Table Of ContentRomanistische Abhandlungen
Heinz Nöding
Verlorene Illusionen –
verlorene Erfahrung
Verdinglichung als literarisches Thema
im Jahrhundert Baudelaires
Verlorene Illusionen
verlorene Erfahrung
Romanistische Abhandlungen 1
Heinz N öding
Verlorene Illusionen -
verlorene Erfahrung
Verdinglichung als literarisches
Thema im 1a hrhundert Baudelaires
1. B. Metzlersehe Verlagsbuchhandlung
Stuttgart
Jenny und Marcel gewidmet
CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek
Nöding, Heinz:
Verlorene Illusionen, verlorene Erfahrung :
Verdinglichung als literar. Thema im Jh.
Baudelaires I Heinz Nöding.
Stuttgart :Metzler, 1980.
(Romanistische Abhandlungen; I)
ISBN 978-3-476-00446-8
ISBN 978-3-476-03133-4 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-476-03133-4
© 1980 Springer-Verlag GmbH Deutschland
Ursprünglich erschienen bei J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung
und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH in Stuttgart 1980
Inhalt
Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1. >V erdinglichung< als >kritisches Zauberwort< . 1
2. Warenstruktur und Bewußtsein bei Marx 5
3. Lukacs' Darstellung der Verdinglichung . . . 7
4. Ware als Universalkategorie . . . . . . . . . 10
5. Warenstruktur und Funktionen der literarischen Nachricht 12
I Strukturelle Veränderungen im Gesellschaftsgefüge und
im Bewußtsein der Menschen nach 1789 . . . . . . . 16
1. Beschreibungsstereotyp >Entfesselung der Produktiv-
kräfte< . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
2. >Portionen des Erdballs< als Ware . . . . . . . . . . . 18
3. Bäuerlicher Widerstand gegen die neue Eigentumsform 19
4. Widerstand der Sansculotten gegen die Marktregulierung
der Preise . . . . . . . . . . . . . . . 22
5. Resistente Kleinproduktion . . . . . . 23
6. >Entfaltung< ökonomischer Kategorien 26
7. Code Civil und Verdinglichung. . . 29
II Frühe Kritik der Warenbeziehungen . . . . . . . . . . 41
l. Frühsozialismus, >Mal du siecle< und liberale Illusionen 42
2. Geldbeziehung als Schatten (Picard, Stendhal) 48
3. Die Phantasmagorien Chaberts und Gobsecks . 54
a. Le Colonel Chabert . . . . . . . . . . . . . 57
b. Gobseck 1830/1835 . . . . . . . . . . . . . 64
4. Im Universum verstreute Angstpartikel (Musset) . 73
5. Tocquevilles Blick in die Zukunft Europas . . 75
6. Frühe Darstellungen der entfremdeten Arbeit 78
111 Literatur als Ware (Balzac, Baudelaire) . . . . . . . . 82
l. Aporien des Cenacle . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
2. Lucien Chardon und die Entwicklung der Presse . . . . 88
3. Einschränkungen zur> Weite des Themas< der Illusions
perdues . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
4. Spiegelungen der Presseentwicklung bei Balzac und Baude-
laire . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
5. Innovation und Schablone . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
6. Das Recht, sich zu widersprechen, und die Warenstruktur der
Gedanken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 3
IV Ware und Warenbeziehungen in den Gedichten Baude-
laires . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115
1. Die Vernunft des Systems . . . . . 116
2. Erfahrungsverlust . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121
3. Verdinglichte Zeit und Gedächtnis . . . . . . . . . . . . 126
4. Benjamins Thesen über die Zertrümmerung der Aura und
Gegenthesen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131
5. Schmuck und Leiche . . . . . . . . . . . . . . 137
6. Waren als Rahmen und als Analogie der Frau. 144
7. Thesen zu Baudelaires Ideal . . . . . . . . . . 149
8. Die Venus aus der Dekoration . . . . . . . . . 153
9. Warenästhetisches Schönheitsideal und Reklamebild
(Exkurs) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156
Ausblick: Menschen und Dinge in Zolas Metaphorik . . . 159
1. Animalisierung und Verdinglichung der Menschen. 159
2. Dinge als Dämonen, als Liebes-und Kultobjekte 164
3. Phantasmagorie und Perspektive . . . . . . . . . . 170
Zusammenfassung . . . . . . 179
Zitierweise und Abkürzungen 183
Anmerkungen . . . . 184
Literaturverzeichnis . 207
Autoren-und Werkregister . 212
Sachregister . . . . . . . . . 216
Einleitung
a
Un mot abstrait est comme une boite dou
ble fond; on y met les idees que I'o n desire, et
on lesen retire sans que personne le voie.
(Tocqueville, De Ia Democrarie en Ameri
que)
Verdinglichung, Vorgang, bei dem etwas, das kein Ding ist, wie ein Ding behandelt wird
oder den Menschen als ein Ding erscheint.
So definiert könnte der Begriff, der im Titel dieser Arbeit auftaucht, ins allge
meinsprachliche Lexikon eingehen, ohne daß seine philosophische Verwen
dung beeinträchtigt wäre. Er wäre von dem scheinbar ähnlichen allgemein
sprachlichen Begriff >V ersachlichung< zu trennen, der nicht unmittelbar von
>Sache<, sondern von >sachlich< in der Bedeutung >emotionsfrei< abgeleitet ist
und die Abkehr von emotionsgeladenem, unsachlichem, nicht sachdienlichem
Reden oder Handeln bezeichnet. Als komplementäre Begriffe wären z. B. >Per
sonifikation< oder-weniger gebräuchlich->Subjektivierung< anzugeben: et
was, das keine Person ist, wird als ein Subjekt behandelt, erscheint den Men
schen als Handelndes.
In der philosophischen Verwendung des Begriffs >Verdinglichung< (in der
kritischen Theorie, der Literatursoziologie Goldmanns usw.) ist allerdings über
den Inhalt unserer Kurzdefinition hinaus der Zusammenhang mitgedacht, aus
dem die Phantasmagorie der Dingähnlichkeit von Menschen, menschlichen
Fähigkeiten und immateriellen Gütern entsteht, der Zusammenhang des Wa
rentauschs und des Warenkalküls, dem diese Menschen und Güter unterwor
fen sind.
1. >V erdinglichung< als >kritisches Zauberwort<
Der Begriff> Verdinglichung< ist aber nicht in die Allgemeinsprache übernom
men worden. Gewöhnliche zweisprachige Wörterbücher führen ihn nicht auf,
obwohl sich etwa im Französischen >reification< (in Analogie zu >personnifica
tion<, >deification< usw.) als standardisierte Übersetzung eingebürgert hat. Statt
dessen ist er in einem modischen, pseudophilosophischen Jargon abgeglitten.
Der Begriff ist natürlich handlich: der Verwendung üblicher Wortbildungs
mittel auf der Basis von >verdinglicht< oder> Verdinglichung< sind kaum Gren
zen gesetzt. Es läßt sich sogar ein flektierbares Verb ableiten, das sehr beliebt
ist:
verdinglichen, ich verdingliche, du verdinglichst, er verdinglicht, ich bin verdinglicht, ich
werde verdinglicht ... ; reflexiv: ich habe mich verdinglicht; mit präpositionaler Ergän
zung: etwas verdinglicht sich zu etwas anderem.
Nehmen wir ein willkürliches Beispiel aus dem Literaturfeuilleton der Frank-
2 Einleitung
furter Rundschau. Da heißt es in einem Lebensschwafler und Existenzbeleuchter
überschriebenen Artikel: Bilder, die in einem früheren Roman des kritisierten
Autors (Hermann Kant) noch »ironisch bewegt« gewesen seien, »verdingli
chen sich« in seinem späteren Werk »zum rhetorischen Kraftakt«. [I) Das Wort
ist in diesem Beispiel nur noch eine leere Sprachhülse, ein aufgeblasenes Syn
onym für >werden<. Durch diesen Sprachgebrauch, der in der genannten Sparte
von Kritik derNormalfall ist [2], ist eine Mauer von Ironie entstanden, die man
erst durchbrechen muß, wenn man den Begriff ernsthaft verwenden will.
Dabei gibt es eine ganze Reihe auch von literaturwissenschaftliehen Analy
sen und Essays, in denen der Begriff in dem oben skizzierten Sinn Verwendung
findet. Zu ihnen gehören die Arbeiten Lucien Goldmanns, die in den l960er
und l970er Jahren eine wichtige Diffusionsfunktion für die Verdinglichungs
theorie im Bereich der Literaturwissenschaft gehabt haben. Allerdings ist die
durch Goldmann vermittelte Rezeption-bei allem Respekt vor seinen empiri
schen Untersuchungen-auch einer der Gründe für eine spezifische Färbung,
die der Begriff inzwischen im Zuge seiner Verbreitung häufig angenommen
hat. Seine Theorie der >reification<, die er in vielen methodologisch-theoreti
schen Aufsätzen vorgestellt hat, beruht, wie er selbst hervorhebt, vor allem auf
frühen Schriften von Georg Lukäcs. Goldmann vermischt jedoch Ansätze aus
zwei Phasen der Entwicklung von Lukäcs' Denken, zwischen denen ein be
deutsamer Bruch liegt: Lukäcs' Abkehr von der Geisteswissenschaft der Dil
they-Schule und seine Hinwendung zum Marxismus, sichtbar auch in seiner
Teilnahme an der ungarischen Revolution. Goldmann beruft sich unter
schiedslos auf Lukäcs' Theorie des Romans und auf seinen Essay Geschichte
und Klassenbewußtsein. Obwohl beide Werke über den Bruch hinweg eine ge
wisse entwicklungsgeschichtliche Zusammengehörigkeit erkennen lassen, ge
hen sie doch von verschiedenen Geschiehtsauffassungen aus. Das führt dazu,
daß Goldmann die Verdinglichungstheorie mit Konzeptionen anreichert, die
in Geschichte und Klassenbewußtsein schon überwunden waren, und die Lu
käcs in den älteren Werken (Theorie des Romans, Die Seele und die Formen)
niemals mit dem Begriff der Ve rdinglichung, den er dort noch gar nicht benutzt,
in Zusammenhang gebracht hatte. Mittelbarvon den Zerfallsvorstellungen der
Theorie des Romans ist etwa Goldmanns Theorem vom Untergang der au
thentischen Werte der vorkapitalistischen Gesellschaften beeinflußt. Es rückt
die Verdinglichung in eine fatale Nähe zur transzendentalen Obdachlosigkeit.
Verdinglichung, wie sie in Geschichte und Klassenbewußtsein aufgefaßt ist, hat
damit nichts zu tun. Sie bezeichnet vielmehr die Theorie der Entstehung einer
Phantasmagorie aus den Produktions-und aus den Austauschbeziehungen der
Menschen, eines-wie es Goldmann in Nouveau Roman et Realite[3) selbst for
muliert - illusionären »transfert des fonctions actives des hommes aux ob
jets«.[4) Sie sagt nichts über die frühen Gesellschaftsstadien, außer, daß diese
spezifische Form von Phantasmagorie in ihnen nicht entstehen kann, sie be
deutet keine nostalgische Erinnerung an die frühen Phasen der Gesellschafts
entwicklung. Goldmann schreibt in dem schon zitierten Aufsatz: »Eine Ge-
>Verdinglichung< als >kritisches Zauberwort< 3
samtheit grundlegender Elemente des psychischen Lebens, alles was in den
vorkapitalistischen Gesellschaftsformen durch transindividuelle Gefühle kon
stituiert war (und in den künftigen, wie wir hoffen, sein wird), die Beziehungen
zu den Werten, die überdas Individuum hinausgehen-und das heißt: die Mo
ral, die Ästhetik, die Nächstenliebe und der Glaube-verschwindet aus dem In
dividualbewußtsein in dem täglich an Gewicht und Bedeutung im gesellschaft
lichen Leben wachsenden ökonomischen Sektor und gibt seine Funktionen an
eine neue Eigenschaft der leblosen Objekte ab, an ihren Preis«.[5] In den so
charakterisierten >vorkapitalistischen Gesellschaften< leben die »seligen Zei
ten« fort, die Lukäcs in der Theorie des Romans beschwört, »die Zeiten, für die
der Sternenhimmel die Landkarte der gangbaren und zu gehenden Wege ist
und deren Wege das Licht der Sterne erhellt«. [6]
Goldmanns Übergang vom Zeitalter der »transindividuellen Gefühle« zu
dem des Tauschwerts entspricht dem Übergang in der Theorie des Romansvon
der »abgerundeten Welt« [7] zur »Zerrissenheit«, dem »Stadium der universel
len Sündhaftigkeit«. [8]
Gegen die Vorstellungen, die aus der zitierten Passage sprechen, ist vieles
einzuwenden. Wir heben drei Punkte hervor: Erstens ist darin unterschlagen,
daß zu den zwischenmenschlichen Beziehungen der » vorkapitalistischen Ge
sellschaftsformen« nicht nur-wenn man ihre Idealisierung überhaupt bis zu
diesem Punkt mitvollziehen will-Moral, Ästhetik, Nächstenliebe und Glau
ben gehören, sondern auch Sklavenwirtschaft und Leibeigenschaft, Salzsteuer,
Mahlzwang und Todfall, und daß der brutalen gesellschaftlichen Unterdrük
kung in vielen früheren Stadien sozialer Entwicklung eine mangelnde N aturbe
herrschung entspricht. Und die Sklavenwirtschaft z. B. ist-auch im ökonomi
schen Sinn-eine frühe Form der faktischen Verdinglichung des Menschen.
Zweitens ist es zwar richtig, daß der Warentausch, aus dem das Phänomen der
Verdinglichung hervorgeht, mit Wertvorstellungen der Menschen kollidiert
und sie untergräbt, aber das müssen nicht notwendigerweise Wertvorstellun
gen vorkapitalistischer Gesellschaften sein. Die Produktion transindividueller
Wertvorstellungen ist kein Privileg der Antike und der Feudalzeit Auch das
Bürgertum des 19. und 20. Jahrhunderts und die anderen Gruppen in der von
ihm beherrschten Gesellschaftsformation fügen sich keinem linearen Modell
des bloßen allmählichen Untergangs tradierter Werte. Gerade das nachrevolu
tionäre Bürgertum macht etwa aus der Kindheit einen-wie auch immer prekä
ren -Schutzraum, in dem ökonomieferne, marktfremde Wertvorstellungen stän
dig neu entstehen. Der Heranwachsende wird in der bürgerlichen Sozialisation
nicht völlig an die Marktgesetze angepaßt, wenn sie auch in diesen Bereich hin
einreichen. Was er an marktfremden Vorstellungen aus den-immer gefährde
ten-Schutzzonen in den gesellschaftlich-ökonomischen Bereich mit hinüber
nimmt, wird ihm leicht als weltfremd ausgelegt und scheitert >am Bestehen
den<. Der bürgerliche Entwicklungsroman bezieht einen großen Teil seiner
Spannung eben aus diesem Konflikt. Lukäcs formuliert in seinem Balzac-Buch
zutreffender als Goldmann: Einem »feudale Überreste im Denken und Emp-
4 Einleitung
finden« zerstörenden Roman des 18. Jahrhunderts stehe der Desillusionsro
man des 19. Jahrhunderts gegenüber, der die »höchsten ideologischen Produk
te der bürgerlichen Entwicklung selbst« an der Realität zerschellen läßt. [9]
Drittens taugen >V erdinglichung< und >Folgen der Warenstruktur< nicht für ein
umfassendes Geschichtsmodell. Als gesellschaftskritische Begriffe ersetzen sie
nicht den Begriff der Herrschaft, die Beschreibung realer Abhängigkeiten, Aus
beutung und Unterdrückung, und als erkenntniskritische Begriffe ersetzen sie
nicht den Begriff der Ideologie.
Dagegen ist der Abschnitt über die Verdinglichung in Geschichte und Klas
senbewußtsein[lO] bis heute die wichtigste einführende Darstellung des Phäno
mens geblieben. Lukäcs referiert dort Marx'sche Gedanken aus der Kritik der
Politischen Ökonomie und dem Kapital und entwickelt sie zum Teil in der An
wendung auf Erscheinungen seiner eigenen Zeit weiter. Und obwohl einge
wendet worden ist, daß er Phänomene unter dem Begriff der Verdinglichung
subsumiert hat[ll], die in einer exakten Terminologie geschieden sein sollten,
so muß man doch einräumen, daß Lukäcs' Fassung desBegriffstrotz einiger
Unklarheiten noch nicht »jargonhaft« [12] ist.
Lukäcs verwendet den Begriff> Verdinglichung< für beide Seiten des Prozes
ses, den Goldmann später »transfert des fonctions actives des hommes aux ob
jets« nennt, für das phantasmagorische Dingwerden des Menschen in den ge
sellschaftlichen Produktions-und Tauschbeziehungen und umgekehrt für das
phantasmagorische Leben der Dinge, zwei Vorgänge, von denen einer die
Kehrseite des anderen ist. Er verwendet ihn zusätzlich für einen Typus von Phä
nomenen, die im Unterschied zu den beiden komplementären Phantasmago
rien nichts Scheinhaftes haben, weil sie nicht nur im Bewußtsein der Menschen,
gleichsam als Täuschung des Erkenntnisapparates, existieren. Ulrich Ercken
brecht hat daraufhingewiesen und für diese Erscheinung, z. B. die Bestimmung
von Menschen als Objekt, Instrument, Besitz und die tatsächliche dingähnliche
Verwendung, die sie dadurch erfahren, den Terminus »faktische Verdingli
chung« [1 3] vorgeschlagen.
Erckenbrecht hat in einer ausführlichen Analyse, die sich aufMarx' Gesamt
werk stützt, nachgewiesen, daß dessen Sprachgebrauch genauer ist: Marx
trennt die beiden Vorgänge, und obwohl er den für Verwechslungen anfalligen
Begriff >V ersachlichung< synonym mit >V erdinglichung< benutzt, unterschei
det er diese Versachlichung/Verdinglichung scharfvon dem komplementären
Vorgang der Personifikation. Dadurch bleibt auch der etymologische Sinn, die
linguistische Motivation des Wortes >Verdinglichung< erhalten. Bei Lukäcs
und in der durch ihn geprägten Begriffsgeschichte geht er durch die Ausdeh
nung auf den gesamten Prozeß verloren, der Begriffwird synonym mit> Folgen
der Warenstruktur überhaupt<. Erckenbrecht hat nachgewiesen, daß Lukäcs
ihn darüberhinaus auch verwendet für Phänomene, die »eher Ähnlichkeiten
oder Folgeerscheinungen als Wesensgleichheilen darstellen« - »Zerstücke
lung organischer Einheiten, Zerrissenheit, Eigengesetzlichkeit, Verselbständi
gung, Entseelung, Formalisierung, Unpersönlichkeit, Atomisierung, Quantifi-