Table Of ContentVolker Wagner
Profanität und Sakralisierung im Alten Testament
Beihefte zur Zeitschrift für die
alttestamentliche Wissenschaft
Herausgegeben von
John Barton · Reinhard G. Kratz
Choon-Leong Seow · Markus Witte
Band 351
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DE
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Walter de Gruyter · Berlin · New York
Volker Wagner
Profanität und Sakralisierung
im Alten Testament
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DE
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Walter de Gruyter · Berlin · New York
© Gedruckt auf säurefreiem Papier,
das die US-ANSI-Norm über Haltbarkeit erfüllt.
ISBN 3-11-018463-X
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Vorwort
Von den religionsgeschichtlichen Phänomenen Säkularisierung und Sakrali-
sierung haben unsere Vorfahren bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts fast
ausschließlich Erscheinungen der Säkularisierung persönlich miterlebt. Die
Religion verlor während ihres Lebens mehr und mehr ihren gestalterischen
Einfluß auf die gesellschaftlichen und individuellen Lebensvollzüge. Das
Früher war in fast jeder Hinsicht sakraler, das Heute dagegen profaner. So ist
es nicht verwunderlich, daß dieses persönliche Erfahrungsmuster auch in das
Verständnis und die Auslegung des Alten Testamentes einfloß: Die kulti-
schen Stoffe galten als „uralt", die Spuren profaner Lebensäußerungen als
„Entlassung in das Weltliche", und selbst dafür wiirden zuweilen noch sa-
krale Anlässe - wie etwa eine Kultreform - gesucht und gefunden.
Unserer Generation ist durch die Entwicklung der Informationstechniken
und der Reisemöglichkeiten ein größerer Horizont geschenkt worden. Wir
können mit eigenen Augen beobachten, wie sich Bestrebungen der Säku-
larisierung und der Sakralisierung nicht nur miteinander abwechseln, sondern
durchaus auch zueinander parallel verlaufen: Es gibt auch heute Säkulari-
sierungen. die sakrale Bindungen der Lebensvollzüge auflösen, doch daneben
sehr wohl Sakralisierungen, die ehemals profane Lebensbereiche kultisch
gestalten. Unsere Großväter hätten es wohl kaum für möglich gehalten, daß
noch während des 20. Jahrhunderts „Gottesstaaten" ausgerufen würden.
..Gottesrecht" in zuvor weltliche Rechtssysteme eindringt. Befreit von dem
alleinigen Erlebnismuster der Säkularisierung sollte uns nun auch ein neuer
Blick auf das Alte Testament und die durch die alttestamentlichen Texte
hindurch erkennbare Lebenswirklichkeit Israels und Judas möglich sein.
Diesen will die vorliegende Arbeit versuchen. Dabei zeigt sich eine zwar viel
bescheidenere, zugleich aber auch weit dynamischere und konstruktivere
Rolle des Kultus und der Kultgemeinde im alttestamentlichen Israel, als das
wohl bisher gesehen worden ist.
Der Verfasser hat vielen zu danken, die ihm beim Hören oder Lesen die
Augen für diesen Blickwinkel geöffnet haben; das Literaturverzeichnis gibt
darüber Auskunft. In der Rückschau kommt dabei aber vor allem Herrn
1 Die Dissertation von M. Staszak, Die Asylstädte im Alten Testament. Realität und Fikti-
vität eines Rechtsinstituts. München 2003/2004, war leider bei der Fertigstellung des
Manuskripts noch nicht verfügbar.
VI Vorwort
Prof. Dr. H. Petschow (1909-1992) eine besondere Bedeutung zu, der den
Theologiestudenten an der Universität Leipzig vor vierzig Jahren in die Welt
des Alten Orients eingeführt und ihn dabei wiederholt gemahnt hat, die
Lebensäußerungen der Menschen jener Epoche nicht zu schnell und aus-
schließlich von ihrer Religion her erklären zu wollen.
Ein besonderer Dank ergeht aber auch an die Herren Prof. Dr. R. G. Kratz
und Prof. Dr. M. Witte sowie Frau M. Müller vom Verlag Walter de Gruyter
für viele wertvolle Hinweise zu inhaltlichen Fragen sowie zur äußeren
Gestaltung des Buches. Und schließlich ist herzlich für die Aufnahme dieser
Studie in die Reihe der Beihefte zur Zeitschrift für die Alttestamentliche
Wissenschaft zu danken, durch die es möglich wird, die Ergebnisse der
Untersuchung einer größeren Öffentlichkeit zur Diskussion zu stellen.
Leipzig, im Februar 2005
Volker Wagner
Inhaltsverzeichnis
Vorwort V
Inhaltsverzeichnis Vll
Einleitung 1
1. Der Sabbat 12
1.1 Der Sabbat in der vorexilischen Zeit 13
1.1.1 Belege für die Arbeits- und Handelsruhe am Sabbat in der
vorexilischen Zeit 14
1.1.2 Η in weise auf eine Gottesdienstrulle an den Sabbaten der
vorexilischen Zeit 26
1.1.3 Zwei vermeintlich vorexilische Belegstellen für den Sabbat,
die eher in eine spätere Zeit zu datieren sind 47
1.2 Die Nichteinhaltung des Sabbats nach 597 v. Chr 55
1.3 Die Bemühungen zur Erhaltung des Sabbats 70
1.3.1 Die kultische Gestaltung des Sabbattages 71
1.3.1.1 Der Sabbat in kultischen Terminkalendern 76
1.3.1.2 Die Opfer für den Sabbattag 81
1.3.1.3 Der Teilnehmerkreis, die Verantwortlichkeiten und die
Aufgabenverteilung bei den Sabbatgottesdiensten 85
1.3.2 Die anderen Bemühungen um die Erhaltung des Sabbats 92
1.3.2.1 Die Erklärung des Sabbats als Eigentum JHWHs 93
1.3.2.2 Die Verankerung des Sabbats in den Mythen 98
1.3.2.3 Das Verständnis des Sabbats als Zeichen zwischen JHWH
und dem/den Observanten 104
1.3.2.4 Die Proklamierung der Sabbatruhe als Voraussetzung
für das Heil 107
1.3.2.5 Die Androhung von Gewalt bei Nichteinhaltung der
Sabbatruhe 115
1.3.2.6 Die Betonung einer sozialen Zweckbestimmung des
Sabbats 117
1.4 Die Profanität des vorexilischen Sabbats 121
VIII Inhaltsverzeichnis
2. Die hauswirtschaftliche Verwertung von Tieren 123
2.1 Die Unterscheidung zwischen Tieren, die gegessen, und
denen, die nicht gegessen werden 124
Exkurs 1: Gen 9,3 - Ein Vorschlag für behutsam erweiterten
Vegetarismus 141
2.2 Das Schlachten von Haus- und Herdentieren 146
2.2.1 Dtn 12,13-28 - Gegen die Versuchung, die von den nicht-
jahwistischen Kultstätten ausgeht 148
2.2.2 Lev 17,3-7 - „Wer rituell schlachtet, soll vor JHWH opfern'· 158
2.3 Der Verzicht auf den Verzehr von Blut 162
Exkurs 2: Die Bedeutung der mr-Formel 174
Exkurs 3: Der Verzicht auf und nE~c 177
2.4 Die Profanität der vorexilischen Hauswirtschaft 180
3. Das Rechtsleben 182
3.1 Die hebräische Rechtsüberlieferung 182
3.1.1 Die Rechtsmaterie der hebräischen Rechtsüberlieferung 187
3.1.2 Die Gerichtsverfassung der hebräischen Rechtsüberlieferung 190
3.2 Die Inanspruchnahme der Dienste des Kultes durch das
Rechtsleben 200
3.2.1 Ex 21.5f. - Der Verzicht eines Sklaven auf Freilassung 200
3.2.2 Ex 22,6-8 - Der Streit um untergestellte Gegenstände 205
3.2.3 Ex 22,9f. - Der Streit um anvertraute Tiere 210
3.2.4 Dtn 19,16-21- Die unberechtigte Anklage 213
3.3 Ν um 5,11-31 - Die Agende für ein Ordal 220
3.4 Die Angebote des Kultes an das Rechtsleben 231
3.4.1 Lev 5,21-26 - Die Rückgabe unrechtmäßigen Besitzes 232
3.4.2 Lev 19,20-22 - Der unerlaubte sexuelle Kontakt mit einer
unfreien Frau 236
3.4.3 Num 5,6-8 - Die Wiedergutmachung gewisser Vermögens-
schäden 240
3.4.4 Dtn 21,1 -9 - Der ungeklärte Todesfall außerhalb der Ortschaft 242
3.5 Das Asyl 248
3.5.1 Das Städteasyl der vorexilischen Zeit 249
Inhaltsverzeichnis IX
3.5.2 Die Hypothese von einem ursprünglichen Altar- oder Tempel-
asyl 259
3.5.3 Das Asyl am Zweiten Tempel in Jerusalem 270
3.5.3.1 Ex 21,13f. - Die substituierte Interpolation in ein Zitat der
mv nlE-Reihe 271
3.5.3.2 Hinweise auf ein Jerusalemer Tempelasyl in den Psalmen 277
3.5.3.3 Das Asyl am Zweiten Jerusalemer Tempel in der
Fortschreibung der Asylstadtgesetze 281
3.6 Die Hypothese von der kultischen Gerichtsbarkeit 290
3.6.1 Der mögliche Raum für eine kultische Gerichtsbarkeit 293
3.6.2 Zum Versuch der Rekonstruktion einer kultischen Gerichtsbarkeit
aus den Psalmen 294
3.6.3 Vermeintliche Hinweise auf eine kultische Gerichtsbarkeit
in erzählenden Texten 300
3.6.4 Vermeintliche Hinweise auf eine kultische Gerichtsbarkeit
in (außerpsalmischen) poetischen Texten 310
3.6.5 11 Chr 19,8-11 - Die Justizreform Joschafats 312
3.7 Die Profanität des vorexilischen Rechtslebens 318
4. Die Funktion des Kultes in der Gesellschaft des
vorexilischen Israel und Juda im Spiegel der be-
handelten Texte 321
Literaturverzeichnis 332
Register der ausführlicher besprochenen Texte 353