Table Of ContentRaymond Geuss
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Privatheit
Eine Genealogie
suhrkamp taschenbuch
wissenschaft
FürdiepolitischeTheorieundPraxisistkeineandereUnterschei-
dungsowichtigwiediejenigezwischen»öffentlich«und»privat«.
Geradeheute,wowirimweltweitenDatenverkehr»Spuren«hin-
terlassen und unsere Bewegungen im öffentlichen Raum über-
wachtwerden,isteinSchutzderPrivatsphäredurchdiePolitikun-
erlässlich.DochwoverläuftdieGrenzezwischen»öffentlich«und
»privat«?LassensichbeideSphärensoproblemlosdifferenzieren,
wiewirimAlltagunterstellen?Inseinemmitreißendgeschriebe-
nenBuchunterziehtRaymondGeussdasalteBegriffspaarprivat/
öffentlicheinervonNietzscheundFoucaultinspiriertenGenealo-
gieundkommtzudemSchluss,dassdieUnterscheidunginsichzu-
sammenfällt. Dasjedoch hatgravierende Auswirkungenauf die
PolitikunddaspolitischeDenken.
RaymondGeussistProfessoranderPhilosophischenFakultätder
UniversitätCambridge.
Raymond Geuss
Privatheit
Eine Genealogie
Aus dem Englischen von
Karin Wördemann
Suhrkamp
Titel der Originalausgabe:
Public Goods, Private Goods
Erstmals veröffentlicht 2001
bei Princeton University Press
Copyright © 2001 by Princeton University Press
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eBook Suhrkamp Verlag Berlin
Textgrundlage dieses eBooks ist die 1. Auflage des
suhrkamp taschenbuch wissenschaft 2093
Erste Auflage 2013
© Suhrkamp Verlag Berlin 2013
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eISBN 978-3-518-73583-1
www.suhrkamp.de
Inhalt
Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
VorwortzurdeutschenAusgabe . . . . . . . . . . . . . . 10
Kapitel1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
Kapitel2 SchamlosigkeitunddieöffentlicheWelt 33
Kapitel3 Respublica . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
Kapitel4 DasSpirituelleunddasPrivate . . . . . . . 77
Kapitel5 Liberalismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
Kapitel6 Schluss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124
Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137
Privatheit
Vorwort
RobertMaxwell,damalsmeinKollegeinPrinceton,organi-
sierte1984anderSchoolofArchitecture(dereralsDeanvor-
stand) eine Konferenz über die »Sphäre des Öffentlichen«
undludmichein,hierzueinenVortragzuhalten.Eswardas
ersteMal,dassichversuchte,überdieBegriffedesÖffent-
lichenundPrivatensowieihrVerhältniszueinanderlängere
Zeitintensivnachzudenken,undichbinRobertMaxwellfür
dieseGelegenheitsehrdankbar.Unglücklicherweisewurde
mir meine einzige schriftliche Fassung des Vortragstexts
1986inBelgradausmeinemHotelzimmergestohlen.Ichwar
deshalbbesonderserfreut,alsmanmichbat,imSeptember
1999hierinCambridgeaufeinerKonferenzüber»Asiatische
undwestlicheKonzeptionendesÖffentlichenundPrivaten«
zusprechen,dennesverschafftemirdenAnlass,zudiesem
ThemazurückzukehrenundeinenzweitenVersuchzuwa-
gen.IchhielteinenVortragmitdemTitel»Schamlosigkeit,
Spiritualität und das Gemeinwohl«, und das vorliegende
Buch ist eine erweiterte Bearbeitung dieses Vortrags. Ich
möchtedenOrganisatorenderKonferenz,dem›Institutefor
the Integrated Study of Future Generations‹ (Kyoto), dem
PräsidentendesInstituts,Tae-ChangKim,sowieJohnDunn
und Ross Harrison für die freundliche Einladung danken.
IchhabeausDiskussionenmitPeterGarnseyüberdieantike
Weltsehrviellernenkönnen.Garnseybewahrtemichzudem
vor mehreren groben historischen Fehlern. Auch Rüdiger
Bittner, FredNeuhouser, RobertPippin undBernard Wil-
liams,diedieErstfassungschriftlichkommentierten,binich
zu Dank verpflichtet. Desgleichen möchte ich einer Reihe
vonKollegenundFreundeninCambridgedanken,mitde-
nenichdieindiesemEssaybehandeltenThemendiskutieren
konnte,insbesondereZeevEmmerich,HilaryGaskin,Istvan
Hont,DavidSedleyundQuentinSkinner.
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VorwortzurdeutschenAusgabe
SelbstwennmanmitAdornoeinigist,dassdiePhilosophie
eine ästhetische Dimension haben sollte, ist damit noch
längst nicht eindeutig bestimmt, wie man vorgehen sollte.
DiezurAuswahlstehendenStilereichenvomUntertriebe-
nenundMinimalistischen–PlatonsIonoderQuines»Zwei
DogmendesEmpirismus«–biszumÜberladenenoderBa-
rocken – Comtes Cours de philosophie positive (Abhand-
lungüberdiepositivePhilosophie)oderHabermas’Theorie
des kommunikativen Handelns. Außerdem scheint mir
WittgensteinsBemerkung,man sollteinderLage sein,ein
ganzesphilosophischesWerkzuschreiben,dasausschließ-
lich aus Witzen besteht, eine Empfehlung zu sein, die von
Philosophen nur unzureichend gewürdigt worden ist. Es
stimmt zwar, dass einige Formen des Humors an tiefsit-
zende Vorurteile appellieren und sie dadurch verstärken,
andererseitsistesaberauchso,dassder›Witz‹inBereiche
hineinreicht, die – zu irgendeiner gegebenen Zeit – außer-
halbdesetabliertenDiskursuniversumsliegen,underkann
unsaufdieseWeiseDingezugänglichmachen,die–zueiner
bestimmtenZeitundaneinembestimmtenOrt–nichtein-
fachklarausgesprochenwerdenkönnen,dieaberdennoch
wichtig sind. Aus der Tatsache, dass dieses Buch verschie-
dentlichAnflügevonHumorzeigt,solltendieLeserdeshalb
nichtschließen,dassesnichtauchbeabsichtigt,dieArt,wie
dieMenschendenkenundleben,zuverändern.
In der minimalistischen Ästhetik – könnte man sagen –
drückt sich eine bestimmte Art von Zuversicht oder Ver-
trauen aus, die der Autor in seine potentiellen Leser setzt.
DemnachsinddieLesersointelligent,dassihnennichtalles
undjedesinlangatmigenEinzelheitenausbuchstabiertwer-
denmuss,undsiesindintellektuellaktivgenug,umihreei-
genenSchlüssezuziehen.EinWitzkanneinDutzendArgu-
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