Table Of ContentChristiane Howe
Lars Ostermeier Hrsg.
Polizei und
Gesellschaft
Transdisziplinäre Perspektiven
zu Methoden, Theorie und Empirie
reflexiver Polizeiforschung
Polizei und Gesellschaft
Christiane Howe · Lars Ostermeier
(Hrsg.)
Polizei und Gesellschaft
Transdisziplinäre Perspektiven zu
Methoden, Theorie und Empirie
reflexiver Polizeiforschung
Hrsg.
Christiane Howe Lars Ostermeier
Humboldt Universität zu Berlin Freie Universität Berlin
Berlin, Deutschland Berlin, Deutschland
ISBN 978-3-658-22381-6 ISBN 978-3-658-22382-3 (eBook)
https://doi.org/10.1007/978-3-658-22382-3
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung .................................................... 1
Christiane Howe und Lars Ostermeier
Verdacht und Vorurteil. Die polizeiliche Konstruktion
der „gefährlichen Fremden“ .................................... 17
Rafael Behr
„Wer hat jetzt die größeren Eier?!“ – Polizeialltag,
hegemoniale Männlichkeit und reflexive Ethnografie ................ 47
Daniela Hunold
Shot Spotter, Hot Spots und Streifenfahrten ....................... 71
Niklas Creemers
Selbstverständliche Staatlichkeit. Ghanaische und
deutsche Polizeiarbeit im Vergleich ............................... 105
Jan Beek
Lobbyieren polizeiinterner Veränderungsprozesse.
Skizzen einer ethnografischen Praxisforschung
bürgernaher, präventiver Polizeiarbeit ............................ 131
Christiane Howe
Polizei im/unter Protest erforschen ............................... 155
Peter Ullrich
Polizei und Kritik. Ein Beitrag der Ethnografie .................... 191
Dörte Negnal, Christiane Howe und Yannik Porsché
V
VI Inhaltsverzeichnis
Amtliche Kriminalstatistiken als Datenbasis in
der empirischen Polizeiforschung ................................ 207
Benjamin Derin und Tobias Singelnstein
Kritische Lehre und Forschung in der Polizeiausbildung ............. 231
Michael Jasch
Émile Durkheim in Massachusetts – Kriminalität,
Strafpraxis und soziale Kontrolle im kolonialen Boston .............. 251
Dominik Nagl
Herausgeber- und Autorenverzeichnis
Über die Herausgeber
Christiane Howe, Dipl. Soziologin, wiss. Mitarbeiterin im BMBF Verbund-
projekt (ESKrim) zu migrantischen Communities und lokaler Sicherheit im
Teilprojekt: Opferschutz im Quartier an der Fachhochschule für öffentliche
Verwaltung in Münster und beratend im DFG Projekt zu Wissenspolitiken in
der gegenwärtigen Regulierung der Prostitution in Deutschland am Lehrstuhl
für Soziologie der philosophisch- sozialwissenschaftlichen Fakultät, Universität
Augsburg.
Lars Ostermeier, Dr. phil, Koordinator der Berlin Graduate School Muslim
Cultures and Societies, Freie Universität Berlin.
Autorenverzeichnis
Jan Beek, Dr., Postdoctoral Research Fellow, AFRASO Projekt an der Goethe-
Universität Frankfurt.
Rafael Behr, Prof. Dr., Dipl.-Verw., Professur für Polizeiwissenschaften,
Fachhochschulbereich der Akademie der Polizei Hamburg.
Niklas Creemers, Dipl. Soz.-Wiss., wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen
Institut für Urbanistik in Berlin.
Benjamin Derin, Rechtsanwalt in Berlin und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am
Lehrstuhl für Kriminologie an der RUB.
VII
VIII Herausgeber- und Autorenverzeichnis
Daniela Hunold, Dr. phil. wiss. Mitarbeiterin, Deutsche Hochschule für Polizei
im Fachgebiet Kriminologie und interdisziplinäre Kriminalprävention.
Michael Jasch, Prof. Dr., Professor für Strafrecht und Kriminologe an der
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen in Duisburg,
Fachbereich Polizei
Dominik Nagl, Akademischer Mitarbeiter, Historisches Institut, Neuere und
Neueste Geschichte, Universität Mannheim.
Dörte Negnal, Juniorprofessorin für Sozialwissenschaftliche Kriminologie an
der Universität Siegen.
Yannik Porsché, Dr. phil., Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für
Soziologie der Globalisierung, Universität der Bundeswehr München.
Tobias Singelnstein, Prof. Dr., Inhaber des Lehrstuhls für Kriminologie an der
Juristischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum.
Peter Ullrich, Dr. phil. Dr. rer. med., Bereichsleiter „Soziale Bewegungen, Technik,
Konflikte“, Zentrum Technik und Gesellschaft/Technische Universität Berlin.
Einleitung
Christiane Howe und Lars Ostermeier
Darstellungen und Analysen von Polizei gleichen in wissenschaftlichen Arbeiten
und empirischen Forschungen häufig den Schilderungen der sprichwörtlich blin-
den Männer, die einen Elefanten untersuchen. Aufgrund seiner Größe kann jeder
seine Untersuchungen jeweils nur begrenzt in Ausschnitten und Teilbereichen
vornehmen und beschreibt am Ende einen völlig anderen Elefanten. Umstritten
ist weithin die Frage, was eine Polizeiforschung leisten soll. Geht es dabei um
wissenschaftliche und/oder gesellschaftspolitische Analysen, sind diese überhaupt
zu trennen oder um eine wie auch immer verstandene Verbesserung von Gesell-
schaft oder von Polizeiarbeit? Zu klären wäre auch in welcher Hinsicht und mit
welchem Ziel dies erfolgen soll. Das Alles gilt umso mehr für eine „Kritische
Polizeiforschung“, die nicht nur zu einem besseren Verstehen dieser spezifischen
sozialen Welt beitragen, sondern sich zudem und zuvorderst „kritisch“ mit der
Polizei auseinandersetzen will, mit ihr als Institution im Staatsgefüge, mit ihren
Aktivitäten und ihrem Selbstbild. Dabei ist (kritische) Polizeiforschung nicht
nur mit analytischen Einwänden konfrontiert, ihre Maßstäbe und Standpunkte
erscheinen häufig unklar oder fragwürdig. So hat sie – wie in jeder Forschung –
nicht nur ihren jeweiligen Gegenstand zu klären, sondern auch auf welchen Prä-
missen sie beruht und mit welcher Zielrichtung sie antritt.
C. Howe (*)
Humboldt Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland
E-Mail: [email protected]
L. Ostermeier
Freie Universität Berlin, Berlin, Deutschland
E-Mail: [email protected]
© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 1
C. Howe und L. Ostermeier (Hrsg.), Polizei und Gesellschaft,
https://doi.org/10.1007/978-3-658-22382-3_1
2 C. Howe und L. Ostermeier
Doch was ist gemeint, wenn hier von kritisch gesprochen wird? Eine Antwort
hierauf erfordert eine genauere Bestimmung.
Ein Verständnis von Kritik und ihren verschiedenen Formen kann jeweils
nach theoretischem und empirischem Ansatz, nach Zugriffsart und Begründung
des eigenen Standpunktes und je nach disziplinären Spielregeln gefasst wer-
den. Neben dem philosophischen Zugriff, dem eine exakte Analyse und Logik
zugrunde liegt mit dem Ziel, Widerspruchsfreiheit von Begriffen und Aussagen zu
generieren, sind dies zum einen die Bewertung von Ereignissen, Handlungen und
Abläufen, die ethische und/oder (menschen-)rechtliche Maßstäbe voraussetzen
nach denen die jeweiligen Bewertungen und Zielvorgaben vorgenommen werden
(können). Zum anderen sind es Beschreibungen, die scheinbare Selbstverständ-
lichkeiten durch (distanzierende) Reflexion und Interpretation infrage stellen.
Alle Ansätze sind nicht immer klar zu trennen, sie befinden sich häufig im Fluss
oder treten kombiniert auf. Zudem nehmen wir inzwischen mehr „die Praktik
der Kritik selbst in den Blick und fragen uns, was wir tun, wenn wir kritisieren,
welche Macht wir ausüben und wohin uns die Kritik führen wird.“ (Demirović
2008, S. 1).
Das erstgenannte Vorgehen zielt auf Bewertungen und Beurteilungen von
Ereignissen, Handlungen und Abläufen. Es ist verbunden mit und orientiert
sich an verschiedenen (anthropologischen, teleologischen, ethischen, religiösen
und/oder rechtlichen) Maßstäben, nach denen die jeweiligen Bewertungen vor-
genommen werden. Dem Verständnis dieser Form von Kritik liegt die Analyse
und Offenlegung von Widersprüchen und Fehlern zugrunde, die auf einem Ver-/
Abgleich von einem Status quo und einem postulierten, vielfach implizit bleiben-
den, erstrebenswerteren, idealisierten Zustand beruht. Zielsetzungen sind morali-
sche oder gesellschaftspolitische Verbesserungen im Hinblick auf diese zugrunde
gelegten Maßstäbe. Der Ansatz beinhaltet immer auch die Anstrengung der Ana-
lyse eines Status quo und die Arbeit an einem Ziel oder einer Utopie.
Solcherart Maßstäbe finden sich entweder bereits in der Gesellschaft, z. B.
in Gesetzen, Normen und Regelwerken und sind „immanent“ begründet oder
sie sind „transzendental“ in einer göttlichen Instanz, der Anthropologie oder
der Vernunft zu suchen. Damit sind sie in bestimmter Weise mit der jeweili-
gen Geschichte verbunden und historisch gegeben. Immanente Maßstäbe kön-
nen partikular-kontingent in einer Kultur/Gemeinschaft in Vorstellungen eines
„guten Lebens“ vorhanden sein oder als funktional notwendig erkannt werden.
Aktuell wird dieser Ansatz als „reflexiv-distanzierte“ oder (re)konstruktive Kri-
tik gefasst, die sich darum bemüht, einen neutralen oder gut begründeten Stand-
punkt einzunehmen, indem sie sich auf abstrakte Argumente oder universelle
(allgemeine) Prinzipien beruft, um legitime von illegitimen Machtverhältnissen