Table Of ContentBernhard StrauB· Jo chen Eckert
Volker Tschuschke (Hrsg.)
Methoden der empirischen
Gruppentherapieforschung
Bernhard StrauB· Jochen Eckert
Volker Tschuschke (Hrsg.)
Methoden der empirischen
Gruppentherapieforschung
Ein Handbuch
Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Die Deutsche Bibliothek-CIP-Einheitsaufnahme
Methoden der empirischen Gruppentherapieforschung:
ein Handbuch 1
Bernhard Strauss ... (Hrsg.).
ISBN 978-3-531-12695-1 ISBN 978-3-663-10786-6 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-663-10786-6
NE: Strauss, Bernhard (Hrsg.)
Alle Rechte vorbehalten
© 1996 Springer Fachmedien Wiesbaden
Ursprunglich erschienen bei Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1996
Das Werk einschlieBlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich
geschiitzt. Jede Verwertung auBerhalb der engen Grenzen des
Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulas
sig und strafbar. Das gilt insbesondere fiir Vervielfaltigungen,
Ubersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und
Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Umschlaggestaltung: Horst Dieter Biirkle, Darmstadt
Titelbild: Paul Klee, Maibild abstract, 1925, 120 (C 0), 41,5 x 49,5 cm; 01 auf Karton;
Metropolitan Museum of Art, New York, NY, The Berggruen Klee Collection,
lnv. Nr. 1984.315.42.; © VG Bild-Kunst, Bonn 1996
Gedruckt auf saurefreiem Papier
ISBN 978-3-531-12695-1
Dieses Buch ist dem Andenken an
Susanne Davies-Osterkamp (1943-1995)
gewidmet.
Inhaltsverzeichnis
Einfiihrung: Die Gruppe -Ein Stiefkind der Psychotherapieforschung?
Bernhard StraujJ, Jochen Eckert, Volker Tschuschke ............................................. 11
Grundlagen:
Forschungsstrategien in der Gruppenpsychotherapie ....................................... 15
2 Indikation und Prognose
Jochen Eckert ........................................................................................................ 16
3 Ergebnisforschung in der Gruppenpsychotherapie
Bernhard StraujJ .................................................................................................... 30
4 Proze6-Ergebnis-Zusammenhiinge und Wirkfaktorenforschung
Volker Tschuschke ................................................................................................. 52
Spezifische Forschungsmethoden:
Statusdiagnostik interpersonaler Prognosefaktoren .......................................... 77
5 Das Inventar zur Erfassung interpersonaler Probleme (lIP)
Bernhard StraujJ, Hans Kordy ............................................................................... 78
6 Psychological Mindedness Assessment Procedure (PMAP)
Mary MacCallum, William E. Piper ...................................................................... 87
Wirkfaktorendiagnostik .................................................................................... 103
7 Das Gruppenwirkfaktoren-Q-Sort nach Yalom
Jochen Eckert ...................................................................................................... 10 4
8 Der Diisseldorfer Wirkfaktorenfragebogen -ein Instrument zur
differentiellen Beschreibung von Gruppenpsychotherapien
Susanne Davies-Osterkamp ................................................................................. 116
9 Die Kieler Gruppenpsychotherapie-Proze6-Skala (KGPPS) zur
Fremdbeurteilung therapeutischer Faktoren in der Gruppenpsychotherapie
Bernhard Strauft, Manuela Burgmeier-Lohse,
Regina Rohweder, Heike Wienands ..................................................................... 128
8 Inhaltsverzeichnis
Gruppenspezifische Ergebnisdiagnostik ........................................................... 141
10 Zwei Verfahren zur Einschiitzung der Wirksamkeit von
Gruppenpsychotherapie: Die Behandlungseinschatzung nach Froese
und die Bewertungsskala nach Bottcher lilld Ott
Helga Hess .......................................................................................................... 142
ProzeBdiagnostik ............................................................................................... 159
11 Gruppenerfahrungsbogen (GEB)
lochen Eckert ...................................................................................................... 160
12 Der Gruppenklima-Fragebogen (Group Climate Questionnaire, GCQ-S)
K. Roy MacKenzie ............................................................................................... 172
13 Potenz-Valenz-Polaritatenprofilnach Feldes
Michael Geyer, Gunther P16ttner ........................................................................ 197
14 Der Stuttgarter Bogen (SB)
Volker Tschuschke ............................................................................................... 218
15 Das Soziogramm nach Hock und Hess -
eine Methode zur Erfassung soziometrischer Strukturen im GruppenprozeB
Helga Hess .......................................................................................................... 229
16 Die Hill-Interaktionsmatrix
Czeslaw C::abala, Celina Brykcynska .................................................................. 259
17 Das SYMLOG-Rating-Verfahren:
lnteraktionsdiagostik im SYMLOG-Raum
Friedebert Kroger, Dieter Waite, Arno Drinkmann ............................................. 271
18 Das "ORLIK-Gitter" zur Erfassung subjektiver Bewertungsstrukturen
und ihrer Anderung im GruppenpsychotherapieprozeB
Andreas Lange, Volker Bracke ............................................................................ 294
19 Die Anwendung der Grid-Technik in der
Grupp enth erapie-ProzeBdiagnostik
Ana Catina, Beatrice Kramer .............................................................................. 307
20 Die "Structural Analysis of Social Behavior" (SASB) als
Methode zur Analyse von Gruppenprozessen
Manuela Burgmeier-Lohse .................................................................................. 322
21 Das Zeichensystem zur Erfassung von Handlungsorientierung und
Lageorientierung in verbalen AuBerungen (Z-HOLO) von Hartung
Michael Bartschat, Mathias Fauth, Bernhard Strauj3 .......................................... 333
Inhaltsverzeichnis 9
22 Der Gruppenproze13 unter der Lupe: Das Matrix-Representation-Grid
Goran Ahlin ....................................................................................................... .345
23 Anwendung der Methode des ,,zentralen Beziehungskonflikttbemas" (ZBKT)
in der Gruppentherapie
Hermann Staats, Joachim Biskup ........................................................................ 360
24 Gottschalk-Gleser-Sprachinhaltsanalyse
Volker Tschuschke ............................................................................................... 375
25 Ubersicht: Weitere Methoden der Gruppenpsychotherapieforschung
Bernhard StraujJ, Jochen Eckert, Volker Tschuschke .......................................... .388
Sachverzeichnis. ................................................................................................... 399
Anschriften der Autoren ..................................................................................... .404
1 Einfiihrung: Die Gruppe - ein Stietkind der
Psychotherapieforschung?
Bernhard StraujJ, Jochen Eckert, Volker Tschuschke
Die im Titel dieser Einfiihrung in unser Handbuch genannte Frage liifit sich zur Zeit
eindeutig mit "ja " beantworten. Bei nationalen wie intemationalen Veroffentlichungen
und Tagungen zur Psychotherapieforschung spielt die Gruppentherapie kaum eine
Rolle. Auch in gruppentherapeutischen Verbiinden ist die Forschung deutlich unterre
priisentiert, was oft mit dem Hinweis auf die hohere Prioritiit berufspolitischer Aktivitii
ten entschuldigt wird. Dabei iibersieht man leicht, daB Forschungsbefunde von hoher
berufspolitischer Relevanz sein konnen, wie sich etwa an der seit Jahren auch in der
Offentlichkeit gefiihrten Diskussion urn die Effektivitiit von Psychotherapien zeigt.
Die Forschungsdefizite stehen im Kontrast zur grofien Bedeutung gruppentherapeu
tischer Behandlungsmafinahmen in der klinischen Praxis, man denke allein daran, dafi
die Gruppentherapie im stationiiren Behandlungssetting wahrscheinlich fast in jeder
Klinik eine ganz zentrale Behandlungsmethode darstellt. Dennoch ist zurnindest hierzu
lande - nach der Hochzeit von Gruppen in den 70er Jahren - auch in der Praxis der
Gruppentherapie Defizitiires zu beobachten. 1m Vergleich zur Einzeltherapie ist die
Ausbildungssituation erheblich schlechter, was, beispielsweise im stationiiren Rahmen,
dazu fiihrt, dafi Gruppen oft von nicht ausreichend geschulten Therapeuten geleitet
werden. Es gibt zwar einen common sense dariiber, welche Patientinnen und Patienten
man fur ,,gruppentauglich" hiilt, elaborierte Kriterien und Konzepte fur die Indikation
zur Gruppentherapie fehlen aber bis heute weitgehend. Eine "Geringschiitzung" der
Gruppentherapie zeigt sich auch an deren vergleichsweise geringeren Honorierung
dUTCh die Kostentriiger und nicht zuletzt auch im Erleben der Patient en, die - so zeigen
zahlreiche empirische Studien - trotz der vergleichbaren Effektivitiit von Gruppe und
Einzeltherapie letztere eindeutig bevorzugen. Ob hierfur auch gesellschaftliche Tenden
zen zur "Vereinzelung" eine Rolle spielen, liifit sich nicht mit Sicherheit sagen.
Die Grunde for das Forschungsdejizit im Bereich der Gruppentherapie sind sicher
vielfaltig: Gruppentherapien, zumal innerhalb ein und derselben Therapierichtung iius
serst unterschiedlich konzeptualisiert und realisiert, sind dUTCh eine hohe Komplexitiit
gekennzeichnet, die einen empirisch-wissenschaftlichen Zugang erschweren; damit ver
bunden ist ein hoher technischer und personeller AufWand. Nicht zuletzt darin ist be
griindet, dafi die in der Psychotherapieforschung gangigen Standards fur empirisch
experimentelle Ansiitze im gruppentherapeutischen Feld oftmals nicht zu realisieren
sind.
12 Einfuhrung
Das Gruppensetting hat im Vergleich zur Einzeltherapie in den verschiedenen Schulen
noch eine relativ kurze Tradition, was sicherlich auch zu erklaren vermag, daB die For
schung auf dem Feld noch unterentwickelt ist. Die Psychotherapieforschung zur Ein
zeltherapie hat zwar schon relativ fiii.h begonnen, es dauerte aber einige lahrzehnte, bis
sich ein akzeptabler Standard an Forschungsstrategien und -methoden entwickelt hatte,
auf dessen Basis sich die heute fast nicht mehr iiberschaubare Fiille von Einzelbefunden
stiitzen kann.
Spricht man von Forschungstraditionen auf dem Gebiet der Gruppentherapie, dann
ist zu differenzieren zwischen der den ,,mainstream" bestimmenden Gruppenforschung
in den englischsprachigen Landem und der Tradition im deutschen Sprachraum, die
sicherlich langer besteht und trotz aller Defizite bereits zu einer erstaunlichen Zahl von
Studien zum ProzeB und Ergebnis der Gruppentherapie beitragen konnte. Besonders
hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die Psychotherapieforschung in der DDR,
wo die Gruppentherapie aufgrund der gesellschaftsimmanenten Idealisierung des Kol
lektivs die Behandlungsmethode der Wahl darstellte. Dementsprechend war die Gruppe
auch Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen (beispielsweise am
,,Haus der Gesundheit" mit der Arbeitsgrnppe urn Hock und Hess), die bis heute er
staunlich wenig rezipiert wurden.
Auch in Westdeutschland gibt es eine recht lebendige Tradition der Gruppenthera
pieforschung, wobei insbesondere Forschungsprojekte hervorzuheben sind, die sich mit
Gruppen im stationaren Feld befaBten.
Eine AufWertung der Gruppentherapieforschung ist aus mehreren GrUnden fur die
Zukunft zu erwarten: Angesichts der dramatischen Neuorientierung des gesamten Ge
sundheitswesens ist die Psychotherapie generell unter ,,Forschungsdrnck" geraten, der
auch vor der Gruppentherapie nicht halt machen wird. Die okonomische Basis dieses
Drncks ist eine mogliche Chance fur die Gruppentherapie, die man sicher als hOchst
okonomische Form der Behandlung psychischer Probleme bezeichnen kann. Dariiber
werden sicher auch neuere Konzepte der Gruppentherapie, speziell Kurzzeitbehandlun
gen (z.B. MacKenzie, 1990) und das Setting insgesamt eine AufWertung erfahren. FUr
die Praktiker in diesem Feld kann es aber auch aus anderen GrUnden durchaus niitzlich
sein, sich vermehrt mit der Gruppentherapieforschung zu befassen, gibt es dort doch
Konzepte und Ergebnisse, die klinische Auffassungen bestatigen und gewissermaBen
validieren. Zu denken ist hier insbesondere an die Theorien der therapeutischen Fakto
ren, aber auch an Resultate von Studien, die ProzeB-Ergebnis-Zusammenhange in der
Gruppentherapie beschreiben (vgl. z.B. Yalom, 1994; Eckert & Biermann-Ratjen,
1985; Tschuschke, 1993; StrauB & Burgmeier-Lohse, 1994).
Der Motivationen, dieses Buch zu gestalten, gibt es viele! Die Hoffuung, Praktiker
der Gruppentherapie vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen fur die empirische
Forschung zu interessieren, vielleicht sogar zu begeistem, ist nur eine davon. Ein ande
res und ganz wesentliches Motiv liegt in der Beobachtung, daB die heute gangigen