Table Of ContentDieter Specht (Hrsg.)
Produkt- und Prozessinnovationen
in Wertschöpfungsketten
GABLER EDITION WISSENSCHAFT
Beiträge zur Produktionswirtschaft
Herausgegeben von Professor Dr.-Ing. habil. Dieter Specht
Die Reihe enthält Forschungsarbeiten und praxisrelevante Schriften
zu aktuellen Themenstellungen in der Produktion. Sie unterstützen
Management und Forschung bei der Aufgabe, die Produktion in Pla-
nung, Organisation, Prozessen und Logistik zu optimieren und weiter
zu entwickeln. Behandelt werden sowohl das Management des Be-
triebes als auch methodische und betriebswirtschaftliche Fragestel-
lungen einschließlich der Schnittstelle zur Technik.
Die Schriftenreihe ist als offene Plattform für hervorragende Arbeiten
in den genannten Gebieten konzipiert.
Dieter Specht (Hrsg.)
Produkt- und
Prozessinnovationen in
Wertschöpfungsketten
Tagungsband der Herbsttagung 2007
der Wissenschaftlichen Kommission
Produktionswirtschaft im VHB
GABLER EDITION WISSENSCHAFT
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1. Auflage 2008
Alle Rechte vorbehalten
© Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr.Th.Gabler | GWVFachverlage GmbH, Wiesbaden 2008
Lektorat: Frauke Schindler /Nicole Schweitzer
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Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche
Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten
wären und daher von jedermann benutzt werden dürften.
Umschlaggestaltung: Regine Zimmer, Dipl.-Designerin, Frankfurt/Main
Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier
Printed in Germany
ISBN 978-3-8349-1086-8
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Vorwort
Die Herbsttagung der Wissenschaftlichen Kommission für Produktionswirtschaft im
Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft im September 2007 behandelte
das Thema der Produkt- und Prozessinnovationen in Wertschöpfungsketten. Die Er-
neuerung der Produkte, wie auch der Prozesse, ist im globalen Wettbewerb von über-
ragender Bedeutung. Es war daher folgerichtig, in den vergangenen Jahren besonders
große Anstrengungen für die Verwirklichung einer schlanken, verschwendungsfreien
und wertschöpfungsorientierten Erneuerung der Produktion zu tätigen und auch in den
Produkten neben dem Kostenaspekt, insbesondere ein Augenmerk auf eine hohe Ge-
schwindigkeit der Umsetzung der technischen Möglichkeiten in neue benutzerorien-
tierte Funktionen zu setzen. Es hat sich gezeigt, dass Unternehmen, die diese Unter-
nehmensstrategie über einen langen Zeitraum hinweg konsequent verfolgt haben, auch
einen großen Gesamterfolg ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit vorweisen können.
Das Buch ist für alle von Interesse, die sich tiefer mit den angesprochenen Fragen
auseinander setzen wollen und Interesse an der wissenschaftlichen Diskussion über das
angesprochene Thema haben. Es beschreibt in Beiträgen aktuelle Ergebnisse von For-
schungsarbeiten in diesem Umfeld.
Als Herausgeber danke ich allen Autoren und Kollegen für ihren ausdauernden und
nachhaltigen Einsatz bei der Erstellung der Beiträge: Univ.-Prof. Dr. Bernd Kaluza
(Universität Klagenfurt), Prof. Dr. Wolfgang Kersten (Technische Universität Ham-
burg-Harburg), Prof. Dr. h.c. mult. Horst Wildemann (TU München), Prof. Dr. Kai-
Ingo Voigt (Universität Erlangen-Nürnberg), Prof. Dr. Evi Hartmann (EBS European
Business School), Dipl.-Kffr. Lydia Bals (EBS European Business School), Dipl.-Kfm.
Martin Blaschke (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg), Jean-Raoul
Gruner (Supply Management Institute und EBS European Business School), Dr. Frank
Himpel (Johannes Gutenberg-Universität Mainz), Dr. Michael Höck (Universität
Hamburg), Dipl. Ing. oec. Philipp Hohrath (Technischen Universität Hamburg-
Harburg), Dipl.-Ing. oec. Jan Koch (Technischen Universität Harburg), Dipl.-Kfm.
Markus Lutz (Brandenburgische Technische Universität Cottbus),
Dr.-Ing. Christian Mieke (Brandenburgische Technische Universität Cottbus), Dr.
Christian Ringle (Universität Hamburg), Dipl.-Kfm. Christian W. Scheiner (Friedrich-
Alexander Universität Erlangen-Nürnberg), Dr. Anne-Katrin Schröder (Universität
Rostock), Ass. Prof. Dr. Herwig Winkler (Universität Klagenfurt).
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Danken möchte ich auch Herrn Dipl.-Kfm. Markus Lutz, der die Redaktion der
Beiträge vornahm.
Dieter Specht
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Inhaltsverzeichnis
Herwig Winkler, Bernd Kaluza
Einsatz einer Wertschöpfungsrechnung zur Erfassung und Bewertung
von Produkt- und Prozessinnovationen in Wertschöpfungsnetzwerken………..............1
Dieter Specht, Markus Lutz
Outsourcing von F&E - Entwicklungsperspektiven für KMU……………………… ..33
Wolfgang Kersten, Jan Koch, Philipp Hohrath
Innovative Logistikdienstleistungen: Vor- und Nachteile der Kontraktlogistik…........55
Horst Wildemann
Produktkannibalisierung erkennen und vermeiden ...................................................... 71
Kai-Ingo Voigt, Martin Blaschke, Christian W. Scheiner
Einsatz und Nutzen von Innovationsschutzmaßnahmen im Kontext von
Produktpiraterie.............................................................................................................85
Christian Mieke
Branchenverbände als Innovationsplattform...............................................................107
Lydia Bals, Evi Hartmann, Jean Raoul Gruner
Management of the Innovation Process: A Comparison of Theoretical and
Practical Aproaches.………………………………………………………………… 125
Frank Himpel
Kooperation und Wettbewerb in Airline-Allianzen.....................................................163
Michael Höck, Christian Ringle
Analyse der Service-Profit-Chain bei Unternehmensberatungen................................181
Anne-Katrin Schröder
Einsatz- und Wirkungsgebiete der Techniken des Qualitätsmanagement in
der Wertschöpfungskette - dargestellt am Beispiel von kleinen und mittleren
Unternehmen...............................................................................................................197
Wertschöpfungsrechnung zur Erfassung und Bewertung von Innovationen 1
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Einsatz einer Wertschöpfungsrechnung zur Erfassung und
Bewertung von Produkt- und Prozessinnovationen in
Wertschöpfungsnetzwerken
Herwig Winkler, Bernd Kaluza
Überblick
Im vorliegenden Beitrag wird eine modifizierte Wertschöpfungsrechnung als Me-
thode zur Erfassung und Bewertung der innovationsbedingten finanziellen Verände-
rungen bei den Wertschöpfungspartnern in einem Wertschöpfungsnetzwerk darge-
stellt. Die Planung und Umsetzung von Produkt- und Prozessinnovationen ist häufig
nicht in einem einzelnen Unternehmen realisierbar, sondern nur gemeinsam mit weite-
ren Wertschöpfungspartnern durchzuführen. Bisher wurden die Auswirkungen von
Innovationen meist nur in einzelnen Unternehmen ermittelt und finanziell bewertet.
Finanzielle Auswirkungen bei Partnerunternehmen, die von den Veränderungen eben-
so betroffen waren, wurden dabei nicht berücksichtigt. Damit jedoch Innovationen
erfolgreich umzusetzen sind, halten wir eine ganzheitliche Erfassung der finanziellen
Auswirkungen bei allen betroffenen Unternehmen für zwingend erforderlich.
Problemstellung
Die aktuelle Wettbewerbssituation erfordert von Unternehmen eine ständige Anpas-
sung und/oder Weiterentwicklung der Wertschöpfungsprozesse und -strukturen. Kun-
den verlangen heute nicht nur neue Produkte und innovative Problemlösungen, son-
dern erwarten verstärkt eine termin-, kosten- und qualitätsgerechte Leistungsbereitstel-
lung.1 Von konkurrierenden Unternehmen werden zudem immer schneller neue Pro-
dukte und innovative Technologien zur Erzielung von Wettbewerbsvorteilen entwi-
ckelt und eingesetzt. Die hohen Anforderungen der Kunden sowie die Intensivierung
des Wettbewerbs erfordern von den Unternehmen laufend Produkt- und Prozessinno-
vationen, um so auch zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben und erfolgreich am Markt
zu bestehen.2
1 Vgl. z.B. Poirier, Reiter (1997), S. 17 ff.
2 Zu den Herausforderungen des Wertschöpfungsmanagement siehe Wildemann (2007), S. 11 ff.
2 Herwig Winkler, Bernd Kaluza
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Einzelne Unternehmen sind allerdings meist nicht in der Lage, die angestrebten Pro-
dukt- und Prozessinnovationen allein zu bewältigen. Damit eine erfolgreiche Schaf-
fung von Innovationen möglich ist, werden kompetente Partner benötigt, mit denen die
erforderlichen Neuerungen gemeinsam zu planen, zu entwickeln und umzusetzen sind.
Zur Lösung dieser komplexen Aufgaben empfehlen wir, geeignete Wertschöpfungs-
netzwerke zu bilden und einzusetzen.3 Zur Erreichung einer langfristigen stabilen Zu-
sammenarbeit in einem Wertschöpfungsnetzwerk sind die Erfolgswirkungen der Pro-
dukt- und Prozessinnovationen für jeden Partner zu bestimmen. In den Fällen, in denen
bei bestimmten Partnern finanzielle Nachteile auftreten, werden diese die Zusammen-
arbeit meist beenden. Es ist daher zwingend erforderlich, die wertschöpfungsbezoge-
nen Veränderungen bei den bedeutenden Partnern ständig zu überprüfen und die aktu-
elle Situation zu beurteilen.4
Zur Ermittlung und Beurteilung der Erfolgswirkungen von Produkt- und Prozessin-
novationen im Wertschöpfungsnetzwerk ist eine spezielle Wertschöpfungsrechnung zu
entwickeln und einzusetzen.5 Mit dieser Wertschöpfungsrechnung sollen die erfolgs-
und liquiditätsbezogenen Auswirkungen von produkt- und prozessbezogenen Verände-
rungen bei jedem im Wertschöpfungsnetz beteiligten Partner ermittelt werden. Zudem
wird damit angestrebt, die Gesamtentwicklung des Wertschöpfungsnetzwerkes auf
Basis von wertschöpfungsbezogenen Kennzahlen zu steuern und zu überwachen.
Mit dem Einsatz einer speziellen Wertschöpfungsrechnung soll versucht werden, die
finanziellen Auswirkungen von Produkt- und Prozessinnovationen abzubilden. Bei
Produktinnovationen sind die produktbezogenen Veränderungen, z.B. bei den Funkti-
onen, dem Design oder den Produktkomponenten, für jeden Wertschöpfungspartner zu
bestimmen. Anschließend sind von jedem beteiligten Unternehmen die Auswirkungen
auf die Absatz- und Vorleistungen zu ermitteln. Dabei auftretende mengen- und/oder
preisbezogene Veränderungen können sich dabei auf die Wertschöpfung eines Unter-
nehmens sowohl positiv als auch negativ auswirken.6 Beim Vorliegen von Prozessin-
novationen werden neue Verfahren für die Leistungserstellung und/oder der Informa-
tionsbereitstellung eingesetzt. Dabei handelt es sich nicht nur um innovative Produkti-
onsverfahren, sondern z.B. auch um neue Lösungen zur Handhabung der Logistik.
Weiters werden zur Verbesserung der Informationsprozesse häufig neue IT-Systeme
zur Planung, Steuerung und Kontrolle eingesetzt. Aufgrund dieser Prozessinnovatio-
nen ist es erforderlich, die internen und/oder externen Wertschöpfungsstrukturen im
Wertschöpfungsnetzwerk zu verändern. Dies ist deshalb notwendig, da durch
3 Vgl. zur Wahl der Wertschöpfungstiefe auch Koch (2006), S. 1 ff.
4 Vgl. zur Gestaltung und Steuerung von Wertschöpfungsnetzwerken z.B. Winkler (2005), S. 40 ff.
5 Es sollen in diesem Beitrag nicht Erfolg oder Erfolgsfaktoren von Innovationen untersucht wer-
den, sondern die Möglichkeiten zur Erfassung finanzieller Auswirkungen von Innovationen. Zum
Erfolg von Innovationen vgl. z.B. Kock (2007), S. 69 ff.
6 Vgl. zum Begriff der Wertschöpfung z.B. Chmielewicz (1983), S. 152 ff.
Wertschöpfungsrechnung zur Erfassung und Bewertung von Innovationen 3
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die Prozessinnovationen Prozesse schneller und/oder kostengünstiger durchzuführen
sind. Es ist deshalb zweckmäßig, die Erstellung der Vorleistungen und/oder die Ver-
wertung der Absatzleistungen an die Veränderungen anzupassen.
Im vorliegenden Beitrag sind zunächst die Bedeutung von Produkt- und Prozessin-
novationen für Wertschöpfungsnetzwerke zu untersuchen. Dabei wird geprüft, welche
Wirkungen von Produkt- und Prozessinnovationen auf die Wertschöpfung in Wert-
schöpfungsnetzwerken zu erwarten sind. Es werden dazu verschiedene Annahmen
darüber getroffen, welche Veränderungen bei den inner- und zwischenbetrieblichen
Wertschöpfungsprozessen auftreten können. Aus diesen potentiellen Veränderungen
sollen die Auswirkungen auf die Wertschöpfung, z.B. durch einen veränderten Wert
der Produkte, unterschiedliche Bezugs- und Absatzmengen pro Periode oder veränder-
ten Kostenstrukturen durch neue Produktionsverfahren, der einzelnen Partner abgelei-
tet werden. Im nächsten Untersuchungsschritt werden zunächst die Grundzüge der tra-
ditionellen Wertschöpfungsrechung herausgearbeitet. Anschließend erfolgt der Ent-
wurf einer speziellen Wertschöpfungsrechnung, mit der die innovationsbedingten Ver-
änderungen je Partner zu erfassen und zu quantifizieren sind. Anhand eines bewusst
einfach strukturierten Wertschöpfungsnetzwerks wird in einem weiteren Untersu-
chungsschritt der Einsatz der Wertschöpfungsrechnung demonstriert. Aus den Ergeb-
nissen der Wertschöpfungsrechnung sind Implikationen zur Gestaltung der Wertschöp-
fungsstrukturen und -prozesse im Wertschöpfungsnetzwerk abzuleiten. Weiters kön-
nen damit erforderliche Kompensationszahlungen für einen Nutzenausgleich zwischen
den Partnern festgelegt werden.
Bedeutung von Produkt- und Prozessinnovationen für
Wertschöpfungsnetzwerke
Grundzüge und Ziele von Produkt- und Prozessinnovationen
Empirische Studien belegen, dass ca. 75% der umsatzstärksten deutschen Unter-
nehmen Produkt- und Prozessinnovationen als besonders wichtige Voraussetzung für
den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit ansehen.7 Die durchzuführenden Produktinnova-
tionen reichen dabei von inkrementalen Veränderungen des Produktes bzw. seiner
Produktkomponenten bis hin zu radikalen Veränderungen und völlig neuen Produk-
ten.8 Bei den geplanten Prozessinnovationen geben ca. 30% der Unternehmen an, Pro-
zessinnovationen zukünftig absatzseitig und/oder beschaffungsseitig durchführen zu
wollen. Diese Aussagen belegen, dass Innovationen aktuell und zukünftig nicht mehr
7 Vgl. Accenture (2005), S. 6 ff.; sowie Gröger (2007), S. 425 ff.
8 Vgl. dazu z.B. auch Aschhoff, et al. (2007), S. 5 ff.