Table Of ContentHoda Salah
Partizipation von
Frauen am Islamismus
Ziele, Motive, Aktivitäten und Konflikte
Partizipation von Frauen am Islamismus
Hoda Salah
Partizipation von Frauen
am Islamismus
Ziele, Motive, Aktivitäten und
Konflikte
Hoda Salah
Frankfurt am Main, Deutschland
Dissertation Goethe-Universität Frankfurt, 2016, FB 03 Gesellschaftswissenschaften,
u.d.T: Hoda Salah: Politische Partizipation zwischen Emanzipation und Konservatismus:
Islamistinnen in Ägypten
ISBN 978-3-658-28100-7 ISBN 978-3-658-28101-4 (eBook)
https://doi.org/10.1007/978-3-658-28101-4
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Für die Seele meiner kleinen Schwester Heba
Danksagung
Dieses Buch wäre ohne die Unterstützung von zahlreichen Menschen nicht zustande
gekommen. Ihnen möchte ich im Folgenden herzlich danken. Mein Dank gilt natürlich
zuallererst meinen Interview-Partner*innen - islamischen, liberalen, nationalistischen,
sozialistischen und kommunistischen Aktivist*innen - für ihre Zeit und ihr Engagement.
Sie bilden das Rückgrat dieser Arbeit, durch welche ich hoffe, den Prozess des gegen-
seitigen Verstehens und des Dialoges anzuregen.
Prof. Dr. Uta Ruppert an der Goethe-Universität Frankfurt möchte ich sehr für die
hervorragende Betreuung meiner Arbeit danken. Unsere Gespräche und leidenschaftli-
che Diskussionen über die unterschiedlichsten Fragen der Frauenrechten bleiben mir in
wunderbarer Erinnerung. Ebenso danke ich Prof. Dr. Gudrun Krämer an der Freien Uni-
versität Berlin, meiner zweiten Betreuerin. Sie wurde durch ihr breites Wissen, ihre Ge-
nauigkeit, ihre Leidenschaft für die Wissenschaft und ihre besondere Liebe für Ägypten
für mich zu einer Leitfigur. Meine Teilnahme am DFG-geförderten Graduiertenkolleg
„Öffentlichkeit und Geschlechterverhältnisse - Dimensionen von Erfahrung“ der Goe-
the-Universität Frankfurt am Main und der Universität Kassel hat meine Arbeit außer-
ordentlich bereichert. Dr. Anil Al-Rebholz, Dr. Lena Behmenburg, Prof. Dr. Sarah
Elsuni und Dr. Tanja Scheiterbauer möchte ich danken für den regen Austausch und die
Zusammenarbeit. Prof. Dr. Barbara Friebertshäuser danke ich für Ihre Ratschläge.
Ebenso danke ich besonders Prof. Dr. Christel Eckart, die einzelne Kapitel des Buches
kritisch las und mir wertvolle Hinweise gab. Dank eines Stipendiums der Heinrich-Böll-
Stiftung konnte ich u.a. eine fünfmonatige Forschungsreise an die Universität Berkeley
in den USA unternehmen. Seitdem stehe ich in regem Austausch mit Prof. Dr. Frances
Hasso an der Duke Universität und Prof. Dr. Asef Bayat und Prof. Dr. Linda Herrera an
der Illinois Universität. Die Workshops und Konferenzen bei der Heinrich-Böll-Stiftung
in Deutschland, Kroatien und Pakistan haben die Perspektiven meiner Forschung erwei-
tert. Dank schulde ich Barbara Unmüßig, Jutta Helm und Dr. Ines Kappert für ihre Un-
terstützung. Besonderer Dank gilt Dr. Janina Bach, meiner Mentorin bei der Stiftung.
Auch Dr. Christa Wichterich schulde ich besonderen Dank.
Meine Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Politik- und
Sozialwissenschaften des Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft der Freien Univer-
sität Berlin hat mich stark geprägt. Die Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Cilja Harders, ihr
Fokus auf die einfachen Menschen und die Zivilgesellschaft flossen in meine Forschung
ein. Dem damaligen Kollegen, Dr. Steffen Hagemann möchte ich herzlich danken für
die gemeinsamen Projekte. Die Forschungsstelle an der Universität zu Köln gab mir u.a.
die Chance, das Buch zu Ende zu bringen. Prof. Dr. Sabine Damir-Geilsdorf unterstützte
meine Arbeit außerordentlich. Ihr gilt lieber Dank. Die Forschungsreisen nach der Re-
VIII Danksagung
volution 2011 und meine Gastdozentur an der Fakultät für Politik und Wirtschaft, Uni-
versität Kairo, haben meine Erkenntnisse zu Frauen- und Jugendbewegungen und ihre
Rebellion gegen Autoritarismus in Staat und Familie sehr bereichert. Dafür danke ich
Prof. Dr. Ulla Al-Khawaga and Prof. Dr. Ebtisam Aly Hussein.
Eine große Zahl von Kolleg*innen und Freund*innen haben einzelne Kapitel und
größere Abschnitte des Buches kommentiert und mir Anregungen gegeben wie etwa
Prof. Dr. Susanne Schröter von der Universität Frankfurt/M. und Prof. Dr. Heidemarie
Winkel an der Universität Bielefeld. Prof. Dr. Claudia Derichs an der Humboldt Uni-
versität Berlin danke ich sehr für die Publikation eines Teilkapitels zum islamischen
Feminismus in englischer Sprache. Anne Seibring von der Bundeszentrale für politische
Bildung hat einige Seiten zur Frauenbewegung lektoriert und veröffentlicht. Prof. Dr.
Dagmar Oberlies gab mir die Chance, die Ergebnisse meiner Arbeit in Rahmen einer
zweiwöchigen Summer School an der Frankfurt University of Applied Science zu leh-
ren. Meine Kolleginnen an der Universität Marburg danke ich herzlich für ihre Unter-
stützung. Prof. Dr. Susanne Weber und Dr. Anna Brake haben mir Unterkunft gewährt.
Dort durfte ich meine Verteidigung zu Ende bringen und zugleich an der Universität
Marburg unterrichten. Ihnen danke ich sehr für ihre Großzügigkeit, ebenso Prof. Dr.
Annette Henninger. Ivesa Lübben, eine wichtige Expertin in Fragen der Muslimbruder-
schaft, danke ich für die anregenden Diskussionen und für ihre Liebe fürs Detail.
Zuhause in Berlin gilt mein Dank Dr. Andreas Wang, der mich sprachlich unter-
stützt hat, Dr. Viola Shafik, Christine Holike und Prof. Dr. Johann Büssow, die Teile
der Arbeit gelesen haben. Die Kochkünste von Michael Koch während der Niederschrift
des Buches rühren mich und sind unvergesslich. Das Layout des Buches ist sein Werk.
Allen, darunter auch Hala Kindelberger, Hanaa El-Degham, Muhammad Akush, Ines
Teubner, Christoph Drude, Farina Münch, Nasra Muhammad, Andrea Heidt und Alaa
Boutros herzlichen Dank für die wunderbare Begleitung und das Verständnis in der Zeit,
als ich in die schöne Einsamkeit des Schreibprozesses eintauchte.
Ich danke meinen Eltern für ihr Vertrauen. Sie haben mich in allen Bereichen zur
Selbstbestimmung ermutigt. Meinen Brüdern und ihren Kindern danke ich für ihre Liebe
und Humor. Das Buch aber widme ich der Seele meiner kleinen Schwester Heba. Sie
hat wie viele jungen arabische Frauen für ihre Emanzipation hart gekämpft. Ich hätte ihr
gewünscht, den arabischen Frühling mitzuerleben und sehen zu können, wie arabische
Frauen und Männer ihre Gesellschaft aus den unerträglichen lokalen und internationalen
Unterdrückungssystemen in eine Gesellschaft der Demokratie, des Wohlstandes, der
Freiheit und der sozialen Gerechtigkeit entreißen wollen - und sie werden diese Ziele
erreichen. Die arabische Revolution geht weiter.
Danksagung IX
Die Transkription aus dem Arabischen lehnt sich an das System des International Jour-
nal of Middle East Studies (IJMES) an, wurde aber zum Zweck der besseren Lesbarkeit
weiter vereinfacht und verzichtet u.a. auf Punktierungen. Bei den unwissenschaftlichen
arabischen Quellen, wie etwa Zeitungsartikeln, Internetseiten oder YouTube-Videos
wurden die Titel direkt ins Deutsche übersetzt. Die Titel der arabischen Fachliteratur
hingegen wurden transkribiert.
Übersetzungen aus dem Koran wurden übernommen von Rudi Paret [Der Koran 2007,
Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer]
Übersetzungen aus den Hadithen des Propheten Muhammad wurden übernommen von
ʿAbd Al-Halim Abu Shuqa [Tahrir Al-Mar’a Fi ‘Asr Al-Risala. Dirasa ‘An Al-Mar’a.
Jamiʿat Li Nusus Al-Qur’an Wa Sahih Al-Bukhari Wa Muslim (1990), Kuwait: Dar Al-
Qallam]
Inhaltsverzeichnis
1. Frauen als politische Akteurinnen und Aktivistinnen des Islamismus ........... 1
1.1 Fragestellung, Thesen und Ziele der Arbeit ...................................................... 5
1.2 Streit um Definitionen im Spiegel der politischen Kultur ................................. 6
2. Theoretische und methodische Einordnung .................................................... 13
2.1 Forschungstand ................................................................................................ 13
2.1.1 Mangel an politikwissenschaftlichen Veröffentlichungen ........................ 13
2.1.2 Gegensätzliche Wege der feministischen Forschung ............................... 14
2.1.3 Verortung der vorliegenden Studie und deren Relevanz .......................... 19
2.2 Forschungsdesign für ein autoritäres System wie das ägyptische ................... 22
2.2.1 Formen politischer Partizipation:
konventionell versus unkonventionell ...................................................... 22
2.2.2 Einbeziehen der feministischen Forschung:
Das Private als politische Dimension ...................................................... 24
2.2.3 Regionalforschung und die Bedeutung unkonventioneller
und informeller Partizipation in autoritären Staaten .............................. 25
2.2.4 Interviews, Beobachtung und Inhaltsanalyse für die
empirische Erhebung ............................................................................... 28
2.2.5 Fragebogen mit Kriterien der „Neuen Sozialen Bewegungen“
zur Kategorienbildung ............................................................................. 31
2.2.6 Auswertung ............................................................................................... 33
3. Strömungen der islamischen Aktivistinnen ..................................................... 35
3.1 Die Muslimschwestern – Bewahrerinnen der Muslimbruderschaft ................ 35
3.1.1 Muslimschwestern als Zeitzeuginnen der Geschichte .............................. 38
3.1.2 Ziele: Daʿwa, Verschleierung der Frauen und die Ehe
als politische Partnerschaft...................................................................... 45
3.2 Salafistinnen: vollverschleiert und doch sichtbar ............................................ 49
3.3 Die Multiplikatorinnen der Al-Wasat: Die Mitte als Idee ............................... 53
4. Zur Attraktivität des Islamismus auf Frauen ................................................. 59
4.1 Religiöse und spirituelle Gründe: Werte des Islam als
„Katalog“ für das Leben .................................................................................. 59
4.2 Daʿwa, Handeln und Einmischung als islamische Pflicht ............................... 61
4.3 Innenpolitische Gründe: Islamismus als Widerstandsbewegung .................... 64
XII Inhaltsverzeichnis
4.4 Außenpolitische Gründe: Angst vor dem Westen ........................................... 66
4.5 Islamismus als Empowerment für Frauen ....................................................... 68
4.6 Islamische Organisationen als Arbeitgeber ..................................................... 70
4.7 Islamismus ist sinnlich ..................................................................................... 72
5. Islamische Aktivistinnen in der konventionellen Politik ................................ 75
5.1 Forschungslücke der klassischen Partizipationsforschung .............................. 75
5.2 Entwicklung der Parteien ................................................................................. 78
5.3 Die Muslimschwestern und ihr Kampf um Macht und Positionen ................. 79
5.3.1 Generationen- und Geschlechterkonflikt ................................................. 81
5.3.2 Erklärung der Muslimbrüder zum Wahlrecht von Frauen....................... 84
5.3.3 Die Muslimschwestern in den Wahlen seit 2000 ...................................... 85
5.3.4 Wahlprogramm der Muslimschwestern ................................................... 88
5.4 Salafistische Frauen: Partizipation trotz Ablehnung der Demokratie ............. 90
5.5 Repräsentation von Frauen und die politische Kultur ..................................... 94
6. Von Ijtihad zu Gender-Jihad .......................................................................... 101
6.1 Exkurs: Die säkulare Frauenbewegung ......................................................... 101
6.1.1 Erste Phase: Die Liberale - 1870er bis 1950er Jahre;
Frauenbewegungen gegen den Kolonialismus ...................................... 101
6.1.2 Zweite Phase: Die Sozialistische - 50er bis 70er Jahre;
Durchsetzung des Staatsfeminismus ...................................................... 102
6.1.3 Dritte Phase: Die Neoliberale - 70er bis in die Gegenwart;
„NGO-isierung“ der Frauenbewegung ................................................. 104
6.1.4 Vierte Phase: Der arabische Frühling und die kleine „sexuelle
Revolution“ der Frauen ......................................................................... 105
6.2 Erster Diskurs: Islamischer Feminismus ....................................................... 108
6.2.1 Salafismus, Muslimbruderschaft: Komplementäre
Geschlechterrechte ................................................................................. 114
6.2.2 Al-Wasat: Gleichberechtigung der Geschlechter
im öffentlichen Bereich .......................................................................... 117
6.2.3 Liberale Islamist*innen: Umfassende Gleichberechtigung
im öffentlichen und privaten Bereich ..................................................... 119
6.2.4 Ist der islamische Feminismus feministisch? ......................................... 123