Table Of ContentRolf Sulzer' Arthur Zimmermann
Organisieren und
Organisationen verstehen
Rolf Sulzer . Arthur Zimmermann
Organisieren und
Organisationen verstehen
Wege der internationalen Zusammenarbeit
Westdeutscher Verlag
Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme
Siilzer, Rolf:
Organisieren und Organisationen verstehen: Wege der inter
nationalen Zusammenarbeit; [eine Veroffentlichung der GTZ,
Deutsche Gesellschaft fiir Technische Zusammenarbeit (GTZ)
GmbH in Zusammenarbeit mit KEK/CDC Consultants] / Rolf
Siilzer; Arthur Zimmermann. - Opladen: Westdt. VerI., 1996
NE: Zimmermann, Arthur:
Eine Veroffentlichung der
~
in Zusammenarbeit mit
KEKACDC
Deutsche Gesellschaft fOr
Technlsche Zusarnmenarbeit (GTZ) GmbH CONSULTANTS
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© 1996 Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen
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"Fundasol y GTZ", Montevideo/Uruguay (Ausschnitt)
Satz: O. K. Kopie GmbH, Hofheim-WalIau
Gedruckt auf saurefreiem Papier
TSBN-13: 978-3-531-12881-8 e-TSBN-13: 978-3-322-83269-6
DOT: 10.1007/978-3-322-83269-6
Von der Last,
die du nicht tragst,
weigt du nicht,
wieviel sie wiegt.
Sprichwort der Baoule
INHALT SVERZEICHNIS
EINLEITUNG ....................................................................... 11
1 DIE ORGANISATIONSFRAGE IN DER
INTERNATIONALEN ZUSAMMENARBEIT .......................... 15
1.1 Organisationsaufgaben ................................................................ 15
1.1.1 Die Selbstverstandlichkeit organisatorischer Aspekte ...................... 15
1.1.2 Das Gewicht organisatorischer Bedingungen ................................ 17
1.1.3 Die drei "blinden Flecke" ............................................................. 18
1.1.4 Drei operationelle Organisationsaufgaben ..................................... 20
1.2 Ebenen, Formenvielfalt, Landschaft ............................................ 23
1.2.1 Organisationsebenen ................................................................... 23
1.2.2 Formenvielfalt ............................................................................. 27
1.2.3 Die Organisationslandschaft ........................................................ 28
1.2.4 Programm- und Organisationsziele ............................................... 33
1.2.5 Nachhaltigkeit und Organisation ................................................. 34
1.3 Organisationsbegriffe und Kernaussagen ..................................... 37
1.3.1 Begriffsklarung: Organisation und Institution ............................... 37
1.3.2 Kernaussagen .............................................................................. 43
1.3.3 Frauen und Organisation ............................................................. 46
1.3.4 Konzepte und Werkzeuge im Dberblick:
ein Leitfaden durch den Text ....................................................... 51
Literatur ..........................................' . ......................................................... 58
2 MENSCH - ARBEIT - ORGANISATION ..... '" ....................... 60
2.1 Die Organisationsgestalt ................................................................ 60
2.1.1 Die Organisation als Eisberg ........................................................... 60
2.1.2 Regeln und Selbststeuerung ............................................................ 62
2.1.3 Struktur und ProzeB ....................................................................... 64
2.1.4 Organisationen organisieren Menschen ........................................... 67
8
2.2 Arbeit und Kultur .......................................................................... 70
2.2.1 Arbeitsteilung und Hierarchie ......................................................... 70
2.2.2 Menschenbild -Organisation -Verantwortung ................................ 74
2.2.3 Die Scheinrationalitat von Organisationen ...................................... 79
2.2.4 Kommunikation und Informationssysteme ...................................... 81
2.2.5 Widerspruch und Abwanderung ..................................................... 85
2.3 Die Organisation als Inszenierung ................................................. 88
2.3.1 Das Rollenspiel .............................................................................. 88
2.3.2 Das Machtspiel .............................................................. '" ............. 93
2.3.3 Die Konfliktarena ......................................................................... 103
2.3.4 Selbst- und Fremdbeobachtung ..................................................... 109
2.3.5 Das Parkett fur soziale Verkehrsformen ......................................... 112
2.3.6 Arbeiten ist Lernen ....................................................................... 115
Literatur .................................................................................................. 119
3 DIAGNOSE VON ORGANISATIONEN ............................... 120
3.1 Kulturspezifische Aspekte ............................................................ 120
3.1.1 Funktionen von Kultur ................................................................. 120
3.1.2 Die kulturelle Differenz ................................................................ 123
3.1.3 Interkulturelle Kooperation ........................................................... 126
3.1.4 Defizitfalle und Abhangigkeiten .................................................... 131
3.1.5 Die institutionelle Doppelbindung ................................................ 133
3.1.6 Die Projektbrille als kulturelle Behinderung ................................... 137
3.1. 7 Projektionen, Mythen und Organisationsmoden ............................ 141
3.2 Arbeit an Organisationswirklichkeiten ......................................... 146
3.2.1 Die vergebliche Suche nach
der einzig richtigen Organisation .................................................. 149
3.2.2 Wahrnehmung, Symptome, Analyse - eine Obersicht.. ................... 151
3.2.3 Organisationsarchaologie .............................................................. 155
3.2.4 Lebenszyklen von Organisationen ................................................. 158
3.2.5 Phasen sozialer Bewegungen ......................................................... 163
3.2.6 Organisationsmuster und -kulturen ............................................... 167
3.2.7 Verstehen einer Organisation: Organisationsdiagnosen .................. 175
9
3.3 Umgang mit Organisationssystemen ............................................ 210
3.3.1 Es gibt keine organisationsfreien Raume ........................................ 213
3.3.2 Projekte sind institutionelle Arrangements ..................................... 215
3.3.3 AufgabenanaIyse ........................................................................... 218
3.3.4 Selbststeuerung in einem diversifizierten System ............................. 223
Literatur .................................................................................................. 229
4 VERANDERUNG UND ORGANISATIONSBERATUNG .... 232
4.1 Kooperationsmanagement ........................................................... 232
4.1.1 Die Zusammenarbeit mit Basisorganisationen ............................... 232
4.1.2. Differenzierung von Organisationen des "Dritten Sektors" ............. 237
4.1.3 Projekte der VerwaItungsreform:
Forderung institutioneller Arrangements ........................................ 243
4.2 Die Veranderung sozialer Systeme ............................................... 252
4.2.1 Phasen und Prozesse ..................................................................... 254
4.2.2 Die Ausgangslage: hemmende und fordernde Krafte ...................... 259
4.2.3 Widerstand gegen Veranderung .................................................... 263
4.2.4 Einstellungen und ihre Veranderung ............................................. 271
4.3 Organisationsberatung und Organisationsentwicklung ................. 279
4.3.1 Der fremde Blick: neue Einsichten in aIte Zusammenhange ........... 281
4.3.2 Organisationsentwicklung. ............................................................ 294
4.3.3 Umgang mit Komplexitat: ProzeBberatung .................................... 304
4.3.4 Ansatzstellen fur Wandel .............................................................. 310
4.3.5 Beraterl-innen und Klienten: das Zusammenspiel
von internen und externen Akteuren ............................................. 318
Literatur .................................................................................................. 328
SACHVERZEICHNIS ........................................................... 331
11
"Jede internationale Organisation, die sich darauf be
schrankt, sich auf Staaten und Regierungen zu stiitzen,
leidet im Grunde unter einem Defizit an Demokratie. Sie
bildet dam it fast automatisch eine schlechte Vorausset
zung fur die Entstehung und die Stat-kung von zivilen
Gesellschaften. "
Ruth Dreifuss
Schweizerische Bundesratin
EINLEITUNG
Organisationsfragen sind fur alle Arten der internationalen Zusammenarbeit
von zentraler Bedeutung. Dies gilt sowohl fur die Entwicklungszusammenar
beit als auch fur international tatige Unternehmen, Banken, Organisationen
oder Netzwerke. Weil die Fragen, die sich den Organisationen der Entwick
lungszusammenarbeit stellen, keineswegs allein fur diese gelten, sprechen wir
hier von Internationaler Zusammenarbeit. Dieselben Fragen beschaftigen aber
auch die nationalen und lokalen Organisationen in den einzelnen Landern des
Siidens und Ostens.
Mit dem Begriff der Internationalen Zusammenarbeit (IZ) so11 gleichzeitig
der uniibersehbare Wandel der letzten Jahre beriicksichtigt werden: Nicht die
Richtung -z. B. Nord-Siid - ist entscheidend fur die Zusammenarbeit, sondern
ihr internationaler und damit kulturiiberschreitender Charakter -die Arbeit mit
uns fremden Menschen in uns fremden Kulturen.
Es sind im wesentlichen drei Erfahrungen, die dazu gefuhrt haben, den Or
ganisationsfragen in der IZ groBere Aufmerksamkeit zu schenken:
1. Die Ausdifferenzierung von Organisationen in staatliche, privatwirt
schaftliche und gemeinniitzige nichtstaatliche Organisationen hat in den letzten
Jahrzehnten zugenommen. Es gibt einen deutlichen Trend in Richtung auf ei
nen institutionellen Pluralismus. Und deshalb lautet die Schliisselfrage, welche
Aufgaben die eine oder andere Organisation iibernehmen kann und wie die
Organisationen zweckmafSig zusammenarbeiten konnen.
2. Die Aufgaben in der IZ sind von einer derartigen Komplexitat, daB sie
nicht von einer Organisation allein gelost werden konnen. An der Bearbeitung
einer Gcsamtaufgabe sind deshalb in der Regel mehrere, relativ eigenstandige
12
Organisationen beteiligt, deren Profil und Leistungsfahigkeit unterschiedlich
sind: Staatliche Dienststellen der Zentralverwaltung, Unternehmen, gemein
nutzige Organisationen und Organisationen, die aus sozialen Bewegungen her
aus entstanden sind. Dies geschieht haufig in einer Form, die uber die bloge
Interaktion hinausgeht und eher als Ko-Produktion zu bezeichnen ist. Viele
offentliche Guter und Dienstleistungen, wie beispielsweise Gesundheit, Infra
struktur oder Umweltschutz, kannen nur auf dem Wege der Ko-Produktion
bereitgestellt werden. Dies gilt auch fur Unternehmen mit ihren verzweigten
Zulieferindustrien. Das heigt: Die IZ kann sich getrost verabschieden von der
engen Sicht auf eine Organisation, die die Projekte durchfiihrt. Projekte der IZ
stehen nicht nur in Interaktionsbeziehungen zu ihrer Umwelt und anderen Or
ganisationen, sondern sie bilden -organisatorisch gesprochen - vertraglich ge
bundene Kooperations- und Ko-Produktionssysteme aus.
3. In der IZ wird besonders augenfaIlig, daG die Nachhaltigkeit von Projek
ten von der Fahigkeit der beteiligten Organisationen bestimmt wird, bestimmte
Guter und Dienstleistungen zu erzeugen, die auch nachgefragt werden, weil sie
fur andere von Nutzen sind. Die Leistungsfahigkeit einer einzelnen Organisati
on beschrankt sich dabei nicht nur auf die Wertschopfung, sondern betrifft
auch die Formen der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und ihre
Anpassungsfahigkeit an neue Aufgaben.
Bei Organisationen der Enrwicklungszusammenarbeit kommt noch hinzu,
daG ihre Arbeit zukunftig vermehrt darin bestehen wird, Projekte nationaler
und lokaler Organisationen zu unterstutzen, dam it diese die Entwicklungspro
bleme selbstandig und nachhaltig losen konnen. Daraus lassen sich vier zentra
Ie Organisationsfragen ableiten:
• Welche Organisationen beziehungsweise Netzwerke von Organisationen
haben sich in einer Gesellschaft entwickelt, urn bestimmte Aufgaben zu
lasen, also die Frage der funktionalen Differenzierung.
• Welche Organisationen oder Organisationsnetzwerke sind offen fur Ver
anderungen und interessiert an einer interkulturellen Kooperation? Bei
dieser F rage geht es urn die Veranderungsenergie.
• Wie verandern neue Aufgaben und externe Unterstutzung die Organisa
tionen und Organisationsnetzwerke, mit denen ein Kooperationsvertrag
abgeschlossen wird? Das ist die Frage nach der Restrukturierung und
Erneuerung.
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• Wie kann exteme Unterstutzung die selbstverantwortete Leistungs- und
Lemfahigkeit von Organisationen und Organisationsnetzwerken for
dem? Diese Frage beschaftigt sich mit der professionellen und ethischen
Orientierung.
Organisationen haben keinen Selbstzweck. Unser Blick gilt ihren Leistun
gen, also dem, was sie erzeugen - seien es Guter, Dienstleistungen oder Verwal
tungsregeln - und den damit verbundenen gesellschaftlichen oder einzelbetrieb
lichen Kosten und Nutzen. Projekte der IZ sind Aufgaben, die von Organisa
tionen und den in ihnen tatigen Menschen gelost werden. Dbemimmt eine
Organisation solche Aufgaben, verandert sie sich dadurch. Sie erhalt Lei
stungen einer anderen Organisation, verursacht Kosten und erbringt ihrerseits
Leistungen, die in Qualitat und Quantitat wesentlich davon abhangen, wie gut
sich die Organisation an ihre Umwelt anpaBt oder mit anderen Organisationen
bei der Bewaltigung der Aufgabe kooperiert. Damit ruckt die Frage nach dem
Verstehen unterschiedlicher Organisationen und institutioneller Arrangements
in den Mittelpunkt der Betrachtung. Angesichts der Breite des Unterfangens
und der unterschiedlichen Auspragungen der IZ ist allerdings Bescheidenheit
angesagt. Auf die Besonderheiten einer Region und verschiedener Kulturen
kann nur mit Beispielen hingewiesen werden. Das Buch ersetzt weder wissen
schaftliche Lehrbucher noch ein durch Erfahrung gescharftes AugenmaK Es
taugt nicht, wenn man Losungen kopieren will und nach dem einzigen richti
gen Rezept sucht. Es ersetzt auch keine Denkarbeit an eigenen, lokalen Losun
gen.
Wenn wir meinen, daB das Buch keine Rezepte enthalt, so bezieht sich dies
insbesondere auf die immer wiederkehrende Frage nach der einzigen, der besten
Organisation. So begreiflich dieser Wunsch ist, angesichts der Vielfalt organisa
torischer Losungen in der IZ geht er an der Wirklichkeit vorbei. Deshalb liegt
das Hauptgewicht auf den Fragen, wie Organisationen zu verstehen sind und
wie fur die Losung komplexer Aufgaben zweckmaEige und situative Organisa
tions- und Kooperationsformen gefunden werden konnen.
Von den in dem Buch vorgestellten Konzepten glauben wir, dag sie nutzlich
sind, weil sie Dbersicht schaffe n und das Singulare in grogere Zusammenhange
einordnen. Sie schlagen eine Brucke von der grauen Theorie zur lebendigen
Praxis, und sie bundeln Erfahrungen, urn sie so verfugbar zu machen.
Das hier verdichtete Material ist aus der praktischen Arbeit in der Organi
sationsberatung fur die IZ heraus entstanden und will dort wieder hineingetra
gen werden. Die Konzepte beleuchten haufige Fragestellungen, die sich im in-