Table Of ContentThomas Geschwinde
Rauschdrogen
Marktformen und Wirkungsweisen
Zweite, stark erweiterte Auflage
Springer-Verlag
Berlin Heidelberg GmbH
Thomas Geschwinde
Georg-Wolff-Straße 12
D-6450 Hanau
ISBN 978-3-540-52662-9 ISBN 978-3-662-09680-2 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-662-09680-2
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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1985, 1990
Ursprünglich erschienen bei Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York 1990
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Satz: Fotosatz-Service Köhler, Würzburg
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Vorwort
Dieses Buch wendet sich in erster Linie an Juristen, Psychologen,
Kriminalbeamte, Sozialarbeiter und andere, die in der täglichen Praxis
mit Rauschdrogen und ihren Folgen konfrontiert sind. Der Schwer
punkt liegt dabei in der Darstellung des chemischen Aufbaus, dem
pharmakologischen Wirksamwerden dieser Drogen sowie den hier
durch verursachten Auswirkungen auf Körper und Psyche.
Gliederungskriterium bei der Darstellung war die aktuelle Bedeutung
als Rauschdroge und die Zuordnung zu bestimmten Wirkungsgruppen.
Obwohl unter dem Begriff "Rauschdroge" im weiteren Sinn sicher
auch Alkoholika, Nicotin und andere - häufig allgemein als "Suchtgif
te" bezeichnete - Substanzen fallen, wird hierbei, abgesehen von
gelegentlichen Hinweisen, im wesentlichen allein auf die Betäubungs
mittel im Sinne des § 1 Abs. 1 BtMG 1982 und diesen gleichzustellende
Stoffe und Ausweichmittel eingegangen. Andererseits werden so weit
wie möglich sämtliche in den Anlagen zum BtMG 1982 aufgeführten
Stoffe abgehandelt, zumindest aber erwähnt. Die soziale und psychoso
ziale Folgeproblematik konnte demgegenüber nur ansatzweise Ein
gang finden, da sie die Themenstellung dieses Buches sprengen würde;
insoweit sei auf die einschlägige Literatur verwiesen.
Angestrebt wurde, daß das Buch, das sich an den naturwissen
schaftlichen Laien wendet, aus sich heraus verständlich ist. Dazu
dienen die im Anhang A alphabetisch angeführten Erläuterungen
häufig verwendeter Fachbegriffe, während über den Anhang C ein
gezieltes Auffinden der behandelten Wirkstoffe, Arzneimittel, botani
schen Bezeichnungen und Eigennamen ermöglicht wird.
Ziel dieses Buches ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der
verschiedenen Rauschdrogen in chemischer, physiologischer und psy
chischer Hinsicht zu verdeutlichen und ihren Gebrauch in einen
erweiterten kulturgeschichtlichen Kontext einzuordnen. Diesem
Zweck sollen die zahlreichen Querverweise mittels Fußnoten dienen.
Ebenfalls der besseren Übersichtlichkeit wegen und zur Hervorhebung
übereinstimmender Strukturmerkmale, die teilweise Rückschlüsse auf
mögliche Struktur-Wirkungs-Beziehungen zulassen, wurde nicht von
räumlichen, sondern von plan aren chemischen Strukturformeln ausge
gangen.
v
Gleichzeitig wurde angestrebt, die Hauptabschnitte inhaltlich jeweils in
sich geschlossen aufzubauen, so daß die Kenntnis des vorherigen
Kapitels für das Verständnis des nachfolgenden nicht erforderlich ist,
sondern ein "Quereinstieg" ermöglicht wird. Die grundlegende Dar
stellung des neurophysiologischen Wirkungsmechanismus wurde aus
dem gleichen Grund in einer "Einleitung" vorangestellt, auf die in den
folgenden Einzeldarstellungen Bezug genommen wird. Obwohl meist in
der einschlägigen Fachliteratur nachzuschlagen und auch in der
Undergroundliteratur verbreitet, wurde andererseits in den jeweiligen
Unterabschnitten "Gewinnung" bei Darstellung der einzelnen Rausch
drogen der mögliche Syntheseweg nur grob skizziert, um kein "Anlei
tungsbuch" vorzulegen.
Der besseren Übersichtlichkeit wegen sind dem Text fortlaufende
Randnummern zugeordnet, auf die sich die Hinweise in den Fußnoten
beziehen. Zur Hervorhebung entsprechender Textpassagen dienen
auch folgende Symbole am Rand:
* chemische Zusammensetzung,
it physiologische Wirkungsweise,
§ rechtliche Hinweise.
Das vorliegende Buch wurde nicht von einem Pharmazeuten, sondern
von einem interessierten Juristen verfaßt. Damit besteht die Möglichkeit
eines vielleicht besseren Eingehens auf Verständnisschwierigkeiten von
Juristen und anderen Nichtnaturwissenschaftlern. Auf der anderen Seite
ist damit nicht ausgeschlossen, daß sich Mißverständnisse oder
Unklarheiten eingeschlichen haben können, zumal auch in der jeweiligen
Fachliteratur Ungereimtheiten und widersprüchliche Angaben auftau
chen, die dann zu entsprechenden eigenen Schlußfolgerungen geführt
haben. Der Autor ist daher für Hinweise und Richtigstellungen dankbar.
Eine weitere Schwierigkeit ergab sich daraus, daß es "wertfreie"
Darstellungen zum Thema "Rauschdrogen" nicht gibt, bei Abfassung
des Buches jedoch, soweit nicht eigene Erkenntnisse zugrundegelegt
werden konnten, hierauf zurückgegriffen werden mußte. Dies führt
dazu, daß insbesondere Zahlenangaben mit Vorbehalt zu lesen sind
und eher als ungefähre Größenordnungen gelten können. Bei vielen
Darstellungen, insbesondere zu den Auswirkungen der Rauschdrogen
auf Körper und Psyche, waren außerdem Sozialerwünschtheit und
Ideologie zu hinterfragen. Dies wurde u. a. dadurch versucht, daß die
Wandlungen in der Einschätzung über die Zeiten hinweg als notwendi
ges Korrektiv mit aufgenommen wurden. Da andererseits eine Darstel
lung sine ira et studio wohl unmöglich ist, wurde hier versucht,
verschiedene Ansichten und Aspekte wenigstens ansatzweise mit
einzuarbeiten.
Das Manuskript wurde im März 1990 abgeschlossen.
Thomas Geschwinde
VI
Inhaltsverzeichnis
Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 1
1 Psychodysleptika. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
1.1 Cannabis/Hanf. ............ . 6
1.1.1 Gewinnung ............... . 6
1.1.2 Historische und gegenwärtige Situation 10
1.1.3 Wirkstoffe . . . . . . . . . . . 17
1.1.4 Wirkung und Wirkungsweise . 21
1.1.5 Handelsformen . . 34
1.1.6 Nachweis ... 37
1.1.7 Gefährlichkeit . . . 41
1.2 Halluzinogene . . . 47
1.2.1 Lysergsäureamide . 47
1.2.1.1 LSD-25 ...... . 47
1.2.1.2 Windengewächse . . 74
1.2.2 Historische europäische Halluzinogene 77
1.2.2.1 Fliegenpilz ............... . 78
1.2.2.2 Nachtschattengewächse ........ . 83
1.2.3 Zeitgenössische außereuropäische Halluzinogene . 94
1.2.3.1 Mescalin . 95
1.2.3.2 Myristicin 103
1.2.3.3 Psilocybin 105
1.2.3.4 ßufotenin. 111
1.2.3.5 Harmalin. 114
1.2.3.6 Yohimbin. 118
1.2.3.7 Ibogain .. 120
1.2.3.8 Cytisin .. 123
1.2.4 Synthetische Halluzinogene. 125
1.2.4.1 DOM (STP), DMA, DOET. 126
1.2.4.2 DOß ......... . 128
1.2.4.3 MDA, MMDA, TMA 130
1.2.4.4 DMT .... . 132
1.2.4.5 PCP ..... . 135
1.2.4.6 JB 318, JB 336 139
VII
2 Narkotika . ..... 153
2.1 Opium und Opiate. 153
2.1.1 Gewinnung ..... 153
2.1.2 Historische und gegenwärtige Situation 156
2.1.3 Wirkstoffe · .......... 172
2.1.4 Wirkung und Wirkungsweise . 181
2.1.5 Handelsformen . 191
2.1.6 Nachweis ... 199
2.1.7 Gefährlichkeit 204
2.2 Kawa-Kawa 217
3 Stimulanzien 229
3.1 Cocain ... 229
3.1.1 Gewinnung. 229
3.1.2 Historische und gegenwärtige Situation 233
3.1.3 Wirkstoffe · .......... 241
3.1.4 Wirkung und Wirkungsweise . 245
3.1.5 Handelsformen . 255
3.1.6 Nachweis .... 263
3.1.7 Gefährlichkei t 267
3.2 Aufputschmittel 274
3.2.1 Ephedrin. 275
3.2.2 Cathin .... 278
3.2.3 Arecolin .. 282
3.2.4 Weckamine. 285
3.2.4.1 Gewinnung. 285
3.2.4.2 Historische und gegenwärtige Situation 286
3.2.4.3 Wirkstoffe · .......... 290
3.2.4.4 Wirkung und Wirkungsweise. 296
3.2.4.5 Handelsformen . 301
3.2.4.6 Nachweis ... 303
3.2.4.7 Gefährlichkeit 305
4 Ausweichmittel . . . . . . . . 315
4.1 Barbiturate. . . . . . . . . . 318
4.2 Nichtbarbiturale Hypnotika 329
4.2.1 Methaqualon. . . . . . . . . 329
4.2.2 Piperidindione . . . . . . . . 334
4.2.3 U reide, Urethane, Alkohole 335
4.3 Psychopharmaka. . . . . . . 338
4.3.1 Psychomotorische Stimulanzien 338
4.3.2 Neuroleptika. . 339
4.3.3 Antidepressiva . 342
4.3.4 Tranquilizer .. 344
VIII
4.4 Starkwirksame Analgetika und Antitussiva . . . 353
4.4.1 Tilidin ....................... . 355
4.4.2 Codein, Dihydromorphin-, Dihydrocodein- und
Morphinanderivate 358
4.4.3 Benzomorphane . 365
4.4.4 Pethidingruppe. . 369
4.4.5 Methadongruppe . 373
4.4.6 Fentanylgruppe 379
4.5 Schnüffelstoffe . 384
4.5.1 Ether (Äther) . 385
4.5.2 Chloroform. . 387
4.5.3 Lösungsmittel 388
Anhang A: Glossar (Erläuterung der Fachbegriffe) 397
Anhang B: Anlagen 1-III zum Betäubungsmittelgesetz
vom 28.07.1981 ... . . . . . 441
Anhang C: Sachverzeichnis . . 457
1. Alphabetisches Verzeichnis der chemischen Wirkstoffe,
Reagenzien und pharmazeutischen Präparate. . . . . . .. 457
,2. Botanische und zoologische Bezeichnungen. . . . . . . .. 472
3. Medizinische Bezeichnungen, Eigennamen und umgangs-
sprachliche Ausdrücke . . 477
Allgemeine Literaturhinweise . 507
IX
Abkürzungsverzeichnis
BGA Bundesgesundheitsamt in West-Berlin
BGH Bundesgerichtshof in Karlsruhe
BKA Bundeskriminalamt in Wiesbaden
1. BtMÄndV Erste Verordnung zur Änderung betäubungsmittel
rechtlicher Vorschriften vom 6. August 1984
(BGBl. I S. 1081)
2. BtMÄndV Zweite Verordnung zur Änderung betäubungsmittel
rechtlicher Vorschriften vom 23. Juli 1986
(BGBl. I S. 1099)
BtMAHV Betäubungsmittel-Außenhandelsverordnung
(BGBl. 1981 I S. 1420)
BtMBinHV Betäubungsmittel-Binnenhandelsverordnung
(BGBl. 1981 I S. 1425)
BtMG 1982 Gesetz über den Verkehr mit Betäubungsmitteln
(kurz: Betäubungsmittelgesetz) vom 18. Juli 1981
(BGBl. I S. 681), das am 1. Januar 1982 in Kraft trat
und das Betäubungsmittelgesetz vom 22. Dezember
1971 (BGBl. I S. 2092) abgelöst hat, das seinerseits
das Gesetz über den Verkehr mit Betäubungsmitteln
vom 30. 12. 1920 (kurz: Opiumgesetz) abgelöst
hatte.
BtMVV Verordnung über das Verschreiben, die Abgabe und
den Nachweis des Verbleibs von Betäubungsmitteln
(kurz: Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung)
vom 16. Dezember 1981 (BGBl. I S. 1427).
CND Commission on Narcotic Drugs of the United Na
tions' Economic and Social Council (1946 geschaf
fene Suchtstoffkommission des Wirtschafts- und
Sozialrates der UN - Übereinkommen von 1971)
DC Dünnschichtchromatographie (ein chromatogra
phisches Verfahren, das der analytischen Charak
terisierung von Stoffgemischen dient)
DEA Drug Enforcement Administration (Drogenbekämp
fungsbehörde der USA)
DGS Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und
Suchttherapie in Berlin
XI
DHS Deutsche HauptsteIle gegen die Suchtgefahren in
Hamm/Westfalen
FDA Food and Drug Administration (Arzneimittel
behörde der USA)
g Gramm
GC Gaschromatographie (ein chromatographisches
Verfahren, das sowohl der qualitativen als auch der
quantitativen Analyse von Stoffgemischen dient)
h Stunde/n (hour/s)
ICAA International Council on Alcohol and Addictions
ICD-Nr. International Classification of Diseases (Diagno
seschlüssel der WHO)
i.m. intramuskulär
INCB International Narcotics Control Board (Internatio
naler Suchtstoff-Kontrollrat, unter der Schirm
herrschaft der UN in Wien arbeitende Experten
kommission)
INN International Nonpropretary Names: von der WHO
empfohlene bzw. vorgeschlagene (lNNv) Kurzbe
zeichnungen ("generic names") pharmakologisch
wirksamer Verbindungen, die international gesetz
lich nicht geschützt sind. Von den jeweiligen Inter
nationalen Freinamen sind die Kurz- oder Trivial
bezeichnungen, die chemischen Bezeichnungen und
die Handelsnamen (eingetragene Warenzeichen) zu
unterscheiden.
1.v. intravenös
kg Kilogramm
m Meter
mg Milligramm (1/1000 g)
min Minute
mV Millivolt
Mikrogramm (0,001 mg oder 1 Millionstel
~g
g = 1 . 10-6 g)
ng Nanogramm (1 Milliardstel g = 1 . 10-9 g)
nm Nanometer (1 Millionstel mm oder 1 Milliardstel
m=1·1O-9 m)
NIDA National Institute on Drug Abuse (US-Department
of Health, Education and Welfare) in
Rockville/MD (USA)
NIH National Institute of Health in Bethesda/MD (USA)
NIMH National Institute of Mental Health (USA)
NNDIS National Narcotics Border Indication System (USA)
OpiumG Opiumgesetz
p.c. perkutan
p.o. per os
XII