Table Of ContentPsychiatrische Untersuchung
Achim Haug
Psychiatrische
Untersuchung
Ein Leitfaden für Studierende, Ärzte und Psychologen in
Praxis und Klinik
8., vollständig überarbeitete Auflage
Achim Haug
Küsnacht
Schweiz
ISBN 978-3-662-54665-9 ISBN 978-3-662-54666-6 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-662-54666-6
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V
Vorwort zur 8. Auflage
Die Psychiatrische Untersuchung ist zum ersten Mal 1973 erschienen. Seither hat das
Buch sieben Auflagen erlebt und sich zu einem etablierten und von vielen Lernenden
sehr geschätzten Kompendium entwickelt. Der Autor Hans Kind, auf dessen Konzept
der Erfolg des Buches beruht, ist am 19.10.2004 in seinem 83. Lebensjahr verstorben.
Er hatte mich für die sechste Auflage gebeten, den Leitfaden mit ihm zusammen
weiterzuentwickeln und ich konnte zwei Auflagen mit ihm gemeinsam gestalten.
Geblieben ist auch in der jetzt vorliegenden 8. Auflage sein Anliegen, den Studenten
und den jungen ärztlichen und psychologischen Kolleginnen und Kollegen bezüglich
verschiedener Aspekte der psychiatrischen Untersuchung eine Orientierungshilfe zu
bieten. Es kann kein ausführliches Lehrbuch sein oder ein solches ersetzen, sondern
es soll eine Zusammenfassung des Methodenhandwerks zur psychiatrischen Untersu-
chung bieten. Auch wenn immer wieder Aspekte der Untersuchung unserer Patienten
in die Phase der Therapie hineinreichen und die Behandlung beeinflussen, endet das
Buch dort, wo die Therapie beginnt. Eine gute Behandlung setzt aber die Kenntnisse
und die Anwendung des Wissens aus der psychiatrischen Untersuchung voraus.
Für die achte Auflage habe ich den gesamten Text überarbeitet und den größten Teil
neu geschrieben.
Unverändert gilt der Satz von Hans Kind aus der 1. Auflage: „Dieser Leitfaden erhebt
… in keiner Weise den Anspruch, eine originale Fassung zu sein. Es wurde vielmehr
gesammelt, was da und dort in der Literatur verstreut an praktischen Winken und
Hinweisen für die Untersuchung gegeben worden ist“. Viele Kolleginnen und Kollegen
tragen heute keine Berufskleidung mehr, dennoch ist die Beschreibung des Buches
als eines „für die Kitteltasche“ wohl noch angemessen. Auch wenn die Psychiatrische
Untersuchung jetzt ein ganz neues Buch ist, hoffe ich, dass es Hans Kind gefallen hätte.
Ich danke den Mitarbeitern des Springer-Verlags für die professionelle Begleitung des
Buches, insbesondere Renate Scheddin (Planung), Renate Schulz (Projektmanage-
ment) und dem externen Lektor Manfred Bier.
Achim Haug
Zürich, im Frühjahr 2017
VII
Vorwort zur 1. Auflage
(Ausschnitt)
Ein in sich abgeschlossener Leitfaden für die psychiatrische Untersuchung existierte
bisher in deutscher Sprache nicht. Jedoch enthalten viele Lehrbücher der Psychiatrie
ein Kapitel über dieses Thema, in den meisten Fällen aber nur im Sinne einer sum-
marischen Darstellung. Ich glaube deshalb einem Bedürfnis zu entsprechen, wenn
eine ausführlichere Schilderung des Untersuchungsgespräches und der ergänzenden
Maßnahmen in Form eines Taschenbuches vorgelegt wird.
Die theoretischen Voraussetzungen, welche der dargestellten Untersuchungsmethode
zugrunde liegen, sind ganz überwiegend jene der Bleuler-Schule in Zürich. Die Diag-
nostik ist deshalb jene, die im Lehrbuch der Psychiatrie von Eugen Bleuler, bearbeitet
von Manfred Bleuler, enthalten ist (Bleuler, 1983).
Auf Kasuistik wurde durchwegs verzichtet, um den Charakter eines knappen Leit-
fadens zu bewahren. Wer daran interessiert ist, muss auf die großen Lehrbücher und
die speziellen Anleitungen zur Interviewtechnik verwiesen werden.
In der heute gängigen Untersuchungsmethode, welche hier beschrieben wird, ha-
ben sich die Erfahrungen vieler Psychiatergenerationen niedergeschlagen. Dieser
Leitfaden erhebt deshalb in keiner Weise Anspruch, eine originale Fassung zu sein.
Es wurde vielmehr gesammelt, was da und dort in der Literatur verstreut an prakti-
schen Winken und Hinweisen für die Untersuchung gegeben worden ist. Von eini-
gen Ausnahmen abgesehen, wurde im Interesse der Lesbarkeit und Übersichtlichkeit
auf Quellenangaben verzichtet. Der Medizinstudent und der junge Arzt sollen eine
handliche Anleitung bekommen, welche für die tägliche, praktische Arbeit mit dem
Patienten bestimmt ist und deshalb auf ein umständliches, wissenschaftliches Dekor
verzichten darf.
Es scheint heutzutage notwendig, ausdrücklich zu betonen, dass wenn von Patient,
Arzt, Psychiater die Rede ist, selbstverständlich immer die weibliche Form mitgemeint
ist. Die durchgehende Doppelbezeichnung ist unpraktisch.
H. Kind,
Zürich, im April 1973
IX
Inhaltsverzeichnis
1 Grundlagen der psychiatrischen Untersuchung ....................... 1
1.1 Bedeutung und Bestandteile der psychiatrischen Untersuchung ............ 2
1.2 Zugangsweisen zum Patienten .............................................. 3
1.3 Die Rolle des Untersuchers .................................................. 4
1.4 Konzept und Aufbau des Buches zur psychiatrischen Untersuchung ......... 5
1.5 Allgemeine Gesichtspunkte der psychiatrischen Untersuchung
(Settingvariablen) ........................................................... 6
1.5.1 Die erste Begegnung mit einem Patienten ..................................... 6
1.5.2 Räumliche Gesichtspunkte .................................................... 8
1.5.3 Einschätzung von Gefahrensituationen ........................................ 8
1.5.4 Schwerpunktsetzungen bei der Untersuchung ................................. 9
2 Gesprächsführung ........................................................ 11
2.1 Verschiedene Begriffe zum psychiatrischen Gespräch ....................... 12
2.2 Abgrenzung des Untersuchungsgesprächs von der Therapie ................ 12
2.3 Charakteristik der Gespräche in verschiedenen Situationen ................. 13
2.4 Herstellung einer Beziehung ................................................ 14
2.4.1 Psychiatrische Haltung ....................................................... 14
2.4.2 Formale Aspekte zu Formulierungen .......................................... 17
2.4.3 Suggestive Fragen ............................................................ 18
2.5 Strukturierung des Gesprächs ............................................... 18
2.5.1 Bedeutung strukturierender Gesprächsführung ................................ 18
2.5.2 Verschiedene Interviewformen mit unterschiedlichem Strukturierungsgrad ..... 19
2.5.3 Halbstrukturiertes Interview .................................................. 20
2.6 Präzisierung von Informationen ............................................. 22
2.7 Besonders schwierige Gesprächssituationen ................................ 25
2.8 Vermittlung von Gesprächsführungskompetenzen .......................... 26
3 Psychopathologischer Befund ........................................... 27
3.1 Begriffsverständnis Psychopathologie ...................................... 29
3.2 Bedeutung des psychopathologischen Befundes für Diagnostik
und Therapie ................................................................ 30
3.3 Normal und nicht-normal, gesund und krank ................................ 31
3.3.1 Normvorstellungen ........................................................... 31
3.3.2 Kategoriales und dimensionales Modell von Krankheit ......................... 32
3.3.3 Aktuelle Gesundheitsmodelle ................................................. 33
3.3.4 Bedeutung der Gesundheitsmodelle für die Befunderhebung ................... 34
3.4 Äußere Erscheinung und Verhalten .......................................... 35
3.5 Das AMDP-System in der Erfassung des psychopathologischen
Befundes .................................................................... 36
3.6 Der Merkmalsbestand des AMDP ............................................ 37
3.6.1 Affektive Störungen .......................................................... 38
3.6.2 Antriebs- und psychomotorische Störungen ................................... 39
X Inhaltsverzeichnis
3.6.3 Befürchtungen und Zwänge .................................................. 41
3.6.4 Zircadiane Störungen ......................................................... 43
3.6.5 Orientierungsstörungen ...................................................... 44
3.6.6 Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen .................................. 45
3.6.7 Bewusstseinsstörungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
3.6.8 Wahn ........................................................................ 54
3.6.9 Sinnestäuschungen .......................................................... 62
3.6.10 Ich-Störungen ................................................................ 67
3.6.11 Formale Denkstörungen ...................................................... 68
3.6.12 Andere Störungen ............................................................ 74
3.7 Intelligenz. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
3.8 Sexualität ................................................................... 78
4 Anamnese ................................................................. 81
4.1 Spezielle Krankheitsanamnese .............................................. 85
4.2 Allgemeine Krankheitsanamnese. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86
4.3 Biografische Anamnese ..................................................... 87
4.4 Soziale Anamnese ........................................................... 88
4.5 Familienanamnese .......................................................... 89
5 Ergänzende Untersuchungen ............................................ 91
5.1 Körperliche Untersuchung .................................................. 92
5.2 Auskünfte von Angehörigen, Arbeitgebern und anderen Drittpersonen ..... 95
5.3 Anforderung früherer Patientengeschichten und Akten ..................... 97
5.4 Psychologische Testverfahren ............................................... 97
6 Syndrome .................................................................101
6.1 Vom Symptom zur Diagnose ...............................................102
6.2 Zustandsbilder versus Syndrome ...........................................102
6.3 Häufige Zustandsbilder ....................................................103
6.4 Häufige Syndrome .........................................................105
7 Diagnosen ................................................................113
7.1 Diagnosen sind zeit- und kulturabhängige Ordnungssysteme ..............114
7.2 Der operationalisierte diagnostische Prozess ...............................115
7.3 Diagnosegruppen des ICD-10 ..............................................118
7.3.1 F0: Organische Störungen ...................................................119
7.3.2 F1: Störungen durch psychotrope Substanzen ................................119
7.3.3 F2: Schizophrenie ...........................................................119
7.3.4 F3: Affektive Störungen ......................................................120
7.3.5 F4: Angst-, Zwangs- und Belastungsstörungen ................................121
7.3.6 F5: Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen ......................121
7.3.7 F6: Persönlichkeitsstörungen .................................................121
7.3.8 F7: Intelligenzminderung ....................................................126
7.3.9 F8: Entwicklungsstörungen ..................................................126
7.3.10 F9: Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit
und Jugend .................................................................127
XI
Inhaltsverzeichnis
7.4 Die X-, Y- und Z-Klassifikation des ICD-10 ...................................127
7.5 Das multiaxiale System des ICD-10 .........................................128
7.6 Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen, DSM-5 ...129
7.7 Die Reliabilität psychiatrischer Diagnosen ..................................131
7.8 Berücksichtigung der gesunden Anteile der Person ........................133
8 Dokumentation ..........................................................135
9 Besondere Untersuchungssituationen ................................139
9.1 Der scheinbar freiwillige Patient ............................................140
9.2 Der unfreiwillige Patient ...................................................141
9.3 Der Patient mit Alkohol- oder Drogenabhängigkeit ........................142
9.4 Die Untersuchung in der psychiatrischen Klinik ............................143
9.5 Die konsiliarische Untersuchung im Krankenhaus ..........................143
9.6 Der fremdsprachige und kulturell andersartige Patient .....................145
9.7 Der psychiatrische Notfallpatient ...........................................146
9.8 Die psychiatrische Untersuchung von Kindern und Jugendlichen ...........147
Serviceteil ................................................................149
Literatur ....................................................................150
Stichwortverzeichnis ........................................................153
1
1
Grundlagen der
psychiatrischen
Untersuchung
1.1 Bedeutung und Bestandteile der psychiatrischen
Untersuchung – 2
1.2 Zugangsweisen zum Patienten – 3
1.3 Die Rolle des Untersuchers – 4
1.4 Konzept und Aufbau des Buches zur psychiatrischen
Untersuchung – 5
1.5 Allgemeine Gesichtspunkte der psychiatrischen
Untersuchung (Settingvariablen) – 6
1.5.1 Die erste Begegnung mit einem Patienten – 6
1.5.2 Räumliche Gesichtspunkte – 8
1.5.3 Einschätzung von Gefahrensituationen – 8
1.5.4 Schwerpunktsetzungen bei der Untersuchung – 9
© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2017
A. Haug, Psychiatrische Untersuchung,
DOI 10.1007/978-3-662-54666-6_1