Table Of ContentWERNER JAEGER · PAIDEIA
P A I D E IA
DIE FORMUNG DES GRIECHISCHEN
MENSCHEN
VON
WERNER JAEGER
UNGEKÜRZTER
ΡHOTOMECHANISCHER NACHDRUCK
IN EINEM BAND
WALTER DE GRUYTER · BERLIN · NEW YORK
1973
Band I
ι. Auflage 1933
2. Auflage 1936
3. Auflage 1954 unveränderter Nachdruck der 2. Auflage
4. Auflage 1959 unveränderter Nachdruck der 2. Auflage
5. Auflage 1973 unveränderter Nachdruck der 2. Auflage
Band II
ι. Auflage 1944
2. Auflage 1954 unveränderter Nachdruck der 1. Auflage
3. Auflage 19J9 unveränderter Nachdruck der 1. Auflage
4. Auflage 1973 unveränderter Nachdruck der 1. Auflage
Band III
ι. Auflage 1947
2. Auflage 195$ unveränderter Nachdruck der 1. Auflage
3. Auflage 1959 unveränderter Nachdruck der 1. Auflage
4. Auflage 1973 unveränderter Nachdruck der 1. Auflage
ISBN 311 003800 5
© l973 by Walter de Gruyter & Co.,
vormals G. J. Gösdien'sdie Verlagshandlung · J. Guttentag, Verlagsbuch-
handlung · Georg Reimer · Karl J. Trübner Veit & Comp., Berlin 30 ·
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen, vor-
behalten. Ohne ausdrückliche Genehmigung des Verlages ist es audi nidit
gestattet, dieses Budi oder auch Teile daraus auf photomedianischem Wege
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Printed in Germany
Druck: Buchdruckerei Wagner, Nördlingen
VORWORT
Ich übergebe der Öffentlichkeit ein Werk geschichtlicher
Forschung, das sich die bisher nicht in Ângriff genommene Auf-
gabe stellt, die Formung des griechischen Menschen, die Paideia,
zum Gegenstand einer neuen Gesamtbetrachtung des Griechen-
tums zu machen. So oft es auch unternommen worden ist, den
Staat und die Gesellschaft, die Literatur, Religion oder Philo-
sophie der Griechen in ihrer Entwicklung zu schildern, ist bis
heute anscheinend noch nicht der Versuch gemacht worden, den
geschichtlichen Bildungsprozeß des griechischen Menschen und
den geistigen Aufbau des idealen Menschenbildes der Griechen
in ihrer Wechselwirkung darzustellen. Aber nicht weil ich zufällig
auf diese Aufgabe stieß, die noch des Bearbeiters harrte, habe ich
mich ihr gewidmet, sondern weil ich zu erkennen glaubte, daß
an diesem großen geistigen und geschichtlichen Problem das tiefere
Verständnis jenes einzigartigen erzieherischen Schöpfertums hängt,
von dem die unvergängliche Wirkung der Griechen auf die Jahr-
tausende ausstrahlt.
Der erste Band umfaßt Grundlagen, Aufbau und Krisis der
griechischen Bildung im Zeitalter des heroischen und des politi-
schen Menschen d. h. in der frühen und klassischen Periode des
griechischen Volkes. Er endigt mit dem Zusammenbruch des
attischen Reiches. Der zweite Band soll die geistige Restauration
in dem Jahrhundert Piatos, ihren Kampf um Staat und Bildung
und den Wandel der griechischen Kultur zur Weltherrschaft dar-
stellen. Die Form der Einbeziehung Roms und der christlichen
Antike in den von den Griechen ausgehenden Bildungsprozeß
behalte ich mir vor.
Die Darstellung wendet sich nicht nur an die gelehrte Welt
sondern an alle, die in dem Kampfe unserer Zeit um den Bestand
unserer mehrtausendjährigen Kultur heute wieder den Zugang
zum Griechentum suchen. Der Drang zu geschichtlicher Zusam-
menschau des Ganzen und das unabweislichc Bedürfnis nach ver-
tiefender Neudurchdringung des vielseitigen Stoßs in exakter
Einzelforschung auf allen Gebieten, die in diesem Buche behandelt
werden, waren oft schwer miteinander ins Gleichgewicht zu brin-
gen. Die Betrachtung der Antike unter dem Gesichtspunkt dieses
Buches ließ überall eine Fülle neuer Probleme hervortreten, die
zehn Jahre lang im Mittelpunkt meiner Lehrtätigkeit und For-
schung gestanden haben. Um des Ganzen willen habe ich darauf
verzichtet, ihre gesamten Ergebnisse in Form besonderer Unter-
suchungsbände beizugeben, die das Werk unförmlich vergrößert
hätten. Die Begründung meiner Anschauungen ist in der Haupt-
sache der Darstellung selbst zu entnehmen, da diese überall
unmittelbar von der Interpretation der originalen Texte ausgeht
und die Tatsachen in einen Zusammenhang stellt, durch den sie
sich selbst erläutern. Die zitierten Stelle^/ antiker Autoren sind
unter dem Text angegeben, ebenso die nötigste Literatur, vor
allem soweit sie sich unmittelbar auf bildungsgeschichtliche Fra-
gen bezieht. Wo ein breiterer Unterbau unentbehrlich war, ließ
er sich freilich nur selten in Form der üblichen Anmerkungen
geben. Ich habe daher diesen Teil meiner Arbeit teils im voraus
als Einzeluntersuchungen veröffentlicht und hier nur kurz darauf
verwiesen, teils werden solche noch folgen. Einzelarbeit und Buch
bilden wissenschaftlich ein Ganzes und greifen beständig ineinander.
Die Stellung der grièchischen Paideia in der Geschichte habe
ich in der Einleitung in einer mehr allgemeinen Betrachtung des
Typischen zu skizzieren versucht. Dort ist auch kurz gesagt, was
sich aus unserer Besinnung auf die griechische Form der Menschen-
bildung für unser Verhältnis zu dem Humanismus früherer Zeiten
ergibt. Dieses Problem ist heute brennender als je und besonders
umstritten. Seine Lösung in der Gegenwart kann natürlich durch
bloße geschichtliche Erkenntnis, wie sie in diesem Buche gesucht
wird, nicht herbeigeführt werden, weil es sich dabei um uns selbst
und nicht um die Griechen handelt. Aber die Wesenserkenntnis
des griechischen Bildungsphänomens ist eine unentbehrliche Grund-
lage auch für jedes gegenwärtige erzieherische Wissen und Wollen.
Aus dieser Überzeugung ist meine wissenschaftliche Beschäftigung
mit dem Problem und als deren Wirkung dieses Buch entsprungen.
Berlin-Westend, Oktober 1933
Werner Jaeger
VORWORT ZUR ZWEITEN AUFLAGE
Die Notwendigkeit einer neuen Auflage des ersten Bandes
der »Paideia« schon nach anderthalb Jahren gilt mir als ein er-
mutigendes Zeichen, daß das Buch sich rasch Freunde erworben
hat. Da seit seinem ersten Erscheinen erst so kurze Zeit vergangen
ist, war es mir nicht möglich, größere Veränderungen vorzu-
nehmen, doch konnten einige Versehen bei dieser Gelegenheit
berichtigt werden.
Im übrigen liegt es in der Natur dieses Buches, daß die Er-
örterungen, die es hervorgerufen hat, zum großen Teil in dem
vielfaltigen Reflex bestehen, den jedes geschlossene Geschichts-
bild im Spiegel der verschiedenen Weltanschauungen erzeugt.
Darüber hinaus hat sich eine Auseinandersetzung über Ziel und
Methoden geschichtlicher Erkenntnis daran angeknüpft, auf die
ich hier nicht näher eingehen kann. Recht und Eigenart meiner
Betrachtungsweise theoretisch zu begründen ist eine Aufgabe fur
sich; mir liegt es näher, sie sich an den Gegenständen selbst be-
währen zu lassen, die mich zu ihr gefuhrt haben. Man braucht
es kaum auszusprechen, daß der Aspekt der Geschichte, den
dieses Buch eröffnet, die Geschichte im herkömmlichen Sinne
d. h. die Geschichte des Geschehens weder ersetzen kann noch will.
Aber nicht weniger berechtigt und notwendig ist eine Betrachtung,
die das geschichtliche Sein des Menschen von der Seite seiner
repräsentativen Ausprägung in den schöpferischen Werken des
Geistes erfaßt. Abgesehen davon, daß wir für Jahrhunderte fast
ausschließlich auf diese Art der Überlieferung angewiesen sind,
wie fiir das frühe Griechentum, bleiben sie auch in Zeiten, für die
ihnen noch andere Zeugen zur Seite stehen, stets unser unmittel-
barster Zugang zu dem inneren Leben der Vergangenheit. Um
dieses aber geht es in einer Darstellung, die die Paideia der Griechen
und zugleich die Griechen als Paideia zum Gegenstand hat.
Berlin, Juli 1935
Werner Jaeger
INHALT
Vorwort V
Einleitung: Die Stellung der Griechen in der Geschidite der mensdi-
lidien Erziehung ///r/ ι
Erstes Buch
Die griechische Frühzeit
Adel und Arete [IhsJ 23
Kultur und Erziehung des homerischen Adels [H 3^1 3**
Homer als Erzieher ///tfj/ 63
Hesiodos und das Bauerntum ///S^/ 89
Spartanische Staatserziehung
Die Polis als Bildungsform und ihre Typen [II 113] 113
Das Spartaideal des 4. Jahrhunderts und die Überlieferung . [Ih 16] 116
Tyrtaios' Aufruf zur Arete [1h25] 12 j
Der Rechtsstaat und sein Bürgerideal [Ih40] 140
Die Selbstformung des Individuums in der ionisch-äolischen
Diditung [H160 ] 160
Solon und die Anfänge der politischen Bildung Athens /Ι/ι8γ] iSy
Das philosophische Denken und die Entdeckung des Kosmos . . . [II206] 206
Kampf und Verklärung des Adels [H*497 2 49
Die Uberlieferung des Theognisbuchs [Ihfi] 2$i
Die Kodifizierung der adligen Erziehungstradition . . . . [Ih}?] 259
Pindars Adelsglaube [II 271] 271
Die Kulturpolitik der Tyrannen [U292] 292
Zweites Buch
Höhe und Krisis des attischen Geistes
Das Drama des Aisdiylos [H307] 3°7
Der tragische Mensdi des Sophokles [U34}] 343
Die Sophisten
Die Sophisten als bildungsgesdiiditlidies Phänomen . . . [1/364] 364
Der Ursprung der Pädagogik und des Kulturideals . . . . [H37S] 378
Staatskrisis und Erziehung [U40S] 405
Description:Werner Jaeger's classic three-volume work, originally published in 1939, is now available in paperback. Paideia, the shaping of Greek character through a union of civilization, tradition, literature, and philosophy is the basis for Jaeger's evaluation of Hellenic culture. Volume I describes the foun