Table Of ContentW. Golder· Leitsymptome in der Rontgendiagnostik
Meiner lieben Frau zum Dank
Werner Golder
Leitsymptome
in der Rontgendiagnostik
Mit 42 Abbildungen
J. F. Bergmann Verlag Miinchen 1984
Dr. med. Werner Golder
Institut fUr Rontgendiagnostik
der Technischen Universitiit Miinchen
Klinikum rechts der Isar
Ismaninger Str. 22
8000 Miinchen 80
ISBN-13 :978-3-8070-0344-3 e-ISBN-13: 978-3-642-80511-0
DOl: 10.1007/978-3-642-80511-0
CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek:
Golder, Werner: Leitsymptome in der RontgendiagnostikjWerner Golder. -
Miinchen: Bergmann; New York; Heidelberg; Berlin; Tokyo: Springer, 1984.
ISBN -13: 978-3-8070-0344-3
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2382/3321-54321 0
Vorwort
Dieses Buch will Grundkenntnisse der konventionellen Radiologie und
Computertomographie vermitte1n. Es will zum richtigen radiologischen Se
hen anleiten und zeigen, wie eine Rontgendiagnose zustande kommt. Der
Text bietet ausschlieBlich radiologische Informationen; die klinischen
Aspekte der durch Rontgenstrahlen nachweisbaren Erkrankungen werden
nicht erortert. Dadurch kristallisiert sich der Wert des Rontgenbildes fUr die
medizinische Diagnostik klar heraus.
Bei der Textgestaltung wurden gewisse Lucken bewuBt in Kauf genom
men. Zum einen wird fast ausschlieBlich die Rontgendiagnostik Erwachse
ner besprochen; die Kinderradiologie ist nur an wenigen Stellen (z. B. bei der
Darstellung der MiBbildungen des Herzens) berucksichtigt. Zum anderen
werden einige wenige Organe (z. B. die des miinnlichen und weiblichen Geni
taltrakts) nicht systematisch behande1t. Zum dritten sucht der Leser vergeb
lich nach der Darstellung sonographischer und nuklearmedizinischer Be
funde; sie hiitte den eingangs gezogenen Rahmen des Buches gesprengt.
Thermo- und Kymographie sind wegen ihrer untergeordneten praktischen
Bedeutung ausgeklammert. Die mit der Kemspintomographie bisher ge
sammelten Erfahrungen reichen fiir eine Systematik typischer krankhafter
Befunde noch nicht aus. DafUr sind Angiographie und Computertomogra
phie konsequent einbezogen worden.
Die sieben Kapitel des Buches sind einheitlich in je drei Abschnitte
gegliedert. 1m ersten Teil findet der Leser eine knappe Beschreibung der
Untersuchungsmethoden. Dabei werden auch Indikationen, technische De
tails und Probleme der Auswertung genannt. Diese Hinweise sollen dem
Kliniker bei der Auswahl der Untersuchungen und beim vorbereitenden
Gespriich mit dem Kranken helfen. Der zweite Teil fiihrt in die systemati
sche Bildanalyse ein. Auf die Darstellung der normalen Rontgenanatomie
folgen dabei die Beschreibung hiiufiger bzw. typischer Liisionen und deren
differentialdiagnostische Deutung. Die radiologische Symptomatologie,
die auf der Basis der im Rontgenbild faBbaren Helligkeits- und Dichte
unterschiede entwickelt wird, liefert den Schlussel zum Verstiindnis der
Leitsymptome, die im dritten und letzten Teil jedes Kapitels behandelt
werden.
Der Text soIl seine Brauchbarkeit bei der Arbeit am Schaukasten bewei
sen und verbalisiert die krankhaften Befunde deshalb so exakt wie moglich.
Die Schemazeichnungen sollen dem rascheren Verstiindnis schwieriger
Sachverhalte dienen.
VI Vorwort
Das Buch wendet sich in erster Linie an die Kollegen aus den klinischen
Disziplinen, die Tag fur Tag mit R6ntgenbildern konfrontiert werden, und
an Studenten in klinischen Semestern bzw. im praktischen Jahr. Dem Fach
kollegen liefert der Text vielleicht ab und zu Stichworte fUr den deskriptiven
Teil seiner Befunde.
lch danke meinem Chef, Herrn Professor Dr. H. Anacker, an dessen
lnstitut ich eine grundliche Ausbildung in der R6ntgendiagnostik erhalten
habe, Herrn Professor Dr. H.-J. Clemens vom Bergmann Verlag, der die
Entstehung des Buches geduldig begleitet hat, meiner Frau, Dr. T. Golder,
die entscheidende Vorarbeit geleistet hat und den Lesern, die sich die Muhe
machen, auf Fehler hinzuweisen und Anregungen zu geben.
Munchen, im Herbst 1984 W.G.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort. . . . . . . . . . . . . . . . . . V
1. Radiologische Diagnostik der Thoraxorgane 1
1.1 Methoden . . . . . . . . . . . . . . . 2
1.2 Erhebung und Deutung krankhafter Befunde 10
1.3 Leitsymptome wichtiger Erkrankungen. . . 43
2. Radiologische Diagnostik des Gefii6systems 78
2.1 Methoden . . . . . . . . . . . . . . . 78
2.2 Erhebung und Deutung krankhafter Befunde 87
2.3 Leitsymptome wichtiger Erkrankungen. . . 95
3. Radiologische Diagnostik der Verdauungsorgane und der MHz 103
3.1 Methoden . . . . . . . . . . . . . . . 103
3.2 Erhebung und Deutung krankhafter Befunde . . . . 110
3.3 Leitsymptome wichtiger Erkrankungen. . . . . . . 126
4. Radiologische Diagnostik der Nieren, Nebennieren und
ableitenden Harnwege . . . . . . . . . . 149
4.1 Methoden . . . . . . . . . . . . . . . 149
4.2 Erhebung und Deutung krankhafter Befunde 156
4.3 Leitsymptome wichtiger Erkrankungen. . . 165
5. Radiologische Diagnostik des Zentralnervensystems 185
5.1 Methoden . . . . . . . . . . . . . . . 185
5.2 Erhebung und Deutung krankhafter Befunde . . . 191
5.3 Leitsymptome wichtiger Erkrankungen. . . . . . 197
6. Radiologische Diagnostik der Knochen und Gelenke 223
6.1 Methoden . . . . . . . . . . . . . . . 224
6.2 Erhebung und Deutung krankhafter Befunde 230
6.3 Leitsymptome wichtiger Erkrankungen . 256
7. Radiologische Diagnostik der Brustdriise . . 304
7.1 Methoden . . . . . . . . . . . . . . . 304
7.2 Erhebung und Deutung krankhafter Befunde 306
7.3 Leitsymptome wichtiger Erkrankungen . 308
Literatur 311
Register . 317
1. Radiologische Diagnostik
der Thoraxorgane
1.1 Methoden .............. 2 1.2.3.3 Typische krankhafte
1.1.1 Das dorsoventrale Uber- Befunde im Broncho-
sichtsbild ............... 2 gramm ................. 41
1.1.2 Die sog. Bettaufnahme ... 2 1.2.3.4 Typische krankhafte Be-
1.1.3 Seit- und Schragauf- funde im Computer-
nahmen ............... 3 tomogramm 41
1.1.4 Thoraxdurchleuchtung ... 3 1.2.3.5 Typische krankhafte
1.1.5 Konventionelle Tomo- Befunde im Angiogramm . 42
graphie ................ 5
1.1.6 Bronchographie ......... 6 1.3 Leitsymptome wichtiger
1.1.7 Angiographie ........... 7 Erkrankungen ........... 43
1.1.8 Computertomographie ... 9 1.3.1 Mediastinum ............ 43
1.3.1.1 Mediastinitis ............ 43
1.2 Erhebung und Deutung 1.3.1.2 Tumoren ............... 43
krankhafter Befunde ..... 10 1.3.1.3 Verletzungsfolgen ........ 47
1.2.1 Mediastinum, Hili und 1.3.2 Herz und herznahe
Zwerchfell .............. 10 GefiiBe ................. 47
1.2.1.1 Typische krankhafte 1.3.2.1 Herzinsuffizienz ......... 47
Befunde im konventio- 1.3.2.2 Cor pulmonale .......... 48
nellen Rontgenbild ...... 10 1.3.2.3 MiBbildungen ........... 49
1.2.1.2 Typische krankhafte 1.3.2.4 Klappenfehler ........... 51
Befunde im Media- 1.3.2.5 Koronare Herz-
stinalphlebogramm ...... 14 erkrankung ............. 55
1.2.1.3 Typische krankhafte 1.3.2.6 Kardiomyopathie ........ 55
Befunde im Computer- 1.3.2.7 Erkrankungen des Peri-
tomogramm ............ 15 kards .................. 56
1.2.2 Herz und herznahe GefiiBe 16 1.3.2.8 Aneurysma der Brustaorta 57
1.2.2.1 Typische krankhafte 1.3.2.9 Das operierte Herz ...... 58
Befunde im konventio- 1.3.3 Lungen und Pleura ...... 59
nellen Rontgenbild ...... 16 1.3.3.1 Anomalien, MiBbildungen 59
1.2.2.2 Typische krankhafte Be- 1.3.3.2 Entziindungen .......... 60
funde im Angiogramm ... 21 1.3.3.3 Bronchiektasen .......... 63
1.2.2.3 Typische krankhafte 1.3.3.4 Emphysem ............. 64
Befunde im Computer- 1.3.3.5 Tuberkulose ............ 65
tomogramm ............ 24 1.3.3.6 Sarkoidose ............. 68
1.2.3 Lungen und Pleura ...... 24 1.3.3.7 Tumoren ............... 69
1.2.3.1 Typische krankhafte 1.3.3.8 Pneumokoniosen ........ 72
Befunde im konventio- 1.3.3.9 Immunerkrankungen ..... 73
nellen Rontgenbild ...... 24 1.3.3.10 Lungenembolie .......... 74
1.2.3.2 Typische krankhafte 1.3.3.11 Lungenodem ............ 75
Befunde im konventio- 1.3.3.12 Verletzungsfolgen ........ 76
nellen Tomogramm ...... 40 1.3.3.13 Die operierte Lunge ..... 76
1.1 Methoden
1.1.1 Das dorsoventrale Ubersichtsbild
Das dorsoventrale Thorax-Ubersichtsbild (auch Herzfemaufnahme oder
kurz Thorax p.a. genannt) wird am stehenden Patienten im inspiratorischen
Atemstillstand aufgenommen. Die vordere Thoraxwand liegt dem Stativ an,
die Schultem werden nach yom und oben gezogen. Bei einem Film-Fokus
Abstand von zwei Metem werden Herz und GefaBe in annahemd richtiger
GroBe abgebildet. Die Verwendung harter Strahlung (100-150 kV) erlaubt
kurze Belichtungszeiten und reduziert so die Bewegungsunscharfe. Zugleich
wird der Kontrast zwischen Knochen und Weichteilen stark herabgesetzt.
Die Rippenschatten beeintrachtigen die Beurteilung der knocheniiberlager
ten Lungenareale kaum, Trachea, Hauptbronchien und retrokardial gele
gene Prozesse werden sichtbar. Der Kontrast zwischen Luft und Weichteilen
wird dagegen nur wenig geschwacht. Auf einer technisch einwandfreien
Thorax-Ubersichtsaufnahme sind aIle Strukturen scharf abgebildet, die
Filmrander tiefschwarz, die Intervertebralraume des oberen Drittels der
BWS sowie die Trachea gut, die retrokardial ge1egenen Abschnitte der Rip
pen dagegen nicht abzugrenzen.
Aufnahmen in Exspiration sind ge1egentlich bei der Suche nach einem
kleinen Pneumothorax indiziert.
Aufnahmen in Lordose-Stellung des Patienten stellen die .Lungenspitzen
iiberlagerungsfrei dar.
Die Schirmbildtechnik ermoglicht groBe Aufnahmeserien im Rahmen
von Reihen-und Umgebungsuntersuchungen. Das Durchleuchtungsbild ei
nes Fluoreszenzschirms wird dabei mit einer lichtstarken Optik (Odelca
Kamera) photographiert und auf Spezialfi1m verkleinert dokumentiert. Be
friedigende Bildqualitat wird mit einer im Vergleich zur GroBaufnahme
5-lOfach hoheren Strahlendosis erkauft.
1.1.2 Die sog. Bettaufnahme
Nicht steh- und gehfahige Kranke miissen im Liegen oder Sitzen gerontgt
werden. Die sog. Bettaufnahmen stehen den Standardbildem qualitativ stets
nacho Belichtungszeiten von durchschnittlich 0,1 sec verringem die Zeich
nungsscharfe, Fokus-Film-Abstande von iiblicherweise 1 Meter fiihren zur
geometrischen VergroBerung der Thoraxorgane urn ca. 20 %. Die GroBe des
im Liegen zudem starker querge1agerten Herzschattens darf deshalb nur mit
ZUrUckhaltung beurteilt werden. Die gleichen Einschrankungen gelten fiir
Aussagen iiber das Mediastinum. Die Verbreiterung des Mediastinalschat
tens sollte nur dann als sicher pathologisch gewertet werden und weiterfiih
rende Untersuchungen veranlassen, wenn sie ausgepragt und/oder bei eng-
1.1 Methoden 3
masehiger Verlaufskontrolle progredient ist und Vorgesehiehte und Klinik
auf eine Lasion von Mittelfellorganen, z. B. ein Aortenaneurysma hinwei
sen. Die Beurteilbarkeit der basalen Lungenabsehnitte ist dureh die hoehste
henden Zwerehfelle, die der Oberfe1der dureh die iiberlagernden Sehulter
blatter eingesehrankt. Siehere Aussagen sind im allgemeinen mi:iglieh iiber
• Ausdehnung der Lungen
• Luftansammlung in Mediastinum und Thoraxweiehteilen
• Infiltrationen
• Ergiisse
• Position von Tuben und Kathetern
1.1.3 Seit- und Schragaufnahmen
Seit-und Sehragaufnahmen des Thorax sind zur besseren raumliehen Orien
tierung und Lokalisation pathologiseher Prozesse geeignet. Manehmal stellt
sieh ein krankhafter Befund nur in diesen Projektionen dar. Die erkrankte
Seite soll dem Stativ anliegen; routinemaBig wird die links-anliegende Seit
aufnahme angefertigt. Vor allem im Rahmen der kardiologisehen Diagno
stik wird der Osophagus mit Bariumsulfat kontrastiert ("Breisehluek"). Das
seitliehe Osophagogramm ist indiziert bei Verdaeht auf
• Vergri:iBerung des linken V orhofs
• Verlaufsanomalien der Aorta und ihrer groBen Aste
• raumfordernde Prozesse im hinteren Mediastinum
Bei Aufnahmen im 1. sehragen Durehmesser (RAO, "right-anterior obli
que") befindet sieh die reehte Schulter filmnah (Feehterstellung), bei Auf
nahmen im 2. sehragen Durehmesser (LAO, "left-anterior oblique") die
linke (Boxerstellung). 1m 1. sehragen Durehmesser ki:innen linker Vorhof
und reehter Ventrikel, im 2. sehragen Durehmesser linker Ventrikel, reehter
Vorhof und reehter Ventrikel besonders gut beurteilt werden.
1.1.4 Thoraxdurchleuchtung
Die Thoraxdurehleuehtung (mit Bildverstarker-Femseh-Teehnik) dient als
Erganzung zu den Ubersiehtsaufnahmen. Durehleuehtungsgezielte Detail
aufnahmen steigern im Einzelfall den Wert der Untersuehung. Um die
Strahlenbelastung fUr den Patienten auf ein MindestmaB zu senken, soIl
man so kurz wie mi:iglieh und mit mi:igliehst kleiner Blende durehleuehten.
Die Durehleuehtung dient dem AussehluB bzw. Nachweis und ggf. der
raumliehen Zuordnung von Befunden, die auf den Ubersiehtsaufnahmen
erhoben, aber nicht zweifelsfrei charakterisiert werden konnen, und ermog
lieht die Bewegungsanalyse der Thoraxorgane.