Table Of ContentMädchen in Erziehungseinrichtungen:
Erziehung zur Unauffälligkeit
Alltag und Biografie von Mädchen
Band 10
Herausgegeben von der
Sachverständigenkommission Sechster Jugendbericht
Helga Krüger, Gerhild Frasch, Elfriede Bode,
Dieter Baacke, Renata v. Ungern, Gabriele Naundorf.
Redaktion: Winfried Krüger, Carola Möller, Marianne Weg
Fortbildungsinstitut für die Gisela Netzeband /
pädagogische Praxis (F.I.P.P.): Ursula Wiegmann /
Christa Preissing / Ursula Zingeler
Edeltraut Best
Mädchen in
Erziehungseinrichtungen:
Erziehung zur
Unauffälligkeit
Leske Verlag + Budrich GmbH, Opladen 1985
CIP -Kurztitelaufnahme der.Deutschen Bibliothek
Alltag und Biografie von Mädchen I hrsg. von d.
Sachverständigenkomm. Sechster Jugendbericht.
Helga Krüger. .. - Opladen : Leske und Budrich
NE: Krüger, Helga (Hrsg.); Sachverständigen
kommission Sechster Jugendbericht
Bd. 10. Mädchen in Erziehungseinrichtungen:
Erziehung zur Unauffälligkeit. - 1985
Mädchen in Erziehungseinrichtungen: Erziehung
zur Unauffälligkeit I Christa Preissing ... -
Opladen: Leske und Budrich, 1985.
(Alltag und Biografie von Mädchen; Bd. 10)
ISBN 978-3-8100-0477-2 ISBN 978-3-322-92607-4 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-322-92607-4
NE: Preissing, Christa (Mitverf.)
Vorbemerkung der Sachverständigenkommission
Alltag und Biografie von Mädchen sind vielfältig und reichhaltig an gesell
schaftlichen Erfahrungen und Widersprüchen; nur ist viel zu wenig davon be
kannt. Die vorliegende Reihe veranschaulicht diesen Alltag, liefert Daten, ana
lysiert den gesellschaftlichen Kontext und macht hierüber die Besonderheit
weiblicher Existenz deutlich. Sie stellt den Lebenszusammenhang von Mädchen
in den Mittelpunkt, um von hier aus eine angemessene Sichtweise der Probleme
und neue Perspektiven für Mädchen und Frauen zu entwickeln.
In Forschung und wissenschaftlicher Literatur über Kinder- und Jugendfra
gen kommen Mädchen wenig vor, da durchweg ohne Unterscheidung über die
Lebenskonzepte, die Berufsorientierung, Ausbildungs-, Schul-oder Freizeitpro
bleme, Familiensituation und Konfliktlagen "der Jugendlichen" oder der "Kin
der" nachgedacht wird. Schon bei erstem Hinsehen zeigt sich: Es wird prak
tisch nur von Jungen berichtet - Mädchen erscheinen subsumiert bzw. allen
falls als eine (defizitäre) Untergruppe des "Normalfalls" der männlichen J ugend
lichen. So bleiben die durch die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in der Ge
sellschaft bedingten Merkmale ihrer Lebenssituation unsichtbar: die Interessen
und Denkweisen von Mädchen, ihre Stärken und die ihnen zugemuteten Be
nachteiligungen, ihre Probleme sind kein Thema. Es geht um "Schiller", "Ar
beiterjugendliche", "die Alternativszene" - aber nicht um Schillerinnen, Arbei
termädchen, Mädchen in Alternativbewegungen ....
Das Spektrum dieser Reihe umfaßt unter anderem: die Sichtweise des
"weiblichen Sozialcharakters" in den Sozialisationstheorien; Mutter/Tochter
und Vater/Tochter-Beziehungen in der Familie, den Sexismus in der Schule, im
Kindergarten, in der Beratungspraxis und in Heimen, die Weiblichkeitsbilder in
den Medien; Untersuchungen zur Lebenssituation von Mädchen ohne Ausbil
dung, von behinderten Mädchen und Mädchen auf dem Lande; sexuelle Gewalt
gegen Mädchen ist ebenso Thema wie die Diskriminierung von Mädchen im gel
tenden Recht; Alternativen der Mädchenarbeit werden aufgezeigt sowie theore
tische und praktische Ansätze einer kulturpolitischen Bildung für Mädchen und
Frauen.
Die Arbeiten sind als Expertisen zum 6. Jugendbericht entstanden, der das
Thema "Verbesserung der Chancengleichheit von Mädchen" zum Gegenstand
hat. Ihre Veröffentlichung in dieser Reihe wurde finanziell vom Bundesmini-
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sterium für Jugend, Familie und Gesundheit gefördert. Die Expertisen waren
eine der Grundlagen für die Sachverständigenkommission, die zu Beginn ihrer
Arbeit die erheblichen Informations- und Forschungslücken auf allen Gebieten
feststellen mußte. Um sie zu schließen, wurden Wissenschaftler/innen und Prak
tiker/innen mit den oben genannten Themen beauftragt.
Institutionalisierte Erziehungsberatung außerhalb der pädagogischen Einrich
tungen wie Kindergarten und Schule werden zunehmend in Anspruch genom
men, allerdings ist festzustellen, daß es ein geschlechtsspezifisches Beratungs
wissen kaum gibt. In der Literatur und auch in den Beobachtungsmaterialien
wird durchgängig von "Kindern" und "jugendlichen" gesprochen, nicht von
Mädchen oder jungen. Diese Wissens- und Erfahrungslücken versuchen die Au
torinnen ein Stück zu füllen. Die Mitarbeiter/innen des Fortbildungsinstituts
für die pädagogische Praxis in Berlin befassen sich speziell mit dem nicht-bewuß
ten Erziehungsverhalten von Erzieherinnen. Netzeband, Wiegmann und Zin
geIer berichten ausführlich über die historische Entwicklung der Erziehungsbe
ratungsstellen, über ihre Rahmenbedingungen und ihre Klientenstruktur. Es
werden die gängigen Beratungs-und Behandlungsmethoden dargestellt und dar
aufhin überprüft, ob die spezifische Lebenslage von Mädchen Berücksichtigung
fmdet. In beiden Studien müssen die Autorinnen feststellen, daß die derzeit
üblichen Regeln, Aufgabenstellungen und Abgrenzungen sowie die angewand
ten Methoden der Individualisierung und Familiarisierung die Mädchen zu Be
nachteiligten in diesen Beratungseinrichtungen machen. Es werden dringend
notwendige konkrete Änderungsvorschläge gemacht.
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Inhaltsübersicht
Vorbemerkungen der Sachverständigenkommission .................. 5
Fortbildungsinstitut für die pädagogische Praxis (F.I.P.P')*
Teilt: Erziehung zur Unauffälligkeit ...................... 9
1. Vorbemerkungen . ................................... 13
11. Zum Selbstbild der Erzieherinnen . ........................ 17
III. Stand der wissenschaftlichen Forschung/Forschungsergebnisse . ..... 23
IV. Verhalten von Erzieherinnen . ........................... 46
V. Konsequenzen ..................................... 63
Gisela Netzeband/Ursula Wiegmann/Ursula Zingeler
Teil 2: Mädchen in der Erziehungsberatung . ................ 75
1. Lebenslage: Mädchen . ................................ 77
II. Institutionalisierte Erziehungsberatung ..................... 94
II1. Zur Situation von Mädchen in der Erziehungsberatung . ......... 108
IV. Fachlich-methodische Determinanten von Erziehungsberatung . .... 120
V. Ausblick .................................... .... 132
* Edeltraud Best, Gern Harms, Marianne Kokigei, Gerhard Matenaar,
Christa Preissing, Roger Prott, Adolf Richtermeier, Evelyn Selinger.
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Erziehung zur Unauffälligkeit
Die Bedeutung nicht bewußter verhaltensweisen und Einstellungen
von Erzieherinnen für die Entwicklung der geschlechtlichen Identi
tät von Mädchen
Müller, Müller, mahl er!
Die Jungen kosten 'nen Taler,
die Mädchen kosten 'nen Taubendreck,
die schubst man mit den Beinen weg.
Müller, Müller, mahl er!
Die Mädchen kriegen 'nen Taler,
die Jungen kriegen 'nen Reiterpferd,
das ist wohl tausend Taler wert.
(Deutsches Kinderlied des 19. Jahrhunderts)
Inhalt
Wir über uns. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ........... 11
1. Vorbemerkungen ..................................... 13
11. Zum Selbstbildnis der Erzieherinnen . ....................... 17
1. Herkunft, Ausbildung und Berufsmotivation von Erzieherinnen ...... 17
1.1 Herkunft .......................................... 17
1.2 Ausbildung ......................................... 18
1.3 Berufsmotivation. .................................... 18
2. Bildungspolitische Einflüsse ............................. 20
3. Frauenbewegung .................................... 21
111. Stand der wissenschaftlichen Forschung/Forschungsergebnisse . ...... 23
1. Mädchen von 0 bis 3 Jahren. ............................. 24
2. Mädchen von 3 bis 6 Jahren. ............................. 27
2.1 Rollenspiel ......................................... 29
2.2 Funktions-und Regelspiele .............................. 30
2.3 Konstruktionsspiele ................................... 31
2.4 Spielmaterial ....................................... 33
2.5 Verhalten in der Gruppe ................................ 34
2.6 Kinderzeichnungen ................................... 37
2.7 Sexualität ......................................... 41
2.8 Zusammenfassung .................................... 43
IV. Verhalten von Erzieherinnen ............................. 46
1. Zur Vorgehensweise: Begründung und Voraussetzungen ........... 46
2. Fragestellungen ...................................... 47
3. Vorläufige Thesen .................................... 48
4. Spontane Äußerungen von Erzieherinnen: Mädchen sind zickig
und hysterisch ...................................... 49
5. Von Erzieherinnen beobachtete mädchen-bzw. jungenspezifische
Verhaltensweisen/Tätigkeiten und ihre Bewertung ............... 50
6. Auswirkung der Wahrnehmungs-und Bewertungsmuster der Er
zieherinnen auf Mädchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .... 55
7. Zusammenfassung der Ergebnisse aus den Gruppendiskussionen mit
männlichen Erziehern .................................. 60
8. Mögliche Ursachen für das Verhalten der Erzieherinnen ........... 61
V. Konsequenzen ...................................... 63
VI. Arbeitsmaterialien für Erzieherinnen . ....................... 67
1. Curriculare Materialien ................................. 67
2. Kinderbücher ....................................... 69
Literaturverzeichnis ...................................... 73
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Wir über uns
Im FIPP (Fortbildungsinstitut für die pädagogische Praxis) arbeiten 8 Sozial
wissenschaftler/innen, Sozialpädagoglinn/en. Wir haben uns zum Ziel gesetzt,
die Arbeit in den Kindertagesstätten und im außerschulischen Jugendbereich zu
verbessern und Erzieher/innen in der Durchsetzung ihrer berechtigten Interes
sen zu unterstützen. Dieses Ziel versuchen wir durch unterschiedliche Schwer
punkte umzusetzen:
1. Im Auftrag staatlicher und freier Träger führen wir in Berlin (hier insbes. in
Zusammenarbeit mit dem Haus am Rupenhorn) und in der Bundesrepublik
Fortbildungsseminare durch. In diesen Veranstaltungen können die Teilneh
mer/innen durch Erfahrungsaustausch voneinander lernen, eingeschliffene
Verhaltensweisen und Meinungen hinterfragen und konkrete Handlungs
schritte entwickeln, die die praktische Arbeit verbessern.
2. Durch Beratung einzelner Einrichtungen oder themenspezifischer Arbeits
gruppen entwickeln wir gemeinsam mit Erzieher/inne/n Projekte für die Ar
beit mit Kindern. Darüberhinaus unterstützen wir Erzieher/innen in der Aus
einandersetzung mit pädagogischen, arbeitsrechtlichen und organisatoris
sehen Fragen.
3. Wir initüeren und begleiten Selbsthilfegruppen im sozialen und pädagogi
schen Bereich.
4. Wir verfassen Arbeitsmaterialien für Erzieher/innen, die wir zum Selbstko
stenpreis vertreiben. Unsere Vertriebsbroschfue kann kostenlos bei uns ange
fordert werden.
In diesen schriftlichen Materialien halten wir Erfahrungen fest, z. B. im Um
gang mit sog. verhaltenauffälligen Kindern, geben Hinweise über Möglichkei
ten von Elternarbeit, beantworten Rechtsfragen, zeigen Lösungsansätze von
Kooperationsproblemen auf und dokumentieren Aktivitäten in Kindergrup
pen.
Unsere Angebote richten sich nach den Anforderungen von Trägern, Erzie
her/inne/n oder Kindern. Wir haben Interesse, mit Trägern und Institutionen
der öffentlichen Erziehung zusammenzuarbeiten. Kooperationsbereiche kön
nen sein:
Planung und Durchführung von Seminaren, Teamfortbildungen und Tagun
gen;
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