Table Of ContentFolkert Schmidt
Wachstum technologieorientierter Jungunternehmen
GABLER EDITION WISSENSCHAFT
Forum produktionswirtschaftliche Forschung
Herausgegeben von Professor Dr. Klaus Bellmann und
Professor Dr. Wolfgang Kersten
Neue Fertigungs- und Informationstechnologien sowie die zuneh-
mende Dienstleistungsorientierung führen zu tiefgreifenden Änderun-
gen in Produktion und Logistik. Die traditionell stark produktionswirt-
schaftliche Ausrichtung von Industrieunternehmen verliert sich; infle-
xible Strukturen und Prozesse sowie deren Steuerungskonzeptionen
stehen dadurch zur Disposition. Nur funktionsübergreifende sowie
interdisziplinäre Denkansätze und Methoden können den vielfältigen
Problemstellungen gerecht werden. Die Schriftenreihe präsentiert
theoretische und anwendungsorientierte Forschungserkenntnisse
auf den Gebieten des Produktions- und Logistikmanagements und
stellt diese in Wissenschaft und Praxis zur Diskussion.
Folkert Schmidt
Wachstum
technologieorientierter
Jungunternehmen
Erfolgswirksame Gestaltung durch
gezieltes Ressourcenmanagement
Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Klaus Bellmann
GABLER EDITION WISSENSCHAFT
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Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
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Dissertation Universität Mainz, 2008
1. Auflage 2008
Alle Rechte vorbehalten
© Gabler | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008
Lektorat: Frauke Schindler/ Anita Wilke
Gabler ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Science+Business Media.
www.gabler.de
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wären und daher von jedermann benutzt werden dürften.
Umschlaggestaltung: Regine Zimmer, Dipl.-Designerin, Frankfurt/Main
Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier
Printed in Germany
ISBN 978-3-8349-1303-6
Geleitwort
Aufgrund ihrer Innovativität werden technologieorientierten Jungunternehmen einer-
seits außergewöhnliche Entwicklungschancen zugesprochen, andererseits stehen diese
im Wachstumsverlauf jedoch vor äußerst komplexen Herausforderungen. Denn empi-
rische Befunde sowie Erfahrungen von Gründern und Unternehmensgründungen för-
dernden Persönlichkeiten und Institutionen belegen, dass das Wachstum von techno-
logieorientierten Jungunternehmen grundsätzlich unterschiedlich zu der Entwicklung
von herkömmlichen kleinen und mittleren Unternehmen verläuft. Vollzieht sich die
Entwicklung bei den letztgenannten Unternehmen allmählich und organisch über einen
längeren Zeitraum, häufig in der Art von Familienunternehmen und in regionalen oder
allenfalls nationalen Märkten agierend, so verläuft die Entwicklung von technologie-
orientierten Jungunternehmen im Vergleich dazu sprunghaft, quasi im Zeitraffer, und
in verwandelter Ziel-, Strategie- und Managementorientierung.
Aufgrund einer hohen Innovations- und Fortschrittsrate sowie globaler Konkurrenz in
hochtechnologischen Feldern sind technologieorientierte Jungunternehmen gezwun-
gen, möglichst rasch Unternehmenswert zu schaffen. Managementpraktiken, die allein
auf Unternehmensgewinn und -rendite abzielen, reichen hierfür nicht aus. Wie empiri-
sche Befunde belegen, ist vorwiegend kontinuierliches Umsatzwachstum ein Erfolgs-
faktor für nachhaltiges Wertwachstum. Nur aus dieser Position der Stärke heraus
lassen sich Geschäftsfelder entwickeln und besetzen, um die Finanzkraft zu sichern,
aus der Innovation und Expansion zu realisieren sind.
Empirische Einzelbefunde lassen erkennen, dass Wachstum und Expansion von tech-
nologieorientierten Jungunternehmen sich schubweise in mehreren aufeinander fol-
genden Entwicklungsphasen vollziehen, in denen jeweils verschiedenartige Aufgaben-
und Problemstellungen dominieren. Jede Phase beginnt mit progressivem Wachstum,
das sich nachfolgend verstetigt, schließlich stabilisiert und nahezu zwangsläufig in
einem Organisations- und Managementgau endet, wenn es nicht gelingt, rechtzeitig die
betriebswirtschaftlich-organisatorischen Weichen für die nachfolgende Evolutionspha-
se zu stellen.
In jeder Entwicklungsphase ist es deshalb die Aufgabe der Unternehmensleitung, neue
Organisations- und Managementpraktiken zu entwickeln und bislang bewährte auf-
zugeben, um zur nachfolgenden Expansionsphase überzuleiten und die Evolution in
dieser Phasenfolge zu sichern. In diesem Konnex wird häufig missachtet, dass gerade
diejenigen Praktiken, die für eine Entwicklungsphase richtungweisend und erfolggene-
rierend sind, in der nachfolgenden Phase zu existenzbedrohenden Verhaltensweisen
mutieren können.
Vor diesem Hintergrund und dem Faktum, dass in der deutsch- und auch in der eng-
lischsprachigen Fachliteratur nur sehr wenige empirische Erkenntnisse über den Ab-
lauf und die Eigenheiten von sprunghaften Wachstums- und Expansionsprozessen von
VI Geleitwort
technologierorientierten Jungunternehmen vorliegen, geht Folkert Schmidt der Frage
nach, wie Gründer dieser Unternehmen Krisen im Wachstumsprozess vermeiden kön-
nen, um den Unternehmensaufbau nachhaltig erfolgreich zu gestalten. Mit diesem Un-
tersuchungsziel sind sowohl wissenschaftliche als auch praxeologische Zielsetzungen
verbunden:
Auf theoretischer Grundlage entwickelt Folkert Schmidt ein Frühaufklärungsmodell,
das er mittels einer umfassenden, hypothesengeleiteten empirischen Untersuchung de-
tailliert fundiert. Es ist ihm gelungen, die zahlreichen Erkenntnisse der Untersuchung
über rund 160 Erfolgsfaktoren übersichtlich zu strukturieren und in ihrem Wirkungs-
geflecht verständlich und nachvollziehbar darzustellen. Neben dem wissenschaftlichen
Wert hat die Arbeit für potentielle Gründer von technologierorientierten Jungunter-
nehmen auch einen praktischen Nutzen, indem kritische Transformationsprozesse im
Wachstumsverlauf aufgedeckt und analysiert werden. Mit der sog. Translation-Unit
konkretisiert Folkert Schmidt auf der Grundlage der empirischen Ergebnisse letztlich
ein Konzept zur krisenpräventiven Unterstützung von Universitäts-Spin-Offs in der
Vorgründungsphase.
Klaus Bellmann
Vorwort
„Von den Erfahrungen anderer zu lernen ist immer gut. Man muss
nicht alle Fehler erst selber machen.“ (Zitat eines Gründers)
Ausgangspunkt für die vorliegende Untersuchung war die Beobachtung, dass es immer
wieder erfolgreiche, zunächst sehr schnell wachsende neu gegründete Technologie-
unternehmen gibt, die dann jedoch in große Turbulenzen geraten und teilweise schließ-
lich Insolvenz anmelden müssen. Im Gespräch mit den Gründern solcher Unternehmen
zeigte sich, dass das scheinbar solide Wachstum häufig in vielerlei Hinsicht auf unsi-
cheren Beinen steht. Es offenbarte sich der Wunsch, konkrete Erfolgsfaktoren für ein-
zelne Wachstumsabschnitte aufgezeigt zu bekommen. Auf diese Weise könnten die
Gründer eine Orientierung erhalten, wann sich die bisherigen Erfolgsfaktoren zu Miss-
erfolgsfaktoren wandeln können. Dies veranlasste schließlich die wissenschaftliche
Untersuchung.
Die Arbeit sollte nicht nur theoretische, sondern auch empirisch begründete Antworten
liefern. Daher lag der Schwerpunkt der Arbeit auf der Befragung von Gründern tech-
nologieorientierter Jungunternehmen. Das gewählte Vorgehen hierbei war zeitintensiv,
aber vor dem Hintergrund der Zielsetzung, die keine standardisierte Befragung erlaub-
te, unerlässlich. Mein ausdrücklicher Dank gilt daher den Gründern, die sich die Zeit
genommen haben, das Forschungsprojekt mit dem vertrauensvollen Einblick in ihr
Unternehmen zu unterstützen, obwohl Zeit eine ihrer knappsten Ressourcen ist. Er-
möglicht wurde die Untersuchung jedoch erst durch die finanzielle Unterstützung der
Stiftung Rheinland-Pfalz für Innovation. So konnten Erkenntnisse gewonnen werden,
die sowohl unmittelbar den Gründern selbst bei der Entwicklung ihres Unternehmens
helfen als auch kooperierenden Personen und Institutionen in ihrem Umfeld Hinweise
für eine erfolgreiche Zusammenarbeit liefern können.
So wie die Gründung und Entwicklung eines Unternehmens erfordert auch der erfolg-
reiche Abschluss einer Promotion neben dem persönlichen Einsatz die Unterstützung
von einer Reihe von Personen, denen ich hiermit ganz herzlich danke. Mein besonde-
rer Dank gilt meinem Doktorvater, Herrn Univ.-Prof. Dr. Klaus Bellmann, der mir die
Chance zur Promotion eröffnete und mich auf diesem Weg immer in konstruktiver
Weise begleitete. Mein Dank gilt auch Herrn Univ.-Prof. Dr. Rolf Bronner, der spon-
tan der Übernahme des Zweitgutachtens zustimmte und den Vorsitz des Prüfungsaus-
schusses übernahm, sowie Herrn Univ.-Prof. Dr. Klaus Breuer, der mir im Rahmen
des Rigorosums die Gelegenheit gab, wirtschaftspädagogische Fragestellungen zu re-
flektieren.
Für wertvolle Diskussionen und Anregungen bin ich auch den Teilnehmerinnen und
Teilnehmern des halbjährlich stattfindenden Doktorandenseminars dankbar. Dies gilt
ebenso für Forscherkollegen von anderen Lehrstühlen und Experten auf dem Gebiet
VIII Vorwort
der Gründungsforschung, die ich unter anderem bei einer Vielzahl von Veranstaltun-
gen kennen gelernt habe. Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die zahlrei-
chen Experten, die ich im Rahmen der jährlich stattfindenden G-Forum-Jahres-
konferenz getroffen habe. Für organisatorische Arbeiten und die Unterstützung als
kreative Gesprächspartner möchte ich auch meinen wissenschaftlichen Hilfskräften
Michelle Knaudt und Frederik Meyer danken.
Die Fertigstellung einer solchen Arbeit ist jedoch nicht ohne private Unterstützung
denkbar. Die Grundlage für den erfolgreichen Verlauf meiner Ausbildung legten mei-
ne Eltern, die mich in meiner persönlichen Entwicklung in vielerlei Hinsicht förderten
und mir durch ihr stetiges Vertrauen in meine Fähigkeiten bestärkenden Rückhalt ga-
ben. Dank schulde ich auch meinen Freunden, die mich auf dem langen Weg begleitet
haben und mich insbesondere in der Abschlussphase der Arbeit, als es auf unermüdli-
ches Engagement und Durchhaltevermögen ankam, unterstützt haben. Sie haben mir
vor allem dabei geholfen, den notwendigen Ausgleich außerhalb der Arbeit zu finden,
obwohl ich mich häufig genug mit Blick auf den Abschluss meines Vorhabens ent-
schuldigen lassen musste.
Dies alles gilt im besonderen Maße für Medea Cecilie Wandelt, die mir gelassen in
einer aufreibenden Lebensphase in vielerlei Hinsicht zur Seite gestanden hat. Sie war
zu jeder Zeit nicht nur seelisch-motivatorische Stütze, sondern auch kritische Diskus-
sionspartnerin und hat damit maßgeblich zum erfolgreichen Abschluss des Promoti-
onsvorhabens beigetragen. Ihr widme ich als Zeichen meiner Dankbarkeit diese
Arbeit.
Folkert Schmidt
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis.........................................................................................XVII
Tabellenverzeichnis..................................................................................................XIX
Abbildungsverzeichnis............................................................................................XXV
1 Einleitung...............................................................................................................1
1.1 Problemstellung.............................................................................................1
1.2 Wissenschaftstheoretische Positionierung....................................................3
1.3 Zielsetzung....................................................................................................5
1.4 Aufbau der Arbeit..........................................................................................6
2 Forschungsobjekt..................................................................................................9
2.1 Volkswirtschaftliche Bedeutung...................................................................9
2.1.1 Vorbemerkung..................................................................................9
2.1.2 Positive Beschäftigungseffekte........................................................9
2.1.3 Organisatorische Innovationsfähigkeit...........................................10
2.1.4 Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit......................11
2.1.5 Zusammenfassung..........................................................................11
2.2 Relevante Forschungsrichtungen................................................................12
2.2.1 Entrepreneurshipforschung............................................................12
2.2.2 Ergänzende Forschungsrichtungen................................................13
3 Definitorische Grundlagen.................................................................................17
3.1 Technologieorientierte Jungunternehmen...................................................17
3.1.1 Gründung........................................................................................17
3.1.1.1 Unternehmungsgründer und Gründungsformen..............17
3.1.1.2 Spin-off-Gründungen.......................................................19
3.1.2 Jungunternehmen...........................................................................20
3.1.3 Technologieorientierung................................................................21
3.1.3.1 Technologie......................................................................21
3.1.3.2 Technologieunternehmen.................................................22
3.1.4 Zusammenfassende Definition.......................................................25
X Inhaltsverzeichnis
3.2 Erfolg und schnelles Unternehmenswachstum...........................................25
3.2.1 Erfolg..............................................................................................25
3.2.2 Unternehmenswachstum................................................................27
3.2.3 Schnelles Unternehmenswachstum................................................28
3.2.4 Zusammenfassende Definition.......................................................29
4 Entwicklung eines Frühaufklärungsmodells....................................................31
4.1 Theorie der Unternehmensentwicklung......................................................31
4.1.1 Vorbemerkung................................................................................31
4.1.2 Statische Erklärungsansätze...........................................................32
4.1.2.1 Personenorientierter Ansatz.............................................32
4.1.2.2 Umfeldbezogene Ansätze.................................................33
4.1.2.3 Ressourcenorientierter Ansatz.........................................34
4.1.3 Dynamischer betriebszentrierter Ansatz........................................36
4.1.4 Zusammenwirken der Erklärungsansätze......................................38
4.2 Theorie der Unternehmenskrise..................................................................39
4.2.1 Diskontinuitäten im Unternehmenswachstum...............................39
4.2.2 Unternehmenskrisen als Prozess....................................................41
4.2.3 Zusammenfassung..........................................................................42
4.3 Ressourcenorientierte Frühaufklärung........................................................43
4.3.1 Frühwarnung, -erkennung und -aufklärung...................................43
4.3.2 Kritische Transformationsprozesse................................................45
4.3.3 Entscheidungsbereiche...................................................................48
4.3.4 Ressourcenorientiertes Frühaufklärungsmodell.............................49
5 Forschungsfragen und Hypothesenentwicklung..............................................51
5.1 Forschungsfragen zur Unternehmensentwicklung......................................51
5.1.1 Phasen des Wachstums...................................................................51
5.1.2 Typisierung der Entwicklung.........................................................53
5.1.3 Einflussfaktoren auf die Entwicklung............................................55
5.1.3.1 Wachstumsorientierung und Basisressourcen..................55
5.1.3.2 Strategie der Ressourcengewinnung................................56
5.1.3.3 Zusammenfassung............................................................58