Table Of ContentHeidi Möller· Brigitte Hausinger (Hrsg.)
Qua vadis Beratungswissenschaft?
Heidi Möller
Brigitte Hausinger (Hrsg.)
Qua vadis
Beratungs
wissenschaft?
III
VSVERLAG FORSOZIALWISSENSCHAFTEN
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DruckundbuchbinderischeVerarbeitung: Kripsb.v.Meppel
Gedrucktaufsäurefreiem undchlorfrei gebleichtemPapier
Printedintbereetnertaoos
ISBN978-3-531-16745-9
Inhalt
Quavadis Beratungswissenschaft?
HeidiMöller . . 7
Beratung alsWissenschaft,als ProfessionoderKunst?
MmifredMoldasrhl 19
Beratung - (kleine Wissenschaft?
KarinLackl/er .43
Beratungswissenschaft- einesystemtheoretische Skizze
AndreasBergkllapp . . 63
BeratungalsFörderungvonSelbstorganisationsprozessen- aufdemWegzu
einerallgemeinenTheoriederBeratungjenseitsvon .Schulen' und .Formaten"
ChrisiiancSchieremannund Heinz-illricnTniei 73
Beratung- ihre mikropolitische Einbindung und ihre Dynamikaus
organisationspsychologischerSicht
LI/tzzouRoSt'/Istiel 105
StrategischesVerhalten inderBerater-Klienten-Interaktion
SimoneKlwffeld,Evatonas;HeurikeSchneider 119
Ziele,Anforderungen und Instilutionalisierungdes Forschungsfeldes
ConsultingResearch
Volker Nissen, MichaelMalte,TnomesDeennonn 141
GuterBeratungeine stärkerePosition verschaffen
lörgFeilermannund Bcmnant Lnncirc . .......................169
UmrisseeinerBeratungswissenschaft
Brigittl!Hallsil1ga 177
Autoren 185
Quo vadis Beratungswissenschaft?
HeidiMöller
Die Zeit ist reif,sich mit der Fundierung von Beratungswissenschaft(en?)ausei
nanderzusetzen. Die Vokabel taucht zunehmend im Zusammenhang mit der
Einrichtung von Studiengängen der Beratungswissenschaft auf - vor allem an
Fachhochschulen.In unterschiedlichen Publikationen finden wirden Begriffvor,
ohne dass sich die sdentific community selbst vergewissert hat, um was es sich
beidiesemGegenstand denn nun eigentlich handelt.Die Beratung von Einzelper
sonen, Arbeitsteams, Projekten und Organisationen expandiertstark.Zur Unter
stützung, Begleitung und Bewältigung der zahlreichen Veränderungsprozesse
treten diverse Beratungsangebote auf den Plan. Diese lassen sich grob in zwei
unterschiedliche Zugänge unterteilen: lehensweltliche versus arbeitsweltliche
Beratung, Beide speisen sich wiederum aus verschiedenen Disziplinen: Wirt
schaftswissenschaft, Psychologie, Soziologie, Pädagogik, Politikwissenschaft,
Philosophie und Theologie, Zudem wird Beratung heute als Bestandteil nahezu
jederDienstleistung gesehen.Anlass genug, sich der Frage derFundierung einer
möglichen Beratungswissenschaft zu stellen und die Frage aufzuwerfen, ob wir
denn wissen, wovon wir sprechen? Im 1. Kasseler Beratungswissenschaftlichen
Symposion' gingenwiru.a. folgenden Fragen nach:
Braucht es tatsächlich die Fundierung einer eigenständigen homogenen
DisziplinBeratungswissenschaft?
• Falls eine Beratungswissenschaft nötig und möglich ist, kann oder sollte
diesegegenstandsangemessennureinetransdisziplinäreeventuellauchpro
jektförmige Wissenschaftsein?
• Wo stehen die unterschiedlichen Disziplinen in ihrer jeweiligen Konzept-,
Praxis-undThoortecntwtcklung?
ID;l'S~V.'r~l"lst~1tUl"lgwurdevoI"ldNUl"liVNsit;;tK~ss.'1Arbl'itsb"r<'ichThl'Ori~ul"ld Ml'thodik d~r
Bl'r~tul"lgul"ld Dl'utschl'1"l G.'s~lIsch~ft fürSup<'Tvis;ol"l (DGSv)org~l"l;si<'rt sowi<'VOI"l W.';tl'WI"l 18
IIt'rufs-ul"ld F~chv~rb;;l"ld<'1"lul"ld w;sS<'l"lschaftlichl'1"lGl'sl'llsch~ftl'1"lUl"lt~rstüt7.t.
8 Held!Möller
• Erarbeiten wir parallel nahezu das Gleiche oder worin unterscheiden wir
uns?
• Einen unsGrundannahmen und theoretischeZugänge?
Wie viel müssen Berater/innen notwendigerweise in den dlszlpünären
Nachbarwissenschaften"wildem"?
Welche Referenztheoriensind für um alleunabdingbar?
• Wiegestaltet sicheinmodernes.Berater/innenportfolio"?
Das vorliegendeBuch stelltsowohleine Darstellungalsauch Weiterentwicklung
der auf dem Symposion zusammengetragenen Statements dar. Es macht den
aktuellenStand inderEntwicklung derWissenschaftBeratungdeutlich.
Landläufig wird kolportiert, dass der Beratungsbedarfsteigt. Es gibt kaum
jemanden. der diesem Allgemeinplatz widersprechen würde. Hausinger (2008)
weistdaraufhin, dass heute im Grunde jedesArbeits- und Berufsfeld den Faktor
Beratung beinhaltet. Im Grunde, so führt sie aus, kann man sagen, dass jeder
zwischenmenschliche Kontakt immer wieder Episoden beraterlschen Tuns
enthält; das Verhandeln der jeweiligen Beziehungsprobleme mit der besten
Freundin, Stammtischgespräche zur Frage, wie führen wir unseren Chef, die
Frage einer neu berufenen Professorin an die Kollegin: Wo geht man denn hier
zum Frisör und wo ist der leckerste Italiener? uvm. Die Gründe, warum dieser
Beratungsbedarfso kontinuierlich ansteigt, sind im Grunde geteiltes Wissen der
BeraterInnenzunft. Die "üblichen Verdächtigen", wie Kühl (2008) die Determi
nantenerhöhten Beratungsbedarfsnennt, lauten u.a.:
die KomplexitätderOrganisationen steigtimmensan,
die Entscheidungsanforderungenerscheinenschierunbewältigbar,
• die Trennungzwischen Eigentum und Führung von Unternehmen,
die Tempoverschärfung,
dertechnologische Fortschritt,
• die EntgrenzungderArbeitsweltund schließlich
• die Globalisierung mit den mit ihr einhergehenden Anforderungen und
Krisen.
Nestmann (2004) kennzeichnet die sich wandelnden gesellschaftlichen Rahmen
bedingungen sogar so, dass es bei der Bedarfsanalyse gar nicht mehr um Bera
tung ginge, sondern um Betreuung. Wir können sagen, dass Organisationen,
Teams und Institutionen nicht mehr so recht funktionieren wollen, denn es ist
vielleicht ein btsscbcn zu viel an Balance-Arbeit zu leisten. Die Dimensionen, die
QuovadisBeratungswissenscheft? 9
es in unser aller Leben zu balancieren gilt, könnten allein dieses Buch füllen: Es
geht um Kopfund Bauch,es geht vonAußen und Innen,es geht von global und
lokal, überalt und jung, Männer und Frauen, Work und Life usw.Das heißt,wir
haben es Tag für Tag mit vielerlei widersprüchen, Dilemmata und Dtfferenzte
rungen inder postmodernen Arbeitswelt zu tun, die die Mitglieder von Organi
sationen zu balancieren haben. Selbstreflexion gilt da als ein möglicher Ausweg
zur Aufrechterhaltung organisationalen Funktionierens, zur Wiederherstellung
von geschädigtenOrganisationen oder aber auch zu deren Wachstum.Jetzt gilt
die Selbstreflexion nahezu als unwidersprochen, aber eine Selbstreflexion ohne
HandlungsorientierungistjedenfallsimBeratungsgeschäftrelativunsinnig.
Beratung hat weitere Funktionen zu erfüllen, im Wesentlichen soll eine
kompensatorischeLeistungerbrachtwerden.Die kompensatorische Funktion der
Beratung wird von Lammers (2008) folgendermaßen recht anschaulich beschrie....
ben:
• da wo Chaosist,soll die Beratung für Ordnung sorgen,
da wo esliebloszugeht.für Zuwendungsorgen,
• da wo Überlastung ist,fürEntlastungsorgen,
• da wo Ratlosigkeitherrscht,Lösungen bereitstellen.
Wenn wir uns diesem Aufgabenprofilder Beratung nähern, das für lebenswelt
bezogeneBeratungebenso gilt wie für die arbeitsweltbezogenen Beratungsansät
ze. kann uns Beraterinnen schon etwas "schwummerig" werden. Es lastet viel
Verantwortung auf den doch manchmal recht zarten Beraterinnenschultern.Vor
dem Hintergrund dessen, dass die professionellen Standards und die methodi
sehe Absicherung von vielem, was wir in der Beratung tun, noch deutlich zu
wünschen übrig lässt, wird es unssicher nicht leichter ums Herz.VonSeiten der
unterschiedlichen Berufsverbände - aber selbstredend auch von der Bereterln
nonfront selbst - wird der Ruf nach der Beratungsforschung (als Erlösungsge
danke?) laut. Aber was für eine Forschung wird da gemeint sein? Es dürfte klar
sein,dass nur allzu ofteine Forschungeingeklagt wird,diedenNamen Legitima
tionsforschung verdient, eine Forschung gespickt mit Eigeninteressen. die den
Nutzen von Beratung nachweisen kann. Fast wöchentlich kommt jemand mit
einem Promotionsanliegen dieserCouleurzu mir:"Ich habe daetwasWunderba
res entwickelt, ein ganz neues Führungskräfteentwicklungsprogramm, und das
habe ich durchgeführt und anschließend Interviews mit den Führungskräften
gemacht und wollte nun die Wirksamkeit nachweisen." Jetzt kann ich natürlich
sagen: "Ach wie doofsind diese Promevenden. wissen sie denn nicht, dass wis-
10 Held!Möller
senschaftliehe Forschung prinzipiell ergebnisoffen verläuft?" Diese Replik trifft
aber nicht den Kern der notwendigen Argumentation. Die Anliegen der Berate
rinnen, die sich wissenschaftlich legitimieren wollen, brauchen nicht nur den
Titel, um ihre Honorarezuerhöhen, nein,sie handeln systemlogtsch,esistquasi
natürlich, dass solche Anliegen auftauchen. Die Beratungsforschung steht am
Anfang. Scherf (2008) versucht in einem Teil seiner Dissertation eine - wie er
auch selber sagt - grob holzschnittartige Struktur der unterschiedlichen Bera
tungsliteraturvorzunehmen.Er unterscheidetvier unterschiedlicheGruppen von
Beratungsliteratur. Ererwähnt zunächsteinmal dieKategorie"Beiträgeaus Bere
terhand": "In diese Gruppe fallen praktische Ratgeber, Texte von der Praxis für
die Praxis,sowie Fallbeschreibungen, die schablonenartig den Ablauf von Bera
tungsprozessen anhand bekannter Projektphasen darstellen und den Erfolg der
geleisteten Arbeitbesondersbetonen.Den Autoren der Beiträgegehtesnicht um
wissenschaftliche Reflexion, sondern um das Vermarkten der eigenen Person
oder Firma" (5.12). Diese Darstellungen erinnern manches Mal nahezu an Wun
derhethmg, stellen aberden Löwenanteil der Veröffentlichungen überOrganisa
tlonsberatung. Scherfargumentiert, dass damit die Beraterlrmen die Hoheit über
die Beratungsliteratur haben. Diese selbstverständliche Logik der BeraterInnen,
die Selbstmarketing betreiben und dafür sorgen müssen, dass ihr Erfolg betont
wird, produziert natürlich eine ganz spezielle Form von Literatur, aber diese
wird auch massenhaft gekauft!Die zweite Gruppe von Literatur im Bereich der
Beratung ist die Darstellungeines speziellen Beratungsansatzes bzw.einer Bera
tungstheorie: Literatur, die bestimmte Methoden und Theorietraditionen auf
zeigt. Es wird dargestellt, wie disziplinäres Wissen aus der Soziologie oder der
Psychologie indie Beratung von Organisationen einfließt. Der Versuch, diszipli
näres Wissen in die Beratung zu transferieren, arbeitet ebenso mit deutlichem
Legitimations- bzw. Verwendungstnteresse, dessen Unmittelbarkeit zumindest
zu hinterfragen ist. Alsdritte Kategorie beschreibter Texte, die den Versuch un
ternehmen, eben genau diese Lücke zwischen theoriegeleiteter Beratungsfor
schungundderPraxiszu schließen. Beratungwirdausder Perspektivevon Bera
terlnnen oder KundInnen beschrieben und die BeraterInnen-KundInnen Bezie
hung thematisiert, die Bewegungsgesetze des Beratungsmarktes ergründet, die
interne bzw. externe Verortung von Beraterinnen beschrieben uvm. Die vierte
Kategorie der Beratungspublikationen schließlich ist die der empirischen Unter
suchungen zu Beratungsverläufen. die immernochzahlenmäßigam kleinstenist,
soll heißen, dass uns immer noch viel zu an wenig Daten und Material vorliegt.
AberauchdiesesPhänomen hattriftige,strukturelle Gründe.AufdereinenSeite
mag dieser Umstand derTatsache geschuldet sein, dass die Beratungsforschung
QuovadisBeratungswissenscheft? 11
noch am Anfang steht. Wir finden sehr viel Einzelforschung vor, kaum gibt es
Verbünde, Forschungsgruppen, die koordiniert miteinander arbeiten. Dieser
Umstand ist insofern besonders erstaunlich, als dass wir Berater und Beraterin
nen doch ständig derüber sprechen, welch transformative Funktionen dieArbeit
inGruppen hat. In unserereigenen Forschung finden wir mehr dasAlleingänge
rinnentum vor. Vielleichthatdas 1.Kasseler BeratungswlssenschcftlicheSympo
sionzurVeränderungetwas beigetragen, vielleicht ist auch diese Publikationder
Auftakt,genauan dieserStellschraubeetwas zu drehen.
WirfindenalsoaufdereinenSeite vor"Eindeutigkeitstrotzende Beratungs
konzepte" (Scherf2008,11)vorund aufder anderen Seiteeinen deutlichen Man
gel an Beratungsforschung. Auch dies ist systemlogisch. Folgen wir Baecker
(1998),dann sind die Forschung und die Beratung zunächsteinmal geschlossene
autonome Systeme und sind grundverschieden voneinander. Ein Blick auf die
jeweiligen Ziele und dahinter liegenden Werte der beiden Systeme mag dies
illustrieren: Eine Beratung muss immer zum Ziel haben, ein System handlungs
fähig zu machen oder zu halten.Wissenschaft hingegen darfsich durchaus eine
gewisse Zeit lang im Stadium des Nichtwissens, des Verstörtseins. des Unange
nehmseins, des Kritisierens aufhalten. Wir haben im System der Beraterinnen
dafür zu sorgen, dass die Systeme, die uns buchen, in ihrer Handlungsfähigkeit
gestützt werden - auch wenn wir zwischenzeitlich die Organisation, wie es ins
besondereindersystemischen Beratung alsPrinzip gilt, verstören und irritieren.
Letztlichgehtesaber darum, Unsicherheitzu absorbieren und dazugreifen Bera
terlnnengerne auch auf recht einfache Modellezurück.Können wir unsals Wis
senschaftlerinnen erlauben, die Komplexitätsgrade immer weiter zu erhöhen,
stoßen wir als Beraterlnnen eben an diese Komplexitätsgrenzen: die Sinnerfas
sungskapazitäten derOrganisationsmttglleder (und auch der Bereterlnnen). Ver
dienen wir im Beratungsgeschäft unser Geld mit dem double dealing (Unsicher
heit absorbieren und durch neue Modelle ersetzen).so fließen die im Vergleich
spärlichen Forschungsgelder. wennes sich nicht um Auftragsforschung handelt,
eher durch Komplexitätserhöhung.. also weitere Differenzierung. Auch deshalb
gibt es Kommunikationsbarrieren zwischen den Beratungsmenschen und den
Wissenschaftlerinnen, weil WissenschaftlerInnen auch an dieser Stelle andere
Ziele verfolgen, wie z.B.ihreeigene Reputation zu erhöhen und das machen sie
natürlich am besten dadurch, dass sie die Komplexität deutlich erhöhen und
nicht reduzieren.
Wir haben es zunächst einmal mit voneinander wirklich distinkten Syste
men, Wissenssystemen zu tun, die so einfach nicht ineinander zu überführen
sind: Expertinnenwissen und das Wissenschaftssystem. Die Generierung von
12 Held!Möller
Wissen ist nicht unabhängig von der Konstruktion der Realitätdurch den Beta
terlnnenalltag und deren Ausbildungsinstitutionen auf der einen Seite und den
Universitäten als Forschungsbetrieb auf der anderen Seite. Es ist nun wirklich
nicht der Fall, dass Beraterlnnen auf das in Universitäten produzierte Wissen
zurückgreifen (wollen), denn: "Die Ablehnungswahrscheinlichkeitjeden wtssens
erklärtsich daraus, dassdamit sowohl die Realitätssicht dessozialenSystems, in
dem das wissen kommuniziert wird, als auch das System selbst, das sich diese
und nicht eine andere Realität konstruiert, aufdem Spiel steht" (Baecker 1998, 5.
15).Die Frage nun, welchesWissen BeraterInnen in ihrer Praxis nutzen und wel
ches sie wissentlich oder unwissentlich vernachlässigen, wäre eine eigene auf
wendige, aber lohnende Forschungsfrage."Experten wissen und Beraterberaten
aufgrund ihrer Fähigkeit eines hochselektiven Umgangs mit wissenschaftlichem
Wissen" (Baecker 1998, S. 17). Dadurch entsteht die viel beklagte Loskopplung
der beratenden Profession von der Wissenschaft. "Das Wissen einer Profession
stammtaus den Erfahrungenbeim Einsatzeines Formates",schreibtBuer 2007,S.
288 und schlägt eine Theorie-Praxis-Schleife vor, die nicht im eigentlichen Sinn
Wissenschaft meint.Und wenn wissenschaft, dannbestehter auf .Jnquiry versus
research", denn in seinen Augen ist "Verwissenschaftlichung ist die Unterord
nung unter eine Wissenschaftsdisziplin" (Buer 2007, S. 288). Dies Herr-Knecht
Verhältnis muss es m.E.nicht notwendiger Weise geben, auch wenn neues Wis
sen auch immer eine Zumutung darstellt und es leichter ist,Wissen abzulehnen,
als Wissen zu verarbeiten(vgl. Baecker1998).
Diese zwei geschlossenen autonomen Systeme brauchen, so würde ich es
nennen, punktuelle Öffnungsmöglichkeiten. Ein solches Symposion, wie wir es
miteinander gestalteten, isteine solche Möglichkeit, diese beiden Systeme mitei
nanderin Kommunikationzu bringen. Einen Dialograum für Wissen von Exper
tInnen und Wissenschaftlerinnen zu gestalten, bedeutetaber auch, sich im Sinne
der aufrechterhaltenen gegenseitigen Erwartungen enttäuschungsbereit zu hal
ten. Eskann auch um schmerzhafteProzessegehen, wenn z.B.von lieb geworde
nen Referenztheorien Abschied genommen werden muss. Nur können wir uns
diesen gegenseitigen Annäherungsprozess nicht ersparen. Es gibt, so räumen
Repräsentanten beider Wissenssysteme ein, immer noch ein Defizit, genau zu
wissen, was eigentlich in dieser Beratungsinteraktion in Dyaden, Teams und
Großgruppen wirklich geschieht?Auch dies istwiederum systemlogisch, liegt an
"derNaturder Sache". Beratung isteinediskrete Dienstleistung,ein"closedjob",
indem viel Vertrauensarbeitgeleistetwird und dastörtForschungoftgenug.Der
DiskursraumdesSymposions wurdevon dreiunterschiedlichenGruppen gestal
tel.Zunächst Malvon den Beratern und Beraterinnen, die auch von Zeit zu Zeit