Table Of ContentThalassokratographie
Transformationen der Antike
Herausgegeben von
Hartmut Böhme, Horst Bredekamp, Johannes Helmrath,
Christoph Markschies, Ernst Osterkamp, Dominik Perler,
Ulrich Schmitzer
Wissenschaftlicher Beirat:
Frank Fehrenbach, Niklaus Largier, Martin Mulsow,
Wolfgang Proß, Ernst A. Schmidt, Jürgen Paul Schwindt
Band 52
Thalassokratographie
Rezeption und Transformation antiker Seeherrschaft
Herausgegeben von
Hans Kopp und Christian Wendt
Gedruckt mit Mitteln, die die Einstein Stiftung Berlin zur Verfügung gestellt hat.
ISBN 978-3-11-056889-9
e-ISBN (PDF) 978-3-11-057182-0
e-ISBN (EPUB) 978-3-11-057054-0
ISSN 1864-5208
Library of Congress Cataloging-in-Publication Data
Names: Kopp, Hans (Hans Gerhard), editor. | Wendt, Christian, 1976- editor.
Title: Thalassokratographie : Rezeption und Transformation antiker Seeherrschaft /
herausgegeben von Hans Kopp und Christian Wendt.
Description: Berlin : De Gruyter, 2018. | Series: Transformationen der Antike; Band 52 |
Includes bibliographical references and index. | German or English.
Identifiers: LCCN 2018009482 (print) | LCCN 2018012015 (ebook) | ISBN 9783110571820 |
ISBN 9783110568899 (hardcover : alk. paper)
Subjects: LCSH: Greece--History, Naval. | Rome--History, Naval. | Europe--History, Naval.
Classification: LCC DE84 (ebook) | LCC DE84 .T47 2018 (print) | DDC 359/.020938--dc23
LC record available at https://lccn.loc.gov/2018009482
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National-
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© 2018 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston
Einbandgestaltung: Martin Zech, Bremen
Logo »Transformationen der Antike«: Karsten Asshauer – SEQUENZ
Druck und Bindung: CPI books GmbH, Leck
www.degruyter.com
Vorwort
DieBeiträgedesvorliegendenBandessinddasErgebniseinerTagung,dieimMai
2015 unterdem Titel „Thalassokratographie: Rezeption und Transformation an-
tiker Seeherrschaft“ an der Freien Universität Berlin stattfand, ergänzt um den
Beitrag von Filippo Carlà-Uhink und Florian Freitag, der nachträglich aufge-
nommen wurde, um das Spektrum der vertretenen Perspektiven nochmalig zu
erweitern.
Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Tagung sei an dieser Stelle
herzlich gedankt, ebenso dem Exzellenzcluster Topoi für die Ausrichtung der
Veranstaltung.Ein besondererDankgiltzudem derEinsteinStiftungBerlin,die
die Drucklegung des Bandes durch ihre großzügige finanzielle Unterstützung
ermöglichte.NamentlichzudankenhabenwirzudemOlenaGainulinaundMarco
Michele Acquafredda vom Verlag De Gruyter, die das Projekt kompetent und
hilfreichbegleitethaben.FernerdankenwirdenverschiedenenOrganisationen,
die uns photographische Reproduktionen überlassen und die Druckgenehmi-
gungen erteilt haben. Besonderer Dankgebührt schließlich den Gutachtern des
Peer-Review-VerfahrensfürihrewertvollenundhilfreichenAnmerkungensowie
den Herausgebern der „Transformationen der Antike“ für die Aufnahme des
BandesindieReihe.
Berlin,imMärz2018 HansKopp
ChristianWendt
https://doi.org/10.1515/9783110571820001
Inhalt
Hans Kopp/Christian Wendt
Rezeption und Transformation antiker ‚Seeherrschaft‘ – eine Einleitung 1
I Fragen des Elements
Hartmut Böhme
„Jeder hat noch in den Alten gefunden, was er brauchte, oder wünschte;
vorzüglich sich selbst.“
Transformationen antiker Ozean-Bilder am Beispiel von Kolumbus und
Alexander von Humboldt 33
Christian Wendt
Xerxes am Tay, oder: „Bedenke, Du bist nur ein Mensch!“ 61
II Ambivalente Referenzen
Ernst Baltrusch
Anfällig für „Korruption und Sittenverfall“?
Die Rezeption griechischer Seemacht in Rom 93
Ben Earley
Ministerial Government, Athenian Sea Power, and Pericles in British Thought,
1732–1759 115
III Das Meer als Herrschaftsraum und die Legitimationskraft
der Antike
Louis Sicking
Inspirationen aus der Antike
Die Repräsentation von Seemacht in den Niederlanden des
16. Jahrhunderts 143
VIII Inhalt
Hans Kopp
John Dee und die Wiederentdeckung der ‚Thalassokratie‘ im
16. Jahrhundert 169
Kaius Tuori
The Savage Sea and the Civilizing Law: The Roman Law Tradition and the
Rule of the Sea 201
IV Öffnung des Spektrums. Moderne Interpretationen antiker
Seeherrschaft
Barry Strauss
Three Modern Navalist Thinkers and Antiquity 221
Joshua Derman
The Idea of Thalassocracy in Nazi Germany: Carl Schmitt and Ernst Wolgast
on Sea Power in History 233
Edith Foster
Rule of the Sea and Empires of the Air: Pericles’ Speeches in Thucydides and
Early Descriptions of Air Power 261
Filippo Carlà-Uhink/Florian Freitag
(Not so) Dangerous Journeys: The Ancient Mediterranean and Ancient
Mythological Sea Travelers in European Theme Park Attractions 283
Autorenverzeichnis 301
Register 303
Hans Kopp/Christian Wendt
Rezeption und Transformation antiker
‚Seeherrschaft‘ – eine Einleitung
‚Thalassokratographie‘,dasWortimTiteldiesesBandes,isteineNeuschöpfung,
dieausdrückensoll,worumesindenhierversammeltenBeiträgengeht.Esgeht
nicht um ‚Thalassokratie‘ –also einen Begriff, mit dem oftmals die Versuche
antiker Mächte, zu Wasser zu ‚herrschen‘ und so ‚Seeherrschaft‘ auszuüben,
umschriebenwerden,inder(freilichproblematischen)Annahme,mitexaktdie-
semAusdruckhabeschondieAntikeselbstdasPhänomenmaritimerMachtund
Herrschaftreflektiert.¹WasindenBeiträgendiesesBandesimMittelpunktsteht,
istvielmehrdasspätereSchreibenüber‚Thalassokratie‘,dasEntwerfenvonBil-
dern,dasEvozierenvonVorstellungendavon,wasantike‚Seeherrschaft‘gewesen
seiundwiesieunterjeweilsanderenUmständenneugedeutetwerdenkönne–
also:nicht‚Thalassokratie‘,sondern‚Thalassokratographie‘.²
I ‚Seeherrschaft‘, kein Gegenstand der
Rezeptionsforschung – eine Ursachenanalyse
RezeptionsforschungbedarflängstkeinerRechtfertigungmehr:Dassdiespätere
Wiederentdeckung und Aneignung der Antike keineswegs von nur sekundärer
BedeutungoderalleineinpassivübernommenesErbeeineraussichselbstheraus
bedeutungsvollenVergangenheitist,sonderneinessentiellerTeilderAntwortauf
die Frage, was Antike eigentlich sein kann, wie sie gedeutet und rekonstruiert
werden mag und wie sie im Augenblick der späteren Auseinandersetzung stets
neu entworfen und mit Relevanz versehenwird, darf als etablierte Forschungs-
prämisse gelten – nicht allein, aber auch aus altertumswissenschaftlicher Per-
spektive.³ ‚Rezeption der Antike‘ ist dabei – und diese Feststellung ist für das
SiehedazudenBeitragvonHansKoppindiesemBandsowiegenerellKopp(2016).
GanzähnlichwirdauchdieVerwendungdesbereitsim19.Jahrhundertgeprägten,jüngstje
dochneuflorierendenBegriffs‚Thalassographie‘erklärt,inAbgrenzungzu‚Thalassologie‘;siehe
Miller(2013),ix(„SeriesEditor’sPreface“):„Whyinvokeaneologism?[…]Theturnto‚Thalas
sography‘explicitlyemphasizesthewritingaboutthesea“.
ZumStandundzudenPerspektivenderRezeptionsforschungvgl.Hardwick(2003);Martindale
(2006a), (2006b), (2013a), (2013b); Hardwick/Stray (2008); Porter (2008); Böhme/Bergemann/
https://doi.org/10.1515/9783110571820002
2 HansKopp/ChristianWendt
Folgende von großer Bedeutung – als Phänomen wie auch als Forschungsheu-
ristik keineswegs nur auf die Auseinandersetzung mit der ‚klassischen‘, kano-
nischgewordenenLiteraturderAntikebeschränkt,sondernumfassttheoretisch
sämtliche Elemente der antiken Welt, neben materiellen Objekten, Ideen und
Entwürfen,einzelnenAutorenundderenTextenebensoauchprimärPolitisches,
etwa Institutionen und deren konzeptionelle Grundlagen.⁴ Ebenso ist auch den
Medien undAgentenspätererRezeptionenkaumeineGrenzegesetzt:dieVerar-
beitungantiker Mythen im Theater,die Darstellungund Vergegenwärtigungder
Antike im Historienfilm, Comic oder Computerspiel, die Benennung von Sport-
vereinen mit der Antike entlehnten Namen – all das ist Antikerezeption, diese
somit keine Ausnahmeerscheinung, sondern ein auch unserer heutigen Gegen-
wartfesteingewobenesPhänomen.⁵
SogegenwärtigdieRezeptionderAntikeaberauchseinmag–derRezeption
von antiker‚Seeherrschaft‘gelangesbis datonicht, zum Gegenstand des Inter-
esses der Forschung zu werden,von wenigen knappen Bemerkungen und kür-
zeren Auseinandersetzungen einmal abgesehen, die sich vornehmlich mit der
Wiederentdeckung antiken seestrategischen Wissens zu Beginn der Neuzeit be-
fassen.⁶ Zwar befand etwa Andrew Lambert, dass „[a]ncient sea power had a
politicalandculturalsignificancethathasfrequentlybeenrevivedacrosstheages
to invest the concept with meanings far broader than those encompassed by
strategists“,⁷dochausführlicherunddetailliertererfuhrdieser‚Einfluss‘bislang
kaumakademischeAufmerksamkeit.ZumeistbeschränktsichdieForschungauf
allgemeinereliterarischeAuseinandersetzungenmitdemVerhältnisvonMensch
und Meer bzw. auf Teilaspekte, etwa das Fortleben antiker Topoi über die Be-
wertung der Seefahrt in der Zeit, als die maritimen Entdeckungs- und Erobe-
rungsfahrten europäischer Mächte „mit der Neuerschließung der griechisch-rö-
mischenGedankenwelt“zusammenfielenund„inderpoetischenVerklärungder
modernen Seetaten […], oft antithetisch zu den christlichen Argumenten, die
antiken Stimmen zur Schiffahrt“ mitklangen.⁸ Auch ist die spätere Rezeption
Dönike/Schirrmeister/Toepfer/Walter/Weitbrecht (2011); Hardie (2013); Rood (2013); Butler
(2016).
SieheSteel(2015),1.Vgl.dazuauchHardwick/Stray(2008),1(„texts,ideas,mythsandvisual
andphysicalculture“)sowieBöhme(2011),15.
Vgl.Lindner(2013),9 10;Rood(2013),199 200.Zur‚Gefahr‘,dievondieserAusweitungdes
Forschungsinteressesausgehenkann,vgl.jedochMartindale(2010),143.
SobeiSicking(2004),345;Heuser(2010),207;(2017),227,232.SpeziellfürThukydidesjetzt
Kopp(2017),22 27.
Lambert(2010),82.
Heydenreich(1970),12.
Description:So vielfältig die spätere Rezeption antiker Seeherrschaft auch war, ist sie bislang doch nicht Gegenstand einer umfassenden Untersuchung geworden. Es zeichnet die griechisch-römische Antike aus, dass sie nicht nur reale Anläufe zur Erringung von Seeherrschaft kannte, sondern auch ein Reservoir a