Table Of ContentTrierer
Theologische Zeitschrift
1998
PASTO R BONUS
107. Jahrgang
V119G
PAULINUS VERLAG
Trierer Theologische Zeitschrift
Herausgegeben von der Theologischen Fakultiit Trier
in Verbindung mit dem Fa,hbereich Katholische Theologie
der Univ('rsitat Mainz
umer der SchriftleItung von Prof. Dr. Ernst Haag
im Paulinus Verlag, Trier
Druck: Paulinus-Druckerei GmbH, Trler
INHALT DES JAHRGANGS 1998
I. Aufsine
BRANDSCHEIDT, Renatc: Nooth lind Abraham. Urgeschichte und Iiellsg~so;hlchtt im
Werk du Jahwisu~n . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-24
D,uIM, Alben: Nikolaus von Kilts zwischen Anulm und luthcr - Das kus:mischc
VCr5,an,i!lIS unserer Erlosllng durch Jesll$ ChrlsfuS nach Scrmo I (1430) ...... 300-311
EUI[R, Walter Andrcas: Wolfhan Panncnberg1 Theologie der Religionen ........ 173--190
FRANK, Isnard: Das Theologische an der K,~hcngeschich{c .................. 191-210
HAAC, Ernst; Gones Bund mit I..evl nach Maluthl 1 - HiSlorisclw: und theologi-
sche Aspcluc des Prit$lcnums Im Allen Testament ...................... 25-44
KNOIILOCIt, Stefan: Glaubensgeschlchlcn ~Uld LtbensgeschlChtcn .. 253-261
KO.MEJ., Pelt.: Einlelbeichlc - cin~.lgc ockr eone Form <ks BuRklkr:lm('n!('$? ..... 211-229
KRlfGF.R, Gerhard: Myslik und Scholaslik. Zur DIskussion um M('isl('! Eckhan Im
Blick auf $(Iße ~Quaestion('S PariSI('nses" .... ................ 123-147
MAR!:, Manln: Der Lobge-sang der drei iungen Mann('! In Danid 3 45-61
MOR!:EI., Amd: Plalons Ptlliosophenhcrrschafi - Nicht zu trwanl'n, aber alKh
mchl zu wunschm? . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . 85-101
REtNHARDT. Klaus: Dit Btdtutung dtr Heiligen Schrifl In der Thtologll naturalis
des Raimundus von Sabundc (t 1436)............................... 111-122
Scl/tlSSHR, Wtrn('r: Zum Selbslvermndnis der Philosophie in der Modern('. Von
~scart('s zu Jaspers ........................................... 148-166
SEDI.MfJf:R, Franz: Die Umversalislerung der HCllshoffnung nach ;>'heha 4, 1-5 .... 62-81
Sl\JM"NRAUCH, Benf;lrn: Konsens ohne Einlg1c.ell? Vtrsohnung~hilftn im neu enl·
brannttn Streit um dlt Rechtftrugung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 230-242
WAHL, Ikribtn: Seelsorge In der IndlViduaIiSlerungs.Falte. PlIStor.tle Zu·Mutungen
m der Spalmockrne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 262-282
WOU.8OlD. Andre. . s: Spannung und Wandlung. Zwei Antn, sich thristhch Im
Handeln zu orienllerm ......................................... 283-299
11. Kleinere Beiträge
MtASNfR. Franz: Die Bedeutung des StudienJahres in Jenusalem rur du StudIUm
des Neuen Tesl3ments .......................................... 312-316
SAUSER, Ekkan: Tumk .. ·Christi·lkonen: ihre ~ulung 169-172
111. Besprechungen
AUD., AI(om: Gesludct~ Altern (Webtr) ............................... 317
BECKlR, Pctrus: Dlc Benediktinerabtd SI. Eucharius·St. MalthlH VOll Tner
(Schneid('r) ....•........................................ 317-318
BEINUT, WolfgangIPrnu, I kmrich: Handbuch der Manen1c.unde Bd. I (Wagner) .. 318-319
24'
BUSTUtMöLLER, Gerhard: di~ Vötk~rbunds,dee (Wdxr) ..... , ••••.•........
BREUER, Ctem~ns: P~rson von Anfang an? (W~her) .......... , ............ . 319-320
BRUCH, Richard: Ethik und Narurr«hl (Weber) .... 243-244
EIINER, Martin: )esu5 - ~in Weisheiulehrcrl (Reiser) ........... , ..•........ 320-322
EVERrz. Wilfricd: Sedsorge im EnblSlum Koln (Schneider) ................. . 322-323
Fuy, Jörg: D,e iohann~lschc EscharolOSI~ (ReIStr) ............ , •.•. ....... 323-324
GArz. Erwln: ~h,cht~ des kirchlIChen Lebens (Schneider) ..... , •.•... •.... 245-2<46
GUJXNER, Hans: Moral Im Oherang~bot? (W~ber) ..................... . 244-245
GR(SI~AKE, Gisben: Dcr drcleinc GoI! (W~lcr) ......................•.... 324-326
HEINTEL, Erich: Gc-$ammelTe Abhandlungen Bel. 5 (Anzenbach~r) ...... .... .. . 246-241
HOTZE, Gerhard: ParadOXien be, Pautu5 (Rei5oer) 326-321
KOCH, Kurt: Kirche ohne Zukunft? (Ltnrzen-Dcis) ....................... . 328-329
KORNER, ßernhard: Melchior Cano (Schul~eichcl) ..................•...... 247-248
MEOITHILD von Magdeburg: Das flieSende Licht der Gotrhell (Welcr) ......... . 82
MOI.LER, Wntfgang: Die Gnad~ Christi (Schiil2Clchct) ........•............. 24'
N,COU.I DEOJSA: Sermones (Weier) ................................... 248-250
REIMER, A. James: Emmanud Hirsch und Paut 'fillich (Schumcr) ............. 168
ROSSJ...fR, Andren Wekhe Wahrheit braucht der Mcnsch? (Schussler) .......... 250
SctUNDUNC, AnlonlZrf.GLER. Waller: Die Termorien des Reichs (Schneider) 329-330
SPENDEL, Stcfanie: Alternativen zur Pfarrei (Ritdel.Spang~nberger) ............ . 167-168
TRIERER
THEOLOGISCHE
ZEITSCHRIFT
Renate Brandscheidt
Noach und Abraham - Urgeschichte und
Heilsgeschichte im Werk des Jahwisten
Ernst Haag
Gottes Bund mit Lavi nach Maleachi 2:
- Priestertum Im Alten Testament
Martin Mark
Der Lobgesang der drei jungen Männer
in Daniel3
Franz Sedlmeier
Die Universalisierung der Heilshoffnung
nach Micha 4, 1-5
Neue theologische Literatur
1
INHALT
AUFSÄTZE
Rcn;ue Brandscheidt: Noach und Abraham: Urgeschichte und lleilsgeschichre im Werk
des Jahwislen ........... .. ....................................... .
Ernst Haag: Gottes Bund mit Levi nach Maleachi 2. Historische und theologische
Aspt"kte des I'nestertums im Alten Tcstamern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 25
M:lrtin Mark: Der Lobges:lng der drei ,ungen ~1:Jnner . . .. . . . .. . .. .. . .. .. . .. .. 45
Franl' Sedlmeier: Die Univers:llisierung der Heilshoffnung nach Mlcha 4, 1-5 62
82
I~ESPRECHUNG
NEUE THEOLOGISCHE LITERATUR .•. .. . .. ... 83
Anschrihen der Mit:lrbciter:
Dr. Ren:lte Brand.scheidt, Predigerstr:lße 13, 0-54290 Trier
Prof. Dr. Ernst I-I:lag, SickingenS!f:lße 35, 0-54296 Trier
Drs. Mardn Mark, Oaniel-Brendcl-Straße 3, 0-55127 Mainz
PD Dr. Franz Sedlmeier, Schillerstraße 53 a, 0-85055 Ingolst:ldl
Anschrih der Schriftleitung: Prof. Dr. Ernst Haag, Sickingensrraße 35, 0-54296 Trief
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zu erfr:lgen sind.
RENATE BRANDSCHEIDT
Noach und Abraham
Urgeschichte und Heilsgeschichte im Werk des Jahwisren
Prof Dr. Rudol( Mosis, Mainz, zum 65. Geburts/ag
Immer wieder gelangt die Menschheit im Verlauf ihrer Geschichte an
jene Tiefpunkte, wo eine kollektive Angst vor den Mächten der Selbst
zerstörung um sich greift und der Weltuntergang fast spürbar auf
der Lauer liegt. Um so mehr gibt es zu denken, daß die alttestament
liche Erzählung von einer Sintflut, die alles Bestehende vernichtet
(Gen 7,23), im Unterschied zu heutigen Unrergangsvisioncn - sei es die
Vorsrclhmg von einem Srrahlentod oder eines an den Folgen genetischer
Manipulation zugrunde gehenden Lebens - keine zukünftigen Schrek
ken ausmalt, denen der Mensch hilflos ausgeliefert ist; die hier geschil
derte Flutkatastrophe ist vielmehr das düstere Abbild einer bereits an
ihr Ende gelangten Schuldgeschichte, innerhalb derer die Menschheit
Gott die Verbundenheit aufgekündigt hat und sich aufgrund der von
den Folgen ihres bösen Tuns zerstörten Schöpfungsharmonie mit dem
Untergang alles Geschaffenen konfrontiert sicht. Daß aber derselbe
Gott, der die Vernichtung des Bestehenden beschließt, dennoch des
Menschen gedenkt, wenn er für Noach die Arche als Stäne der Zu
flucht und Bewahrung bereithält, und somit die Voraussetzungen dafür
schafft, daß das Lebendige fortbesteht und die Geschichte der Mensch
heit als Heilsgeschichte weitergehen kann, trägt eine Spannung in die
Sintfluterzählung ein, die auf den erSten Blick nicht ohne weiteres ver
ständlich erscheint.
Es wird daher eine vornehmliche AufgabensteIlung der nachfolgen
den Unrersuchung sein, dieses heilvolle Ziel der Schöpfungs- und Ge
schichtsplanung jahwes, auf welches die Sinrfluterzählung bereits in ih
ren ältesten (jahwistischen) Anteilen hinausläuft, genau zu erkennen
und in Verbindung damit nachzufragen, ob nicht der seinerzeit von
G. von RadI so entschieden behauptete und in der Folgezeit immer hef-
I G. VON RAD zufolgc liegt in der Abrahamverheißung Gen 12, 1-3 der eigent
liche Schliissel zum Verständnis der Urgeschichte, die somit die Heilsgeschichte
mit einschließt, bevor mit 12,10 die Vätergeschichte beginnt. Vgl. G. VON
RAD, Das formgeschichtliche Problem des Hexateuch (BWANT 78), Sturtgart
1938; wiederabgedruckt in: Gesammelte Studien zum Alten Testament 1 (TB 8)
11971,9-86.71. DERS., Theologie des Alten Testamentes I, Mtinchen .l1961,
168. DERS., Das erste Buch Mose. Genesis (ATD 2-4) Göttingen 91972, 127 f.
Exegetisch-theologisch fortgeführt wurde die These von G. VON RAD vor allem
1
tiger bestrinene Zusammenhang2 von Urgeschichte und Heilsgeschichte
(Abrahamverheißung)3 in der Tat erst dem jahwistischen Werk seine ei·
gentliche Prägung verleiht und ob sich nicht über G. von Rad hinausge·
hend sogar die gesamte Abrahamgeschichte als ein integrierender und
wesenhaft mit ihr verknüpfter Bestandteil der Urgeschichte festmachen
läßt. Weiterhin soll die als Hintergrund der dieser Untersuchung vor·
ausgegangenen Darlegung zum ersten Hauptteil der jahwistischen Urge·
schichte in Gen 2 lind 4 erkannte David·Zionrradition4 auch für deren
zweiten Haupncil in Gen 6-12 fortschreitend entfaltet lind abschlie·
durch H.W. WOLfF, Das Kerygma des Jahwisten, in: EvTh 24 (1964) 73-
98 = Gesammehe Studien z.um Alten Testament (TB 22) MLinchen 2J973, 345-
373 und O. H. STECK, Genesis 12, 1-3 und die Urgeschichte des Jahwisten, in:
Probleme biblischer Theologie (FS G. von Rad), hg. von H. W. WOI.H~ Mün·
ehen 1971,525-554.
2 So in jüngerer Zeit N. C. BAUMGART, Das Ende der biblischen Urgeschichte
in Gen 9,29, in: BN 82 (1996) 27-58; F. CRÜSEMANN, Die Eigensrändigkeit
der Urgeschichte. Ein Beitrag zur Diskussion um den "Jahwisten", in : Die Bot·
schaft und die Boten (FS H. W. Wolff), hg. von J. JEREMIAS/L. PERLrrr, Neukir
chen·Vluyn 1981, 11-29; M. KÖCKERT, Vätergott und Väterverheißung. Eine
Auseinandersetzung mit A. Alt und seinen Erben (FRLANT 142) Göttingen
1988, 263-265; H. J. L. JENSEN, Über den Ursprung der Kultur und der Völker.
Eine transformatorische Analyse von Komplementarität und Verlauf in der jah·
wistischen Urgeschichte, in: SJOT I (1987) 28-48. 29; C. WESTERMANN, Gene
sis 1-11 (BK VI) Neukirchen·Vluyn J1983, nl.
Zur Problematik und Exegese der biblischen Urgeschichte und Väterge
j
schichte vgl. die Kommentare von J. A. SoGGIN, Das Buch Genesis, Darmstadt
1997; H. SEF.BASS, Genesis I. Urgeschichte (1,1-11,26) Neukirchen·Vluyn
1996; DERS., Genesis 11. Villergeschichre I (11,27-22,24) Neukirchen·Vluyn
1997; L. RUPI'ERT, Genesis. Ein kritischer und theologischer Kommentar. I. Teil
band: Gen 1, 1-1 I, 26 (fzb 70) Würzburg 1992; J. SCI-IAR8ERT, Genesis 1-11
(NEß) Würzburg 1983; DERS., Genesis 12-50 (NEB) Würzburg 1986;
C. WF.5TERMANN, Genesis 1-11; DERS., Genesis 12-36 (BK V2) Neukirchen·
Vluyn 21989; G. VON RAD, Das erste Buch Mosc; B. JACOB, Das erste Buch
der Tora, Berlin 1934; sowie die Monographien von C. UVIN, Der Jahwist,
Görtingen 1993; K. BERGE. Die Zeit des Jahwisten. Ein Beitrag zur Datierung
jahwistischer Väterrexte, Berlln. New York 1990; C. UEJlUNm:R, Weltreich
und "eine Rede". Eine neue Deutung der sog. Turmbauer.lählung (Gen 11,
1-9) Görtingen 1990; U. WORSCIiEClI, Abraham. Eine sozialgeschichtliche Stu
die. Frankfurt 1983; R. 08ERFORCIIER, Die Flutprologe als Kompositions
schlüssel der biblischen Urgeschichte. Ein Beitrag zur Redaktionskritik, Inns·
bruck. Wien. München 1981; P. WFIMAR, Untersuchungen zur Redaktionsge
schichte des Pentateuch, Berlin. New York 1977; H. 11. SCHf.,'UD, Der soge
nannte Jahwist. Beobachtungen und Fragen zur J>enrateuchforschung, Zürich
1976; R. KIUAN, Die vorpriesterlichen Abrahamsiiberliererungen, Bonn 1966.
4 Vgl. R. BRANDSCIIEIDT, Kain und Abcl. Die Siindenfallerzählung des jahwi·
sten in Gen 4, 1-16, in: TIhZ 106 (1997) 1-21.
2
ßcnd für eine Präzisierung der übergeordneten Fragestellung, warum
der Jahwist in der Anrede Israels zu den Mitteln einer derart struktu
rierten urgeschichtlichen Darstellung gegriffen hat, fruchtbar gemacht
werden.
I. Zur literarischen Gestalt der Tradition des Jahwisten in Gen 6-12
I. Literarkritische Beobachtungen zu Gen 6, 5-12, 20
Oie Flurgeschichte sent in Gen 6,5-8 mit einer theologischen Reflexion ein.
Nach einem den HandlungseinsarL Jahwes ankündigenden Narrativ (wojjar') in
6,5 folgen - hypotaktisch zugeordnet durch begründendes ki - zwei Nominal
satte mit einer Zustandsschilderung, welche die Verderbtheit des Menschen
festhalten. Die Bemerkung uber das Anwachsen der Bosheit in 6,5a überbie
tend thematisiert 6, 5b als Grund der Gonabgewandtheit die Abgrundigkeir des
menschlichen Herzens. Da aber 1m Vorfeld dieser Betrachtung das Nachsinnen
über die Verbohrtheit und Verstockung des Herzens innerhalb der Prophetie
Uer 3, 17; 7,24; 9,13; Ez 2,4; 3,7; I Kön 22,21; Jes 6,9 f.) vorausgesetzt
scheint, weist die Darstellung - wie es auch der Gebrauch der meist in jüngeren
Texten begegnenden Begriffe le$aer und maIJasdbdh nahelegt - auf den sekun
dären Charakter des Versteiles hinI. Der Reaktion Jahwes auf sein Sehen in
V.6 folgt in V.7 eine Jahwerede, in welcher der EnrschluB Gones zur Vernich
tung des Menschen die ßegrundung V. 6a (Reue Jahwes) wiederholt. Die Spezi
fiz.ierung "von den Menschen biS wm Vieh, bis zu den Kriechtieren und bis zu
den Vögeln des Himmels" ebenso wie der Reladvsau "die ich geschaffen
habe" (bJrd) lassen priesterschrifrlichen Sprachstil erkennen und weisen daher
den Vers als eine gegenuber V. 5·. 6 jungere Darstellung aus. DLe Feststellung
y.
8 als Kontrastaussage zum Vermchtungsbeschluß V.7 gehört ebenfalls den
lungercn Anteilen der Flutgcschichre an, da sie mit dem H1I1weis auf den Gna
denwillen Jahwes eine Deutung des gesamten Geschehens voraussent und an
dieser Srelle die Lösung bereitS vorwegnimmt.
Der Text 6,9-22 ist im Stil der Priesterschrifr gestaltcr6. Unter Einsatz der
Toledotformel bieten V. 9-10 eine Genealogie Noachs und heben dessen Fröm
migkeit im Kontrast zur nachfolgend 111 V. 11-12 geschilderten Verderbtheit
der Menschheit hervor. Die sich in V. 13-21 anschließende Rede Gones (Elo
h1l11), gegliedert durch dic Ankundigung einer Vernichtung der Menschheit in
V. 12 und V. 17, fordert Noach zum Bau der Arche auf (V. 1'>-16) und kündigt
ihm zusammen mit dem Auftrag zur Ausrustung der Arche einen Bund zur Er
haltung des Lebens an (V. 18-21). Der Eintrag schließt mit einer knappen Aus
fuhrungsnoriz in V.227•
S Vgl. L. RUPPFRT, Genesis, 315.
(, Stilistische Beobachtungen zu Gen 6, 9-22 bieter S. E. Me EVENUE., Tbe Nar
rative Style ofTbe Priesrly Wrirer (An Bibl50j, Rom 1971,
7 Zum Aufbau vgl. L. RUPPERT, GenesiS, 321 f.; C. WFSfERMANN, Genesis
1-11,554.
3
Der Befehl Jahwes an Noach zum Einzug in die Arche in 7, 1 ser.tt nach
6,5·.6 den Grundtext fort. Die Aussage über Noachs Gerecluigkeit in V.7b
stellt in diesem Zusammenhang jedoch keine angemessene Begründung für den
Auftrag Jahwes dar - eine solche liegt erst in 7,4 vor - und entspricht zudem
den Angaben der bereits als sekundär erkannten Aussage 6,9. Die Ausführung
über die reinen und nichtreinen TIere in 7,2-3 scheint eine mir Blick auf die
Opfergesctzgebung (Dm 14,3-21; Lev 11) eingetragene Spezifizierung dessen
zu sein, was der Begriff "Haus" in 7, I alles beinhaltet; zudem schwiicht die
Zweckangabe (Nachwuchssicherung) den Ernst der nachfolgenden Gerichtsaus
sage ab. Die ursprüngliche Fortsetzung des jahwistischen Grundtextes nach
7, t· liegt in 7,4 vors. Die in 7,5 berichtete Erfüllung des gönlichen Auftrages
bezieht sich auf den in 7,2 notierten Jussiv tiqqal? im sekundären Vers 7,2 und
gehört daher nicht dem jahwistischen Grundtext an. Der Weisung 00' in 7, J
entspricht vielmehr die Ausführung wa/itJbö' in 7,7. Allein die syntaktisch
nach klappende Bemerkung "bevor das Wasser der Flut kam" in 7, 7b ist sekun
där. Erst die jüngeren Eintragungen (vgl. 6,7; 7,6) sprechen von einer Flut
(mabbliI)9, der Jahwisf hingegen beschreibt einen lang anhaltenden Regen (gae
Saem). Nicht ursprünglich sind auch die Verse 7,6.8-11. Die Datierung des
Flutausbruchs im Leben Noachs, die Klassifizierung der Tiere, die prozessions
artig in die Arche einziehen (vgl. 6, 19 f.; 7.2-3). der Hinweis auf die Verursa
chung der Flut durch die Rückkehr der Chaosgewässer (zu t'h6m vgl. Gen 1,2)
lassen die Stilistik einer jüngeren Zeit erkennen. Ingressiv schildert 7, 12 mit
Blick auf die vierlig Tage und vien.ig Nächte das Einse •. ten der Regenflut (gae
$aem) und sem somit nach 7,7 den Grundtext fort. Das En.ählstück 7, 13-163
hingegen, das den auf Gottes Geheiß hin (zu jiwwaJ, vgl. 6,22; 7,9) vollzoge
nen feierlichen Einzug der Noachfamilie und der Tiere in die Arche schildert,
gehört der priesterschriftlichen Darstellung an und dokumentiert Noachs Ge
horsam dem an ihn ergangenen Gotteswon (vgl. 6, 18-20) gegeniiber. Die Aus
sage 7, 16b hingegen beschließt den jahwisrischen Einzug in die Arche und
hält in der Verwendung des bereits in der Schöpfungsgeschichte eingesetzten
Verbums s4gar (vgl. Gen 2,21) die Fürsorge Jahwes auch im Gericht fest. Das
nachfolgend unrer Angabe des Maßes geschilderte Ansteigen der Flut
(V. 17b. 18a. 19a. 20a) samt ihren verheerenden Auswirkungen (V. 21. 22) fin
det in 7. 17-22 eine mehrfache Erwähnung. Das Stichwort mabbtiJ ebenso wie
die 3m Schicksal der Arche interessiene Darstellung lassen eine jüngere Aussa
geweise erkennen. Für den Jahwisten ist nicht die Bedrohung der Arche das
Thema, sondern die Vernichtung des Geschaffenen außerhalb ihrer. Auch das
in V.21-22 geschilderte Umkommen der Tiere, die nach Arten differenziert
werden (vgl. 7, 14) und der Nachdruck, mit dem 7,22 den Untergang 311 des
sen fesrhält, was Lebensgeisr in sich hat (vgl. 6, 17), zeigt alle Merkmale jünge
rer Darstellungsweise. Erst 7,23 setzt mit Impf.cons. ohne ausdrückliche Nen-
11 So auch P. WEIMAR, Untersuchungen. 140.
9 Vgl. hierzu J. BEGRICH, Mabbul. Eine exegetisch-lexikalische Studie (1928);
Neudruck in: DERS., Gesammelte Studien zum Alten Testament (TB 21) Miin
ehen 1964, 55-66.
4
Description:markierte in vorsraatlicher Zeit die Lade das Kultobiekt für den Dienst der. Leviten. Zur Problematik der Lade vgl. E. Rl:'.lJrERIM. GÖRG, Art. Lade, in. NBL 11 (1995)574-578. 35 28 Zur Geschichte im Rahmen von Rhetorik und Grammatik siehe BÖHM (wie. Anm. 19); zur Funktion der exempla