Table Of ContentANKÜNDIGUNG.
Eine der Hauptaufgaben des Telegraphentechnikers besteht gegenwärtig
darin, die vorhandenen Leitungen möglichst gut auszunutzen, um in ihnen den
stets zunehmenden Verkehr abzuwickeln und das Bauen neuer Leitungen zu
vermeiden. Hierzu dienen Apparate von hoher Leistungsfähigkeit, wie sie als
Maschinen- und Mehrfach-Telegraphen bekannt sind. Die Maschinen-Tele
graphen sind bereits im ersten Bande der Sammlung eingehend dargestellt
worden. Der vorliegende Band bringt die Beschreibung der Mehrfach-Tele
graphen; hierbei sind nicht nur die Mehrfach-Apparate im engeren Sinne,
namentlich der Telegraph von Baudot, sondern auch die ähnliche Zwecke
erreichenden Schaltungen für den Gegensprechbetrieb berücksichtigt worden.
Während früher diese Apparate und Schaltungen nur selten verwendet
wurden und daher wenig gekannt waren, haben sich die Verhältnisse in neuerer
Zeit wesentlich verändert. Jetzt kommen viele Beamte auch mittlerer und
selbst kleiner Ämter in die Lage, sich mit Apparaten und Schaltungen dieser
Art beschäftigen zu müssen. Das ist insbesondere der Fall, seitdem die unter
irdischen Telegraphenleitungen in ausgedehntem Umfange für den Gegensprech
betrieb mit Maschinen- oder Mehrfach-Telegraphen ausgenutzt und Über
tragungen bei zahlreichen Ämtern aufgestellt werden. Die Kenntnis aller
dieser Apparate und Schaltungen zu verbreiten, ist die Aufgabe des vor
liegenden Buches. Namentlich werden die Telegraphenbeamten nützliche Winke
darin finden, wie die Ursachen von Betriebsschwierigkeiten zu erkennen und
schnell zu beheben sind.
Braunschweig, im April 1914.
Friedr. Vieweg & Sohn.
TELEGRAPHEN-UND
FERNSPRECH -TECHNIK
IN EINZELDARSTELLUNGEN
UNTER MITWIRKUNG ANDERER FACHMÄNNER
HERAUSGEGEBEN VON
TH. KARRASS.
GEH. POSTRAT
OBBB-TBLBGBAPHBNINGKNIEUB IM BBICHS-POSTAMT
Xl.
MEHRFACH -TELE GRAPHEN
VON
.A. KR.A.ATZ
MIT 212 EINGEDRUCKTEN ABBILDUNGEN
SPRINGER FACHMEDlEN WIESBADEN GMBH
1914
ME HRF Ae H -TELE GRAPHEN
VON
A. KRAATZ
POSTRAT IN CÖLN
MIT 212.EINGEDRUCKTEN ABBILDUNGEN
SPRINGER FACHMEDIEN WIESBADEN GMBH
1914
ISBN 978-3-663-03100-0 ISBN 978-3-663-04289-1 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-663-04289-1
Alle Rechte,
namentlich das Recht der übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten;
Copyright, 1914, by Springer Fachmedien Wiesbaden
Ursprünglich erschienen bei Friedr_ Vieweg & Sohn, Braunschweig, Germany 1914
VORWORT.
Verfolgt man die Entwickelung der Telegraphentechnik, so läßt
sich seit langer Zeit das Bestreben erkennen, die für den großen Ver
kehr bestimmten Leitungen möglichst gut auszunutzen. Hierdurch
sollen die Kosten für das Bauen neuer Leitungen und für ihr Unter
halten erspart und damit die Betriebskosten verringert werden. Um
diesen Zweck zu erreichen, haben die Erfinder Apparate hergestellt,
mit denen mehrere Beamte gleichzeitig in einer Leitung Telegramme
übermitteln können. Diese Apparate lassen sich in zwei Gruppen, in
Maschinen- und Mehrfach-Telegraphen teilen. Bei den Maschinen
Telegraphen stanzen die Beamten die Telegramme als Löchergruppen
in Streifen; diese laufen nacheinander mit großer Geschwindigkeit
durch den Sender, der die Telegraphierströme in die Leitung schickt.
Die Mehrfach -Telegraphen weisen dagegen den einzelnen Beamten
nacheinander in kurzen Zeitabständen die Leitung zu; die Beamten
senden dann unmittelbar und in regelmäßiger Zeitfolge die Telegraphier
ströme in die Leitung. Zu den Mehrfach-Telegraphen im weiteren
Sinne gehören die Gegensprech-Schaltungen, d. h. Schaltungen mit
besonderen Hilfsapparaten, mit denen sich mehrere Telegramme gleich
zeitig und unabhängig voneinander übermitteln lassen. Ferner sind
zu dieser Gruppe die Apparate zu zählen, bei denen Ströme ver
schiedener Art, wie Gleich- und Wechselstrom oder Wechselströme
verschiedener Periodenzahl zum Bilden der einzelnen Absatzwege dienen.
Im vorliegenden Buche habe ich von den Mehrfach-Telegraphen
im enger~n Sinne nur den Telegraphen von Baudot eingehend
beschrieben, weil dieser Apparat zurzeit allein in ausgedehntem Um
fange verwendet wird. Die Wirkungsweise des früher praktisch
erprobten Telegraphen von Rowland und des in neuer Zeit betriebs
fertig durchgearbeiteten Telegraphen von Murray habe ich im Anha.ng
in großen Zügen dargestellt.
VI Vorwort.
Von den zahlreich entworfenen Gegensprech-Schaltungen sind nur
die Differentialschaltung und die Brückenschaltung erörtert worden,
weil sie allein eine praktische Bedeutung erlangt haben.
Die Gegensprech-Schaltungen für lange Se~kabel sind außer Betracht
geblieben, da sie im Zusammenhange mit der Herstellung und dem
Betriebe dieser Leitungen den Inhalt eines besonderen Bandes der
Sammlung bilden sollen.
Von den Betriebsweisen, die Ströme verschiedener Art benutzen,
ist nur das Doppel-Gegensprechen kurz erörtert worden, weil die
übrigen Verfahren im praktischen Betriebe keine wesentliche Rolle spielen.
Beim Beschreiben der Gegensprech-Schaltungen habe ich in den
Text Formeln und Beispiele nur in dem Umfang aufgenommen, daß
sich für den Betriebsbeamten ein. klares Bild ergibt. Der Beamte, der
sich über das Berechnen der Beispiele näher zu unterrichten und
einen Anhalt für das Ausrechnen anderer Beispiele zu haben wünscht,
findet die erforderlichen Angaben im Anhange.
Beim Durchsehen der Druckbogen hat mich Herr Telegraphen
ingenieur Fr e i in Cöln in liebenswürdiger Weise unterstützt.
Der Verlagsbuchhandlung danke ich für die auf das Ausstatten
des Buches und das Ausführen der Abbildungen verwendete Mühe und
Sorgfalt.
Cöln, im März 1914.
Ä. Kraatz.
Inhal ts übersieh t.
Einleitung
Die verschiedenen Arten von Mehrfach.Telegraphen.
Seite
Ausnutzen von Telegraphenleitungen mit Maschinen- und Mehrfach
Telegraphen. Verschiedene Gruppen der Mehrfach-Telegraphen. Mehr
fachbetrieb nach Picard. Telegraph von Mercadier.
Erster Abschnitt.
Sy!Ueme, die absatzweise arbeiten.
1. Die theoretischen Grundlagen .... 3
Verteiler eines Mehrfach-Telegraphen. Zeitliche Folge der Arbeits-
vorgänge.
1I. Der Telegraph von Baudot . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 4
1. Geschichtliches. 2. Wirkungsweise im allgemeinen. Alphabet.
Doppelstrombetrieb. Stromverzögerullg. 3. Stromlauf und Verteiler für
den ZweIfachapparat. Stromverhältnisse. Verteiler. Triebwerk. 4. Der
Geschwindigkeitsregler. Bauart. Wirkungswpise. Allgemeine Beschaffen
heit. Grundeinstellung. Theorie. 5. Die Gleichlaufvorrichtung. Bau
art. Wirkungsweise. Einstellung zum Verteiler. 6. Das Relais. Bau
art. Wirkungsweise. Einstellung. 7. Der Geber alter Bauart mit
magnetischem Festhalten der Tasten. Der Geber neuer Bauart mit
mechanischem Festhalten der Tasten. 8. Der Empfänger oder Über
setzer. Allgemeines. Übersetzerelektromagnete. Winkelhebel. Be
grenzungscheibe und Kombinator. Sucher. Auslösehebel. Druckrad
und Typenrad. Druckvorrichtung. Geschwindigkeitsregler. Brems
elektromagnet mit Bremse. 9. Das Einstellen zwischen zwei Endämtern.
10. Der Vierfachapparat. 11. Die Übertragung. 12. Der Staifelbetrieb
mit Weitergebern. 13. Die Verwendung des- Telegraphen von Baudot.
Zweiter Abschnitt.
Systeme, die gleichzeitig arbeiten.
I. Die theoretischen Grundlagen ......... . 115
A. Das Gegensprechen nach der Differentialschaltung .... 115
Allgemeines. Differentiale Wickelung. Das polarisierte Relais mit
Flügelanker. Das .P. O. Standard" -Relais. DifferentiaIgalvanoskop.
Kurbelrheostat. Schaltung für zwei Endämter. Widerstand der künst
lichen Leitung. Stromverhältnisse.
B. Das Gegensprechen nach der Brückenschaltung ...... 135
Allgemeines. a) Schaltung mit gleichen Brückenarmen. Widerstand
der künstlichen Leitung. Stromverhältnisse. b) Schaltung mit ungleichen
Brückenarmen. Widerstand der künstlichen Leitung. Stromverhältnisse.
VIII Inhaltsübersicht.
Seite
11. Hilfsapparate .... 143
A. Die künstliche Leitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143
Aufbau. Abgleichen bei der Diffel'entialschaltung und bei der Brücken
schaltung.
B. Die Induktanzspulen. . . . . . . . . . . . 158
C. Der Seiteninduktionschutz . . . . . . . . ISO
III. Das Gegensprechen mit dem Klopferapparat IS3
IV. Das Gegensprechen mit dem Hughesapparat IS4
Der Hughesapparat. Differentialschaltung. Brückenschaltung.
V. Das Gegensprechen mit dem Telegraphen von Wheatstone. 187
VI. Das Gegensprechen mit dem Telegraphen von Siemens & Halske 190
VII. Das Gegensprechen mit dem Telegraphen von Baudot 193
VIII. Die Übertragung . . . . . . 195
IX. Das Doppel-Gegensprechen . 200
Anhang.
[1). Die Stromverhältnisse bei der Differentialschaltung 203
[2]. Die Wheatstollesche Brücke. . . . . . . . . 205
[3). Die Strom verhältnisse bei der Brückenschaltung 20S
[4]. Die Kapazität des ebenen Kondensators . . . . 208
[5]. Die Ladung und Entladung eines Kondensators. 209
[S). Die Kapazität von Telegraphenleitungen . . . . 209
[7]. Der Stromverlauf in Telegraphenleitungen . . . 210
[8]. Gleichstrommessungen an Telegraphenleitungen . 216
[9]. Der Stromverlauf im Kreise mit Widerstand und Selbstinduktivität 217
[10). Der Telegraph VOll Rowland . 218
[11]. Der Telegraph von Murray . . . . . . 222
Alphabetisches Namen- und Sachregister 226
Einleitung.
Die verschiedenen 1\rten von Mehrfach-Telegraphen.
Zum Betrieb einer Telegraphenleitung ist im allgemeinen bei dem geben
den Amt eine Stromquelle und bei dem nehmenden Amt ein Empfangs
apparat erforderlich. Die Stromquelle wird mit einem geeigneten Geber an
die Leitung gelegt. Ist nur ein mit Menschenhand zu bedienender Geber
vorhanden, so kann das Telegramm vielfach nicht so schnell übermittelt
werden, wie es die elektrischen Eigenschaften der Leitung und die elektrischen
und mechanischen Eigenschaften des Empfängers gestatten. Um die Leitung
besser auszunutzen, als es beim Arbeiten eines einzelnen Beamten möglich
ist, sind mit gutem Erfolge zwei Arten von besonderen Telegraphen her
gestellt worden, die als Mehrfach-Telegraphen und Maschinen-Telegraphen 1)
bezeichnet werden.
Bei der zweiten Gruppe dieser Apparate sendet eine Maschine anstelle
der menschlichen Hand die Telegraphierströme in schneller Folge in die
Leitung; der Empfänger zeichnet die ankommenden Ströme sogleich auf.
Mehrere Beamte können gleichzeitig Streifen vorbereiten, die nacheinander
mit großer Geschwindigkeit den Sender durchlaufen und hierbei die Strom
stöße in die Leitung schicken. Das Kennzeichen der Maschinen-Telegraphen
ist also, daß die Apparate, mit denen die Beamten die Telegramme zum Senden
vorbereiten, nicht unmittelbar mit der Leitung verbunden sind.
Abweichend hiervon senden bei den Mehrfach -Telegraphen die von den
Beamten bedienten Geber die Ströme unmittelbar in die Leitung. Im all
gemeinen lassen sich folgende vier Gruppen von Mehrfach-Telegraphen unter
scheiden:
1. Apparate, bei denen die Geber und Empfänger in bestimmten Zeit-
abständen und nacheinander mit der Leitung verbunden werden;
2. Apparate, mit denen gleichzeitig von beiden Endämtern der Leitung
aus gearbeitet wird;
3. Apparate, bei denen einerseits die verschiedene Richtung und ander
seits die verschiedene Stärke von Strömen benutzt wird;
4. Apparate, mit denen gleichzeitig Gleich- und Wechselstrom oder
Wechselströme verschiedener Periodenzahl durch die Leitung gesandt werden.
Von den Apparaten der ersten Gruppe, die absatzweise arbeiten, wird
bisher allein der Telegraph von Baudot im Betrieb Jl.usgedehnt verwendet.
1) Vgl. A. Kraatz, Maschinen-Telegraphen. Verlag von Friedr. Vieweg & Sohn
in Braunschweig 1906.
Kr a atz, Mehrfach -Telegraphen. 1