Table Of ContentRauf Ceylan
Michael Kiefer
Radikalisierungs-
prävention in der
Praxis
Antworten der Zivilgesellschaft auf
den gewaltbereiten Neosalafismus
Radikalisierungsprävention in der Praxis
Rauf Ceylan · Michael Kiefer
Radikalisierungs
prävention in der Praxis
Antworten der Zivilgesellschaft auf
den gewaltbereiten Neosalafismus
Rauf Ceylan Michael Kiefer
Osnabrück, Deutschland Osnabrück, Deutschland
ISBN 978-3-658-15253-6 ISBN 978-3-658-15254-3 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-658-15254-3
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Inhalt
1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
1 .1 Radikalisierung und das Prozessverständnis von Radikalisierung . . . 5
1 .2 Radikalisierungsprävention – Zwischen Ohnmacht und
nachhaltigem Handeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
1 .3 Zu diesem Buch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
2 Was ist Prävention? – Prävention gegen was? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2 .1 Eine Annäherung an den Präventionsbegriff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2 .2 Radikalisierungsprävention –
Prävention auf tönernen Füßen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
2 .3 Prävention gegen was? – Neosalafismus zwischen Jugendkultur
und Terrorismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
3 Radikalisierung – Definition, Klassifikation und
Kontextualisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
3 .1 Hintergrund: Historische und gegenwärtige Erfahrungen mit
politischer und religiöser Radikalisierung in Deutschland . . . . . . . . . 31
3 .2 Definition: Radikalisierung im Kontext des gewaltbereiten
Neosalafismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
3 .3 Der Prozesscharakter der Radikalisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
4 Radikalisierungsprävention – Systematik und Handlungsfelder . . . . . . 61
4 .1 Systematik der Radikalisierungsprävention . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
4 .2 Primäre oder auch universelle Radikalisierungsprävention . . . . . . . . 66
4 .3 Sekundäre oder auch selektive Prävention . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
4 .4 Tertiäre oder auch indizierte Prävention . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
V
VI Inhalt
5 Radikalisierungsprävention in der Praxis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
5 .1 Vom Modellprojekt zur ganzheitlichen Präventionsstrategie? –
Eckpunkte für Planungsprozesse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
5 .2 Gegenwärtige Projektlandschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
5 .2 .1 Bund . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
5 .2 .2 Länder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
5 .2 .3 Kommunen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
6 Wegweisende Projekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101
6 .1 Primäre Prävention – Schule ohne Rassismus –
Schule mit Courage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101
6 .1 .1 Ausgangslage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101
6 .1 .2 Ziele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102
6 .1 .3 Zielgruppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103
6 .1 .4 Prämissen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104
6 .1 .5 Durchführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105
6 .1 .6 Offene Fragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108
6 .1 .7 Fazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108
6 .2 Sekundäre Prävention – Das Präventionsprogramm „Wegweiser“
in Nordrhein-Westfalen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109
6 .2 .1 Ausgangslage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109
6 .2 .2 Ziele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110
6 .2 .3 Zielgruppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110
6 .2 .4 Prämissen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111
6 .2 .5 Aufgabenbereiche und Methoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111
6 .2 .6 Durchführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113
6 .2 .7 Offene Fragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114
6 .2 .8 Fazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115
6 .3 Tertiäre Prävention – Das Modellprojekt „Clearingverfahren
und Case Management: Prävention von gewaltbereitem
Neosalafismus und Rechtsextremismus“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116
6 .3 .1 Ausgangslage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116
6 .3 .2 Ziele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117
6 .3 .3 Zielgruppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118
6 .3 .4 Partner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118
6 .3 .5 Prämissen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119
6 .3 .6 Methoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123
6 .3 .7 Durchführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129
Inhalt VII
6 .3 .8 Offene Fragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130
6 .3 .9 Fazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131
7 Fallskizzen aus der Präventionsarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133
Fall 1: Junger Konvertit in einer Hauptschule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133
Fall 2: Flüchtling in einem Berufskolleg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135
Fall 3: Junge Konvertitin in einem Berufskolleg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137
8 Abschließende Überlegungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 147
VII
Einleitung 1
1 Einleitung
1 Einleitung
Weltweit führen fundamentalistische Gruppen in islamisch geprägten Ländern mit
militanten Aktionen vor Augen, dass die seit dem Sowjetisch-Afghanischen-Krieg
(1979-1989) zum ersten Mal in Erscheinung getretenen Dschihadistennetzwerke
eine weite Verbreitung gefunden haben . Während die extremistische Ideologie für
diese Bewegungen im Laufe des 20 . Jahrhunderts – mit Rückgriff auf geistige Väter
des Neosalafismus in der muslimischen Ideengeschichte – entfaltet wurde, bot der
Krieg in Afghanistan die Möglichkeit, professionelle Strukturen für die militärische
Ausbildung zu schaffen und den internationalen Terrorismus zu forcieren . Nach dem
Sieg über die Sowjetunion bildeten diese Strukturen die Ausgangsbasis für weitere
militante Gruppen wie die Al-Qaida, für das Ziel eines „islamischen Staates“ mit
terroristischen Aktionen zu kämpfen . Vor diesem Hintergrund wurde der Kampf
zunächst gegen die „ungläubigen Regime“ in islamisch geprägten Ländern angesagt .
Das Operationsfeld dieser militanten Gruppen weitete sich in der Folgezeit mit
dem Ausbruch der Kriege im Irak, in Syrien oder in Libyen auf die westliche Ge-
sellschaft aus . Zunächst waren es europäische Länder wie England und Frankreich,
die von dem religiös motivierten Terror betroffen waren . Die USA waren in den
1990er Jahren und später mit dem 11 . September 2001 mit diesem Phänomen kon-
frontiert worden . Deutschland dagegen war bis vor einigen Jahren nicht im Visier
dschihadistischer Gruppen . Das hat sich geändert, seitdem deutsche Ausreisende
in Kriegsschauplätzen über Propagandavideos namentlich nicht nur deutsche Poli-
tiker bedrohten, sondern ebenso deutsche Städte als Anschlagsziele erwähnten . Die
Drohungen wurden später durch den sogenannten „homegrown-terrorism“ wahr-
gemacht . Zu dieser Kategorie von Terroristen zählen zum einen die kampferprobten
Rückkehrer und zum anderen junge Menschen, die sich hierzulande radikalisiert
und Anschläge vorbereitet bzw . erfolgreich ausgeübt haben .
Allein die Anschlagsserie des Jahres 2016 zeigt unmissverständlich, dass ein
Ende oder zumindest ein Abebben der extrem gewaltförmigen neosalafistischen
Mobilisierung in den westeuropäischen Gesellschaften nicht zu erwarten ist . Immer
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R. Ceylan und M. Kiefer, Radikalisierungsprävention in der Praxis,
DOI 10.1007/978-3-658-15254-3_1
2 1 Einleitung
noch befinden sich in großer Zahl junge Menschen in den Wirren des syrischen
Bürgerkrieges . Zugleich schaffen hochmobile, ultramilitante Rückkehrer in allen
europäischen Staaten eine chronisch unübersichtliche Sicherheitslage . Hinzu kom-
men immer jüngere gewaltbereite Anhänger des Neosalafismus, die offenkundig
schwerste terroristische Straftaten begehen . Verwiesen sei hier auf die zum Tatzeit-
punkt 15jährige Safia S ., die im Februar 2016 in Hannover einen Bundespolizisten
schwer verletzte, die Gruppe von Jugendlichen, die im April 2016 in Essen einen
Bombenanschlag auf einen Sikh-Tempel ausführte und auf den gerade mal 12 Jahre
alten Jungen, der in der Vorweihnachtszeit in Ludwigshafen einen Bombenanschlag
auf den Weihnachtsmarkt ausführen wollte .
Folglich sind die Gefahren, die von der gewaltbefürwortenden neosalafistischen
Bewegung ausgehen, mannigfaltig und stellen die Sicherheitsbehörden – aber auch
die Zivilgesellschaft – vor sehr große Herausforderungen und Belastungsproben .
Während man in den vergangenen vier Dekaden Erfahrungswerte mit ausländi-
schem und deutschem Links- und Rechtsextremismus sammeln konnte, stellt der
Neosalafismus eine völlig neue Bedrohungslage dar . Der Fundamentalismus und
der Terror, den man seit den 1990er Jahren in vielen islamisch geprägten Ländern
und sogar in westlichen Gesellschaften wie Frankreich und den USA aus sicherer
Ferne beobachtete, sind zu einer globalen Bedrohung geworden .
Dass diese hier nur grob skizzierte Problemlage alleine nicht mit polizeilichen
und repressiven Mitteln eingedämmt werden kann, gilt mittlerweile als eine Bin-
senweisheit (Neumann 2015, S 199) . Sicherpolitische Maßnahmen greifen ohnehin
meist nur dann ein, wenn das „Kind schon in den Brunnen gefallen“ ist . Dann je-
doch ist es oft sehr schwierig, diese Menschen aus den festen geistigen und sozialen
Strukturen herauszuholen . Folglich kommt der Präventionsarbeit – präziser der
Radikalisierungsprävention – seit einigen Jahren eine stetig wachsende Bedeutung
zu, obwohl das Phänomen seit dem 11 . September bereits beobachtbar und durch
die kriegerischen Konflikte wie in Afghanistan (2001), im Irak (2003) und später
im Rahmen des sogenannten „Arabischen Frühlings“ (Libyen, Syrien usw .) eine
Intensivierung erfahren hat .
Bund, Länder und Kommunen haben seit 2013 zum Teil beträchtliche Anstren-
gungen unternommen, um eine möglichst effektive Radikalisierungsprävention zu
implementieren . Die bislang auf den Weg gebrachten Programme unterscheiden
sich in quantitativer und qualitativer Hinsicht jedoch erheblich . Diese Heterogenität
ist damit zu erklären, dass wir uns in einer Experimentierphase befinden und zu
vielen Bereichen noch keine fundierten Informationen existieren . Dennoch bieten
die kurzen Erfahrungen bereits die Möglichkeit, erste Erfolge bzw . Misserfolge in
der Präventionsarbeit zu identifizieren .
1 Einleitung 3
Bezüglich der wichtigsten Maßnahmen ist hier an erster Stelle das stetig wach-
sende Bundesprogramm „Demokratie Leben!“, das vom Bundesministeriums für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Jahr 2015 aufgelegt wurde, zu
nennen .1 Das Programm umfasst fünf Förderbereiche und hat eine Laufzeit von
fünf Jahren . Zunächst standen 50,5 Millionen Euro jährlich für die Demokra-
tieförderung und Extremismusprävention bereit .2 Zwischenzeitlich wurden die
Mittel auf ca . 100 Millionen Euro pro Jahr aufgestockt . Gefördert werden von den
derzeit vorhandenen Mitteln auch eine Reihe von Modellprojekten, die sich dem
Phänomen Neosalafismus widmen . Ferner erhalten Träger mit einer bundesweiten
Relevanz eine projektunabhängige Strukturförderung .
Eine weitere wichtige Komponente bilden die „Partnerschaften für Demokratie“ .
Dieser Programmteil wird in derzeit 217 Kommunen umgesetzt . Viele teilnehmende
Kommunen fokussieren in ihren Handlungsfeldern die unterschiedlichen Phäno-
mene des religiös begründeten Extremismus . Ebenfalls vom Bund verantwortet
wird die „Beratungsstelle Radikalisierung“, die beim Bundesamt für Migration für
Flüchtlinge (BAMF) angesiedelt ist . Die Beratungsstelle und das mit ihr verbundene
Trägernetzwerk – darunter HAYAT in Berlin und Bonn, Legato in Hamburg und
beRATen in Niedersachsen – stehen insbesondere Angehörigen von jugendlichen
Radikalisierten mit Rat und Tat zur Seite .3
Auch die Bundesländer sind seit dem Jahr 2014 in allen Handlungsfeldern der
Radikalisierungsprävention tätig geworden . Das bevölkerungsreiche Bundesland
Nordrhein-Westfalen verfolgt mit dem sukzessive ausgeweiteten „Wegweiser“-Pro-
gramm ein dezentrales Konzept . Das Ziel besteht darin, die urbanen Siedlungsräume
flächendeckend mit Fachberatungsstätten auszustatten, die sich mit den Fachak-
teuren aus Schule und Jugendhilfe verschränken . Die Präventionsakteure sind vor
Ort gut vernetzt und können auf die spezifischen Erfordernisse der Sozialräume
in einem hohen Maße berücksichtigen .
Exemplarisch angeführt werden kann hier die Arbeit des Düsseldorfer „Wegwei-
ser“-Standorts . Für die Präventionsarbeit wurde eigens ein neuer Verein gegründet,
der alle relevanten kommunalen Partner aus Gemeinde, Jugendamt, Schule, Ge-
meinde und Polizei unter einem Dach vereinigt . Hierzu zählen Vertreterinnen und
Vertreter von Moscheegemeinden und professionelle Akteure von Jugendhilfeträgern .
1 Umfangreiche Informationen finden sich auf der Homepage des Bundesprogramms:
https://www .demokratie-leben .de/bundesprogramm/ueber-demokratie-leben .html .
2 Darunter auch mit erheblichen Mitteln die Prävention gegen Rechtsextremismus und
weitere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit .
3 Selbstdarstellung unter: http://www .bamf .de/DE/DasBAMF/Beratung/beratung-node .
html .
3