Table Of ContentEva-Maria Kenngott
Perspektivenübernahme
Eva-Maria Kenngott
Perspektiven-
übernahme
Zwischen Moralphilosophie
und Moralpädagogik
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Zugl. Dissertation Universität Potsdam, 2010
1. Aufl age 2012
Alle Rechte vorbehalten
© VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2012
Lektorat: Dorothee Koch | Sabine Schöller
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Umschlaggestaltung: KünkelLopka Medienentwicklung, Heidelberg
Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier
Printed in Germany
ISBN 978-3-531-18191-2
Für Moritz
Vorwort
Das vorliegende Buch ist eine überarbeitete Fassung der Dissertation „Universa-
lismus und die Hermeneutik des Anderen. Zum Erlernen von Moral durch Per-
spektivenübernahme“, die im Januar 2010 an der Philosophischen Fakultät der
Universität Potsdam eingereicht wurde. Das Verfahren wurde im Dezember
2010 abgeschlossen. Die Arbeit ist interdisziplinär und bewegt sich zwischen
Philosophie, Psychologie, Soziologie und Pädagogik. Denn Perspektivenüber-
nahme ist ein m enschliches Phänomen, das nicht allein aus unterschi edlichen
Perspektiven unterschiedlich beschrieben werden kann, sondern dessen Auswir-
kungen auch für unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen spannend sind.
Meine Fragestellung bezieht sich auf einen unterstellten Zusammenhang zwi-
schen Perspektivenübernahme und Moral und lautet: Ist die Fähi gkeit, sich in
einen anderen Menschen hineinzuversetzen, eine Voraussetzung dafür, moralisch
handeln zu können?
Die Arbeit wurde geschrieben, während ich selber dabei zuschauen durfte,
wie mein Sohn Moritz Schritt für Schr itt die Fähigkeit zur Perspektivenüber-
nahme erlangte. Er ist zwischenzeitlich er wachsen und freut sich darauf, das
Buch in Händen zu halten, dessen Entstehung er begleiten musste. Dabei diente
er zu Beginn durchaus mitunter als ‚Versuchskaninchen‘, um die Experimente,
über die ich in der moralpsychologischen Literatur las, auszutesten. Er hat beteu-
ert, dass er keinen Schaden davongetragen hat. Ihm ist dieses Buch gewidmet
zusammen mit den allerbesten Wünschen für sein weiteres Leben. Ich betrachte
ihn nach wie vor als das schönste Geschenk in meinem Leben und freue mich
darüber, dass er über die Jahre ein überaus kluger Gesprächspartner geworden
ist, der an Vielem Interesse zeigt. Darüber hinaus ist er der wohlmeinendste
Sohn, den man sich wünschen kann.
Während ich das Buch geschrieben habe, habe ich auch maßgeblich an der
Einführung des werteorientierten Schulfachs Lebensgestaltung-Ethik-
Religionskunde mitgewirkt, eine Tatsache, die mit dazu beigetragen hat, dass ich
das Buch nicht so zügig schreiben konnte, wie es mir lieb gewesen wäre. Ich
habe zunächst die berufsbegleitende Ausbildung von LER-Lehrkräften als Koor-
dinatorin betreut und später die Einführung des grundständigen Studiengangs
LER an der Universität Potsdam begleitet. Als Fachdidaktikerin für LER hat sich
nicht allein mein Interesse an moralpädagogischen Fragen entwickelt, sondern
wurde Vieles auch gleichzeitig einem Praxistest unterzogen. Deshalb schreibe
8 Vorwort
ich über manche der Verfahren, die ich im abschließenden Kapitel VI zur Moral-
pädagogik skizziere und analysiere, durchaus auch aus einem praktischen Blick-
winkel. Ich habe Studierende dabei begleitet, wie sie selber Dilemmata geschrie-
ben, im LER-Unterricht Dilemmadiskussionen geführt und Werte geklärt haben,
mit Schüler/innen moralische Begriffe analysiert oder sich darum bemüht haben,
im Unterricht moralisch zu argumentieren. Diese Erfahrungen haben meinen
Blick nachhaltig für Möglichkeiten und Grenzen der Moralpädagogik geschärft.
An der Entstehung des Buches gibt es direkt oder indirekt viele Beteiligte.
Zunächst möchte ich meinem Erstgutachter Prof. Dr. Christoph Menke dafür
danken, dass er über die Jahre nicht die Geduld mit mir verloren hat. Er war
immer bereit zur Diskussion und offen für Nachfragen. In unserem gemeinsamen
Seminar zur Perspektivenübernahme zu Beginn meiner Arbeit im Wintersemes-
ter 2001/02 habe ich viel gelernt. Die Idee zum jetzigen Titel des Buches stammt
von ihm, wofür ich ihm von Herzen dankbar bin. Die Prägnanz des ‚neuen‘ Ti-
tels gegenüber dem, unter dem ich die Dissertation eingereicht habe, ist beste-
chend. Herzlich danken möchte ich auch meinem Zweitgutachter Prof. Dr. Lo-
thar Krappmann, der mir Mut gemacht hat und es trotz seiner vielfachen Belas-
tungen geschafft hat, sich zur Arbeit zu äußern und ein Gutachten anzufertigen.
Schließlich möchte ich auch Prof. Dr. Ralf Stoecker dafür danken, dass er sich
unkompliziert als Drittgutachter zur Verfügung gestellt hat, als wir noch eine n
‚zweiten Philosophen‘ benötigt haben. Darüber hinaus hat er es mir vor einigen
Jahren mit ermöglicht, eine längere Zeit am Stück an der Arbeit zu sitzen. Ohne
diese Zeit wäre vielleicht nie der ‚Drive‘ entstanden, die Arbeit zum Abschluss
zu bringen. Das werde ich ihm im positiven Sinne nie vergessen!
Für die vielfältige Unterstützung, die ich durch Armin Steil erfahren habe,
möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Er hat mich immer wieder in meinem
Vorhaben bestärkt und auch dann daran geglaubt, dass ich es zu Ende bringe,
wenn ich selbst es nicht mehr getan habe. Er hat sich mit mir über die die vielen
Facetten der Perspektivenübernahme unterhalten und gestritten und mir vielerlei
Hinweise gegeben. Gabriele Wilde danke ich dafür, dass sie bei der Einleitung
und Teil A streng mit mir war. Kerstin Palloks danke ich für viele gute kollegiale
Gespräche und freundschaftliche Unterstützung und Zusammenarbeit, die hof-
fentlich auch weiter anhalten wird. Kai Haucke danke ich für ein Gespräch über
Piaget, das dazu geführt hat, dass ich in der Folge angefangen habe, andere Fra-
gen zu stellen. Lothar Kuld hat mir moralische Unterstützung gegeben, wofür ich
ihm außerordentlich dankbar bin, sowie für die gute und unkomplizierte Zusam-
menarbeit der vergangenen Jahre. Allen Freundinnen und Freunden und Kolle-
ginnen und Kollegen, die mich unterstützt und mir Mut gemacht haben, möchte
ich an dieser Stelle ebenso ganz herzlich danken. Abschließend gilt mein ganz
Vorwort 9
besonderer Dank Mareike Albroscheit und Juliane Beilke, die Korrektur gelesen
und formatiert haben und dabei auch mitgedacht haben.
Meine Eltern und meine Großmutter, die seit vielen Jahren nic ht mehr le-
ben, hätten sich sehr über das vorliegende Buch gefreut. Auch an sie denke ich
im Rückblick mit Dankbarkeit.
Berlin, im August 2011 Eva-Maria Kenngott
Inhalt
Vorwort ............................................................................................................... 7
Einleitung .......................................................................................................... 15
Teil A(cid:3) Forschungsrückblick und Begriffsverwendung ..................... 19
I.(cid:3) Forschungsrückblick ......................................................................... 19(cid:3)
II.(cid:3) Begriffsverwendung .......................................................................... 37
Teil B(cid:3) Klassische Positionen zur Perspektivenübernahme ............... 45
III.(cid:3) „Taking the Role of the Other“(cid:3)George Herbert Meads
sozialphilosophischer Ansatz ............................................................ 45(cid:3)
1.(cid:3) Die Besonderheiten menschlicher Kommunikation .................... 47(cid:3)
a)(cid:3) Hundekampf und Drohung mit der Faust .................................... 47(cid:3)
b)(cid:3) Kindliches Spiel und Wettkampf ................................................ 53
2.(cid:3) Die Generalisierung von Interaktionskontexten und das Problem
der Moral ..................................................................................... 62(cid:3)
a)(cid:3) Moral in der Religion – „Der Barmherzige Samariter“ ............... 63(cid:3)
b)(cid:3) Universalistische Moral .............................................................. 69
3.(cid:3) Resümee ...................................................................................... 73
IV.(cid:3) Wechselseitige Perspektivübernahme: Entwicklungspsychologische
Ansätze .............................................................................................. 77(cid:3)
1.(cid:3) Die Entdeckung von Reziprozität für die Moral: Jean Piaget ..... 79(cid:3)
a)(cid:3) Reziprozität im sozialen Raum und in der Zeit – die
Grundannahmen .......................................................................... 79(cid:3)
b)(cid:3) Autonome Moral durch wechselseitige Perspektivenübernahme 95
12 Inhalt
2.(cid:3) John Flavell und Robert L. Selman: Ich denke, dass Du denkst,
dass ich denke... ........................................................................ 104(cid:3)
a)(cid:3) Die Koordination wechselseitiger Annahmen ........................... 104(cid:3)
b)(cid:3) Neutrale Beobachter .................................................................. 120
3.(cid:3) Resümee .................................................................................... 124
Teil C(cid:3) (cid:3)Perpektivenübernahme in ihrer Bedeutung für
Moralphilosophie und Moralpädagogik ................................ 129
V.(cid:3) Zur moralphilosophischen Relevanz der Perspektiven der
Anderen ............................................................................................. 129(cid:3)
1.(cid:3) Täter und Opfer – die Fähigkeit zur Moral ............................... 130(cid:3)
a)(cid:3) Die Instrumentalisierung von Personen .................................... 130(cid:3)
b)(cid:3) Personalität und Moral .............................................................. 132(cid:3)
c)(cid:3) Moralische Sensibilität .............................................................. 134(cid:3)
d)(cid:3) Diskussion ................................................................................. 138
2.(cid:3) Der moralische Diskurs – Reziprozität, Gerechtigkeit und
mehr? ........................................................................................ 145(cid:3)
a)(cid:3) Diskursfähigkeit und Perspektivenübernahme .......................... 145(cid:3)
b)(cid:3) Diskussion ................................................................................. 147
3.(cid:3) Universalisierungsfähigkeit – jenseits von Perspektivität? ....... 155(cid:3)
a)(cid:3) Der unbeteiligte Dritte .............................................................. 155(cid:3)
b)(cid:3) Diskussion ................................................................................. 162
4.(cid:3) Die Goldene Regel – der Perspektivenwechsel ......................... 167(cid:3)
a)(cid:3) Mögliche Bedeutungen und Interpretationsprobleme ............... 167(cid:3)
b)(cid:3) Der Perspektivenwechsel in der Goldenen Regel ..................... 173
5.(cid:3) Resümee .................................................................................... 178
VI.(cid:3) Was durch Perspektivenübernahme gelernt werden soll:
Moralpädagogische Konzepte ......................................................... 183(cid:3)
1.(cid:3) Modelle der Moralerziehung ..................................................... 185(cid:3)
a)(cid:3) Ziele von Moralerziehung ......................................................... 187(cid:3)
Inhalt 13
b)(cid:3) Die unterrichtsbezogenen Ansätze: Werte vermitteln – Werte
leben – Werte reflektieren – Fähigkeiten trainieren .................. 190(cid:3)
c)(cid:3) Moralerziehung in der Schule ................................................... 205(cid:3)
d)(cid:3) Resümee .................................................................................... 213
2.(cid:3) Interkulturelles Lernen .............................................................. 215(cid:3)
a)(cid:3) Begegnungspädagogik .............................................................. 216(cid:3)
b)(cid:3) Konfliktpädagogik .................................................................... 221(cid:3)
c)(cid:3) Antirassistische Erziehung ........................................................ 227
3.(cid:3) Resümee .................................................................................... 236
Schluss ............................................................................................................ 241
Literatur .......................................................................................................... 249
1.(cid:3) Literatur .................................................................................... 249(cid:3)
2.(cid:3) E-Ressource .............................................................................. 275(cid:3)
3.(cid:3) Film ........................................................................................... 276(cid:3)