auf vermeintliche oder
tatsachliche Funktionsnotwendigkeiten einzulassen und damit sozusagen die mo
ralische Sauce einzuriihren, in der dem Unternehmer der Gewinn, dem Arbeit
nehmer seine Weihnachtsgratifikation und dem Hungernden in der Dritten Welt
seine Lebensmittelspende eingeriihrt wird. Zum anderen muE sie sich bei ihren
ethischen Bewertungen wirtschaftlicher und politischer Zusammenhiinge immer
wieder an den funktionalen Erfordernissen dieser Bereiche orientieren, ohne daB
sie sich damit auch das Recht zu einer umfassenden ethischen Bewertung beste
hender Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen nehmen laBt. Der Wirtschafts
ethiker muB also, wie der Pilger auf dem schmalen Grat zum Heil, die Gefahr der
ethischen Akklamation bestehender Ordnungen ebenso vermeiden wie die ihrer
moralisierenden Pauschalverdammung.
Die vorangegangenen Oberlegungen lassen sich in zwei zentralen Leitfragen zu
sammenfassen:
1. Inwieweit gibt es einen Bereich "okonomischer Sachgesetzlichkeiten", den die
Ethik zu respektieren hatte, und inwieweit muE auch andererseits die
"Wirtschaft" ethische Forderungen gegen sich gelten lassen, die sie nicht ein
fach unter Hinweis auf wirtschaftliche Funktionszusammenhange von vorn
herein zuriickweisen kann?
2. Wie konnen im Zusammenwirken alier Beteiligten reale Bedingungen ge
schaffen werden, die verantwortliches ethisches Handeln in der wirtschaftli
chen Realitat unserer Zeit ermoglichen, so daB Ethik weder ein bloBer rna
ralischer Appell an individuelles Verhalten noch eine -positive oder negative
-Pauschalbewertung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ordnungen "von
aufien" bleibt?
Die im folgenden wiedergegebenen Beitrage eines Expertengesprachs von Thea
logen, Philosophen, Okonomen und Wirtschaftspraktikern widmen sich diesen bei
den Leitfragen und untersuchen diese auch anwendungsbezogen anhand von drei
Beispielen, niimlich der Frage von Ethik im Unternehmen, am Problem der Ver-
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schuldung vieler Entwieklungsliinder und schlieBlich am Beispiel der globalen
Umweltproblematik.
2. Die Beitrage im einzelnen
2.1 Positionsbestimmungen der Wirtschaftsetbik
Der Band begiont mit zwei grundsatzlichen Beitragen, die das Verhiiltnis von Ethik
und Wirtschaft in philosophischer und in theologischer Sieht beleuchten. Der
Hamburger Philosoph Josef Meran untersucht zunachst die Rolle der Wirtschafts
philosophie als Wirtschaftsethik und als Wissenschaftstheorie der okonomischen
Wissenschaft. Sodann setzt er sieh mit zwei -bewuBt stark stilisierten -Auffassun
gen iiber das Verhaltnis von Moral und Wirtschaft auseinander, namlich zum einen
mit der Vorstellung, daB zwischen wirtschaftlichem und moralischem Handeln
keine Beziehung bestehe, gestiitzt durch eine Form der Wirtschaftsphilosophie, die
ihre Aufgabe darin sieht, die Freisetzung wirtschaftliehen Handelns von morali
scher und religioser Bevormundung ethisch zu rechtfertigen. In diesen Entwiirfen -
fiir sie stehen so beriihmte Namen wie John Locke, Adam Smith und in neuerer
Zeit Friedrich August von Hayek -wird, weno auch mit unterschiedlicher Starke,
die Rolle der wirtschaftlichen Eigengesetzlichkeiten betont. Diesem mehr oder
minder pointiert vertretenen "Rechtfertigungsmodel/" der Wirtschaftsethik steht
seit spiitestens Aristoteles eine Tradition der "moralischen Okonomie" gegeniiber,
die wirtschaftliches Handeln mehr oder minder vollstiindig moralischen Normen
und Handlungsanweisungen unterordnen will.4 In dieser moralischen Tradition
wird eine besondere Sachgesetzlichkeit insbesondere dann in Frage gestellt, wenn
die ihr entspringenden Ergebnisse dem eigentlichen ethischen Ziel des Wirtschaf
tens -niimlich dem sittlich "guten Leben" des Menschen in der Gemeinschaft -wi
dersprechen. Da sich in diesen Gegenentwiirfen das wirtschaftliche Handeln und
die Wirtschaftsordnung moralischen Normen zu beugen hat, spricht Josef Meran in
bewuBter Dberspitzung auch von einem "Unterdrilckungs-Model/" der Wirtschafts
ethik.
Sodano bestimmt Meran die zunehmende Okonomisierung unserer offentlichen
und privaten Lebensbereiche als neuen Ausgangspunkt einer motivationalen Wirt-
4 Vgl. zu dieser "moralischen Tradition" insbesondere den Beitrag von Eberhard K. Seifert im
vorliegenden Sammelband.
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