Table Of ContentIngrid Gogolin
Marianne KrUger-Potratz
Meinert A. Meyer (Hrsg.)
PluraliUit und Bildung
Schriften der Deutschen Gesellschaft
fur Erziehungswissenschaften (DGfE)
Ingrid Gogolin
Marianne Kruger-Potratz
Meinert A. Meyer (Hrsg.)
Pluralitat und Bildung
Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 1998
DDeemm AAnnddeennkkeenn aann BBeerrnndd KKrriuiggeerr
Gedruckt auf săurefreiem und altersbestăndigem Papier.
ISBN 978-3-8100-1825-0 ISBN 978-3-663-11056-9 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-663-11056-9
© 1998 Springer Fachmedien Wiesbaden
Urspriinglich erschienen bei Leske + Budrich, Opladen 1998
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Inhalt
Vorwort ....................................... 7
Pluralitiit
Roger Hewitt: Ethnizitat in der Jugendkultur 13
Ulrich Puritz: Sexy »Kanake« . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 25
Michel Soetard: Die Gefiihrdung der Allgemeinbildung durch
das Kopftuch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 43
Helga Thomas: Die Gefahrdung der Allgemeinbildung durch
das Kopftuch. Eine Replik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 55
Leonie Herwartz-Emden: Offentlichkeit, Multikulturalitat,
Geschlechterverhaltnis ............................. 63
Pluralitiit und Macht
Neville Alexander: Uber die Schwierigkeiten einer Bestimmung
des Verhaltnisses von Universalitat, Partikularitat und Differenz
rur ein Bildungssystem nach der Apartheid . . . . . . . . . . . . . . . ., 89
Michael Damanakis: Pluralitat, Homogenitat und Herrschaft . . 105
Alfred Schafer: Universalitat und Differenz. Zur Ambivalenz
modernen Selbst- und Fremdverstandnisses . . . . . . . . . . . . . 115
Franz Hamburger: »Identitat« und interkulturelle Erziehung ...... 127
6
Pluralitlit, Macht und Bildung
Ingrid Lohmann: Die Juden als Reprasentanten des Universellen.
Zur gesellschaftspolitischen Ambivalenz
klassischer Bildungstheorie .......................... 153
Gunther Kress: Modes of representation and the goals of education:
rethinking the place of language in education in
pluri-cultural societies ........................ 179
Ludwig Huber: Lingua Franca und Gemeinsprache.
GehOrt zur Allgemeinen Bildung eine gemeinsame Sprache? ...... 193
Helmut J. Vollmer: Fremdsprachendidaktik im Aufbruch:
Zwischen Selbstverstandnis und Fremdverstehen ............. 213
Wolfgang Klafki: SchHisselprobleme der modemen Welt
und die Aufgaben der Schule - Grundlinien einer neuen
Allgemeinbildungskonzeption in intemationaler/interkultureller
Perspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 235
Ingrid Gogolin, Marianne Kruger-Potratz und Meinert A. Meyer:
N achw6rtliche Bemerkungen zu Pluralitat und Bildung ......... 251
Vorwort
Der vorliegende Band versammelt die Beitrage zweier Symposien des 15.
Kongresses der Deutschen Gesellschaft fur Erziehungswissenschaft (DGfE),
der 1996 unter dem Titel »Bildung zwischen Staat und Markt« an der Martin
Luther-Universitat Halle an der Saale stattfand. Die Herausgeberinnen und
der Herausgeber dieses Bandes haben die beiden Symposien als Mitglieder
dreier Fachgruppierungen gemeinsarn ausgerichtet: der Kommission fur Ver
gleichende Erziehungswissenschaft, der Kommission fur Schulpadagogikl
Didaktik sowie der Arbeitsgemeinschaft auf Zeit Interkulturelle Bildung.
Die beiden Symposien trugen die Titel »Universalitat, Partikularitat und
Differenz - bildungstheoretische und schulpadagogische Perspektiven fur die
Migrationsgesellschaft« und »Pluralitat und die Allgemeinheit der Bildung«.
Die beim KongreB in Halle behandelten Themen und Probleme standen
nicht zum ersten Mal im Mittelpunkt der Arbeit der genannten Kommis
sionen bzw. der Arbeitsgruppe. So hatte die AG auf Zeit Interkulturelle
Bildung ihre 2. Arbeitstagung,die 1995 in Hamburg stattfand, unter das
Thema »Zum Verhaltnis von Interkultureller und Allgemeiner Bildung« ge
stellt. Die internationale Jahrestagung der Kommission Vergleichende Erzie
hungswissenschaft im Friihjahr 1995 war dem Thema »Bildungswesen im
Spannungsfeld von Demokratisierung und Privatisierung« gewidmet.' Die
Kommission Schulpadagogik/Didaktik niiherte sich dem Problem des Inter
kulturellen, indem sie Schul en in Nachbarlandern besuchte: 1992 eine Schule
in Venlo, Niederlande; 1994 eine Schule in Jelling, Danemark; 1996 Schulen
in London.2
Die Beitrage der beiden Tagungen sind publiziert in: Interkulturelle Studien. Heft 27.
MOnster (Westfalische Wilhelms-Universitat) 1996; sowie in: Tertium Comparationis
1996, Nr. l.
2 Eine Publikation mit Portraits der besuchten Schulen ist in Vorbereitung.
8 Vorwort
Entscheidende Impulse verdanken beide Symposien auBerdem den ein
schlagigen Debatten, die unter den Mitgliedem des 1991 bis 1997 von der
Deutschen Forschungsgemeinschaft gefOrderten Forschungsschwerpunktpro
gramms »FABER - Folgen der Arbeitsmigration fur Bildung und Erziehung«
stattfanden. 1m Schwerpunktprogramm ging es unter anderem urn die theore
tische und empirische Fundierung einer Kritik des tradierten Selbstverstand
nisses von Allgemeiner Bildung und der damit einhergehenden »Weltsichten«,
welche sich wesentlich der Entstehungsgeschichte offentlicher Schulsysteme
im Zuge der Nationalstaatenwerdung im 19. Jahrhundert verdanken. Unter
sucht wurde im Schwerpunktprogramm unter anderem die Frage, wie die hi
storisch herausgebildeten Muster von Inklusion und Exklusion in den Struk
turen des Bildungs- und Erziehungswesens tradiert werden und wie sich der
im zentraleuropaischen Nationalstaatskonzept verwurzelte Homogenitatsan
spruch an die Gesellschaft und das Bildungswesen angesichts der rasch zu
nehmenden, auf immer mehr Weisen moglichen »Grenziiberschreitungen«
entwickelt.
Die beiden Symposien, durch diese Vorarbeiten angeregt, naherten sich auf
unterschiedlichen Wegen der These, daB sich die Frage nach dem Verhiiltnis
von Universalitat, Partikularitat und Differenz heute auf neue Weise stellt -
nicht zuletzt, weil nationalstaatlich organisierte Gesellschaften mit der zuneh
menden »Verflussigung« ihres universalistisch konzipierten kulturellen Selbst
verstandnisses fertigwerden mussen: Sie erleben, daB Minderheiten der un
terschiedlichsten Provenienz partikulare Anspruche gegenuber der »Gesamt
gesellschaft« gel tend machen und dabei ihrerseits ein universalistisches
Verstandnis demonstrieren. Die Konsequenzen dieser Entwicklung zeigen
sich im Bildungssystem markant, da dieses gehalten ist, praktische Losungen
zur Handhabung des Problems zu finden, ohne daB theoretische Klarungen
oder adaquate politisch-gesamtgesellschaftliche Losungsansatze am Horizont
aufscheinen.
Die Symposien haben Beitrage dazu geleistet, diese generelle Problematik
im Hinblick auf praktische Problemfelder von Schule, Bildung und Erzie
hung zu bearbeiten. Dies geschah exemplarisch anhand der Reflexion von
Folgen der kulturellen und sprachlichen Pluralisierung von Gesellschaften. In
teils starker theoretisch orientierten, teils eher empirisch fundierten Beitragen
wurde unter anderem die »kulturkampferische« Weise der Behandlung sozia
ler Fragen als ein historisch bewahrtes Muster herausgearbeitet, das sich in
skandalisierten Affairen - etwa dem »Kopftuch-Streit« in Frankreich - ebenso
zeigt wie in quasi-rationalen Auseinandersetzungen uber Grundpfeiler der
Bildungssysteme - etwa uber die Frage, wieviele und in welchen Sprachen
unterrichtet werden solI. Dabei spielt auch immer wieder eine Rolle, was als
die durch die Schule zu sichemde »Allgemeinbildung« in Geltung gesetzt
werden solI.
Vorwort 9
Die fUr den Hallenser KongreB gewiihlte Struktur der beiden Symposien
haben wir fUr unsere Publikation nieht aufrechterhalten. Wir haben es vor
gezogen, die fUr die Aufnahme in dies en Band gr6J3tenteils griindlich uber
arbeiteten Beitrage in eine andere Ordnung zu bringen, die sich durch die
Lektlire der Texte und nach Beratungen mit den Autorinnen und Autoren
herausschalte. Ohne vorgeben zu wollen, daB wir eine in jeder Hinsicht
trennscharfe Zuordnung der Beitrage erreicht hatten, spricht aus unserer
Sieht einiges fUr die gefundene Gruppierung:
1m ersten Kapitel sind unter der Uberschrift »Pluralitat« Beitrage versammelt,
deren Bemuhen dahin geht, Pluralitat und Differenz als Problemlagen zu
beschreiben. Hierbei erfolgen Niiherungen uber die Auseinandersetzung mit
unterschiedlichen empirischen Markierungen von »Differenz«: mit den teil
weise exaltierten Ausdrucksformen der Jugendkultur (Hewitt, Puritz); mit
Selbst-oder Fremdzuschreibungen von Ethnizitat, die sieh im Mittel offensiv
getragener und ebenso zuriickgewiesener Symbole Ausdruck verschafft
(Soetard, Thomas); mit dem vielfach verflochtenen Verhaltnis von Ethnizitat
und »Gender« (Herwartz-Emden).
Das zweite Kapitel, dem wir die Uberschrift »Pluralitat und Macht« gegeben
haben, enthalt Beitrage, die die politische Komponente der Neubestimmung
des VerhaItnisses von Universalitat, Partikularitat und Differenz mitreflektie
reno Die Betrachtung des Problems aus verschiedenen nationalen bzw. regio
nalen Kontexten - Alexander, Damanakis, Schafer - demonstriert nieht zu
letzt, wie prekar die Konzeptualisierung des »Allgemeinen« stets ist. Der
Beitrag Hamburgers fUhrt in den hiesigen Kontext zuriick und betrachtet das
gegebene Problem anhand von Uberlegungen zur Dialektik von politischer
lnklusion und Exklusion, die am Exempel von »Identitat« - einer im gelaufi
gen»europaischen Denken« vielfach wie unzweideutig benutzten Formel -
dargelegt werden.
Das dritte Kapitel - »Pluralitat, Macht und Bildung« - filhrt Beitrage zusam
men, in denen die historisch sieh wandelnde Grundauffassung von dem, was
als »allgemein« Geltung beansprucht und sieh unter Bedingungen spezifischer
Machtkonstellationen durchsetzt, in den expliziten Zusammenhang mit den
Funktionen der (Allgemeinen) Bildung und des Bildungswesens hierbei
gestellt wird. Vertreten sind Niiherungen aus historisch-philosophischer
Perspektive (Lohmann), aus sprachphilosophischer bzw. sprachdidaktischer
Perspektive (Kress, Vollmer) und aus der Perspektive der Allgemeinen
Didaktik (Huber, Klafki).
Die in den drei Kapiteln zusammengestellten Beitrage begreifen wir, ebenso
wie unsere an den SchluB des Bandes gestellten »ausleitenden« Uberlegungen,
als AnstOBe zur Wiederaufnahme der Diskussion uber das Allgemeine der
10 Vorwort
Allgemeinbildung. Es versteht sich, daB eine solche Diskussion der Kontro
versen bedarf. Auch in dieser Hinsicht mochten die Beitrage dieses Bandes
anregend wirken. Sie sind zwar samtlich aus dem gemeinsamen Interesse an
der Fragestellung heraus verfaBt, aber keineswegs sind die Autorinnen und
Autoren uber alles Vertretene eines Sinnes. Wir wunschen uns, daB die
historisch, vergleichend und empirisch fundierten Problemdarlegungen in den
Beitragen von der Erziehungswissenschaft ebenso kritisch und konstruktiv
aufgegriffen werden, wie dies in den Debatten geschah, die wir gefuhrt
haben.
Hamburg und Munster, im August 1997
Ingrid Gogolin
Marianne Kruger-Potratz
Meinert A. Meyer