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Begründet von Hermann Paul
Fortgeführt von Georg Baesecke und Hugo Kuhn
Herausgegeben von Burghart Wachinger
Nr. 107
Nürnberger
• •
Prosa-Asop
Herausgegeben von
Klaus Grubmüller
MAX NIEMEYER VERLAG TÜBINGEN
1994
CIP-Titelaufnahme der Deutschen Bibliothek
Nürnberger Prosa-Äsop / hrsg. von Klaus Grubmüller. —
Tübingen : Niemeyer, 1994
(Altdeutsche Textbibliothek ; Nr. 107)
NE: Grubmüller, Klaus [Hrsg.]; GT
ISBN 3-484-20207-6 kart.
ISBN 3-484-21207-1 Gewebe
ISSN 0342-6661
© Max Niemeyer Verlag GmbH & Co. KG, Tübingen 1994
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede
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Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für
Vervielfältigungen, Ubersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung
und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Printed in Germany.
Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier.
Satz: pagina GmbH, Tübingen
Druck: Allgäuer Zeitungsverlag GmbH, Kempten
Einband: Heinr. Koch, Tübingen
V
Inhalt
EINLEITUNG IX
1. Das Werk IX
2. Die Überlieferung XV
3. Die Ausgabe XIX
4. Literatur XXIV
TEXT
Vorrede 1
Register 3
I Wolf und Weib 9
II Adler und Schnecke 10
III Krebs und Kind 12
IV Sonne und Wind 13
V Esel in der Löwenhaut 15
VI Kröte als Arzt 16
VII Hund mit Schelle 18
VIII Kamel und Jupiter 20
IX Zwei Gefährten und der Bär 22
X Der kahle Ritter 24
XI Kupferner und irdener Topf 25
XII Bauer und Schatz 26
XIII Ochse, Löwe und Bock 28
XIV Äffin und Jupiter 30
XV Kranich und Pfau 31
VI Inhalt
XVI Schlehe und Rohr 32
XVII Jäger und Tiger 34
XVIII Ochsen und Löwe 36
XIX Tanne und Dorn 37
XX Fischer und kleiner Fisch 39
XXI Sprechendes Bildnis 40
XXII Der Neidische und der Habsüchtige . . .. 41
XXIII Löwe und Mann 43
XXIV Knabe und Dieb 44
XXV Löwe und Geiß 45
XXVI Krähe am Wassereimer 47
XXVII Bauer und Ochse 48
XXVIII Heißer und kalter Atem 49
XXIX Gegessenes Hirschherz 51
XXX Mann und Fuhrwerk 53
XXXI Gans mit goldenem Ei 54
XXXII Ochse und Maus 56
XXXIII Ameise und Grille 57
XXXIV Äffin und ihre Kinder 58
XXXV Kalb und Ochse 60
XXXVI Löwe und Hund 61
XXXVII Großer und kleiner Fisch 63
XXXVIII Krug und Bach 64
XXXIX Lamm und Wolf 66
XL Hahn und Edelstein 67
Inhalt VII
XLI Wolf und Lamm 68
XLII Frosch und Maus 70
XLI II Hund am Wasser 71
XLIV Hund verklagt das Schaf 72
XLV Der Löwenanteil 74
XLVI Hochzeit der Sonne 75
XLVII Wolf und Kranich 77
XLVIII Mensch und undankbare Natter 78
XLIX Stadtmaus und Feldmaus 80
L Fuchs und Adler 81
LI Adler, Schnecke und Krähe 83
LII Fuchs und Rabe 84
LIII Schmeichelnder Esel 85
LIV Löwe und Maus 87
LV Hund und Dieb 89
LVI Kranker Adler 90
LVII Schwalbe und Leinsamen 91
LVIII Frösche bitten um einen König 93
LIX Lamm, Geiß und Wolf 95
LX Alter Hund 96
LXI Tauben und Habicht 97
LXII Hasen und Frösche 98
LXIII Hirsch, Lamm und Wolf 100
IX
Einleitung
1. Das Werk
Der >Nürnberger Prosa-Äsop<, benannt nach dem letzten Vor-
besitzer der Handschrift, dem Nürnberger Klarissenkloster
(s. u. 2.), ist um die Wende des 14. zum 15. Jh., jedenfalls vor
1412 (terminus ante quem für die Entstehung der Hand-
schrift, s. u. 2.) in Wien oder Umgebung entstanden. Er ent-
hält 63 deutsche Prosafabeln, und zwar die Übersetzung von
39 der 42 Fabeln des Avian und von 24 Fabeln aus dem Cor-
pus des sog. >Romulus<. In ihm liegt uns die erste Prosaüber-
setzung eines Fabelcorpus aus der äsopischen Tradition in
deutscher Sprache vor, wahrscheinlich sogar (gegen die Kon-
kurrenz der >Cyrillischen Fabeln< des Ulrich von Pottenstein:
zwischen 1408 und 1416 [BODEMANN, S. 4]) die älteste deut-
sche Prosa-Fabelsammlung überhaupt. Damit fügt sich der
>Nürnberger Prosa-Äsop< nicht mehr der seit den Anfängen
der deutschen Fabeldichtung und insbesondere seit den Bi-
spein des Strickers wirksamen Dominanz des Reimpaarverses,
die ihren deutlichsten Ausdruck in der erfolgreichsten Fa-
belsammlung des deutschen Mittelalters, Boners >Edelstein<,
gefunden hatte; er leitet - zögernd zwar und vorerst ohne
große Resonanz - auch auf dem Gebiet der Fabel eine Zeit
der Prosa ein (GRUBMÜLLER 1977, S. 436; SCHNELL, S. 234f.).
Zwar beherrschen weiterhin die alten Reimpaarsammlungen
überlieferungsgeschichtlich das Feld, aber mit Ulrichs von
Pottenstein deutscher Sammlung und später mit Antons von
Pforr deutscher Übersetzung der Fabelreden aus der >Pant-
schatantra<-Tradition (>Buch der Beispielen ca. 1470/80) weitet
sich doch der Geltungsbereich der Prosa aus, zuerst von den
Rändern der Gattung her, bis sie schließlich in Heinrich
Steinhöwels zweisprachigem >Esopus< (1476/77) auch auf die
alten äsopischen Stoffe ausgreift und nun über Jahrzehnte
zum verbindlichen Darstellungsmodus wird (vgl. DICKE).
Im >Nürnberger Prosa-Äsop< ist die Prosaform sehr spezi-
fisch begründet: er ordnet sich ein in die Bemühungen zur
X Einleitung
Schaffung einer deutschen Seelsorge-Prosa als Leseliteratur
für Laien, wie sie im Umkreis der sog. >Wiener Schule< (HOH-
MANN 1977 und 1986) entsteht, und er knüpft - wie diese - an
wissenschaftliche Aufbereitungsformen von lateinischen Tex-
ten aus Schule und Universität an: er orientiert sich am Typus
des Kommentars und hat offensichtlich einen solchen zur
Übersetzungsvorlage.
Auf Zusammenhänge mit der »Wiener Schule< um Hein-
rich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl, Thomas
Peuntner und auch Ulrich von Pottenstein weisen nicht nur
(s. u. 2.) die Anlage der Handschrift, die offensichtlich aus
einer gewissen Nähe formulierte Notiz über Nikolaus von
Dinkelsbühl und die verwandtschaftlichen Beziehungen der
in einer Todesnotiz (Bl. 68rb) erwähnten Wilburg von Pettau
zu Ulrichs von Pottenstein Gönner, Reimprecht von Wallsee
(dem Vetter ihres Mannes), und zu Hertnit von Pettau (ihrem
Mann), dem Widmungsadressaten der >VaIerius-Maximus-
Übersetzung< Heinrichs von Mügeln, hin (WRIGHT); auf Zu-
sammenhänge deutet auch der sehr sorgfältige, streckenweise
geradezu elegante Prosastil, der sich den Bemühungen der an-
deren Übersetzer und ihren Diskussionen um die rechte
Übersetzungssprache, aygen deutsch oder gemainer lauf deut-
scher sprach (HOHMANN 1977, REIFFENSTEIN, BODEMANN), mit
Fug an die Seite stellen läßt und der eine genauere Untersu-
chung verdient.
Die Wiener Übersetzerschule hängt eng mit der neu ge-
gründeten und eben zu erster Blüte gekommenen Universität
in Wien zusammen; es paßt dazu, daß die Fabelübersetzung
sich an einer wissenschaftlichen Textgattung orientiert: ihr
auffälligstes, von der bisherigen deutschen Fabelliteratur
deutlich abweichendes Merkmal, die spirituellen Auslegun-
gen nach der Methode der allegorischen Schriftexegese
(GRUBMÜLLER 1991), ordnet sich ein in ein sehr konsequent
durchgehaltenes Aufbauschema, das dem Typus des mittel-
alterlichen Textkommentars überhaupt, insbesondere aber
dem herkömmlicher Fabelkommentare entspricht. Ihre mehr
oder weniger obligatorischen Bestandteile sind: