Table Of ContentH. CZEMBIREK
St andardisierte
Dokumentation
in der Sonographie
des Abdomens
Springer-Verlag Wien New York
Prim. Univ.-Prof. Dr. Heinrich Czembirek
Zentralrontgeninstitut, Krankenhaus der Stadt Wien-Lainz, Osterreich
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© 1989 by Springer-Verlag!Wien
Softcover reprint of the hardcover 1 st edition 1989
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Mit 122 Abbildungen in 302 Einzeldarstellungen
CIP-Titelaufnahme der Deutschen Bibliothek
Czembirek, Heinrich:
Ultraschall wird lesbar: standardisierte Dokumentation in der Sonographie
des Abdomens I H. Czembirek. - Wien; New York: Springer, 1989
ISI3N-13 :978-3-7091-8960-3
ISBN-13 :978-3-7091-8960-3 e-ISBN-13:978-3-7091-8959-7
DOl: 10.1007/978-3-7091-8959-7
Vorwort
Ais einer derjenigen, die schon zu Beginn der siebziger Jahre
die Sonographie als bildgebendes System angewandt haben, bin
ich mit der Problematik der Akzeptanz dieser Methode durch
den Kliniker und Zuweiser vertraut. Sind die ersten Bilder mit
dem bidirektionalen Verfahren yom Kliniker noch wohlwollend
belachelt worden, so hat sich im Laufe der Jahre mit Optimie
rung der Technik, Einfuhrung der Grauwerte und Optimierung
der Dokumentation die Situation geandert. Die Sonographie
des Abdomens ist heute eine Routineuntersuchung. Sie wird,
ahnlich wie das Thoraxrontgen, bereits im Screening oder Vor
screening im groBten AusmaB eingesetzt. Die standig steigenden
Ultraschalluntersuchungsfrequenzen, auch in den Praxen nie
derge1assener Arzte, belegen dieses Faktum.
Dieses Buch entspringt dem Bedurfnis, jahrelange Erfah
rung mit der Sonographie des Abdomens weiterzugeben. Das
Ziel ist jedoch nicht, eine Analyse der Vie1zahl pathologischer
Veranderungen im Bauchraum, die sonographisch aufgedeckt
werden konnen, sowie deren Differentialdiagnosen vorzulegen,
sondern unabhangig von der Ausgangspathologie eine Anlei
tung zur standardisierten Dokumentation zu geben. Dies vor
allem deshalb, weil unverandert das Problem der Bildinterpre
tation durch Zweit- oder Drittbetrachter besteht, so daB das
Ziel sein sollte, diese wichtige Methode von seiten der Bild
dokumentation so aufzubereiten, daB das Untersuchungsergeb
nis auch von jenem Personenkreis interpretiert werden kann,
der an der Untersuchung selbst nicht teilgenommen hat.
Erste Diskussionen zur standardisierten Dokumentation des
Oberbauches stammen aus den Jahre 1979 und 1980, wo vor
allem mit G. Wittich, dem ich an dieser Stelle fur Anregung
und Mitarbeit herzlich dank en mochte, die Basisschnittebenen
zur Dokumentation festgelegt wurden.
Die Diskussion wurde in den folgenden Jahren intensiv wei
tergefuhrt. Anregungen und Diskussionsbeitrage wurden von
meinen Mitarbeitern J. Haller, G. Sommer, D. Tscholakoff im
reichen MaBe beigesteuert. Auch ihnen sei herzlich Dank ge
sagt.
Wien, im Oktober 1988 H. Czembirek
v
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
Rechter Oberbauch 4
Linker Oberbauch 38
Retroperitoneum 52
Nieren 74
Nebennieren 96
Kleines Becken (weiblich) 108
Kleines Becken (mannlich) 124
Literatur 133
VII
Einleitung
Die immanente Verfiigbarkeit von kosten auf Berechtigung zur Durchfiihrung von
giinstigen diagnostischen Ultraschallun Ultraschalluntersuchungen. Haufig ge
tersuchungsmoglichkeiten, auch fiir den schieht dies auf der Basis einer entspre
Quasi-Laien, ist ein Problem, dem mit ei chenden Ausbildung und Kenntnis der
nem erhohten Qualitatsanspruch in der Materie, und in diesen Fallen ist auch die
Sonographie Rechnung getragen werden Sinnhaftigkeit und Okonomie im weite
muB. Dabei ist zu beriicksichtigen, daB die sten Sinne nicht in Frage zu stellen. Oft
Sonographie trotz aller ungeheurer tech genug jedoch besteht eine so1che Begehr
nologischer Fortschritte unverandert eine lichkeit auf unzulanglicher Kenntnis und
hohe Kunst ist. Verglichen mit den an Erfahrung mit der Sonographie selbst und/
deren Schnittbildverfahren, Computerto oder der mangelhaften Information iiber
mographie und Kernspintomographie, ist die M6glichkeiten und Aussagekraft von
sie eine in ihrer Qualitat in noch vie1 star Alternativ- und Erganzungsverfahren. Es
kerem AusmaB untersucherabhangige dia ist daher die Wertigkeit der Sonographie
gnostische Methode. Ihr Ergebnis ist ab nur im Kontext mit den anderen bildge
hangig von Geschick und dem Wissen des benden Verfahren zu sehen. Die Radio
Untersuchers einerseits, und der Kenntnis logie ist jenes Fach, in we1chem die mei
der Aussagekraft und der Grenzen durch sten bildgebenden Verfahren vereinigt
den Zuweiser andererseits. 1m Zeitalter sind, und ist daher pradestiniert, den tat
der diagnostischen Hochtechnologie sind sachlichen Wert einer Methode zu defi
die genannten Fertigkeiten und Kennt nieren. Auf dem Boden dieser integrativen
nisse Voraussetzung und Garant fiir ak Diagnostik hat sich gezeigt, daB zwischen
zeptable Kosten-Nutzen-Rechnungen im 10 und 15% aller radiologischen Leistun
Bereich der diagnostischen Radiologie. gen heute durch die Ultraschalldiagnostik
Der steigende okonomische Druck be erbracht werden. Dieser erhebliche Anteil
wirkt eine intensivere Beachtung von Sen an der gesamtradiologischen Leistung be
sitivitat und Spezifitat eines diagnosti deutet einerseits, daB dieses Verfahren ei
schen Verfahrens. Gerade die Sonographie nen wichtigen Platz in der Aufdeckung pa
hat sich in den letzten Ja hren als Diagno thologischer Veranderungen hat, und an
stikum in vie1en Fachrichtungen der Me dererseits aber auch die Verpflichtung,
dizin etabliert. Gynakologen, Internisten, Verantwortung fiir Ausbildung und Wei
U rologen, Angiologen, Kardiologen und terbildung auf dem Gebiet der Ultra
Radiologen, urn nur die wichtigsten zu schalldiagnostik zu iibernehmen.
nennen, erheben oft zu Recht Anspruch Ziel einer Ausbildung oder Weiterbil-
1
Einleitung
dung im allgemeinen und der Ultraschall untersuchungen oder der Einsatz von
diagnostik im besonderen ist es, Fertig Alternativuntersuchungen kennen da
keiten und Wissen zu vermitteln, urn qua bei diskutiert werden.
litatsvolle, an dem jeweiligen Stand der 2. Zahlreiche Ultraschalluntersuchungen
Technik und des Wissens sich orientie des Abdomens werden heute in nieder
rende oder ihm angepaBte, Untersuchun gelassenen Facharzt- oder Allgemein
gen durchfiihren zu kennen. arztpraxen durchgefiihrt und die Pati
Die Giite einer sonographischen Un enten zusammen mit der Filmdo
tersuchung ist abhangig von der Fahigkeit kumentation an Spezialambulanzen
des Untersuchers, ein Ultraschallgerat op weitergeleitet. Nur unter der Voraus
timal zu bedienen, die dargestellte Infor setzung einer standardisierten Schnitt
mation zu dokumentieren und das Ergeb bilddokumentation ist es meglich, neu
nis in einen den Tatsachen so nahe wie erliche K.ontrolluntersuchungen zu
meglich kommenden Befundbericht zu verhindern und die Zahl redundanter
fassen. Untersuchungen zu vermindern.
Da sich dieses Buch ausschlieBlich mit 3. Verlaufskontrollen sind nur dann sinn
der Dokumentation von Bildern aus dy voll, wenn auf der Basis standardisiert
namischen B-Bild-Verfahren, der "Real dokumentierter Schnittebenen ver
time"-Sonographie befaBt, die fiir die Do sucht wird, die Beziehung pathologi
kumentation vorgeschlagenen Bilder mit scher Veranderungen zur Umgebung
ihren anatomischen Charakteristika aus ei und zu den anatomischen Leitstruktu
nem bewegten Untersuchungsablauf ent ren festzulegen. Damit ist gewahrlei
nommen werden, ist eine exakte Definition stet, daB bei Verlaufskontrollen ein et
standardisierter Schnittebenen erforder waiger Therapieeffekt oder aber eine
lich. Befundv erschlecht erung quantifizier
Die Dokumentation ist der sichtbare bar wird.
und iiberpriifbare Qualitatsausweis einer 4. SchlieBlich kann die qualitatsvolle Do
Ultraschalluntersuchung. Es muB daher kumentation von sonographischen Un
Ziel einer standardisierten Dokumentation tersuchungen bei forensischen Proble
sein, eine Beurteilung der Bilder durch men notwendig werden.
Zweitbetrachter zu ermeglichen.
Die Griinde dafiir sind einsichtig und
liegen auf der Hand: Moglichkeiten der Dokumentation
1. Die Uberpriifung von sonographischen H. J. Zabel und Mitarbeiter gehen auf die
Untersuchungen ist ortsungebunden. Meglichkeiten der Bilddokumentation in
An Ausbildungsstellen wird im Rah der Ultraschalldiagnostik unter dem Ge
men der taglichen Filmvisite bei der ge sichtspunkt der Kosten-Nutzen-Optimie
meinsamen Filmanalyse in Abhangig rung ein. Neben der Dokumentation des
keit von der Erfahrung des Untersu pathologisch-anatomischen Bildinhaltes
chers in einem bestimmten Prozentsatz ist eine Identifikation des Patienten, das
eine Korrektur des Berichtes erfolgen Datum der Untersuchung und die gra
kennen und miissen. Gezielte Zweit- phische Darstellung der Patientenlage mit
2
Einleitung
Schallkopfposition zu fordern. Bei Ein kamera darstellen. Zur Verbesserung der
haltung einer standardisierten Abfolge der Qualitat der Einzelbilder kann seit neue
Schnittbilddokumentation ist diese letzte stem auch ein Laserimager eingesetzt wer
Forderung jedoch nicht notwendig. den. Fur die beiden letztgenannten
Die Dokumentation von Real-time Systeme ist allerdings das Vorhandensein
Untersuchungen in ihrer Gesamtheit wird einer Dunkelkammer Voraussetzung.
am besten durch Videorecorder erfaBt. Die vorgeschlagenen Standarddoku
Dadurch wird die Dynamik des Unter mentationsschemata'in der Abdominalre
suchungsvorganges mit den Zusatzinfor gion basieren auf der M6glichkeit einer
mationen der Atemverschieblichkeit von R6ntgenfilmdokumentation, da die digi
Organen, der Pulsationen usw. festgehal tale Informationsaufzeichnung auf einer
ten. Aus diesen Aufzeichnungen kann ein Diskette oder einer optischen Platte der
Standbild gewonnen werden, das einen et zeit noch hohe Investitionskosten erfor
waigen pathologischen ProzeB fixiert, der dert und dabei ebenfalls nur Standbild
wiederum als Bild uber ein anderes System dokumentationen gewahrleistet.
weitergegeben werden kann. Zu beachten Da die individuellen anatomischen Ge
ist in dieser Situation allerdings, daB ein gebenheiten auBerordentlichen Schwan
Qualitatsverlust in jedem Fall auftritt. kungen unterworfen sind, kann die vor
Nachteile dieses Systems sind: der hohe geschlagene Standarddokumentation in
zeitliche Aufwand, die begrenzte Aufnah Abhangigkeit yom Organgebiet nur in ei
mezeit mit der schwierigen Archivierung nem bestimmten Prozentsatz in allen De
und dem schwierigen Zugriffzu relevanten tails durchgefuhrt werden und ist als
Untersuchungspassagen und nicht zuletzt Richtlinie und Basis fur weitere zusatzli
die Kosten. che Aufnahmen zu werten.
Eine haufige Art der Dokumentation, Da also in Abhangigkeit von der Ana
die in nahezu allen Ultraschallsystemen tomie nicht immer im geforderten sche
angeboten wird, ist eine Sofortbildkamera. matischen Ablauf dokumentiert werden
Die Qualitat dieser Aufnahmen ist pro kann, muB in geanderter Schnittfuhrung
blematisch und die Kosten pro Bild, ver jene anatomische Struktur erganzt wer
glichen mit anderen Systemen, sind hoch. den, die auf den vorgeschlagenen Stan
Neueste Entwicklungen auf diesem Sektor dardschnitten fehlt.
zeigen, daB kostengunstige Sofortbildsy U nabhangig von einer etwaigen patho
sterne auf der Basis von Silberpapier, bzw. logischen Veranderung sollte die stand ar
Silberfilmen in nachster Zukunft 6kono disierte Schnittbildfolge konsequent ein
misch vertretbare Bilddokumentationen gehalten, jedoch durch Aufnahmen er
gestatten werden. ganzt werden, die einerseits die Beziehung
Bewahrt haben sich R6ntgenfilmdo des Prozesses zu den benachbarten Stan
kumentationen, die auch in der Mehrzahl dardschnitten belegen, und andererseits
auf der Basis einer Multiformatkamera seine maximale Ausdehnung oder Inten
eingesetzt werden und einen KompromiB sitat wiedergeben.
zwischen Video recorder und Sofortbild-
3
Standarddokumentation: Rechter Oberbauch
I I
UNTERSUCHUNGSPOSITION
SCHNITTEB~NEN
1 2 4
STANDARDSCHNITTE
. .
1
4
Standarddokumentation: Rechter Oberbauch
Obligat darzustellende anatomische Organbereiche
bezogen auf die Standardschnitte 1 bis 8.
1 Liingsschnitt Zwerchfell-Lungen-Grenze, rechter Leberlappen,
rechte Niere
2 Liingsschnitt Zwerchfell-Lungen-Grenze, rechter Leberlappen, Gal
lenblase
3 Liingsschnitt Zwerchfell-Lungen-Grenze, rechter Leberlappen, Duc
tus hepato-choledochus, Pfortader, Vena cava, Crus dia
phragmatis, rechte Nierenarterie (Gallenblase)
4 Liingsschnitt median Zwerchfell-Lungen-Grenze (Zwerchfell-Herz), linker
Leberlappen, Aorta, unpaare Visceralarterien, Pankreas
k6rper, Vena lienalis
5 Subcostalschnitt Zwerchfell-Lungen-Grenze, rechter und linker Leber
lappen, Lebervenen (Konfluenz der Vena hepatica dex
tra, media et sinistra)
6 Subcostalschnitt Zwerchfell-Lungen-Grenze, rechter und linker Leber
lappen, Vena portae und Verastelungen, Vena cava in
ferior
7 Querschnitt Linker Leberlappen, Pankreask6rper, Pankreas
schwanz, Vena lienalis, Arteria mesenterica superior,
Vena renalis, Vena cava inferior, Aorta, Wirbelsaule
8 Querschnitt Gallenblase, Pankreaskopf, Vena mesenterica superior,
Arteria mesenterica superior, Aorta, Vena cava inferior,
rechte Niere, M. psoas
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