Table Of ContentWiener Beiträge zur Islamforschung
Ednan Aslan
Jonas Kolb · Erol Yildiz
Muslimische
Diversität
Ein Kompass zur religiösen
Alltagspraxis in Österreich
Wiener Beiträge zur Islamforschung
Herausgegeben von
E. Aslan, Wien, Österreich
Die Buchreihe „Wiener Beiträge zur Islamforschung“ beschäftigt sich mit interdis
ziplinären Studien aus den Fachbereich der Islamischen Theologie und Religions
pädagogik sowie der Religionswissenschaft und Philosophie. Die Forschungs
schwerpunkte des Herausgebers, Professor Ednan Aslan, liegen auf Themen wie
Islam in Europa, der Theorie der islamischen Erziehung in Europa sowie Fragen
zu Muslime an öffentlichen Schulen und Islamischer Theologie mit europäischer
Prägung.
Herausgegeben von
Ednan Aslan
Institut für IslamischTheologische Studien
Universität Wien
Wien, Österreich
Weitere Bände in dieser Reihe http://www.springer.com/series/13592
Ednan Aslan · Jonas Kolb · Erol Yildiz
Muslimische
Diversität
Ein Kompass zur religiösen
Alltagspraxis in Österreich
Ednan Aslan Erol Yildiz
Institut für IslamischTheologische Studien Institut für Erziehungswissenschaft
Universität Wien Universität Innsbruck
Wien, Österreich Innsbruck, Österreich
Jonas Kolb
Institut für IslamischTheologische Studien
Universität Wien
Wien, Österreich
Die Studie wurde gefördert vom Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF).
Wiener Beiträge zur Islamforschung
ISBN 9783658175535 ISBN 9783658175542 (eBook)
DOI 10.1007/9783658175542
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National
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Inhalt
1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
2 Theoretische Perspektiven . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
2 .1 Wer ist Muslim ? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
2 .2 Religiosität und religiöse Alltagspraxis . . . . . . . . . . . . . . . . 11
2 .3 Ausgewählte Studien im Forschungsbereich . . . . . . . . . . . . . 15
3 Vorinformationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
3 .1 Islam in Österreich . Ein historischer Abriss . . . . . . . . . . . . . . 25
3 .2 Die demografische Entwicklung der muslimischen Bevölkerung
in Österreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
4 Forschungsdesign und Methoden . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
4 .1 Qualitativer Erhebungsteil . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
4 .2 Quantitativer Erhebungsteil . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
5 Analysen. Zur Diversität der muslimischen Alltagspraxis
in Österreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
5 .1 Zur Rekonstruktion religiöser Alltagspraktiken . . . . . . . . . . . . 59
5 .2 Bewahrende Religiosität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
5 .2 .1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
5 .2 .2 Qualitative Analysen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
5 .2 .2 .1 Die regelgeleitete und pflichtbewusste Ausrichtung
der Lebensentwürfe . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
5 .2 .2 .2 Die bewahrende Religiosität in der Alltagspraxis . . . . 76
5 .2 .2 .3 Leben als Muslim in Österreich . . . . . . . . . . . . . 88
VI Inhalt
5 .2 .3 Quantitative Analysen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104
5 .2 .3 .1 Kerneigenschaften und demografische Daten . . . . . 104
5 .2 .3 .2 Religiosität im Alltag aus quantitativer
Perspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109
5 .2 .3 .3 Religiöser Stil und die Ausprägung pluralistischer
sowie fundamentalistischer Anschauungen . . . . . . . 113
5 .2 .3 .4 Soziale Orientierungen und politische Positionen . . . . 122
5 .2 .4 Zusammenführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127
5 .3 Pragmatische Religiosität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131
5 .3 .1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131
5 .3 .2 Qualitative Analysen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134
5 .3 .2 .1 Pragmatische Anpassungen
an äußere Bedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . 134
5 .3 .2 .2 Pragmatische Religiosität abseits
der religiösen Säulen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 153
5 .3 .2 .3 „Ich fühl mich als Austrotürke“ . Zum Leben
in Österreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 173
5 .3 .3 Quantitative Beschreibungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 195
5 .3 .3 .1 Kerneigenschaften und demografische Merkmale . . . 195
5 .3 .3 .2 Religiosität im Alltag . . . . . . . . . . . . . . . . . . 200
5 .3 .3 .3 Religiöse Stile und die Ausprägung pluralistischer
und fundamentalistischer Anschauungen . . . . . . . . 206
5 .3 .3 .4 Leben in Österreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 216
5 .3 .4 Zusammenführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 219
5 .4 Offene Religiosität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 223
5 .4 .1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 223
5 .4 .2 Qualitative Analysen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 226
5 .4 .2 .1 Selbstbestimmung und Autonomie . . . . . . . . . . . 226
5 .4 .2 .2 Religiosität im Alltag . . . . . . . . . . . . . . . . . . 238
5 .4 .2 .3 Leben als Muslim in Österreich . . . . . . . . . . . . . 258
5 .4 .3 Quantitative Analysen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 274
5 .4 .3 .1 Kerneigenschaften und demografische Daten . . . . . 274
5 .4 .3 .2 Religiosität im Alltag aus quantitativer Perspektive . . . 280
5 .4 .3 .3 Religiöser Stil und pluralistische sowie
fundamentalistische Positionen . . . . . . . . . . . . . 286
5 .4 .3 .4 Soziale Orientierungen und politische Positionen . . . . 291
5 .4 .4 Zusammenführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 296
Inhalt VII
5 .5 Religiosität als kulturelle Gewohnheit . . . . . . . . . . . . . . . . . 299
5 .5 .1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 299
5 .5 .2 Qualitative Analysen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 303
5 .5 .2 .1 Reduktion der religiösen Alltagspraxis auf kulturelle
und soziale Fragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 303
5 .5 .2 .2 Sozialer Wertkonservatismus vs . liberale Haltungen . . . 337
5 .5 .2 .3 Interreligiöse soziale Umfelder
und säkulare Positionen . . . . . . . . . . . . . . . . . 344
5 .5 .3 Quantitative Analysen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 359
5 .5 .3 .1 Kerneigenschaften und demografische Daten . . . . . 359
5 .5 .3 .2 Religiosität im Alltag . . . . . . . . . . . . . . . . . . 365
5 .5 .3 .3 Religiöser Stil und pluralistische sowie
fundamentalistische Positionen . . . . . . . . . . . . . 370
5 .5 .3 .4 Leben in Österreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 379
5 .5 .4 Zusammenführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 384
5 .6 Ungebundene Restreligiosität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 387
5 .6 .1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 387
5 .6 .2 Qualitative Analysen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 390
5 .6 .2 .1 „Muslimin nur auf dem Papier“ .
Die Reduktion der Religiosität auf Selbstbilder
und Zugehörigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . 390
5 .6 .2 .2 Die religionsferne Gestaltung des Alltagslebens . . . . . 408
5 .6 .2 .3 Leben in Österreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 411
5 .6 .3 Quantitative Analysen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 422
5 .6 .3 .1 Kerneigenschaften und demografische Aspekte . . . . 422
5 .6 .3 .2 Religiosität im Alltag aus quantitativer Perspektive . . . 430
5 .6 .3 .3 Die Ausprägung religiöser Stile, Pluralismus und
Fundamentalismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 432
5 .6 .3 .4 Leben in Österreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 438
5 .6 .4 Zusammenführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 443
6 Fazit und Relevanz der Erkenntnisse . . . . . . . . . . . . . . . . 449
6 .1 Integrations- und bildungspolitische Relevanz der Studie . . . . . . . 453
6 .2 Theologische Relevanz der Studie . . . . . . . . . . . . . . . . . . 457
7 Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 461
7 .1 Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 461
7 .2 Abbildungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 480
7 .3 Tabellenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 483
7 .4 Abkürzungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 487
VIII Inhalt
7 .5 Glossar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 488
7 .6 Interviewliste der qualitativen Erhebungsphase . . . . . . . . . . . 495
7 .7 Skalen und Items der quantitativen Erhebungsphase . . . . . . . . . 499
7 .8 Projektmitarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 506
1
Einleitung
In Österreich ist der Anteil der muslimischen Bevölkerung in den vergangenen
Jahren deutlich gestiegen. Er umfasste im Jahr 2009 mehr als eine halbe Million
Menschen. Trotz der langen Geschichte des Islams und der Muslime1 in Öster-
reich, deren ausgeprägter medialer Präsenz und der damit verbundenen öffent-
lichen Diskurse blieb die Lebenswirklichkeit der muslimischen Bevölkerung je-
doch bisher weitgehend unbeachtet. In wissenschaftlichen Arbeiten nimmt die
Auseinandersetzung mit organisierten muslimischen Strukturen, Vereinen und
Einrichtungen eine vorrangige Position ein, mit der Folge, dass die muslimische
Präsenz in Medien und Öffentlichkeit auf Moscheegemeinden reduziert, der Blick
auf Muslime auf Personen, die in muslimischen Einrichtungen oder Moschee-
gemeinden aktiv sind, verengt wird. Die religiösen Alltagspraktiken der breiten
Mehrheit werden hingegen kaum zur Kenntnis genommen. Vor diesem Hinter-
grund konstatierten die Religionswissenschaftler Susanne Heine, Rüdiger Lohlker
und Richard Potz in ihrer umfangreichen Bestandsaufnahme „Muslime in Öster-
reich. Geschichte – Lebenswelt – Religion – Grundlagen für den Dialog“ (2012),
dass eine „umfassende und aussagekräftige Studie zur religiösen Praxis und zu
Werthaltungen von Muslimen/Musliminnen in Österreich“ immer noch ausste-
he (ebd.: 21).
Obwohl es also kaum differenzierte Erkenntnisse über muslimische Alltags-
welten in Österreich gibt, ist ihr Image eher negativ. In der medialen Berichterstat-
tung erscheinen Muslime gewöhnlich in Problemzusammenhängen, selbst die-
1 Um den Lesefluss und die Verständlichkeit nicht zu beeinträchtigen, wird im folgenden Text
bei personenbezogenen Bezeichnungen zwar nur die männliche Form genannt, die weib-
liche Form aber stets mitgemeint. Wird explizit die weibliche Form verwendet, beispielswei-
se Musliminnen, bezieht sich die Textstelle auch nur auf diese. Wenn möglich, werden je-
doch genderneutrale Bezeichnungen genutzt.
© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2017
E. Aslan et al., Muslimische Diversität, Wiener Beiträge zur 1
Islamforschung, DOI 10.1007/978-3-658-17554-2_1
Description:Die vorliegende Studie bildet die Variationsbreite und Vielschichtigkeit der religiösen Alltagspraxis ab und gewährt tiefgründige Einblicke in muslimische Lebenswirklichkeiten. In den qualitativen und quantitativen Analysen wird erstmals Muslimen, die keine aktiven Mitglieder von islamischen Orga