Table Of ContentCürnelia Züll . Peter Ph. Mühler (Hrsg.)
Textanalyse
ZUMA-Publikationen
In der Reihe ZUMA-Publikationen erscheinen fundierte Monographien und
Sammelbände zu wichtigen Fragen der Empirischen Sozialforschung. Alle
diese Werke sind in engem Zusammenhang mit dem Forschungsprogramm
des Zentrums für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA) entstanden.
Veröffentlicht werden sowohl eigene Untersuchungen als auch die Ergeb
nisse der Arbeit von Gastwissenschaftlern, Workshops und wissenschaft
lichen Tagungen. Es entspricht der Aufgabenstellung des ZUMA, daß der
Schwerpunkt der Bände im Bereich der Methoden der Empirischen Sozial
forschung liegt. Dennoch werden auch andere Themen behandelt, etwa
Fragen des gesellschaftlichen Wandels und der Sozialberichterstattung.
Wir hoffen, daß die ZUMA-Publikationen einen Beitrag zur Weiterent
wicklung, aber auch zur Ergebniskumulation der Empirischen Sozial
forschung leisten.
Max Kaase, Peter Ph. Mohler
Cornelia Züll· Peter Ph. Mohler (Hrsg.)
Textanalyse
Anwendungen der computerunterstützten Inhaltsanalyse .
Beiträge zur 1. TEXTPA CK-AnwenderkonJerenz
Westdeutscher Verlag
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Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Umschlaggestaltung: Horst Dieter Bürkle, Darmstadt
Gedruckt auf säurefreiem Papier
ISBN 978-3-531-12415-5 ISBN 978-3-322-94229-6 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-322-94229-6
Vorwort
Vor nicht allzu langer Zeit beschäftigte die Frage, ob die computerunter
stützte Inhaltsanalyse (cui) zwischen Algorithmen und Mythen gefangen
sei, die wissenschaftliche Auseinandersetzung. Auf die schlichte Frage, was
man mit dieser Methode den anfangen könne, konnten man immer wieder
nur dieselben, teilweise leicht vergilbten Anwendungen vorweisen. Kurz, die
cui war, um das geflügelte Wort umzuwandeln, eine Methode auf der Suche
nach Anwendern.
Inzwischen ist sie fündig geworden und davon soll der vorliegende Band
berichten. In ihm stellen wir einen Ausschnitt aus dem tä~lich wachsenden
Spektrum substanzwissenschaftlicher Anwendungen der cui vor. Die Beiträ
ge entstammen alle aus Referaten der 1. TEXTPACK-Anwenderkonferenz,
die ZUMA im März 1992 veranstaltete, und die auf breite Resonanz stieß ..
Unser besonderer Darik gilt den Verfassern, die fundierte Beiträge zügig
und rasch fertigsteIlten. Bedanken möchten wir uns auch bei den Teilneh
mern der Konferenz, deren Anregungen und Kritik wir gerne aufgenommen
haben. Dem ZUMA Tagungssekretariat danken wir an dieser Stelle für die
ausgezeichnete Organisation der Konferenz und nicht zuletzt danken wir
Christine Weber, die die Fertigstellung der Druckvorlagen der Manuskripte
besorgte.
Cornelia Züll, Peter Ph. Mohler Mannheim, im Juli 1992
INHALT
Peter Ph. Mohler, Cornelia Züll 1
Einleitung
Alfons Geis .............................. ........................... ........................................... 7
Computerunterstützte Inhaltsanalyse
-Hilfe oder Hinterhalt? -
Erhard Mergenthaler, Charles H. Stinson .. ....... .......................................... 33
Zur Reliabilität von Transkriptionsstandards
Klaus G. Grunert ............... ..... ... ......... ....... ....... .... ......... ........... ......... .......... 57
Die Verkodung qualitativer Interviewdaten:
Psychologische und technische Probleme am Beispiel
der Messung der konitiven Struktur von Konsumenten
Urban Lissmann .......................................................................................... 79
Die Analyse handlungsleitender Kognitionen
mit Hilfe von TEXTPACK
Harald K.-H. Klingemann ............................................................................ 105
Everyday Definitions of Deviant Behavior:
Computer-Assisted Content Analysis ofLay Concepts of
Alcohol and Drug Problems, Delinquency and Youth Problems
Michael Hölzer, Nicola Scheytt, Horst Kächele ........................................... 131
Das "Affektive Diktionär Ulm" als eine Methode
der quantitativen Vokabularbestimmung
Inhalt VII
Rüdiger Dohrendorf ....................................................................................... 155
Die Leitglossen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung -
Praxis der computerunterstützten Inhaltsanalyse
Manuel Eisner ............................................................................................. 185
Semantische Assoziation und Dissoziation von politischen
Leitbegriffen -ein neues textanalytisches Verfahren
zur Identifikation von semantischen Assoziationsfeldern
und einige Anwendungsbeispiele
Peter Ph. Mohler ............................................................................................ 213
Links oder Rechts: eine offene Frage -
Eine Exploration der Begriffiichkeit in
Ostdeutschland
Anhang
Cornelia Züll, Peter Ph. Mohler ................................................................... 225
Was ist TEXTPACK?
Einleitung
Peter Ph. Mohler und Cornelia Züll
Es ist heute alltäglich, daß Befragte in Umfragen innerhalb weniger Sekun
den ihre Antworten auf oft komplexe Fragen in Zifferncodes verschlüsseln.
Tun dies Sozialwissenschaftier mit ihnen vorliegenden Texten, wird diese
alltägliche Handlung erstaunlicherweise auch heute noch schnell zu einer
schwarzen Kunst, genannt Inhaltsanalyse. Computerunterstützte Inhalts
analyse, kurz cui, erscheint dann manchem als eine Steigerung dieser
geheimnisvollen Wissenschaft. Wie wir aber alle wissen oder wissen sollten,
ist auch Magie erlernbar, und mit der cui verhält es sich nicht anders.
Dazu benötigt man Techniken, gute Beispiele und auch viel Übung. Die
Technik, wie man TEXTPACK PC benutzt, haben wir in einem anderen
Band erläutert (Züll, Mohler & Geis, 1991). In diesem Band stellen wir eine
Reihe von Beispielen vor, die eine tiefergehende Auseinandersetzung mit
der cui erlauben sollen. Die Beiträge entstammen einer TEXTPACK-Anwen
derkonferenz aus dem März 1992. Nachdem die cui in den sechziger Jahren
insbesondere durch den General Inquirer (Stone et al. 1966) einen gewissen
Aufschwung erhielt, flachte das Interesse in den siebziger Jahren deutlich
ab. Dies lag vor allem an der Unzugänglichkeit von geeigneten Computer
programmen. Mit der institutionellen Förderung von TEXTPACK durch
ZUMA, aus der die erste portable Version im Jahr 1981 resultierte und die
dann zur Entwicklung der PC-Version führte, sowie dem ungeheuren Auf
schwung der EDV in den Geistes- und Sozialwissenschaften durch die PC
Technik stieg das Interesse an der cui wieder deutlich an. Von daher war es
nicht verwunderlich, daß es neben einigen Pionierarbeiten vornehmlich
methodische und methodologische Literatur zur cui gab. Wir dachten, es sei
2 Einleitung
nun an der Zeit, wieder zur Sache, d.h. zu substanzwissenschaftlichen An
wendungen der cui zu kommen und riefen deshalb unsere Kollegen zu der
ersten TEXTPACK-Anwenderkonferenz auf.
Die in diesem Band versammelten Beiträge resultieren, wie gesagt, aus
dieser Konferenz. Im folgenden sollen die Beiträge kurz vorgestellt werden.
Im Spannungsverhältnis von konventioneller Inhaltsanalyse und cui ist
der Beitrag von Alfons Geis angelegt. Sehr genau betrachtet er die Mög
lichkeiten und Irrwege der cui vom Standpunkt der konventionellen
Inhaltsanalyse. Sein Ziel ist die Integration der cui in die Inhaltsanalyse,
statt diese als völlig eigenständiges Verfahren zu betrachten. Dazu gibt er
zuerst eine Überblick über die klassische, konventionelle Inhaltsanalyse,
wie sie vor allem in der Kommunikationswissenschaft entwickelt worden
ist. Von dort aus zeigt er die Besonderheiten der cui auf und stellt Anwen
dungen vor. Hilfestellung für Entscheidungen, ob cui-Verfahren eingesetzt
werden können und sollen, gibt er mit einem inhaltsanalytischen Kompass.
Daneben verweist er auf gewisse Möglichkeiten, rudimentäre cui mit Hilfe
von Texteditoren durchzuführen.
Zur Transkription gesprochener Sprache gibt es, vor allem in der Lingui
stik und in bestimmten Feldern der Psychologie, eine recht umfängliche
Literatur, in der über zum Teil extrem detaillierte Verschriftungsverfahren
berichtet wird. Dabei wurde ein erheblicher Aufwand betrieben, um die
Gültigkeit bestimmter Transkriptionsverfahren nachzuweisen. Nicht be
achtet wurde dagegen das Problem der Zuverlässigkeit im Sinne einer
Reproduzierbarkeit einer Transkription durch verschiedene Personen oder
durch dieselbe Person in unterschiedlichen Zeitabständen, ein Problem, das
in etwa mit der Abschätzung von Coderreliabilitäten bei der konventionel
len Inhaltsanalyse vergleichbar ist. Erhard Mergenthaler und Charles H.
Stinson führten umfangreiche Experimente durch, die zum Teil zu überra
schenden Ergebnissen führen. Im Ende zeigen Ihre Untersuchungen die
Notwendigkeit auf, immer auch den Rückgriff auf die Tonband- oder Vi
deoaufzeichnungen als Analysemöglichkeit offen zu halten. Sie machen
auch klar, daß es Fälle gibt, die eine auch nur annähernd zuverlässige
Transkription nicht zulassen.
Gruppendiskussionen werden in der Marktforschung sehr häufig für
tiefergehende, qualitative Untersuchungen eingesetzt. Klaus G. Grunert
zeigt, wie diese Methode der Datenerhebung sinnvoll und gewinnbringend
für quantitative Analysen verwendet werden kann.
Grunert setzt sich dabei mit deduktiven Verfahren der Marketingfor
schung auseinander, wie dem sogenannten "laddering", mit deren Hilfe die
subjektive Produktbedeutung gemessen werden soll. Diesem deduktiven
Ansatz, der auf ein einfaches theoretisches Ziel-Mittel-Paradigma aufsetzt,
stellt er ein induktives, sequenzanalytisches Verfahren gegenüber. Sein
Einleitung 3
Verfahren geht von einem theoretischen Anwendungs-Alternativen
Merkmal-Modell aus. Dabei werden sowohl Produktanforderungen der
Verbraucher wie deren Produktwissen und Produkterfahrung in die Analyse
miteinbezogen.
Grunert setzt sich ausführlich mit methodischen Problemen der Verco
dung von Daten des laddering und des sequenzanalytischen Verfahrens
auseinander. Er präferiert anstelle des Diktionäransatzes in der Tradition
des General Inquirer einen offeneren, induktiven Ansatz in der Tradition
von Iker, wie dies auch Eisner vorschlägt. Darüber hinaus skizziert er
Ideen, wie Diktionäre für eine interaktive, manuelle Vercodung sinnvoll
genutzt werden.
Urban Lissmann untersuchte "Protokolle lauten Denkens", in denen
Lehrer sich über Korrekturen äußern. Die leitende Fragestellung seiner
Studie entsprang der Beobachtung, daß Lehrer in kurzer Zeit die Leistungs
fähigkeit ihrer Schüler einschätzen können. Von daher steht die Frage nach
den dabei ablaufenden Urteilsprozessen im Vordergrund seiner Analysen.
Dafür entwickelte Lissmann einen speziellen zwei stufigen inhaltsanalyti
schen Diktionär. Auf der ersten Stufe faßt er Verben, Adjektive, Substantive
etc. eines Begriffs zusammen, um dann in einem zweiten Schritt die so ge
wonnenen Begriffskategorien nochmals zu Oberbegriffen zusammen
zufassen.
Mit Hilfe von Faktoren- und Clusteranalysen kann er fünf Lehrertypen
identifizieren, die in unterschiedlicher Weise Leistungsbezüge, Charakterei
genschaften, Aufgabenbezüge, Sozialbezüge usw. in ihren Urteilsprozess
über Schüler einfließen lassen. Methodisch zeigt Lissmann eine Reihe von
Problemen der Kategorisierung, insbesondere der Verwendung von Exper
ten bei der Diktionärsvalidierung, auf.
Harald K.-H. Klingemann untersucht offene Fragen aus einer Befragung
zu Alkohol- und Drogenproblemen. Ihn interessieren die von Laien verwen
deten Begriffe und deren Wissensstruktur. In klassischer Manier ent
wickelte er ein Diktionär, mit dessen Hilfe er verschiedene Dimensionen,
wie z.B. Körperfunktionen oder Verhaltensmuster, rekonstruiert. Im An
schluß daran vertieft er die Analyse über KWIC-Betrachtungen innerhalb
spezifischer semantischer Felder, wie z.B. einer vertieften Betrachtung des
Feldes 'Verhaltensmuster". Er kann feststellen, daß die Begriffiichkeit von
Laien, entgegen manchen Erwartungen, nicht von Stereotypen geprägt ist,
daß sie vielmehr zu Alkohol- und Drogenproblemen eine mehrdimensionale
Begriffiichkeit entwickeln. Im Unterschied zur gängigen wissenschaftlichen
Betrachtung, verquicken Laien soziale, psychologische und physische Indi
katoren.
Michael Hölzer, Nicola Scheytt und Horst'Kächele untersuchen das Voka
bular psychoanalytischer Sitzungen. Diese Untersuchung schließt an
Description:Vor nicht allzu langer Zeit beschäftigte die Frage, ob die computerunter stützte Inhaltsanalyse (cui) zwischen Algorithmen und Mythen gefangen sei, die wissenschaftliche Auseinandersetzung. Auf die schlichte Frage, was man mit dieser Methode den anfangen könne, konnten man immer wieder nur dies