Table Of ContentJens Wurtzbacher
Sicherheit durch Gemeinschaft?
Jens Wurtzbacher
Sicherheit durch
Gemeinschaft?
Bürgerschaftliches Engagement
für öffentliche Sicherheit
Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2004
Gedruckt auf säurefreiem und alterungsbeständigem Papier.
Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme
ISBN 978-3-8100-3998-9 ISBN 978-3-663-11359-1 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-663-11359-1
© 2004 Springer Fachmedien Wiesbaden
Ursprünglich erschienen bei Leske + Buderich, Opladen 2004
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Inhalt
Danksagung 9
Einleitung 11
Kapitel I:
Sicherheit und soziale Ordnung - Entwicklung und Wandel des
staatlichen Gewaltmonopols 15
1.0 Wurzeln des Sicherheitsbegriffs _:--:-:----:-__- --:--:--:----:-_ 16
1.1 Die Hobbesianische Perspektive auf die innere Sicherheit _ 17
1.2 Der Staat als Garant bürgerlicher Freiheitsrechte - die
Perspektive lohn Locke's -,----,----:----c:-:----:--:--:-- 18
l.3 Historische Entwicklungslinien der inneren Sicherheit __ 19
1.4 Rechtsstaat versus Polizeistaat-,-_________ 21
1.5 Die soziale Konstruktion von Sicherheit ------- 23
1.6 Sicherheit als sozialer Verrnittlungsprozess-,--_-,--___ 25
1.7 Die Gewährleistung von innerer Sicherheit als primäre
Aufgabe des modemen Staates __________ 28
1.8 Wandel oder Ende des staatlichen Gewaltmonopols? __ 31
1.9 Das gemeinschaftliche Fundament der
Sicherheitsinstitutionen ------------- 36
Kapitel 11:
Entdeckung der inneren Sicherheit als Gemeinschaftsaufgabe _ 41
2.0 Die Broken-Windows-Theorie- --:----------- 42
2.1 Polizeiliche Organisationsveränderungen -
Community Policing ______________
45
2.2 New York City versus Chicago - Projektansätze des
Community Po Ii c ing __- :----=--:-:--:---:--::-:_--::-::----=--=-:--_ 48
2.2.1 Zero-Tolerance - Community Policing in New York City _ 48
5
2.2.2 Community Policing in Chicago _---:-________ 50
2.3 Von der Notwendigkeit der Differenzierung ___: --__ 53
2.4 Wandel der Innenpolitik und Aufstieg der kommunalen
Kriminalprävention in Deutschland _________ 56
2.4.1 Der Präventions gedanke und die Ebene des Gemeinwesens 57
2.4.2 Kriminalpräventive Projektkonzeptionen
in Deutschland 59
2.4.3 Kommunale Kr~im~in~al-pr-äv~en-tio-n- u-nd: ----------
Bürgerpartizipation --:-___. ..,...-_~:--~--~---:- 60
2.5 Community Policing, kommunale Kriminalprävention und
Bürgerpartizipation -
Krimininologische Positionen in Deutschland _____
61
Kapitel III:
Gemeinschaft und innere Sicherheit ___________ 65
3.0 Der Gemeinschaftsbegriff in der Soziologie __: --_....,..._ 65
3.1 Kriminalitätsfurcht als Indikator unsicherer Gemeinschaft 68
3.2 Unspezifische Hilfeleistungen als polizeilicher Arbeitsalltag 72
3.3 Die Basis gemeinschaftlichen HandeIns für innere Sicherheit 73
3.4 Kommunitaristische Positionen zur Verbrechensbekämpfung 75
3.5 Bürgerschaftliches Engagement als gemeinschaftliches
Handeln :--::-:-:--=-----=,---____- :-:::--=----:,.--:--,-___ 78
3.6 Bürgerschaftliches Engagement und die Gewährleistung
innerer Sicherheit - Ausblick 82
-----------
Kapitel IV:
Sicherheit und gemeinschaftliches Handeln ________ 85
4.0 Kurze methodologische Vorüberlegung,_ ______ _ 85
4.1 Forschungsdesign _______________ 87
4.1.1 Exploration _________________ 87
4.1.2 Introspektion ---.,.-,--_______________ 89
4.2 Zugang zum Feld _______________ 90
4.3 Auswertung _________________
91
6
Kapitel V:
Bürgerschaftliches Engagement in Bürgerwachten _____ 93
5.0 Die Sicherheitswacht: polizeilich geprägtes
Bürgerengagement_--,_ __- ---,-_----:--:-:---:--:-__, --_ 94
5.1 Der soziologische Forschungsstand zur Sicherheitswacht _ 98
5.2 Sicherheitshandeln zwischen Bürger und Staat -
die intermediäre Form der Sicherheitspartnerschaften __ 109
5.3 Der Forschungsstand zu den Sicherheitspartnerschaften _ 113
5.4 Eingekapseltes versus intermediäres bürgerschaftliches
Sicherheitsengagement - Fazit ___________ 117
Kapitel VI:
Das intermediär vielgestaltige Sicherheitsengagement ____ 119
6.0 Organisatorische Eckpfeiler der Sicherheits partnerschaften 119
6.0.1 Demokratische Legitimation ___________ 120
6.0.2 Intermediäre Platzierung ____________ 122
6.0.3 Befugnisse ___________________ 125
6.1 Intermediär vielgestaltiges Handlungspotential _____ 126
6.2 Aufgabenspektrum-=-____- --:-::-::-:---=-=-__- -:-__ 130
6.2.1 Ausgangspunkt des Engagements mit Wandlungsoption_ 131
6.2.2 Verstetigung bürgerschaftlichen Sicherheitsengagements _ 133
6.3 Kooperative Bearbeitung gemeinschaftlicher
Sicherheitsaufgaben ______________ 135
Kapitel VII:
Eine gemeinschaftliche Sphäre innerer Sicherheit ____- --,_ 141
7.0 Kommunikation als sicherheitsspezifische Öffentlichkeit _ 141
7.1 Kooperation als Selbstkontrolle oder Unterstützung ___ 143
7.2 Fazit ______________________ 145
Literaturverzeichnis --------------------- 147
Interviewliste 157
----------------------------
7
Danksagung
Da jede Forschungsarbeit aufvielfäItige Unterstützung angewiesen ist, möch
te ich mich an dieser Stelle herzlich bei all denen bedanken, die zum Entste
hen dieser Arbeit beigetragen haben.
Zuvorderst selbstverständlich dem Innenministerium Brandenburg und
dem Sächsischen Innenministerium sowie allen meinen Interviewpartnem, die
Zeit fanden, meine Fragen zu beantworten und mir darüber hinaus wertvolle
Materialien zur Verfügung stellten.
Für wichtige fachliche Ratschläge danke ich Hans Joas, Hartmut Häußer
mann und besonders Wolfgang Knöbl. Gertraud Götz und Ellen Mutschmann
danke ich für die große Unterstützung bei der Redaktion des Textes und für
viele fruchtbare Diskussionen.
9
Einleitung
Bürgerschaftliches Engagement avancierte in der Bundesrepublik in den letz
ten Jahren zu einem zentralen sozialpolitischen Schlagwort. Nicht nur die
Medien zollen ihm große Aufinerksamkeit, auch die regierenden politischen
Parteien vermuten in freiwilligen Leistungen von Bürgern ein großes Potenti
al zur Förderung des Gemeinwohls; dies beweist nicht zuletzt die Arbeit der
Enquete-Kommission zur Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements. So
ziologische Autoren wie z.B. Giddens (1999: 85) sehen in der partnerschaftli
chen Verknüpfung von bürgerschaftlichen und staatlichen Leistungen sogar
eine Chance auf Ausweitung und Vertiefung der Demokratie.
Die Gelegenheit für Bürger, sich mit ihren Fähigkeiten und Vorlieben an
allgemeinen Aufgaben zu beteiligen bzw. einen Beitrag für das Gemeinwesen
zu leisten, besteht an vielen Stellen ganz selbstverständlich. In der Jugendar
beit, im kirchlichen Leben, in kommunalen politischen Gremien, im Umwelt
schutz oder in der Pflege wird bürgerschaftliches Engagement hoch geschätzt
und gefördert. Dass Bürger dort verantwortlich und angemessen handeln,
wird fraglos anerkannt.
Allerdings wird bürgerschaftliches Engagement von diesem Vertrauens
vorschuss ausgenommen, sobald es sich auf den Bereich der inneren Sicher
heit bezieht. Bürgern, die sich freiwillig für Sicherheit engagieren, wird eher
pathologische Ordnungsliebe und Freude am Observieren als ausgeprägter
Gemeinsinn unterstellt. Selbst engagierte Bürger beurteilen eine Verbindung
von bürgerschaftlichem Engagement mit der Gewährleistung von Sicherheit
skeptisch. Viele deuten Überlegungen, gemeinschaftliche Netzwerke in die
Sicherheitsgewährleistung einzubinden, sofort als antidemokratische, repres
sive Tendenzen und sehen dadurch sowohl das Gewaltmonopol des Staates
als auch den gesamten Rechtsstaat in Gefahr.
Nichtsdestoweniger ergriffen in den letzten zehn Jahren die Regierungen
vieler Bundesländer politische Initiativen, um gemeinschaftliche Zusammen
hänge in die Sicherheitsgewährleistung einzubeziehen, u.a. eben auch bürger
schaftliches Engagement.
Thema dieser Arbeit ist es, die Verbindung von gemeinschaftlichen Hand
lungszusammenhängen, speziell von bürgerschaftlichem Engagement, und der
Sicherheitsgewährleistung anhand des empirischen Beispiels von Bürger
wachten näher aufzuklären. Rechtfertigt eine solche Verbindung das Miss
trauen, mit der sie häufig beurteilt wird, oder ist hinsichtlich innerer Sicher
heit bürgerschaftliches Handeln genauso unbedenklich wie in anderen Berei
chen auch? Und sollte dies möglich sein, wie lässt sich dann das Misstrauen
gegenüber bürgerschaftlichem Sicherheitsengagement erklären?
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Die Arbeit beschäftigt sich zunächst auf gesellschaftstheoretischer Ebene mit
dem Sicherheitsbegriff und versucht dann anhand der Debatten um gemein
schaftliche Aspekte innerer Sicherheit ein Idealbild dieser Verknüpfung zu
entwerfen. Danach folgt eine empirisch explorative Untersuchung des Phä
nomens der Bürgerwachten, deren Ergebnisse abschließend mit dem theoreti
schen Idealbild konfrontiert und zu einer generellen Aussage zur Verbindung
von Gemeinschaft und Sicherheit verdichtet werden.
[\] Das erste Kapitel widmet sich, ausgehend von den Wurzeln des Si
cherheitsbegriffes, sowohl der Ideengeschichte des staatlichen Gewaltmono
pols als auch dessen unterschiedlichen institutionellen Ausprägungen. Sozio
logisch wird daraus die Schlussfolgerung gezogen, Sicherheit als sozialen
Konstruktionsprozess zu betrachten, der sich durch verschiedene Institutionen
stabil hält und der dem sozialen Wandel unterworfen ist. Abschließend wird
argumentiert, dass Sicherheit als Sphäre betrachtet werden kann, deren Insti
tutionen den einzelnen Bürgern nicht distanziert gegenübertreten, sondern mit
kollektiven Vorstellungen und kleinen sozialen Einheiten, also mit gemein
schaftlichen Handlungszusammenhängen verwoben bleiben.
Auf dieser historisch-soziologischen Grundlage wendet sich die Argumen
tation zwei Debatten zu, in denen die Verknüpfung von Gemeinschaft und
Sicherheit eine zentrale Rolle spielt.
[2] Mit der Broken-Windows-Theorie trat die Verbindung von gemein
schaftlichen bzw. kommunalen Zusammenhängen mit der Sicherheitsgewähr
leistung ins breite politische Bewusstsein. Im zweiten Kapitel werden zu
nächst deren Hauptthesen referiert und ihr Einfluss sowohl auf die Debatte
um Community Policing in den USA als auch auf die um Kommunale Krimi
nalprävention in Deutschland erläutert. Es wird sich zeigen, dass unter beiden
Stichwörtern ganz verschiedene praktische Vorgehensweisen verstanden wer
den, die eine empirisch differenzierte Betrachtungsweise erfordern. Um empi
risch aussagekräftige Phänomene nicht zu übersehen, muss deshalb die Ver
bindung von Gemeinschaft und Sicherheitsgewährleistung zunächst theore
tisch vorbereitet werden.
[3] Kapitel drei umgrenzt den soziologischen Gemeinschaftsbegriff und
fUhrt die Ebene gemeinschaftlicher Handlungsprozesse ein. In den empiri
schen Phänomenen der Kriminalitätsfurcht und des polizeilichen Arbeitsall
tags werden zwei Faktoren von Sicherheit als Anknüpfungspunkte fUr ge
meinschaftliches Handeln identifiziert. Dies leitet zum empirischen Teil über,
der bürgerschaftliches Engagement fUr innere Sicherheit in so genannten Bür
gerwachten untersucht.
[4] Kapitel vier legt ein Forschungsdesign dar, das in der Lage sein soll,
dem prozessualen Charakter von Sicherheit gerecht zu werden und durch
Anlehnung an die Vorgehensweise der Grounded Theory und Anwendung
mehrerer Instrumente versucht, den Forschungsgegenstand möglichst umfas
send darzustellen.
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[5] Die Bürgerwachten unterscheiden sich in ihrer Nähe bzw. Distanz zur
staatlichen Institution Polizei. Die Form der Sicherheitswacht (Bay
ern/Sachsen) und die der Sicherheitspartnerschaft (Brandenburg) prägen die
Gestalt des darin stattfindenden bürgerschaftlichen Engagements auf unter
schiedliche Art. Ein Vergleich charakterisiert zwei Formen bürgerschaftlichen
Engagements, die sich durch jeweils unterschiedliche Spielräume rur die en
gagierten Bürger unterscheiden. Diejenige Form, die den Bürgern größeren
Spielraum einräumt, ist rur die Frage nach einer Verbindung von Gemein
schaft und Sicherheitsgewährleistung der empirisch weiterruhrende Gegen
stand.
[6] Kapitel sechs beschreibt die genaue Gestalt dieses Sicherheitsengage
ments anhand empirischen Materials als Wechselwirkung von dessen organi
satorischen Grundprinzipien mit dem Handlungspotential und einem wandel
baren Aufgabenspektrum. Darüber hinaus werden weitere Faktoren identifi
ziert, die auf das Engagement bzw. auf dessen Inhalte wirken. Diese empiri
schen Ergebnisse werden abschließend mit den vorherigen theoretischen
Überlegungen konfrontiert.
[7] Kapitel sieben umreißt eine gemeinschaftliche Sphäre der inneren Si
cherheit, die zwei unterscheidbare Prozesse, den der Kommunikation und den
der Selbstkontrolle, beinhaltet. Die in Kapitel runf unterschiedenen Formen
bürgerschaftlichen Engagements werden auf diese beiden Prozesse hin über
prüft. Daran knüpft sich eine generelle Aussage über die Möglichkeit der
Verbindung gemeinschaftlicher Handlungszusammenhänge mit der Gewähr
leistung innerer Sicherheit. Da eine solche Verbindung zwar theoretisch viel
diskutiert, empirisch jedoch noch wenig erforscht ist, versucht diese Studie
explorative Basisdaten zusammenzutragen, um weiter ruhrende Forschungen
zu inspirieren.
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