Table Of ContentRene Konig . Schriften
Rene Konig· Schriften . Ausgabe letzter Hand
Herausgegeben von
Heine von Alemann
Hans Joachim Hummell
o
liver Konig
Hans Peter Thurn
Band 2
Rene Konig
Vom Wesen
cler cleutschen U niversitat
~euherausgegeben
und mit einem ~ achwort versehen von
Hans Peter Thurn
Leske + Budrich, Opladen 2000
Meinen Lehrern
an der Universitat Berlin
und den Fr eunden
meiner Studierzeit
Frontispiz: Rene Konig, 1963 an der Universitat Koln (Foto: Privatbesitz der
Familie Konig)
Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme
Ein Titeldatensatz fur diese Publikation ist bei
Der Deutschen Bibliothek erhaltlich.
ISBN 978-3-322-89974-3 ISBN 978-3-322-80866-0 (eBook)
DOl 10.1 007/978-3-322-80866-0
Gedruckt auf saure-und chlorfreiem, alterungsbestandigem Papier
Das Werk einschliemich ailer seiner Teile ist urheberrechtlich geschiitzt. Jede Ver
wertung atillerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zu
stimmung des Verlages unzulassig und strafbar. Das gilt insbesondere fur Verviel
faltigungen, Dbersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Ver
arbeitung in elektronischen Systemen.
© 2000 by Leske + Budrich, Opladen
Softcover reprint of the hardcover 1st edition 2000
Satz: Leske + Budrich, Opladen
Inhalt
Warum ich dies Buch schrieb.
Ein Vorwort zum Neudruck 1970............................................... 9
Zum Geleit .................................................................................. 15
Erstes Buch
Der Kampf urn Aufhebung oder Reform der
Universitaten ............................. ......................... .................. ..... 19
Erstes Kapitel
Die Aufhebungstendenzen........................................................... 21
Der Berufsbildungsgedanke seit der Mitte des 17. Jahrhunderts ......... 21
1. Der biirgerliche Utilitarismus .................................................. 21
2. Die pietistischen Stromungen................................................... 23
3. Einfliisse des Staates ................................................................. 24
4. Das Ideal der gelehrten Bildung................................................ 26
Der Kampf gegen die Universitaten seit 1760.................................. 28
Der Obergang zum Reformgedanken {Die Berliner
Mittwochsgesellschaft)............... ....... ...................... ...... .......... ..... .... 34
Z weites Kapitel
Auf dem Wege zur Reform................ .................................... ...... 39
Das neue Bildungsideal an den deutschen Universitaten seit der
Mitte des 18. Jahrhunderts .... .................... .............................. ........ 39
1. Die Bedeutung der Mathematik ............................................... 39
2. Die Bedeutung der alten Sprachen.................... ................ ........ 40
3. Die Bedeutung der deutschen Sprache...................................... 41
4. Die Universitat Gottingen ....................................................... 42
Die ersten Widerstande gegen die Aufhebungsbestrebungen .............. 44
Exkurs uber das Verhaltnis von Gymnasium und Universitat.. ....... 53
6 Inhalt
Drittes Kapite1
Der erste Reformversuch durch Julius von Massow .. ...... ............ 61
Staat und Bildungsorganisation...................................................... 61
J von Massows Organisationsplan...... ............................................ 63
Anhang: Der Plan einer Universitatsneugrundung zu Berlin ........... 68
Zweites Buch
Die Universitat im System der freien Selbsttatigkeit
(Fichte) ........................................................................................ 79
Erstes Kapitel
Die Entfaltung der neuen Philosophie und der Gedanke
der Reform................................................................................... 81
Von Kant zu Fichte ....................................................................... 81
Die Philosophie Fichtes und der Gedanke der Reform...................... 84
Fichtes erste Reformversuche {Das Erlanger Universitatsprogramm}. 88
Z weites Kapitel
Fichtes Berliner Universitatsplan ................................................. 95
Vorbegriff der Universitat ............................................................. 96
Das Wesen des Gelehrten ............................................................... 98
Schopferisches Lehren ..................................................................... 100
Schopferisches Lernen ..................................................................... 107
Die Einheit des Wissens .................................................................. 113
Die entfaltete Idee der deutschen Universitat............ ....................... 119
Drittes Kapitel
Die neue Problematik .................................................................. 121
Wissenschaftsbildung und Sittlichkeit ................. ....... ..................... 122
Wissenschaftsbildung und Praxis ........... ......................................... 126
Wissenschaftsbildung und Staat ...................................................... 131
Drittes Buch
Wissenschaftsbildung und Staat
Die Tragodie der deutschen Universitat ................................... 149
Erstes Kapitel
Die Grundlagen zur Losung des Problems von
Wissenschaftsbildung und Staat bei Schelling ............................... 151
Schellings philosophische Entwicklung ............................................ 155
Schellings Idealbild der deutschen Universitat ................................. 160
Der absolute Begriff des Staates. Staat und Wissenschaftsbildung ..... 171
Inhalt 7
Z weites Kapitel
Wilhelm von Humboldts Reform des hoheren
Bildungswesens und ihre innere Unvollkommenheit. .................. 181
Wilhelm von Humboldt und der deutsche Idealismus ...................... 182
Wilhelm von Humboldts Universitatsideal..................................... 185
Die Grundung der Universitat Berlin ............................................ 192
Die ungelosten Probleme ................................................................ 200
Drittes Kapitel
Die unvollkommenen Verhaltnisse von
Wissenschaftsbildung und Staat und das verfehlte Ziel ................ 215
Das Verhaltnis der Beziehungslosigkeit (Schleiermacher) .................. 216
Das Verhaltnis der uberspannten Einheit (Henrik Steffens) .............. 225
Das verfehlte Ziel (Hegel) ............................................................... 230
Zum Beschluss ............................................................................. 237
Editorische Notiz ......................................................................... 241
Nachwort von Hans Peter Thurn ................................................ 243
Personenregister ........................................................................... 271
Warum ich dies Buch schrieb
Ein Vorwort zum Neudruck 1970
Es fallt mir nicht schwer zu beschreiben, welches meine Motive wa
ren, a1s ich das vorliegende Buch im Jahre 1934 schrieb, also vor ge
nau 35 Jahren. Die Situation auf dem Gebiet der Universitatsreform
war dama1s nam1ich genauso verworren wie heute. Und ich schrieb
dieses Buch, urn den Mitrednern an diesem allgemeinen Dialog fo1-
gendes vor Augen zu fiihren: Wenn ihr eine Universitatsreform
wirk1ich durchfiihren wollt, dann bitte nicht unter dem Niveau, das
in diesem Band beschrieben ist.
Dementsprechend sind also meine Ausfiihrungen nicht wort1ich
zu nehmen, wie es damals viele Kritiker taten, speziell natiirlich die
Nationa1sozialisten wie Alfred Baeum1er, Ernst Krieck und eine Rei
he anderer. Diese Kritiker hatten im iibrigen an meinen dama1s be
reits vorliegenden Schriften erkennen konnen, daB ich niemals An
gehoriger einer idealistischen Schule gewesen war, sondern meiner
ganzen geistigen Herkunft nach aus dem franzosischen Positivismus
kommej aber es war woh1leichter fiir sie, so zu arbeiten, wie sie es
taten, indem sie mir etwa vorwarfen, ich hatte wohl ein Privatte1efon
zum Absoluten. Nun, ein solches Telefon besaB ich zweifellos nicht,
wohl aber glaube ich, in meinem ganzen Leben Qualitatsgefiih1 ge
habt zu haben: und die Konsequenz, mit der sich im Rahmen des
deutschen Idealismus die Humboldtsche Universitatsreform anbahn
te, war so einzigartig iiberzeugend, daB ich es fUr das beste Modell
hielt, das man der Gegenwart vor Augen halten konnte, nicht urn ihr
eine inhaltliche Orientierung zu geben, wohl aber eine allgemein
formale.
1m iibrigen wurde meine Absicht auch von meinen Lehrern an der
Universitat Berlin miBverstanden, insbesondere von Eduard Spran
ger, der in iiblicher Entscheidungs10sigkeit davon abriickte und mir
eines T ages auf der StraBe sagte, als ich ihn nach seinem Eindruck
fragte: "Davon will ich nichts wissen, davon will ich nichts wissen."
Das war die Einstellung der deutschen Konservativen, die zu feige
waren, ihre eigenen An1iegen zu verteidigen. 1m gleichen J ahr schrieb
mir Werner Sombart einen Brief, den ich heute noch besitze, in dem
er meine Position a1s ein gutes Korrektiv gegen die B1ut-und-Boden-
10 Warum ich dies Buch schrieb
Metaphysik des Nationalsozialismus ansprach; aber er selber verof
fentlichte gleichzeitig sein Buch iiber den "deutschen Sozialismus", in
dem er mit aller Brutalitat antisemitische Lehren vortrug. Der Zedall
des deutschen Biirgerturns war damals in der Tat total; die innerliche
Halt10sigkeit des deutschen Biirgerturns heute ist nur ein spater Wi
derschein der damaligen Situation, ohne daB neue Momente sichtbar
geworden waren. Die einzigen meiner Lehrer, die sich zu mir be
kannten, sollen hier auch genannt werden: es war allen voran Max
Dessoir, der, obwohl schwer gefahrdet, niemals zogerte, seine Mei
nung klar herauszusagen; und es war Richard Thurnwald, den das
neue System und seine Nachlaufer anekelten.
Es gab dann einige weitere U nklarheiten urn mein Buch: es hatte
namlich in der Tat in einem Seminar von Eduard Spranger begonnen,
in dem wir iiber Universitatsreform diskutierten und ich die Stimme
des Positivismus vertrat, urn die damalige Universitat Berlin an einer
volligen inneren Politisierung zu hindern, an der sie zugrunde gehen
muBte. Diese Einstellung klingt nach im Vorwort dieses Buches. Ich
kam damals mit Eduard Spranger hart aneinander, der mit seinen neo
hurnanistischen Tendenzen die Position Max Webers auf diesem Ge
biet aufzuweichen versuchte, wahrend ich ihn vor allen diesen Versu
chen warnte. Er verstand das nicht nur nicht, sondern nahm spater mir
gegeniiber die oben geschilderte zweideutige Stellung ein, nachdem er
sich recht tantenhaft bei meinem Lehrer Max Dessoir iiber meine Op
position beschwert hatte! Seine Stellung mir gegeniiber anderte sich
erst, als plotzlich das Gerlicht auftauchte, das Buch stamme in der Tat
von ihm selber, und ich hatte nur meinen Namen dazu hergegeben,
urn ihn zu schiitzen. Dieses glaubte eine Zeitlang iibrigens sogar Alfred
Baeumler, wie ich mit einigen franzosischen Kollegen bei einem klei
nen Empfang im franzosischen Institut in Berlin feststellte, an dem au
Ber dem Direktor, meinem Freund Henri Jourdan, noch eine Reihe
junger franzosischer Philosophen teilnahmen, die als Staatsstipendiaten
in Berlin weilten. Baeumler versuchte, mich zu einer Erklarung zu
bringen, daB Eduard Spranger der Autor meines Buches sei. Ich konnte
ihn allerdings davon iiberzeugen, daB das nicht der Fall war. Merk
wiirdigerweise hatte das zur Folge, daB sich plotzlich sowohl Eduard
Spranger als auch Alfred Baeurnler wieder fUr mich interessierten. Die
Zuneigung des letzteren kam mir vor wie das Lacheln eines Lowen,
der eine Maus verschlingt; und das Interesse des anderen erwiderte ich
recht negativ, da ich ihn mittlerweile verachten gelernt hatte. Kurze
Zeit darauf wurde mein Buch verboten, nachdem eine groBe Bespre
chung in der Deutschen Allgemeinen Zeitung von Bruno E. Werner
(am 6. und 11. Januar 1935) die allgemeine Aufmerksamkeit darauf ge-