Table Of ContentWilhelm Biirklin
und Wertewandel
Wăhlerverhalten
Grundwissen Palitik
Herausgegeben van Ulrich van Alemann
und Lea KiBler
Band 3
Wilhelm Biirklin
Wăhlerverhalten
und
Wertewandel
Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 1988
Der Autor:
WIlhelm P. Biirldin, geb. 1949, Studium der Politikwissenschaft und Okonomie
und Promotion an der Universităt Mannheim. Derzeit Akademischer Rat an der
Christian-Albrechts-Universităt zu Kiel.
Arbeitsgebiete: Umfrageforschung, Wahl-und Wertforschung, Parteientheorie
und empirische Demokratietheorie.
CIP-Kurztitelaufnabme der Deutschen Bibliothek
Biirklin, Wilhelm
Wiihlerverhalten und WertewandellWilhelm Biirklin. -
(Grundwissen Politik; Bd. 3)
ISBN 978-3-663-11802-2 ISBN 978-3-663-11801-5 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-663-11801-5
NE:Gr
© 1988 by Springer Fachmedien Wiesbaden
Ursprünglich erschienen bei Leske Verlag + Budrich GmbH, Leverkusen 1988
Vorwort
Mit diesem dritten Band erhălt die neue Schriftenreihe "Grundwissen Poli
tik" ihre "dritte Dimension". War der erste Band iiber Organisierte Interessen
in der Bundesrepublik dem klassischen Bereich der "politics", also den "politi
schen Prozessen" in der Politikanalyse verbunden; fiihrte der zweite Band zur
Sozialpolitik im intemationalen Vergleich in einen zentralen Problembereich
der Politikfeldanalyse, also von "policy" ein; so stellt dieser dritte Band von
Wilhelm Burklin eine Grundvoraussetzung politischer Institutionen in liberal
demokratischen Staaten, das Wăhlen, d.h. eine elementare Dimension des
Staatswesens, der "politiy" vor. Wenn heutige Politikwissenschaft sich um alle
drei Dimensionen, politics, policy und polity, bekiimmem mufi, wie man allge
mein annimmt, so zeigt "Grundwissen Politik" immerhin soviel Systematik,
wie zur Analyse der Gesamtgestalt von "Politik" angebracht scheint. Im iibri
gen wird keine angestrengte streng kategoriale Abfolge von Teilbereichen und
Subdisziplinen der Politik angestrebt. Eine lockere, moglichst vieldimensionale
Abfolge von Beitrăgen zum Grundwissen Politik bleibt das Programm.
Barklins Beitrag zu "Wahlverhalten und Wertwandel" iiberspringt freilich,
wie man es von einem guten Ansatz erhofft, allzu trockene Kategorien und Ty
pologien. Wăhlen wird hier nicht nur als Staatsakt des Volkssouverăns ("po
lity"), sondem als Willensbildung und Politikbeitrag des Individuums im politi
schen Proze13 ("politics") gesehen.
Das Erkenntnisinteresse der empirischen Wahl- und Wertforschung liegt
nicht mehr ausschlie13lich in der klassischen Fragestellung der Wahlforschung
"Wer wăhlt wen, warum und mit welcher Wrrkung?", sondem vedagert sich zu
nehmend auf Fragen nach den Bestimmungsgriinden des Prozesses der politi
schen Willensbildung. Auf welche Weise gelingt es den verschiedenen Akteu
ren in diesem Proze13, Wăhler zu mobilisieren? Welche Faktoren edeichtem,
welche erschweren diese Prozesse? Welcher Stellenwert kommt dabei den poli
tischen Streitfragen, den Kandidaten der Parteien und den traditionellen Bin
dungen an die politischen Parteien zu? Beeinflussen individuelle Wertorientie
rungen politisches Verhalten und damit auch Wahlverhalten unabhangig von
Parteiorientierungen?
Dieser Text wurde wie alle anderen zur Schriftenreihe "Grundwissen Poli
tik" zunachst fiir die Femuniversi1ăt Hagen als Kurs konzipiert. Wir haben im
Studienangebot des Faches Politikwissenschaft die Zusammenarbeit mit Wil
helm Biirklin und das Arbeitsergebnis umso mehr begriiJ3t, als wir immer wie-
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der liberrascht feststellten, wie wenig Auswahl es fur brauchbare Einfuhrungen
und Uberblicke zum Thema Wahlen und Wahlforschung in der Bundesrepublik
gibt. Ist doch gleichzeitig in Politbarometern und Wahlnăchten kaum ein ande
rer Zweig der empirischen Politikwissenschaft so medienprăsent, wie die Wahl
forschung.
Wir freuen uns deshalb mit diesem Buch von Bilrklin keine mehr oder weni
ger trockene Einfuhrung in Methoden der Wahlforschung vorzulegen, sondern
eine "politische" Abhandlung, die das methodische Interesse an der Erklărung
von Wahlverhalten mit dem inhaltlichen Thema des Wertwandels verbindet.
Genau diese Synthese hatten wir gesucht.
Wir haben uns im Fach Politikwissenschaft liber die kooperative Zusammen
arbeit mit dem Verfasser gefreut. Die redaktionelle Bearbeitung hat in den Hăn
den von Jarg Bogumil und Ingeborg MJss gelegen.
Wir sehen der Aufnahme dieses Buches bei der breiteren Leserschaft mit gro
fiem Interesse und einiger Spannung entgegen.
5800 Hagen, Mărz 1988 Ulrich von Alemann
Leo Kiftler
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Vorbemerkung des Autors
Es ist nicht einfach, fiir einen Bereich der Wissenschaft, der in Theorie und
Methoden so weit entwickelt ist, wie die empirische Wahlforschung, eine kom
primierte Einfiihrung zu schreiben. Beim gegenwărtigen Forschungsstand, der
durch eine hoch arbeitsteilige Spezialisierung gekennzeichnet ist, wird die Ge
fahr der Verkiirzung und unzulăssigen Vereinfachung von Forschungsergebnis
sen immer gro6er. Kann mao vor diesem Hintergrund heute noch guten Gewis
sens eine Einfiihrung in die Wahl- und Werteforschung schreiben?
Ich denke, mao kann nicht nur sondem mu6, da mit zunehmender wissen
schaftlicher Spezialisierung auch der Bedarf nach iibergreifender Orientie
rungshilfe und Bestandsaufnahme des immer differenzierteren Wissens steigt.
Da seit der Veroffent1ichung der letzten vergleichbaren Studie zum Thema fast
ein Jahrzehnt vergaogen ist, fiihlt sich die vorliegende Einfiihrung in erster Li
nie diesem ZieI verpflichtet.
Dariiberhinaus wurde versucht, in der Behaodlung des Themas neue Akzente
zu setzen: Zum ersten sollte keine weitere enumerative Aneinaoderreihung von
Theorien vorgelegt werden, sondem eine Darstellung, die auf den engen Zu
sammenhaog zwischen Forschungsmethoden und den resultierenden Theorien
binweist. Diese Erkenntnis ist nicht trivial, sondem eroffnet das Verstăndnis da
fiir, da6 die verscbiedenen "Schulen" der empirischen Wahlforschung diesel
ben Probleme in so unterscbiedlicher Weise aogepackt haben. Auf diese Paral
lelităten wird im Text ausfiihrlich hingewiesen.
Zum zweiten wurden bewu6t nicht nur verallgemeinerte Theorien vorgestellt,
sondem auch die kookreten Instrumente, mit denen diese Ergebnisse gewonnen
werden. Anla6 dafiir war meine Erfahrung in der akademischen Lehre, da6 der
erste Schritt zu Kritik und selbstbewu6ter Weiterentwicklung der theoretischen
Erklărungsansătze in der Diskussion der Operationalisierungen und kookreten
Me6instrumente liegt. Zu dieser Kookretisierung gehOrt auch die tabellarische
Darstellung der neueren empirischen Verteilungen des Wahlverhaltens und der
Wertetypen fiir die Bundesrepublik.
Zum dritten habe ich den Versuch untemommen, einen neuen und konzep
tuell bisher noch nicht eindeutig zugeordneten Bereich der empirischen Wahl
forschung - die Wertforschung - in den Kontext der Theorien des Wăhlerver
haltens zu stellen. Fiir diesen Forschungsbereich gibt es eine Reihe von altema
tiven, bisher nicht abschlie6end bestătigten Erklărungsaosătzen. Wenn diese
Theorien trotz ihres vorlăufigen Charakters bier vorgestellt werden, dann mit
dem ZieI, die Diskussion auf diesem Gebiet voranzubringen.
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Ich dank:e allen, die durch Kritik und Anregungen zur Entstehung dieser Ar
beit beigetragen haben. Fur die erste Fassung dieser Studie, die, von Ulrich von
Alemann angeregt, als Kurs der Femuniversitiit Hagen konzipiert wurde, haben
mir Herr Bogumil und Frau Voss wertvolle Verbesserungsvorschlăge gemacht.
Besonderen Dank mochte ich den Kollegen abstatten, die sich der Muhe unter
zogen haben, eine friihere Fassung dieser Arbeit ganz oder teilweise zu lesen
und zu kommentieren: Sabine Lessmann (Universitiit Mannheim), Pavel Uttitz
(Universitiit Koln), Franz Urban Pappi, Wemer Kaltefleiter (beide Universitiit
Kiel) und - besonders griindlich - Jiirgen Falter (Freie Universitiit Berlin). Es
versteht sich von selbst, daJ3 die Verantwortung fiir alle nicht genutzten Verbes
serungsmoglichkeiten allein bei mir liegt.
Von allen Unterstiitzungen die umfassendste war schlie6lich die meiner Le
bensgefahrtin Wilma Fehl; sie reichte von der inhaltlichen und stilistischen Kri
tik bis zum gro6zugigen Verstăndnis dafiir, daJ3 ich zahlreiche Wochenenden
und Feiertage am Schreibtisch verbrachte, um die Arbeit in ihre jetzige Fassung
zu bringen. Wilmas Hilfe mochte ich nicht missen; ihr sei dieses Buch ge
widmet.
Kiel, im Mai 1988 Wilhelm Burklin
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Inhaltsverzeichnis
Vorwort ............................................................................ . 5
Vorbemerkung des Autors ...................................................... . 7
1 Wahlen und politisches System ....................................... . 11
1.1 Aufgaben und Ziele der Wahlforschung ............................... . 11
1.2 Wahlen im Kontext politischer Willensbildung und Partizipation .. 15
2 Theorien und Konzepte der empirischen Wahlforschung ....... . 17
2.1 Wissenschaftstheoretische Grundlagen der Wahlforschung ........ . 17
2.2 Ansatze zu einer Theorie des Wahlverhaltens: Vom rationalen Wăh-
ler bis zur Cleavage-Theorie ............................................ . 20
3 Formen und Methoden der Wahlforschung ........................ . 27
3.1 Die Wahlgeographie ...................................................... . 27
3.2 Die statistische Aggregatdatenanalyse ................................. . 29
3.2.1 Anwendungsbereiche der Aggregatdatenanalyse ..................... . 33
3.2.2 Probleme der Aggregatdatenanalyse ................................... . 37
3.3 Wahlkamptbeobachtung .................................................. . 43
3.4 Individualdatenanalyse und Umfrageforschung ...................... . 46
4 Methoden, theoretische Fragestellungen und Konzepte der frii-
hen Umfragestudien .................................................... . 49
4.1 "The People's Choice" von lAzarsfeld u.a. . ......................... . 50
4.2 "Voting" von Berelson u.a. . ............................................ . 52
4.3 "The Voter Decides" und "The American Voter" von Campbell u.a.
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4.4 Wechselbeziehungen zwischen Parteiidentifikation, Kandidaten und
Sachfragen ................................................................. . 55
4.5 Nicht-rekursive Re-Formulierungen des sozialpsychologischen Ba-
sismodells .................................................................. . 58
5 Theoretische Konzepte der empirischen Wahlforschung in der
Bundesrepublik .......................................................... . 61
5.1 Probleme der Operationalisierung von Parteiidentifikation ........ . 62
5.2 Die Normalwahlanalyse - Wechselbeziehungen zwischen Partei-
identifikation, Kandidaten und Sachfragen ........................... . 66
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