Table Of ContentMartin Koch
Verselbständigungsprozesse internationaler Organisationen
Martin Koch
Verselbständigungs-
prozesse
internationaler
Organisationen
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1.Auflage 2008
Alle Rechte vorbehalten
© VSVerlag für Sozialwissenschaften | GWVFachverlage GmbH,Wiesbaden 2008
Lektorat:Katrin Emmerich / Sabine Schöller
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Umschlaggestaltung:KünkelLopka Medienentwicklung,Heidelberg
Druck und buchbinderische Verarbeitung:Krips b.v.,Meppel
Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier
Printed in the Netherlands
ISBN 978-3-531-15842-6
Danksagung
Diese Arbeit wäre ohne die institutionelle Einbettung und vor allem ohne die Hilfe und
Unterstützung einiger Menschen nicht entstanden.
Mein Dank gilt der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Institut für Weltgesellschaft
und dem Graduiertenkolleg 844 „Weltgesellschaft – Die Herstellung und Repräsentation
von Globalität“, in dem ich als Stipendiat die Möglichkeit hatte, mich intensiv mit meinem
Thema zu beschäftigen. Ohne die materielle Unterstützung und die thematische Einbettung
in das Programm des Graduiertenkollegs wäre diese Arbeit nicht entstanden. Neben dem
Dank an die Institutionen gilt mein Dank allen Kollegiaten und der Sprecherin des Gradu-
iertenkollegs Prof. Dr. Bettina Heintz. Vor allem die Diskussionen, die Kritik, aber auch die
Ermutigungen haben mir geholfen.
Ich hatte das Glück, fachlich sehr gut betreut und beraten zu werden. In diesem Zusam-
menhang danke ich meinen Betreuern. Prof. Dr. Mathias Albert hat mich während der ge-
samten Zeit betreut und die Arbeit durch wertvolle Anregungen und Hinweise unterstützt.
Prof. Dr. Thomas Diez konnte ich während eines Forschungsaufenthalts als Zweitbetreuer
für die Dissertation gewinnen. Beide waren mir eine wichtige Hilfe bei der Arbeit und ha-
ben mir überdies die Gelegenheit gegeben, Teile meiner Dissertation in Kolloquien zur
Diskussion zu stellen. In diesem Zusammenhang möchte ich auch den Teilnehmern der
Kolloquien in Bielefeld und Birmingham danken.
Herzlich bedanken möchte ich mich bei Alexandra Lindenthal, Dominik Bohl und Jan
Helmig. Sie haben die Arbeit mehrfach gelesen, kommentiert und korrigiert. Insbesondere
in der letzten Phase war mir dies eine große Hilfe. Wichtiger noch als ihre fachliche Unter-
stützung war und ist Ihre Kollegialität und Freundschaft.
Besonderen Dank schulde ich meinen Eltern. Ohne ihre Unterstützung, ihren Zuspruch und
ihre Liebe hätte ich es nicht geschafft. Schlussendlich möchte ich dem Menschen danken,
der in dieser Zeit die meisten Entbehrungen erbracht hat: Ilka Dittmann-Koch. Sie hat mei-
ne Launen mit stoischer Ruhe ertragen und mich ermutigt, wenn ich schon nicht mehr an
mich geglaubt habe. Ich freue mich auf die Zeit, wenn die Arbeit nicht mehr ständiger Be-
gleiter ist.
Martin Koch
Juni 2007
5
Inhaltsverzeichnis
(cid:2)
Abkürzungsverzeichnis.......................................................................................................9
(cid:2)
Tabellen- und Abbildungsverzeichnis..............................................................................11
(cid:2) (cid:2)
1 Einleitung....................................................................................................................13
(cid:2) (cid:2)
2 Internationale Organisationen: Von Instrumenten zu Akteuren..........................27
(cid:2) (cid:2)
2.1 Internationale Organisationen als Forschungsgegenstand...................................28
(cid:2) (cid:2)
2.1.1 Begriffliche Annäherungen...................................................................29
(cid:2) (cid:2)
2.1.2 Historische Perspektive.........................................................................33
(cid:2)
2.2 Internationale Organisationen – Instrumente, Arenen, Akteure und
(cid:2)
Bürokratien.........................................................................................................37
(cid:2) (cid:2)
2.2.1 Instrumente...........................................................................................38
(cid:2) (cid:2)
2.2.2 Arenen...................................................................................................40
(cid:2) (cid:2)
2.2.3 Akteure..................................................................................................42
(cid:2) (cid:2)
2.2.4 Bürokratien...........................................................................................65
(cid:2) (cid:2)
2.3 Kritische Würdigung...........................................................................................72
(cid:2) (cid:2)
3 Das Organisationsverständnis internationaler Organisationen.............................77
(cid:2) (cid:2)
3.1 Zum Organisationsverständnis der Soziologie....................................................78
(cid:2) (cid:2)
3.1.1 Organisationen als rationale Systeme..................................................79
(cid:2) (cid:2)
3.1.2 Organisationen als natürliche Systeme.................................................81
(cid:2) (cid:2)
3.1.3 Organisationen als offene Systeme.......................................................82
(cid:2) (cid:2)
3.1.4 Der Nutzen für die Untersuchung internationaler Organisationen......84
(cid:2) (cid:2)
3.2 Organisationstheoretische Konzepte in den Internationalen Beziehungen.........85
(cid:2) (cid:2)
3.2.1 Das Organisationsverständnis in den Bureaucratic Politics................86
(cid:2) (cid:2)
3.2.2 Das Organisationsverständnis neoinstitutionalistischer Ansätze.........89
(cid:2)
3.2.3 Das Organisationsverständnis des Neofunktionalismus und der
(cid:2)
Global-Governance-Forschung............................................................92
(cid:2) (cid:2)
3.3 Der Beitrag eines offenen Organisationsverständnisses......................................99
(cid:2) (cid:2)
3.3.1 Mitgliedschaft in internationalen Organisationen..............................103
(cid:2) (cid:2)
3.3.2 Die Umwelt internationaler Organisationen......................................105
(cid:2)
3.3.3 Das Verhältnis zwischen internationalen Organisationen und
(cid:2)
ihrer Umwelt.......................................................................................110
(cid:2) (cid:2)
3.4 Zwischenfazit....................................................................................................112
(cid:2) (cid:2)
4 Organisationstheoretische Konzeptualisierungen von Selbständigkeit...............115
(cid:2) (cid:2)
4.1 Selbständigkeit durch Entkopplung..................................................................116
(cid:2) (cid:2)
4.1.1 Erkenntnisinteresse des soziologischen Neo-Institutionalismus.........117
(cid:2) (cid:2)
4.1.2 Der Organisationsbegriff im soziologischen Neo-Institutionalismus.122
(cid:2) (cid:2)
4.1.3 Internationale Organisationen und ihre institutionellen Umwelten...132
7
(cid:2) (cid:2)
4.2 Selbständigkeit als operative Geschlossenheit..................................................143
(cid:2) (cid:2)
4.2.1 Grundzüge der modernen Systemtheorie............................................144
(cid:2) (cid:2)
4.2.2 Organisationen als soziale Systeme....................................................147
(cid:2) (cid:2)
4.2.3 Internationale Organisationen als autopoietische Systeme................156
(cid:2) (cid:2)
4.3 Zwischenfazit....................................................................................................170
(cid:2) (cid:2)
5 Verselbständigungsprozesse am Beispiel der WTO und der ZKR......................175
(cid:2) (cid:2)
5.1 Verselbständigungsprozesse der ZKR..............................................................177
(cid:2) (cid:2)
5.1.1 Die ZKR als internationale Organisation...........................................178
(cid:2) (cid:2)
5.1.2 De-coupling und Selbständigkeit der ZKR..........................................184
(cid:2)
5.2 Verselbständigungsprozesse in der WTO durch das
(cid:2)
Streitbeilegungsverfahren.................................................................................190
(cid:2) (cid:2)
5.2.1 Die WTO als internationale Organisation..........................................191
(cid:2) (cid:2)
5.2.2 Das Streitbeilegungsverfahren............................................................196
(cid:2) (cid:2)
5.2.3 Das Streitbeilegungsverfahren als autopoietische Suborganisation...206
(cid:2) (cid:2)
5.3 Auswertung und theoretische Reflexion...........................................................216
(cid:2) (cid:2)
6 Zusammenfassung und Ausblick............................................................................221
(cid:2) (cid:2)
7 Literatur...................................................................................................................229
8
Abkürzungsverzeichnis
ACP-States Africa, Caribbean, and Pacific States, Afrikanische, Karibische und
Pazifische Staaten
ASEAN Association of Southeast Asian Nations, Vereinigung südostasiatischer
Staaten
bzw. beziehungsweise
d.h. das heißt
DSB Dispute Settlement Body, Streitbeilegungsorgan
DSM Dispute Settlement Mechanism, Streitbeilegungsverfahren
ECOSOC Economic and Social Council, Wirtschafts- und Sozialrats der Verein-
ten Nationen
GATS General Agreement on Trade in Services, Allgemeines Abkommen zum
grenzüberschreitenden Handel mit Dienstleistungen
GATT General Agreement on Tariffs and Trade, Allgemeines Zoll- und Han-
delsabkommen
ggf. gegebenenfalls
i.e. it est
IAEA International Atomic Energy Agency, Internationale Atomenergiebe-
hörde
IAR Internationale Arbeitsgemeinschaft der Rheinschifffahrt
ICC International Criminal Court, Internationaler Strafgerichtshof
IKSR Internationale Kommission zum Schutz des Rheins
ILO International Labour Organization, Internationale Arbeitsorganisation
IMF International Monetary Fund, Internationaler Währungsfonds
INGO International Non-Governmental Organization, Internationale Nicht-
Regierungsorga-nisation
ISO International Organization for Standardization, Internationale Organisa-
tion für Normung
ITO International Trade Organization, Internationale Handelsorganisation
MERCOSUR Mercado Común del Sur, Gemeinsamer Markt des Südens
NAFTA North American Free Trade Agreement, Nordamerikanisches Freihan-
delsabkommen
NATO North Atlantic Treaty Organization, Nordatlantikvertrag-Organisation
NGO Non-Governmental Organization, Nicht-Regierungsorganisation
OECD Organisation for Economic Co-operation and Development, Organisati-
on für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
TPRM Trade Policy Review Mechanism, Handelspolitischer Überwachungs-
mechanismus
TRIPS Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights, Abkommen zum
Schutz geistigen Eigentums
9
UN United Nations, Vereinte Nationen
UN/ECE Economic Commission for Europe, UN-Wirtschaftskommission für
Europa
UNDP United Nations Development Programme, Entwicklungsprogramm der
Vereinten Nationen
UNEP United Nations Environment Programme, Umweltprogramm der Ver-
einten Nationen
UNHCR United Nations High Commissioner for Refugees, Hoher Flüchtlings-
kommissar der Vereinten Nationen, UN-Flüchtlingskommissariat
WTO World Trade Organization, Welthandelsorganisation
z.B. zum Beispiel
ZKR Zentralkommission für die Rheinschifffahrt
10
Tabellen- und Abbildungsverzeichnis
Tabellenverzeichnis
(cid:2)
Tabelle 1: Erklärungsansätze für Veränderungsprozesse internationaler
(cid:2)
Organisationen...............................................................................................96
(cid:2) (cid:2)
Tabelle 2: Reaktionstypen auf institutionalisierte Erwartungen....................................132
(cid:2)
Tabelle 3: Internationale Organisationen in technischen und institutionellen
(cid:2)
Umwelten.....................................................................................................138
Abbildungsverzeichnis
(cid:2) (cid:2)
Abbildung 1: Internationale Organisation-Umwelt-Modell...........................................107
(cid:2) (cid:2)
Abbildung 2: Beteiligung von NGOs an WTO-Ministerkonferenzen...........................141
(cid:2) (cid:2)
Abbildung 3: Neo-institutionalistisches Verständnis internationaler Organisationen...143
(cid:2) (cid:2)
Abbildung 4: Systemtheoretisches Verständnis internationaler Organisationen...........170
(cid:2) (cid:2)
Abbildung 5: Entscheidungsfindung in der ZKR...........................................................181
(cid:2) (cid:2)
Abbildung 6: Ausschüsse der ZKR................................................................................183
(cid:2) (cid:2)
Abbildung 7: Der Aufbau der WTO..............................................................................194
(cid:2) (cid:2)
Abbildung 8: Zusammenarbeit der Organe im Streitbeilegungsverfahren.....................202
(cid:2) (cid:2)
Abbildung 9: Streitfälle in GATT und WTO von 1947 bis 2006..................................205
11
1 Einleitung
„The fact is that it was only at the end of the
Napoleonic wars that the emperors and states-
men began to think and to talk of “some form of
international organisation” instead of war and
offensive alliances as a practical method of con-
structing international society“
(Woolf 1916: 23).
Internationale Organisationen1 sind in der öffentlichen Wahrnehmung so präsent wie selten
zuvor. Gleichzeitig werden sie verstärkt als Forschungsgegenstand (wieder-)entdeckt –
nicht zuletzt, weil ihnen (wieder) ein zunehmendes Maß an Einfluss auf die Gestaltung
zwischenstaatlicher Beziehungen zugesprochen wird.2 Neben dem sprunghaften quantitati-
ven Anstieg internationaler Organisationen seit dem Ende des 2. Weltkriegs (Rochester
1986) und der Beobachtung, dass sich zunehmend staatliche und nicht-staatliche Akteure in
internationalen Organisationen organisieren (Jacobson/Reisinger et al. 1986), lässt sich die
Präsenz internationaler Organisationen vor allem daran ablesen, dass in nahezu allen inter-
nationalen Politikfeldern neben Staaten auch internationale Organisationen aktiv sind und
unterschiedliche Aufgaben übernehmen (Karns/Mingst 2004; Reinhalda 1999; Bar-
nett/Finnemore 2004). Über die reine Koordinationsfunktion an Schnittstellen zwischen
Staaten hinweg ist eine Zunahme und Verdichtung von Aufgaben und Kompetenzen nach-
weisbar, die internationalen Organisationen übertragen werden (Alvarez 2006). Auf diese
Weise wird der Aktionsrahmen internationaler Organisationen ausgebaut, indem diese
beispielsweise als Mittler zwischen streitenden Staaten fungieren, als Informationspool
dienen, Überwachungsmechanismen etablieren (Jacobson 1984) und Sanktionen verhängen
oder legitimieren (Drenzer 2000).
Internationale Organisationen können somit qua ihrer Funktion zu (partiell) selbstän-
digen Akteuren avancieren, die das mitgliedstaatliche Verhalten beeinflussen bzw. eine
überstaatliche Ordnungsebene ausbilden können. Wenngleich es in den Internationalen
Beziehungen3 nicht an empirischen Untersuchungen mangelt, die diesen Befund untermau-
ern (z.B. Martin 2006; Henry/Lingard et al. 2001; Joachim 2004; Krueger 1998b; Reinhal-
da/Verbeek 2001; Vines 1998; Mohr 2005; Armstrong/Lloyd et al. 2004; Peet 2004; Heins
2005), wird dieser Erkenntnis in den Theorien Internationaler Beziehungen bisher kaum
Rechnung getragen. Es bedarf eines theoretisch-konzeptionellen Rahmens, der es erlaubt,
1 Unter internationalen Organisationen werden hier ausschließlich internationale Regierungsorganisationen ver-
standen. Zu einer ausführlicheren Begriffsbestimmung siehe Kapitel 2.1.1.
2 Vor allem in den 1960er Jahren gab es eine sehr intensive Phase theoretischer Diskussionen zu internationalen
Organisationen, die insbesondere in Zusammenhang mit der Europäischen Integrationsforschung stand. Dieses
Interesse ebbte allerdings in den 1970er Jahren zunehmend ab, als der Integrationsprozess ins Stocken geriet
(Bellers/Häckel 1990; Kratochwil/Ruggie 1986).
3 Nachfolgend wird der etablierten Sprachregelung gefolgt, die die Internaitonalen Beziehungen als Teildisziplin
der Politikwissenschaft von den internationalen Beziehungen als empirisch beobachtbare Beziehungen zwischen
politisch abgrenzbaren Gruppen (in erster Linie Staaten, aber auch internationale Organisationen und Nicht-
Regierunsorganisationen etc.) unterscheidet.
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