Table Of ContentMax Kaase (Hrsg.)
Politische Wissenschaft und politische Ordnung
Max Kaase (Hrsg.)
Politische Wissenschaft
und politische Ordnung
Ana[ysen zu Theorie und Empirie
demokratischer Regierungsweise
Festschrift zum 65. Geburtstag
von RudolfWildenmann
Westdeutscher Verlag
CIP-Kurztite1aufnahme der Deutschen Bibliothek
Politische Wissenschaft und politische Ordnung:
Analysen zu Theorie u. Empirie demokrat.
Regierungsweise; Festschr. zum 65. Geburtstag
von Rudolf Wildenmann I hrsg. von Max Kaase. -
Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, 1986.
ISBN-13: 978-3-531-11804-8 e-ISBN-13: 978-3-322-86109-2
DOl: 10.1 007/978-3-322-86109-2
NE: Kaase, Max [Hrsg.]; Wildenmann, Rudolf:
Festschrift
© 1986 Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen
Umschlaggestaltung: Horst Dieter Biirkle, Darmstadt
Druck und buchbinderische Verarbeitung:
Lengericher Handelsdruckerei, Lengerich
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Inhalt
V orbemerkung des Herausgebers ................................ 9
Max Kaase
Zur EinfUhrung 11
I. Entwicklungen, Probleme und Perspektiven demokratischer Ordnungen
Erwin Faul
Donato Giannotti und die Konzeption republikanischer Gewaltenteilung 17
Dolf Sternberger
Die Wahl als biirgerliche Amtshandlung 22
Peter Flora
Wachstum zu Grenzen - Stabilisierung durch Wandel. Zur historischen
Lage der entwickelten Wohlfahrtsstaaten Westeuropas ............... 27
Karl W. Deutsch
Einige Grundprobleme der Demokratie in der Informationsgesellschaft 40
Wolfgang Zapf
Zur Diskussion urn Krise und Innovationschancen in westlichen
Demokratien ............................................... 52
Hans Albert
Freiheit und Ordnung. Der europaische Beitrag zur Lasung
der ordnungspolitischen Probleme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 61
Werner Kaltefleiter
Die freien Gesellschaften - eine kleine radikale Minderheit? 70
II. Demokratie im Spannungsfeld von Macht, Konflikt und Konsens
Erich Weede
Selbstgefahrdungstendenzen von freiheitlichen Demokratien 83
Manfred E. Streit
Marktwirtschaftliche Ordnungspolitik im demokratischen
Wohlfahrtsstaat ............................................. 97
6 Inhalt
Heinz Markmann
Gewerkschaften in der Krise ................................... III
Ulrich Widmaier
Verteilungskonflikte, wirtschaftspolitische Strategien und politische
Unterstiitzung. Eine vergleichende Simulationsstudie fUr die Bundes-
republik Deutschland, England und die USA ....................... 123
Franz Lehner
Konkurrenz, Korporatismus und Konkordanz - Politische Vermittlungs
strukturen und wirtschaftspolitische Steuerungskapazitat in modernen
Demokratien ............................................... 146
Hans-Martin Pawlowski
Das Gesetz als Mittel der gesellschaftlichen Steuerung im pluralistischen
Staat ..................................................... 172
jiirg Steiner und Robert H. Dorff
EntscheidungsprozeB als theoretische Variable ..................... 191
Wolfgang Hirsch-Weber
Pluralismustheoretiker und ihre Kritiker .......................... 202
III. Theorie und Empirie politischer und gesellschaftlicher Prozesse
Hans Boldt
Demokratietheorie zwischen Rousseau und Schumpeter. Bemerkungen
zu Hans Kelsens "Vom Wesen und Wert der Demokratie" ........ . . . .. 217
Ferdinand A. Hermens
Evaluating Electoral Systems . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 233
Karlheinz Reif
Mitte, MaBigung und Machtwechsel. 1st das britische Modell iiberholt? ... 253
Wilhelm P. Biirklin
Evolution und Zyklus. Mogliche Beitrage der Zyklentheorie zur
Verbesserung sozialwissenschaftlicher Theoriebildung ................ 265
Franz Urban Pappi
Politische Kultur. Forschungsparadigma, Fragestellungen, Untersuchungs-
moglichkeiten .............................................. 279
Rupert Breitling
B~rufs~eitrage aus Amterpatronage - Eine vergessene Quelle politischer
Fmanzlerungen ............................................. 292
Inhalt 7
IV. Politik und Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland
Hermann Weber
Traditionslinien und Neubeginn der deutschen Parteien 1945 - am
Beispiel der "Arbeiterparteien" ................................. 305
Ursula Hoffmann-Lange
Eliten und Demokratie in der Bundesrepublik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 318
Walter Muller
Soziale Mobilitiit: Die Bundesrepublik im internationalen Vergleich ..... 339
V. Massenmedien und politischer ProzeS
Max Kaase
Massenkommunikation und politischer ProzeS ..................... 357
Heribert Schatz und Marianne Schatz-Bergfeld
Macht und Medien. Perspektiven der informationstechnologischen
Entwicklung ............................................... 375
Hans-Dieter Klingemann
Massenkommunikation, interpersonale Kommunikation und politische
Einstellungen. Zur Kritik der These vom "Zwei-Stufen FluS" der
politischen Kommunikation .................................... 387
Alois Schardt
Ein journalistischer Zwischenruf ................................ 400
VI. AuSenpolitik und bewaffneter Konflikt
Dietmar Schiissler
Revolutioniire Praxis und ihre Theorie. Der moderne bewaffnete Konflikt
bei Clausewitz .............................................. 409
Klaus Jurgen Gantzel
Staat und Krieg: Aus der Geschichte gelernt? Einige Reflexionen zum
Selbstverstiindnis eines Kriegsursachenforschers .................... 423
Martin Irle
"Ost-West-Beziehungen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft".
Ein Kommentar zum Report der Internationalen Gruppe des Aspen
Institutes .................................................. 448
8 In bait
VII. Politikberatung und politische Bildung
Karl Hohmann
Erinnerung an Jahre der Zusammenarbeit mit RudolfWildenmann ...... 463
Gerhard Schroder
Rudolf Wildenmann und das Ostkolleg der Bundeszentrale fUr
Heimatdienst ............................................... 473
Die Autoren ............................................... 477
Vorbemerkung des Herausgebers
Fiir den Herausgeber dieser Festschrift war es bei der Vielzahl der potentiellen
Adressaten nicht leicht, ein Kriterium fiir die Auswahl der Personen zu finden,
die mit der Bitte um Mitarbeit angesprochen werden solI ten. Er entschied sich
schlieglich bewugt fur einen Kreis von Kollegen, die den beruflichen Weg von
Rudolf Wildenmann im begrenzten deutschen Umfeld iiber die Jahre begleitet
haben: seine akademischen Lehrer und Freunde; Wissenschaftler, die wie er
Mitglieder der Arbeitsgruppe um Dolf Sternberger in Heidelberg waren; mit
ihm wissenschaftlich eng verbundene Mitglieder der Universitat Mannheim;jun
gere Wissenschaftler, die er zur Habilitation gefiihrt oder in anderer Weise ge
fordert hat; enge Mitarbeiter aus jiingster Zeit; und, last not least, Menschen
aus der Zone zwischen Wissenschaft und Politik, denen er verbunden ist.
Der Dank des Herausgebers gehort neben den Autoren und dem Verlag,
die mitgeholfen haben, das Werk termingerecht vorzulegen, der Bundeszen
trale fiir Politische Bildung, Bonn, die durch eine Abnahmegarantie eine der
Grundlagen fiir die VerOffentlichung geschaffen hat. Jeder Wissenschaftler,
der schon einmal ein Buch herausgegeben hat, weig, dag diese Tatigkeit ent
scheidend der arbeitstechnischen Untersiitzung bedarf. Rita Erny hat in viel
faltiger Weise dafiir gesorgt, dag der Kontakt zu den Autoren nicht abgerissen
ist. Herrn Diplom-Soziologen Jiirgen Hofrichter danke ich fiir unermiidliches
Engagement, Akribie und Sachkenntnis, die er in die Bearbeitung der Manus
kripte eingebracht hat.
Mannheim, im Oktober 1985 Max Kaase
Zur Einfiihrung
1963 schrieb Rudolf Wildenmann in seinem wissenschaftlichen Hauptwerk
,,Macht und Konsens als Problem der Innen- und AuSenpolitik" (Athenaum
Verlag, Frankfurt am Main-Bonn) auf Seite 5: "Es ist ... eines der wesent
lichen Probleme politisch-wissenschaftlichen Denkens, die einer Demokratie
angemessenen Bedingungen fur eine konstitutionelle Regierungsweise zu er
mitteln, bei der die Stabilitat der Verfassung gewahrleistet wird durch einen
moglichen Wechsel (der Regierung; M. K.) und ihre Kontinuitat im sozialen und
politischen Wandel durch die Handlungsfahigkeit der Regierenden." Das Span
nungsverhaltnis zwischen Herrschaftsnotwendigkeit und Herrschaftskontrolle
in systematisch-sozialwissenschaftlichen Kategorien gefaSt und erfaSt zu haben,
ist das bleibende Verdienst des Politikwissenschaftlers Wildenmann.
Gut zwanzig Jahre intensiven wissenschaftlichen Wirkens haben bei vielen
derjenigen, die ihn auf seinem Weg begleitet haben, immer wieder die Frage
aufkommen lassen, woher er intellektuell und emotional die Kraft gewonnen
hat, der Politisierung eines groSen Teils der deutschen Politischen Wisssen
schaft in den spaten sechziger und fruhen siebziger J ahren nicht nur zu ent
gehen, sondern ihr uberzeugend ein alltaglich praktiziertes Wissenschaftsver
standnis entgegenzusetzen, dem es in erster Linie auf die theoretisch-analyti
sche Durchdringung der Sache selber - der Politik, ihrer Strukturen und
Prozesse - ankam. Darauf wird zuruckzukommen sein.
Gepragt von seinen Lehrern, darunter Dolf Sternberger, Alfred Weber und
Ferdinand A. Hermens, hat Wildenmann ein konstitutionell-instituionelles
Verstandnis Politischer Wissenschaft, wie es klassisch von englischen Theoreti
kern wie Bagehot reprasentiert ist, in Deutschland innovativ urn die politisch
soziologische Dimension erweitert. Er hat damit die Enge einer Perspektive
uberwunden, wie sie noch 1961 von M. Rainer Lepsius fUr die Politische Wissen
schaft in seiner fur die Deutsche Forschungsgemeinschaft erstellten "Denk
schrift zur Lage der Soziologie und der Politischen Wissenschaft" (Franz
Steiner Verlag, Wiesbaden) als charakteristisch dargestellt worden war.
Zwar hatte Rene Konig, dem er in Koln begegnet war, schon fruhzeitig,
jenseits seiner unmittelbaren eigenen Interessen, die Notwendigkeit einer empi
rischen Fundierung der Sozialwissenschaften und der dafUr notwendigen
Methodologien und infrastrukturellen Grundlagen betont. Dennoch war es
Rudolf Wildenmann, der uber viele Jahre seiner eigenen F orschungstatigkeit
die Frustrationen einer fehlenden Infrastruktur fur empirische Forschung am
eigenen Leibe erfahren hatte, dem es gelang, die Deutsche Forschungsgemein
schaft wah rend seiner Tatigkeit in deren Senat davon zu uberzeugen, daS
wissenschaftliche Innovationen nicht nur in den Bio-und N aturwissenschaften,
sondern auch in den Sozialwissenschaften einer Infrastruktur bedurfen. Das
Zentrum fur Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA) in Mannheim als
Hilfseinrichtung der Forschung der DFG, von vielen gewunscht und unterstutzt,
hatte ohne Rudolf Wildenmann nicht auf den Weg gebracht werden konnen.
12 Max Kaase
Der Mensch und Politikwissenschaftler Rudolf Wildenmann kann ohne
seine wechselhafte Lebensgeschichte nicht verstanden werden. In Stuttgart in
eine liberale Arbeiterfamilie hineingeboren erlebte er bewugt die Weimarer
Republik und das, was danach kam. Diese bitteren Erfahrungen haben ihn nie
verlassen. Nach einer kaufmannischen Lehre und kurzer Berufstatigkeit wurde
er eingezogen und geriet 1940 in Afrika in Gefangenschaft. Aufenthalte in
Kriegsgefangenenlagern in England, Amerika und Kanada gaben einem wissens
hungrigen jungen Mann die Chance, zu lernen, urn. zu verstehen; 1945 legte er
in einem kanadischen Lager sein Abitur abo Nach Deutschland zuriickgekehrt,
studierte er in Tiibingen und Heidelberg Soziologie, Volkswirtschaftslehre,
Geschichte und Staatsrecht. Diese Studien schlog er mit einem Diplom (rer.
pol.; 1950) und einer Promotion (Dr. phil.; 1952) ab, bevor er zunachst als
freier Journalist arbeitete, urn dann Redakteur bei der "Deutschen Zeitung und
Wirtschaftszeitung" zu werden. Nach kurzer Tatigkeit 1956 im Bundesmini
sterium des Innern erhielt er die Chance, im Rahmen der Bundeszentrale fUr
Heimatdienst das Ostkolleg in Kaln aufzubauen (siehe dazu den Beitrag von
Gerhard Schrader in diesem Band); VOn November 1957 bis April 1959 war er
dessen Studienleiter. Danach iibernahm er bei dem nach seiner Emigration in
die USA nach Deutschland zuriickgekehrten Ferdinand A. Hermens eine Posi
tion als wissenschaftlicher Assistent an der Universitat zu Kaln, wo er sich 1962
fiir das Fach Politische Wissenschaft habilitierte. In die Zeit seiner KaIner Tatig
keit fallt die erste groge wahlsoziologische Untersuchung in Deutschland, die er
gemeinsam mit dem zu friih gestorbenen Gerhard Baumert und Erwin K.
Scheuch leitete und bei der eine Reihe von heute an Universitaten tatige Sozial
wissenschaftler ersten Kontakt mit diesem wichtigen Forschungsfeld gewannen
(darunter Max Kaase, Hans D. Klingemann, Franz U. Pappi und Marianne
Schatz-Bergfeld) .
Angesichts der Vielfaltigkeit dieses beruflichen Werdegangs nimmt es nicht
Wunder, dag Wildenmann niemals die Beriihrungsangste gegeniiber der Welt
augerhalb des wissenschaftlichen Elfenbeinturms der Universitat besessen hat,
die so viele Wissenschaftler auszeichnet. Von 1963 bis 1966 war er Mitglied
eines Expertenkreises, der den friiheren Bundeskanzler Ludwig Erhard beriet
(siehe dazu den Beitrag von Karl Hohmann in diesem Band); zu den Beratern
des Nachfolgers Erhards, Kurt Georg Kiesinger, geharte er bis zur Einrichtung
der sozialliberalen Koalition ebenfalls. Von 1964 bis 1974 entwickelte er, zu
sammen mit diesem Autor und Uwe Schleth (jetzt Heidelberg), die Verfahren
fiir die Wahlberichterstattung des Zweiten Deutschen Fernsehens; in dieser Zeit
gewann er durch sein persanliches Auftreten in vielen Sendungen zu Bundes
und Landtagswahlen in Politik und bffentlichkeit eine beachtliche Sichtbar
keit. Seit einigen J ahren ist er Mitglied eines wissenschaftlichen Beraterkreises
des baden-wiirttembergischen Ministerprasidenten Lothar Spath; zwei groge
Kongresse der Landesregierung zu sozialen und politischen Problemstellungen
hat er federfiihrend vorbereitet. An keiner Stelle ist offensichtlicher als in sei
nem eingangs erwahnten Buch ,,Macht und Konsens als Problem der Innen
und Augenpolitik", obgleich auch in allen anderen VerOffentlichungen nach
weisbar, in welchem Umfang seine wissenschaftliche Arbeit durch Einsichten
aus Erfahrungen in anderen beruflichen Feldern gewonnen hat.
In einer Zeit, in der fiir viele die in der Gesellschaft gewachsenen Spannun
gen und Konflikte sich so intensiv in die Hochschulen vermittelten, dag eine