Table Of ContentALOIS WALDE
VERGLEICHENDES WÖRTERBUCH
DER
INDOGERMANISCHEN SPRACHEN
HERAUSGEGEBEN UND BEARBEITET
VON
JULIUS POKORNY
II. BAND
BERLIN UND LEIPZIG 1927
WALTER DE GRUYTER & CO.
VORMALS G. J. GÖSCHEN'SCHE VERLAGSHANDLUNG -
J. GUTTENTAG, VERLAGSBUCHHANDLUNG - GEORG
REIMER - KARL J. TRÜBNER - VEIT & COMP.
Unveränderter photomechanischer Nachdruck 1973
ISBN 311004556 7
(g) 1927/73 by Walter de Gruyteräe Co., vormals J. Göschen'sehe Verlagshandlung — J. Guttentag,
Verlagsbuchhandlung — Georg Reimer — Karl J. Trübner — Veit & Comp., Berlin 30
Printed in the Netherlands
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung, sowie der Übersetzung,
vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Photokopie, Mikrofilm oder ein
anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter
Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
p.1)
(pais?): pis- „zerstampfen, zermalmen" (bes. Getreide); zum Sachlichen
vgl. Meringer WS. I 3 ff.
Ai. pinästi „zerreibt, zerstampft" (3. pl. pisdnti = lat. pinsunt), pistd-
„gemahlen", n. „Mehl", pestar- „Zerreiber" (: lat. pistor), av. pisant-
„zerstampfend"; gr. πτίααω (zum Anlaut vgl. ζ. Β. π(τ)όλις u. pel- „Burg")
„stampfe, schrote" (wohl aus πτινσ-ιω; vgl. Brgm. II2 3,279, 381), πύα μα,
πτιαάνη „enthülste Gerste", πτίαις, πτισμός „das Stampfen", περιπίαματα
„ausgepreßte Weintrauben" (diss, aus *περιπτίσματα, Sommer GrLtst. 75f.,
Jacobsohn KZ. 42, 276); lat. pinso, -ere, pinsio, pinso, plso, -äre „zer-
stampfen, zerstoßen" (pis- mit Nasalreduktion aus pins-), pistum, plsuni,
pinsitum; pistor „Kornstampfer; Bäcker", piso „Mörser", pila ds., pilum
„Mörserkeule" (und „Wurfspieß", Kropatschek Jb. d. d. arch. Inst.
23, 79ff.), pistillum „Stämpfel"; umbr. pistu „pistum"; unsicher ahd.
fesa „Hülse des Getreides, Spreu, Getreide in der Hülse", nhd. Fese
(s. u. pes- „blasen"); mnd. visel „Mörser", und wohl auch mhd. visel
„penis" (kaum zu *pes- „das männliche Glied"; Franck Wb. 1083,
Franck-vanWijk 742f., Fick 111* 242); lit. paisyti „(Gerste) abklopfen,
den Gerstenkörnern die Grannen abschlagen", wohl auch (vgl. mhd.
visel) lit. pisti „coire cum femina" (s. u. pes- „das männliche Glied");
abg. ptsq und pbchajq, pbchati „stoßen", pbseno „Mehl", ptsenica „triti-
cum", r. pseno „Hirse", sloven, pesta, poln. piasta „Stämpfel", iech.
pcchovati „stampfen". Curtius 276f., 498, Fick I4 78, 248f., 472. Die
Hochstufe der Wz. ist *pais- nach Ausweis von gr. παίω „schlage"
(επαισα), wenn dies, wie wahrscheinlich, aus * πα ίο ω entstanden ist (s. u.
peu- „schlagen"); allerdings hat es Anlaut gr. π-, nicht πτ-; πτ- läge vor
in πταίω „stoße an etwas (intr.), strauchle, irre, habe wobei Unglück",
ϊΰνπτίων eig. „geradaus stoßend oder aufschlagend") s. u. pet- „auf etwas
losstürzen" am Schlüsse), die freilich von der Bed. „im Mörser stoßen"
erheblich abweichen und daher in ihrer Zugehörigkeit viel zweifelhafter sind.
paus- „los-, ablassen".
Gr. πανω „mache aufhören", med. „höre auf, lasse ab", παϋλα „Ruhe",
παυσωλή „B.ast";
apr. paust ο „wild", abg. push „öde, wüst", pustiti, russ. pustitb,
pusMh „lassen, loslassen", sloven, pust „Fasching", delopust „Feier-
abend" usw. Solmsen IF. 31, 483. Allerdings wird παύω von Schwyzer
IF. 30, 443f. andere beurteilt: έπαυσα τινα τίνος „schlug jemanden von
etwas fort, machte ihn wovon ablassen", wornach πανω neu geschaffen sei,
V S. auch unter Sp-
2 pauson— päk
faßt er als Aorist zu παίω = παμω, lat. pavio; doch s. die Bedenken
Kretschmers H. 6, 307 f., wie auch παύλα, παυσωλή einer Gdbed. „Schlag"
durchaus widerstreben.
päason·: pflson- „Göttername".
Ai. Püsdn- m. „vedischer Gott, Hüter und Mehrer der Herden und
des menschlichen Besitzes überhaupt", gr. Πάν, ark. Πάων (*ΙΙανσων).
Döhring Et. Beiträge (Progr. Königsberg 1907) S. 11, Schulze KZ. 42,81,374.
Die vom ind. Standpunkte aus naheliegende Yerb. mit pusyati, pusnati,
posati „gedeiht, wächst zu, macht gedeihen, ernährt", ud-pusnati „füttert
auf, macht fett", posa-h „Gedeihen, "Wachstum" (Uhlenbeck ai. Wb. 173)
kann zu Recht bestehn, da Ablautformen mit idg. m daneben nicht vor-
liegen.
päk- und päg- „festmachen", u. zw. teils durch Einrammen (Pflock, Pfosten),
teils durch Zusammenfügen (Fuge; festgefügt, kompakt, fest; ζ. T.
auch Fessel, Strick).
Daß nach Meringer IF. 21, 31 Iff. ein *pak- „flechten und binden" und
ein *päg- „ein Fachwerk machen" sich erst nachträglich zu einer Ein-
heit zusammengeschlossen hätten, ergibt sich aus dem Materiale nicht.
Ai. ρας- (i. pl. padbMh) „Schlinge, Strick",paya· m. ds. (pägdyati „bindet");
panjara-, n. „Käfig", pajrä- wenn „feist, derb, kräftig" (? oder „glänzend"?
s. Bechtel Hauptprobleme 262, Uhlenbeck Ai. Wb. 152, Brugmann IF. 9, 349).
Αν. pas- „aneinander befestigen, zusammenfügen", mit paiti- und ava-
„zusammen-, aneinander fesseln" fsobts „mit Fesseln", pourupaxsta- „viel,
reich gefaltet" (s. Bthl. Grdr. I 13, Wb. 1029, 900).
Gr. πάσσαλος, natt. πάτταλος „Pflock, Nagel" (-*«-), πήασω, att. πήττω
„πήγννμι"; πήγννμι (dor. -α-) „befestige durch Hineinschlagen, Hinein-
stecken, Zusammenfügen; lasse erstarren" (έπάγψ, πέπηγα, πηκτός), πήγμα
„Gefügtes, Gestelle", πηγός „fest, stark" (ob davon πήγανον . . „Raute,
Ruta graveolens"?), ναυπηγός „Schiffbaumeister", πηγνλίς Adj. f. „reifig,
eisig", πάγος m. „Eis, Reif" (s. auch d. PI. πάγεσι „Frost"), hom. „Fels-
spitze, -klippe, Hügel, Berg", πάχνη (*παξνά) „Reif, Frost", πάγη „Schlinge,
Falle", πακτόω „mache fest, verschließe, verstopfe", α-παξ „einfach";
πάξ adv. „st! nun gut!" (s. Meister Die Mim. d. H., 748f.; vgl. dt. „halt"!").
S. noch πάξ unter *paks- „Schuh0.
Lat. paciscor, pactus sum „ein Übereinkommen, einen Vertrag oder Ver-
gleich festmachen, abschließen", alat. pacio „pactio", pacunt (c echt oder
alte Schreibung für gl), pax, -cis „Friede; freundliche Gesinnung" (umbr.
pase tua „pace tua" in der Anrede an Gottheiten), pälus „Pfahl" aus
*paxlos, vgl. Demin. paxillus; pango (pepigl; geneuert pegi nach fregi, und
panxi „befestigen, einschlagen; aneinanderfügen, schriftlich verfassen, fest-
setzen" (zur Nasalierung desPraes. vgl. germ. *f<myan, Fröhde BB. 16, 189,
und ai. panjara- „Käfig", Uhlenbeck Ai. Wb. s. v.), compages „Fuge",
pägina (* die zum Blatt gefügten Papyrusstreifen) „Blatt Papier, Seite,
Kolumne" (s. auch Hartmann H. 4, 378 gegen Stowassers W. St. 31, 149
Herleitung aus δέλτος ψηγίνη). pügus „Landgemeindeverband einer Bauern-
schaft, Dorf, Bau", pröpügo, propäges „Setzlinge, Absenker", pröpägare
„einen Absenker in der Erde festmachen, daher fortpflanzen" (s. Vf.
päk- — plg- 3
LEWb.2 s. v.; nicht zu ir. al, cymr. ael „Brut"). umbr. pase (s. ο.), paca
Adv. „causa", osk. prupukid „exante pacto, ex praefinito", umbr. päl.
marruc. pacri- „propitius, placatus" (vgl. den o-St. got. fagrs usw.; zu
mars, pacre s. auch Hermann KZ. 48,120). air. accai d. sg. „Fesselung"
(*pakni·; s. Stokes St. 2, 168, Zupitza KZ. 36, 234, Thurneysen Hdb. 103);
mir. age „Glied" (*pägio-), ail „angenehm" (*pägli-; Strachan BB. 20, 24;
oder als *pökli- zu aisl. fcegiligr ds., s. 1. *pek-1); cymr. aelod „Glied"
(*paglatu-, Zupitza BB. 25, 91).
Germ. Nasalpraes. *f<myan (: lat. pango) in got. fahan, aisl. fa, ags. fön,
ahd. fahan, as. fahan und fangan „fangen", got. gafahs m., aisl. fengr m.,
ags. feng m., ahd. fang „Fang, Beute"; ahd. fuoga „Fuge", gafuogi „passend",
ht-fuoge „Ehestifterin", ahd. fuogen, ar. fögian „fügen", ags. gefegan „pas-
sen, verbinden", mhd. vagen „fügen"; got. gafahrjan „zubereiten", fagrs
„geschickt, geeignet", aisl. fagr, ags. faegr (engl, fair), ahd. fagar „schön"
(:umbr. pacri-). Von pay-: as. fac „Umfassung, Umzäunung", mnd. vak
m. „Umfriedigung, Zaun, Abteilung", ahd. fak „Umfassung, Mauer, Um-
zäunung im Wasser für den Fischfang, Abteilung", nhd. Fach, einfach,
von zeitlicher Abteilung ags. fcec „Zeitraum", mnd. vaken, vake, spätmhd.
gevack „oft", mhd. drier vacher „dreimal" (s. zuletzt Loewe KZ. 47, 134;
verfehlt Wiedemann BB. 27, 260).
Sloven, russ. pag „Fuge", sloven, paz „Bretterwand" (Uhlenbeck PBrB.
22, 189; über abg. pazucha usw. s. u. *deus- „Arm"); lit. (Lehnworte?)
pozas „Falz, Fuge", pozyti „falzen" (Prellwitz u. πήγννμι).
Curtius 267 f., Fick I4 77, 471, ΠΙ4 224, Yf. LEWb.2 551 f. m. Lit.
Fernbleiben: air. tinölaim „sammle" (s. Pedersen KG. II 511 gegen
Fick II4 49); air. oc „juxta, prope" = cymr. wnc, wng „prope" (Brugmann
Festschr. f. Stokes 31, BSGW. 1901, 109; es widerspricht das ο der kelt.
Gdf. *onk .. .; s. andererseits Pedersen KG. I 126 gegen die Yerbd. von
air. oc mit cymr. ach y law „bei ihm", wörtlich „pres de sa main" durch
Vendryes RC. 31, 103 f.).
arm.· hoc „dicht, gedrängt, kompakt" (Hübschmann Arm. Gr. I, 468 zw.;
s. u. *ped- „fassen"). — Trotz πέπηγα „bin erstarrt, steif" ist lit. plaukat
päpeze „die Haare stehen aufrecht" (Zupitza Gutt. 197) fernzuhalten und
allenfalls mit ai. papaje (Fick I4 77), wenn dies „stand starr" bedeutet,
unter idg. *pey- „starren" sonderzustellen.
paks- „Schuh"?
Gr. πάξ' υπόδημα εύνπόδητον lies., *πάξεια (Quelle von lat. baxea „leichte
Art Sandalen") verbindet Fick II4 6 mit air. assa „soccus", ό assaib „sandalis",
nu-t-asigthe du gall-asu „calcia te gallicas tuas" (nicht nach Loth Rc. 17,
434 Lw. aus ags. hosu).
Wohl zu *pafc- „festmachen, zsfügen" als „unter die Sohle gebunden".
päg- (bes. es- St. püg[e\s-) oder (peg-:) pog-: pög- „Achsel, Hüfte, Lende,
Seite«.
Ai. paksä- m. „Achsel (Flügel, Fittich), Seite, Hälfte", paksas n. „Achsel,
Seite, Hälfte, Flügel" (nicht nach Breal KZ. 20, 80 zu lat. pectus, worüber
s. u. *pek- „Wolle rupfen"; Yelar wird erwiesen durch:) lett. paksis
„Hausecke", aif paks'em „bei Seite" (Bezzenberger BB. 16, 120); lang-
1*
4 pag- — pap(p)a
vokalisch ai. päjasya- η. Bauchgegend."Weichen", russ. (usw.)pachz „Leisten-
gegend", pacha „Achselhöhle", pachva „Achselhöhle, Leistengegend" ; da-
neben ein io-st. *pägio- oder *pögio- in cech. page „Arm" u. dgl. (s. "Wiede-
mann BB. 27, 251—260 m. Lit.; über abg. pagucha usw. s. aber u. deus-
„Arm"; über apr. paggan „wegen" s. Trautmann 388, Levy IF. 32, 163).
päg-, peg- „Wasser, Quelle"?
Gr. πηγή, dor. πΰγά „Quelle" (Deutungsversuche s. bei Boisacq s. v.)
verbindet Scheftelowitz St. 33, 151a 1 mit ai. urn-bjd- RV. 9, 77, 4, nach
Säyana „reichliches Wasser erzeugend", so daß -ija- = idg. *p(ß)go-. Inter-
essant, aber sehr unsicher.
pat<5r- „Yater" (pate(r), gen. pdtr-es, -os, -$, acc. pster-n usw.).
Ai. pitär- „Yater" (pita, -dram), av. nom. pitä-, ao. pitar- (daneben
pata, p*tanm, f'bröi und iä, s. Osthoff Par. 225 m. Lit.); arm. (Hübsch-
mann arm. Gr. 2, 453) hair, gen. haur, n. pl. harkc „πατήρ, πατρός, πατέρες"
gr. πατήρ, -τρός „Yater" (ενπάτωρ, -ορος); lat. pater, -tris, ο. patlr, umbr.
dat. patre, voc. Iu-patcr (lat. Iuppiter, gr. Ζεν πάτερ; ai. Dyäns pita);
air. athir „Yater" (dazu nach Loth Rc. 15, 225 cymr. -gwal-adr, bret.
ual-art: aisl. val-fadir), gall. Ateronius MN.; got. fadar, ais. fadir, ags.
feeder, ahd. fater „Yater".
Yon einer M(O)-Ableitung: ai. pltrvya-, av. tüirya- (d. i. \p\t9rvya-)
„Yatersbruder" = ahd. fetiro, fatirro, fatureo „Yatersbruder" (urg. *fa-
dur(u)ia- mit Überführung in die w-Dekl.), nhd. Vetter, ags. fcedera
„Vatersbruder"; Kurzformen sind ags. fadu, mnd. vade „Yatersschwester";
gr. πατρνιός „Stiefvater" (nach μητρνιά aus *mütruwa); arm. yauray ds.
(Leviratsehe); lat. patruus „Vatersbruder"; gr. πάτρως ds., gen. πατρώ(ρ)ος
(dazu πατρώιος „väterlich" mit verschobener Gdbed.), lat. patrönus (Bil-
dung wie matröna); ein wo-Formans in anderer Bed. in άπατούρια jon.
aus *sn -πατορ-fia (Lit. bei Boisacq 1096).
Anderes Zubehör: ai. pitrya-, gr. πάτριος, lat. patrius „väterlich"; lat.
proprtus aus *pro-ptrios eig. „von den προπάτορες überkommen, avitus, pa-
tritus" (Schulze EN. 111, KZ. 40, 415 a 3; auch vi-tricus aus *vi-ptricos1
doch s. auch unter ui- „auseinander"); ap. hama-pitar-, gr. δμο-πάτωρ,
-πάτριος, aisl. samfeär „von demselben Yater"; lat. patntus „avitus", patn-
mus „den Vater noch am Leben habend" (nach Brugmann IP. 16, 505 das
entsprechende -ϊ-mo- Ptc. zum vorigen; Zshang dieser ϊ-Bildüngen mit got.
fadrein „Vaterschaft" unter einem idg. *pdtn = ενπατειρα hat Hirt IF. 31, 9
nicht gesichert); [lat. patraster „Stiefvater" (s. Vf. LEWb.2 m. Lit.)].
Curtius 269 f. Fick I4 77, 255, 469, II4 8, III4 227, Brugmann II1 1, 206,
333. Idg. pgter ist vom Lallworte pa(pa) ausgegangen, nicht nach Curtius
und Fick I4 zu ai. pCiti „schützt" (s. *pöi) zu ziehen.
pap(p)a Kinderlallwort für „Yater; essen".
Gr. πάππα Voc., -ov gen. „Papa", πάπας' πατρός υποκόρισμα, πάππος
„Großvater" (daraus lat. pappus), παππίας „Väterchen", παππάζειν „Papa
sagen"; lat. papa, pappa Kinderlallwort für „Speise; Vater", pappo, -are
„essen"; nhd. pappen (sekundäre Gruppenbildung mit pampen, pampfen
die zu baxmb- „schwellen") „essen" (mit stockender Lautverschiebung
durch nebenhergehende Neuschöpfung). S. z.B.Vf.LEWb.2 und Boisacq s. vv.
pän pan· 5
pän- „Gewebe".
Gr. πήνος Hes., πήνη Hes. „Gewehe", πηνιόν „der auf die Spule ge-
wickelte Faden des Einschlags; Gewebe, Gewand" (aus dem Gr. stammt
lat. pdnus „das auf die Spule gehaspelte Garn des Einschlags, die Spule
mit dem aufgehaspelten Garn", G. Meyer BPhW. 1887, 214), πηνίζομαι
(dor. πανίσδεται, Theokr.) „hasple, webe", πηνϊτις „Weberin"; auch thess.
καπανα „Lastwagen", att. ά-πήνη ds. (als „mit einer Blache überdeckt" ;
Bezzenberger BB. 27, 149, Meringer KZ. 40, 228).
Lat. pannus „Stück Tuch, Lappen, Flicklappen", pannüceus „aus Lumpen
zsgesetzt, lumpig" : gr. πάννσσα * οτρόφος, άναδέομη Hes. (lat. pannus aus
*pänus1 Maurenbrecher Phil. 54, 628 f.; Entl. aus dem Griech. ist kaum
anzunehmen; Fays ClPhil. 4, 90. Herleitung aus *pag-mnos:pango ist verfehlt.
Got. fana m. „Stück Zeug, Schweißtuch", ags. fana, ahd. fano „Zeug,
Tuch", ags. güä-fana, ahd. gund-fano, aisl. gunn-fani „(Kampf-)Fahne".
Über arm. hanum „webe" s. u. spen- „spannen".
Vgl. die ähnliche, aber anders vokalisierte Wz. (s)pen- „spinnen".
Curtius 275 f., Eick I4 471, Yf. LEW.2 s. v., Falk-Torp u. fane. — Abg.
ponjava „Umhang, Kleid", opona „Yorhang" zu abg. pbnq, pqti „spannen"
(β. Osten-Sacken IF. 33, 238). — Ob mir. anart „leinenes Tuch" hier-
hergehört, ist unsicher; dagegen bleibt mar „Tunika" (Fick II4 32) fern;
zwar nicht nach Pedersen KG. I, 178, Boisacq 249 zu gr. εναρα, s. sen-
„bereiten"; vielmehr ist in inar die Praep. in- enthalten. — Nicht hier-
her πάνος „Fackel (Meringer IF. 17, 163).
pan-, pan-qo- „Schlamm, Sumpf; feucht".
Got. fani n. „Kot, Schlamm", aisl. fen n. „Sumpf", ahd. ferina, fennl f.,
mhd. venne n., as. feni n. „ds.", mnd. venne f. „moorige, marschige Weide",
ags. fen n. „Sumpf, Moor", wozu wohl ablautend ags. fyne „Feuchtigkeit,
Morast", fynig „feucht, dumpf, schimmelig", mnl. vunsc, nndl. tuns „muffig"
(Falk-Torp u .fen N.; kaum besser nach Holthausen IF. 2 δ, 149 f. zu aisl. füna
„faulen" usw., Wz. pü- „faulen", wenngleich Bedeutungskonvergenz mit
letzterer Sippe vorliegen mag); apr.pannean „Moorbruch" (= germ, fanja-
n.) mir. an „Wasser", gall. (Endlichere Glossar) anam „paludem".
Mit Formans qo: ai. pataka- m. n. „Schlamm, Kot, Sumpf", germ. *fanga-
in ital.-span. fango, frz. fange „Schlamm, Kot", tiefstufige /(t)o-Ableitung
*fww%t{j)a- in ahd. füllt, fühti, ags. füht „feucht" (nicht besser nach Ost-
hoff PBrB. 18,247ff. als *pi-üqto zu gr. υγρός, lat. üvidus, aisl. vqkr „feucht",
wozu Pedersen KZ. 39, 437 unter derselben Yoraussetzung auch arm. hiut'el
„saftig, feucht", Mut' „Feuchtigkeit, Stoff, Element" stellen wollte; auch
nicht nach Wood Men. 21, 39 zu aisl. fjüka „stieben", fok „Flugwasser,
Schneetreiben", engl, fog „Nebel", die von der Bed. „stürmen, wehen"
aus zu p(h)u- „blasen".
S. Liden BB. 21, 93 m. Lit. Wenn ir. an als *pnä aufgefaßt werden
e
darf (: ags. fyne), kann der Wzvokalismus auch *(pen- :)pon- sein. Ob
πάσκος' πηλός Hes. als *pr -sJco-s oder *pan-slco- anzureihen sei, ist ganz
fraglich (freilich nicht nach Lagercrantz Ζ. gr. Ltg. 72 zu ai. kacchas „Ufer-
morast, Saum", das vielmehr mind, aus kaksa-s, s. C. Uhlenbeck Ai. Wb. 39).
— Nicht auf *pnq-iö zurückzuführen ist gr. πάσσω in der von Langercrantz
6 panq- — päl-
Z. gr. Lautg. 71 f. mit Unrecht als ursprgl. angenommenen Bed. „be-
schmieren, προσαλείφειν (φάρμακα)"; sie ist nur eine Sonderanwendung von
„bestreuen" (Solmsen IF. 31, 491; trotz Boisacq 749a 1) und πάααω steht
neben πήν „bestreuen" wie pa-t-ior neben πη-μα „Leid" (s. u. q'iat-
„quatio?").
Beziehung von idg. *pa-n- zu lat. pa-l-üs, ai. pa-lvaldm und zu *äp-
„ Wasser" (s. Liden aaO.) ist abzulehnen. Schulze SBprAk. 1910, 792
denkt andererseits an Ursprung aus einer Farbenvorstellung: „feuerfarben",
zu apr. panno „Feuer", got. fon, funins ds. (s. u. peuör „Feuer"), was
trotz zahlreicher anderer Sumpfbezeichnungen nach der Farbe, an sich
ganz unsicher und auch nur dann einigermaßen glaublich wäre, wenn man
fön, panno von idg. peuör gänzlich zu trennen und auf ein idg. pän- zurück-
zuführen sich entschlösse.
panq-, pang- „schwellen", bedeutungs- und ursprungsverwandt mit baxmb,
paxmp, bu, pu usw. „aufblasen, schwellen".
Lat. pünus „entzündliche Geschwulst, Büschel der Hirse" (*panq-no-;
davon päntcum „Pflanze mit einem Büschel"; panceps „έλκος κτήνους επί
τραχελίον Gloss, aus *pano-caps), pantex „Wanst, Gedärme" (auf Grund
eines Ptc. *pano-to-s „geschwollen, aufgeblasen"; frühere Deutungen bei
Vf.LEWb.2 s. vt.).
Aksl. pqcitisq „inflari", pqcina „mare", poln. pqk „Knospe", pqh „Bündel",
rass. puH „Bündel, Büschel, Strauß", püca „Blähung", pücitb „auftreiben",
refl. „sich heben, anschwellen"; mit Media abg. pqgy „corymbus", pqgvica
„globulus".
Persson Beitr. 245 (auch gegen Anreihung von ai. punjas, s. u. pu-, pug
„aufblasen"), 478, 955 (gegen Charpentier KZ. 43, 162).
pandos „gekrümmt".
Lat. pandus „gekrümmt, gebogen, geschweift" (pando, -are „biegen,
krümmen") = aisl. fattr „zurückgebeugt, zurückgebogen" (Bugge KZ. 19,
437 ; Fick I* 470: auch kleinasiat. Πάνδαρος, ΠανδάρεοςΊ); mir. anna „Ell-
bogen" (Stokes BB. 25, 253) ist nicht sicher belegt. — Lett, penderis
„Bauch, Magen" (Petersson LUA. 1915, 23 f. a 1) bleibt fern.
pär- „zeigen; sichtbar sein".
Gr. πεπαρεϊν,,vorzeigen", πεπαρεύαιμον' ενφραστον, ααφές Hes.; lat. päreo,
-ere „erscheinen, sichtbar sein, sich zeigen; zur Entgegennahme von Auf-
trägen gegenwärtig sein, Folge leisten, gehorchen", appüret, comparet. S.
Yf. LEWb.2 s. v. (parret, nach Festus 233 „in formulis" für päret, wie
baca: bacca usw.). Merkwürdig ist die lange Yokalstufe im lat. e-Verbum;
man wird aber trotzdem nicht vermuten dürfen, es sei nach clürus, clarere
aus einstigem *pärere gedehnt, das, wie dann auch πεπαρεϊν, auf per- (: *per-)
zurückgehen könnte.
päl- (sp(h)äl-?) etwa „zupfend oder kurz betastend berühren; kurze Be-
wegungen ausführen"?
Ai. a-sphalayati „läßt anprallen, schlägt auf"? (andere Erwägungen s.
bei Uhlenbeck ai. Wb. s. v.; P. Wahrmanns Gl. 6, 160 Yerb. m. αφάλλω,
αφέλας überzeugt nicht); gr. ψηλαφάω „betaste, streichle, untersuche"
palia-q pasto- 7
(*ψαλα „das Zupfen" + άφάω „berühre", FickBB. 28,102, Bechtel Levil. 336),
ψάλλω „schnelle (die Saite, die Sehne des Bogens); raufe", ψαλμός „das
Abschießen; Saitenspiel", ψαλτήρ, ψάλτρια „Saitenspieler, -in"; lat. palpo,
-are „schmeichelnd tätscheln", palpum „das Streicheln, Tätscheln", palpito,
-are „zucken, zappeln", palpebra und (bei Yarro, sowie im Romanischen,
s. Gröber AflS. 4, 427, Meister KZ. 45, 185) palpetra „Augenlid", palpebro,
-are „blinzeln" (die lat. Formen mit gebrochener Reduplikation, wenn nicht
Lallworte erst einzelsprachlicher Entwicklung; Entlehnung aus ψηλαφάω,
Fick BB. 28, 102, ist sachlich wegen palpebra, -are und wohl auch wegen
des Anlauts — Assimilation ans zweite pit — kaum denkbar); ahd.
fuolen, ags. gi-fölian, ags. felan „fühlen" (abg. pahcb „Daumen", russ.
pdlec „Finger", dial, palee „Daumen" beruhen aber, da wohl „Daumen",
nicht „Finger überhaupt" die eig. Bed. war, eher auf einem *p(h)öhs „dick",
s. phel- „schwellen"). Recht unsichere Yerknüpfungen.
Vgl. Curtius 730, Fick I4 148, 573, III4 236, Yf. LEWb.2 556 (palpo),
Franck-van Wijk 753 (voelen). Mladenov IF. 35, 134 will von „betasten,
fühlen" zu „untersuchen, suchen" in np. pälidan „to purify; to see, inquire,
search", bulg. pälam „suche" gelangen (??). — Trotz aisl. falma „Lappen,
unsicher betasten, zittern, vor Schrecken verdutzt sein" besteht kaum Be-
ziehung zu pel- ,,πελεμίζειν" usw. (Fick KZ. 19, 263, Liden BB. 21, 95 Anm.);
falma ist letzterer Gruppe zuzuteilen.
piilia-q-, pali-q- (junges) „Mädchen, auch (gr.) Knabe" und verwandte
Formen.
Av. pairika „die Frommen durch Liebeskünste vom Glauben abspenstig
machende schöne Frauen", mp. partk, np. pari „Peri" (iran. parlka); gr.
παλλακίς, παλλακή „Beischläferin, Kebsweib" (Gdlf. *παλιακ-, vgl. das
aus einem, mdartl. *πά~άαξ entlehnte lat. paelex ds. und die Parallelbildung
μεϊραξ aus *μεριακ·), ursprgl. ohne schlimmen Nebensinn, vgl. πάλλαξ,
(jon.) πάλληξ „Knabe, Mädchen" (die auf παις folgende Altersstufe), παλ-
λάκιον μειράκιον Hes., Παλλάς Beiwort der Athene, auch (nach Strabo)
von den Griechen im ägypt. Theben als sakraler Ausdruck für παρθένος
gebraucht, παλλάδιον eigentlich „Püppchen = weibliches Idol".
Vgl. Yf. IF. 39, 85 ff. m. Lit. Güntert KZ. H. 5, 201 verband iran.
*parlka als „Göttinnen der Fruchtbarkeit" mit ai. pari-nah „Fülle, Reich-
tum", pan-man- „Fülle" (*pel- „füllen"), Kalypso 259 f. als „Geburtsgöttinnen"
mit lat. Parca aus *parikä. Ich halte an obiger Zsstellung fest. Mit
gr. πώλος „Fohlen", dt. Fohlen hat die Gruppe nichts zu tun (s. u. pöu-
„klein").
päSO-S „Verwandter".
Gr. πηός, dor. παός „Verwandter", παώται' ανγγενεϊς Hes., lat. päri-clda
(daraus parri-ctda) „Mörder an nahen Verwandten". Fröhde BB. 8, 164.
Ob in Beziehung zum Lallworte pa(pa)1 (Andeutung bei Fick I4 472).
Langobard. fara „Geschlecht" (Schräder Sprvgl.2 579) hat nach Kögel
ZfdA. 37, 2l7ff. (anders Henning ebda. 304) ö, so daß auszuschließen.
pasto- „fest".
Aisl. fastr, ags. fasst, as. fast, ahd. festi, nhd. fest wahrscheinlich zu
arm. hast (i-St.) „fest" (Hübschmann Arm. St. I 38, Arm. Gr. I 464) und
8 pe-
ai. pastyä-m „Haus- und Hof", wohl eig. „*fester "Wohnsitz" (Uhlenbeck
PBrB. 20, 328; schließt die Herleitung der germ. Worte aus Praep. -po-
und Wz. sed- bei Kluge8 s. v. aus; noch andere Deutungen von fest verz.
Falk-Torp u. fast).
Nicht überzeugend setzt Petersson KZ. 47, 287 unter "Vergleich von arm.
hoc „dicht, gedrängt, kompakt" (*pod-s-o-?), ai. pi-bd-αηά- „fest", pi-bd-
amüna- „festwerdend" eine Gdf. *pod-s-to-an (hast müßte dabei wohl a
als ßeduktionsvokal haben, da sonst arm. α aus ο nur in offener Anlaut-
silbe); 8. auch u. ped- „fassen",
pe- „weh tun, beschädigen".
Gr. πήμα „Übel, Unglück, Verderben, Leid", άπήμων „unbeschädigt;
unschädlich", πημαίνω „stifte Unheil, richte zugrunde" (idg.*pe-mn; nicht
nach Fröhde BB. 1, 197, Wackernagel KZ. 30, 293ff. = ai. päpman-, s. u.,
vgl. πη-ρός usw. und Brugmann-Thumb Gr Gr4 154) πηρός „gelähmt, blind",
απηρος „unverstümmelt", ταλαί-πωρος „Drangsal oder Mühsal erduldend,
geplagt, unglücklich". Lat. paene (pene; e scheint die etymologisch be-
rechtigte Schreibung) „beinahe, fast; ganz und gar" (ursprgl. „*kaum", adv.
Neutrum eines Adj. *pe-ni-s „beschädigt, mangelhaft"), paenitet „es reut,
tut leid" (scheint nach misererl für *penitäre eingetreten, das Frequentativ
eines *penere etwa „leidvoll, bekümmert sein" sein wird), penüria „Mangel"
(von einem Adj. *penüros, das von einem Subst. *pc-nu-s, Solmsen Beitr. 1157);
von einem Ptc. *pd-to-s „geschädigt, Drangsalen ausgesetzt" stammt wohl
patior, -i, passus sum „dulde, erdulde, leide" (zur Bildung vgl. πάοοω „be-
streue": πήν 'πάσσειν. Hieher wohl arm. hivand „schwach, krank", an-
hivand „sanus" (gleichsam απήμαντος „unbeschädigt"; wenn arm. -v- aus
-m- erklärt werden darf, ist *pe-mn-to-s Gdf.; s. Bugge KZ. 32, 15, 71,
IF. 1, 453, Brugmann F403, 510; Lewy IF. 32, 160 denkt an *pep-vtos,
kaum besser).
Mit ^-Suffix oder eher gebrochener Redupi. (vermutlich Lallwort) ai. päpd-
„schlimm, böse", papmdn- m. „Unheil, Schaden, schlimme Lage, Unglück,
Leiden" (: arm. hivand"! ? πήμα? ? s. o.); vgl. auch παπαί, πόποι „wehe"!
lit. popä „Wehweh". Ist päpman- erst nach dem vielleicht lallwortartigen
päpä- für *päman- eingetreten? Das belegte ai. pämdn- bedeutet „eine
Hautkrankheit, Krätze", pämandpämard- „krätzig", wie av. paman-
„Krätze, Fläche, Trockenheit", wozu vermutlich nach Fröhde BB. 21, 32 t
lat. paeminösus, peminösus „brüchig, rissig" (Varro 1.1. I 51, 1, vgl. Goetz
IF. 31, 303); ob eigentlich „beschädigt, brüchig, rissig", so daß hieherund
mit πήμα formantisch zugehörig?
Ygl. Fick I4 78, 479, Prellwitz1·2· u. πήμα. — Fern bleibt (gegen Fick
11*32) air. itu, acc. itith „Durst, Dürre", nir. ίο/α (eine unsichere andere
Deutung s. u. iat- „sich an etwas machen") und gr. ήπανία, „Mangel" (wohl
rhythm. Dehnung für *ά-πανία, zu πανία „πλημοοννη"); desgleichen (gegen
Solmsen Beitr. I 157) σπάνις „Mangel, Seltenheit" (s-Doubletten fehlen in
unserer Sippe; eine andere Vermutung bei Persson Beitr. 397a 1). — Da
in pae-ne usw. formantisches n vorliegt, nicht eine „Wz." pen-, ist gr. πείνη,
natt. πείνα „Hunger, Hungersnot" auf *penm (*p-en-iäl) zu beziehen; auf
lak. πειναντι (Xen. HG. I 1, 23) das, wenn genau wiedergegeben, urgr.
*πει-να voraussetzen würde, ist wohl nicht zu bauen und daher wohl