Table Of ContentTimo Stickler
Korinth und seine Kolonien
KLIO
Beitráge zur Alten Geschichte
Beihefte
Neue Folge Band 15
Unter Mitarbeit von
Manfred Clauss und
Hans-Joachim Gehrke
herausgegeben von
Hartwin Brandt und
Martin Jehne
Timo Stickler
Korinth und seine Kolonien
Die Stadt am Isthmus
im Mächtegefüge des klassischen Griechenland
Akademie Verlag
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen
Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
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ISBN 978-3-05-004666-2
ISSN 1438-7689
© Akademie Verlag GmbH, Berlin 2010
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Einbandgestaltung: Jochen Baltzer, Berlin
Druck und Bindung: Druckhaus ,, Thomas Müntzer", Bad Langensalza
Printed in the Federal Republic of Germany
Inhaltsverzeichnis
MOSZ0 LR 8
Ausgangspunkt und Fragestellung .................... esseneene tnnn m 10
TI. Korinth im Jahre 464 v. Chr. ..........uesesoessernusenesnensennsennsunonnenensnnensnssnensnssnenseennnsnannensnnnannnen 24
Korinth, eine ‚geschichtslose‘ Stadt? .................. sesenta 24
Die korinthische Verfassung nach dem Sturz der Kypseliden ................. nenne 25
Pindars Dreizehnte Olympische Ode zu Ehren des Korinthers Xenophon.............................. 35
Probleme einer historischen Interpretation von Pindars Oden ...................... sss 39
Xenophon Thessalos’ Sohn und das Geschlecht der Oligaithiden ..................... een 43
Die Grundlagen der Wohlfahrt Korinths nach Pindar ........................... sess 50
Welchen Eindruck hat Pindar 464 v. Chr. von Korinth gewonnen‘... 57
Ergebnis: Korinth am Vorabend des sog. Ersten Peloponnesischen Krieges .......................... 63
IV. Die Ausgangsbedingungen für eine Erforschung der korinthischen Außenpolitik
während der Pentekontattie........nueessssesrsesuennsonnansenenernnnnassanunnensnnnsenessrsesnneentoransnassennansenan 67
Das Zeugnis der literarischen Quellen .................... eese eere eene nnenea 67
n
r
Zeugnisse korinthischer Außenpolitik bis zum Xerxeszug ................... sese 72
9
Korinther und Athener bei Herodot: Vorverweise auf die Konflikte der Pentekontaétie? ......83
Ξ Der Rahmen korinthischer Außenpolitik nach dem Xerxeszug ........................ sss 100
Ἐ
Zeugnisse korinthischer Außenpolitik nach dem Xerxeszug ....................... sess 115
Hinweise auf korinthische Interessen in Nordwestgriechenland und im
Korinthischen Golf nach 480/79 v. Chr. ................. s esseeseseeeeseteateit ernennne s 115
Hinweise für ein offensives Vorgehen Korinths gegen seine Nachbarn
auf der Peloponnes und auf dem Isthmus nach 480/79 v. Chr. ................. sess 159
Inhaltsverzeichnis
VI. Der Verlauf der Pentekontaétie unter besonderer Berücksichtigung
der korinthischen Perspektive .................... essernnnee en ne 178
Die Ausgangslage nach dem Xerxeszug 480/79 v. Chr. ............ eese 178
Die Erschütterung der lakedaimonischen Hegemonie auf der Peloponnes
in den 470/60er Jahren v. Chr. .......essscesenorsssseonsnnsunsnenunenennnnssennsnnonennanennsnnsnessenoranansanenne 182
Die Politik der Korinther bis zum Kriegsausbruch 461/60 v. Chr.................... esses 187
Der Seitenwechsel Megaras 461/60 v. Chr. und die Folgen................ nenn: 194
Die Rolle Spartas im korinthisch-athenischen Krieg der 450er Jahre v. Chr. ....................... 199
Der Durchbruch zum sog. Dreißigjährigen Frieden 446/45 v. Chr. .......... nennen: 209
Die Bilanz der Kämpfe aus korinthischer Sicht ........................ esses 214
Bis zur Eskalation des korinthisch-athenischen Verhältnisses 433 v. Chr. ........................... 218
Korinth und seine Bundesgenossen bei Anbruch des Peloponnesischen Krieges —
ein ,Kolonialreich 2... iiie esee tns tate nnat dte sensa tiae aae ens asa siena se atis t nnd sen Pi das 225
Der Konflikt zwischen Korinth und Kerkyra um Epidamnos 435/33 v. Chr. ....................... 226
Das Ringen der Korinther und Athener um Poteidaia 433/32 v. Chr. ............ sess 236
Hegemonialbestrebungen der Korinther gegenüber ihren Kolonien
im Lichte der Außerungen des Thukydides..............s.e..s.e.. .e..e..s..e.. 248
Die Hegemonie der Korinther: ein ,Kolonialreich?? ....................... esse 265
Ergebnis: Die Eigenart der korinthischen Hegemonie im fünften Jahrhundert v. Chr. ......... 293
Der Verlauf des Peloponnesischen Krieges unter besonderer Berücksichtigung der
korinthischen Perspektive ......eenesssesossssennesnensnnnenennsunnassennennnonaennnenennannenonnnsnnnonnnnreonnneenn 300
Das Problem der Periodisierung des Peloponnesischen Krieges..................... esses 301
Das Scheitern der seegestützten korinthischen Kriegsführung
in Nordwestgriechenland nach 433 v. Chr. |... esseeens nte tnn thats 304
Die seegestützte korinthische Kriegsführung außerhalb Nordwestgriechenlands
während der 420er Jahre v. Chr... esses einen theres tate εεννονενννένενον 314
Die korinthische Kriegsführung zu Lande beiderseits des Isthmus
während des Archidamischen Krieges .................. eseeeet rtae 319
Der Nikiasfrieden im Frühjahr 421 v. Chr. —
keine Verstándigungsgrundlage für die Korinther ................... esses 326
Der Kampf der Korinther gegen den Nikiasfrieden
und das athenisch-lakedaimonische Sonderbündnis................................... sss 334
Auf dem Weg zum Dekeleischen Krieg .................. eseeeene nne 339
Der erneute Ausbruch des offenen Krieges zwischen Korinth und Athen
im Sommer 416 v. Chr. ............cenesasesonnnenesensensonenensnennannnonnnorennnnonunnnenennnennanennennnnsnennsnnens 346
Hinweise auf eigenständige korinthische Aktionen während des Dekeleischen Krieges......356
Ausblick und Zusammenfassung: die Grenzen der korinthischen Machtbildung
in klassischer Zeitenin.t netntn nannte .tnter tenen .teke tete teet t ete nnene seen 363
Inhaltsverzeichnis 7
X. Bibliographie.............. 372
sesta ERErT ee Rareetesossesoseoeooses eossessuesenaee TI “, ΟΣ ΟΣ issus thesn
mts Quellen ....................... ΩΣ rásesesevesasaecqeconee aeeesveootcosave E ΠΩ veersotooes 372
Literatur. ec 374
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Index... 383
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Wortindex................... „383
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Stellenindex................ 390
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I. Vorwort
Ein Buch zu schreiben, das der Auseinandersetzung mit Thukydides beträchtlichen
Raum widmet und vor allem mit dem „Peloponnesischen Krieg“ als Quelle arbeitet, ist
heutzutage ein kühnes Unterfangen. Die Sorge, ob in Bezug auf den Sohn des Oloros
und sein Werk nicht längst alles gedacht, gesagt oder formuliert worden ist, hat auch
mich im Zuge meiner Arbeit immer wieder beschlichen. Die Masse an Sekundärlitera-
tur, der sich der Thukydides-Exeget, aber auch der Erforscher der klassischen Zeit
Griechenlands im allgemeinen gegenübersieht, ist einschüchternd.
Indes, die Aussagen zweier großer Philologen vom Beginn des 20. Jahrhunderts haben
mich immer wieder angespornt, den einmal eingeschlagenen Weg nicht zu verlassen. Da
ist zum einen Kurt von Fritz, der in seinem Werk über die griechische Historiographie
einst geäußert hat, es seien „die gewaltigen Spannungen im Innern des Werkes [...], ohne
deren Erkenntnis ein wirkliches Eindringen in den Geist der thukydideischen Ge-
schichtsschreibung nicht möglich ist.*' Diese Spannungen sind es, die mein Interesse
immer wieder neu geweckt haben; sie freizulegen und ihre Bedeutung für das Werkgan-
ze deutlich zu machen, dazu will dieses Buch einen Beitrag leisten.
Zum zweiten habe ich mich in den letzten Jahren des öfteren an einer Äußerung von
Eduard Schwartz orientieren können. Er hatte einst in seinem Buch „Das Geschichts-
werk des Thukydides“ Kritik an einem Forscherkollegen geübt, indem er ihm vorwarf,
er sei „eben nicht von dem Schriftsteller selbst ausgegangen, sondern von dem, was
über ihn geschrieben ist.“ Ich habe diese angesichts der Fülle von Sekundärliteratur
sich geradezu aufdrängende Vorgehensweise stets zu vermeiden versucht. Mein Buch
ist zuallererst eme Auseinandersetzung mit den Quellen zur korinthischen Geschichte in
klassischer Zeit. Der Dialog mit Thukydides, Pindar usw. ist das Primum, dem sich al-
les andere unterzuordnen hat.
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um die nur geringfügig veründerte Fas-
sung meiner Habilitationsschrift, die im Wintersemester 2008/09 von der Philosophi-
schen Fakultät der Heinrich-Heine-Universitát Düsseldorf angenommen worden ist.
Seither erschienene Literatur habe ich nur noch vereinzelt berücksichtigen kónnen.
! Siehe v. Fritz, Griechische Geschichtsschreibung, Bd. 1, X.
? So Schwartz, Geschichtswerk des Thukydides 15.
I. Vorwort 9
Viele Kollegen, Freunde und Mitarbeiter des Lehrstuhles haben sich um die Entste-
hung des Buches verdient gemacht. Karlheinz Dietz (Würzburg) hat das Thema einst
angeregt und seine Umsetzung in allen Entstehungsphasen mit großem Interesse beglei-
tet. In den Jahren nach 2004 habe ich mein Habilitationsprojekt in Düsseldorf bei Bruno
Bleckmann fortgesetzt; ich durfte zu jeder Zeit mit seiner Unterstützung, seiner Fórde-
rung und seinem Verständnis rechnen, wofür ich ihm herzlich danke.
Bruno Bleckmann, Karlheinz Dietz, Markus Stein (Düsseldorf) und Konrad Vóssing
(Bonn) haben das Manuskript zum Teil oder in seiner Gesamtheit gelesen. Ich habe viel
von ihren Hinweisen und Anregungen profitieren dürfen. Mein Dank gilt auch meinem
Kollegen und Büronachbarn Carsten Binder für die lebhaften Diskussionen, die ich mit
ihm über diverse Einzelprobleme führen konnte und die dazu beigetragen haben, meine
eigene Argumentation zu schärfen und transparenter zu machen.
Im Frühjahr 2005 durfte ich dank eines Forschungsstipendiums aus der Jubiläums-
stiftung der Universität Würzburg eine mehrwóchige Forschungsreise nach Griechen-
land unternehmen, die mich an wichtige Schauplátze der korinthischen Geschichte führ-
te. Von den dort gewonnenen Erkenntnissen hat mein Buch sehr profitiert, und ich
denke gerne und dankbar an diese Zeit zurück. Besonders verbunden bin ich in diesem
Zusammenhang dem Leiter der Ausgrabungen der American School of Classical Stu-
dies in Korinth, Guy D. R. Sanders, und seinem Team, die mich damals freundlich auf-
genommen und bei der Klärung meiner Fragen bereitwillig unterstützt haben. Desglei-
chen gilt mein Dank Kostas Buraselis (Athen), Alastar H. Jackson (Isthmia/Man-
chester), Stephen G. Miller (Nemea/Berkeley) sowie Ulrich Sinn und Elisabeth Vólling
(beide Würzburg).
Die studentischen Hilfskräfte, insbesondere Acelya Bakır, Albert Resch, Annelie
Schmidt, Fabian Strässer, Lina Unterbörsch und Henning Wirtz haben mich bei der Er-
schließung der reichen Sekundärliteratur und beim Korrekturlesen unterstützt. Für letz-
teres danke ich auch meinem Vater Gernot Stickler, der mich aufgrund seiner aufmerk-
samen Lektüre vor dem einen oder anderen Versehen bewahrt hat. Christian Demmler
hat das fertige Manuskript für den Druck vorbereitet und sich der Indizes angenommen.
Allen Genannten bin ich für ihr Engagement sehr dankbar.
Den Herausgebern der Neuen Folge der Klio Beihefte, Hartwin Brandt (Bamberg)
und Martin Jehne (Dresden), danke ich für die Aufnahme des Buches in diese Reihe,
ebenso Manfred Karras und Ullrich Bruchhold (beide Berlin) für die verständnisvolle
und engagierte Betreuung im Namen des Akademie Verlags.
Ich widme das Buch meiner Frau Carolin. Sie hat ja nun schon Erfahrung damit, wie
das ist, wenn wissenschaftliche Werke kurz vor dem Abschluß stehen, und ich danke ihr
dafür, wie tapfer sie es ertragen hat, daß ich ein ums andere Mal das Schreiben in der
„Klause“ einem Spaziergang in der lockenden Frühlingssonne vorzog. Ich hoffe, das
Ergebnis, wie es nun vorliegt, rechtfertigt diese Entbehrung.
Düsseldorf, im Dezember 2009 Timo Stickler
II. Ausgangspunkt und Fragestellung
Als der französische Schriftsteller Gustave Flaubert in den 1850er Jahren daranging, für
seinen Karthago-Roman „Salammbö“ Material zu sammeln, da machte er eine unange-
nehme, ja bittere Erfahrung: „On ne sait rien de Carthage!“, schrieb er damals mißmutig
seinem Freund Ernest Feydeau,' als ihm klar geworden war, daß die Kenntnisse, die zu
seiner Zeit über den Gegenstand seines Romans existierten, überaus gering waren und
zudem zum wenigsten auf authentischen punischen Quellen beruhten, sondern nahezu
ausschließlich auf Zeugnissen der Feinde Karthagos, der Griechen und Römer. Wie
aber sollte auf dieser Basis ein zutreffendes Bild von der Welt Salammbös, der Tochter
des Hamilkar Barkas und Priesterin der Tanit, entstehen? Natürlich konnte Flaubert
noch nicht über die Erkenntnisse der modernen archäologischen Forschung in Tunesien
verfügen; er war vielmehr ganz auf die Auswertung der hellenistischen, republikani-
schen und kaiserzeitlichen Literatur, soweit sie sich mit den Karthagern beschäftigte,
angewiesen. Ansonsten war er gezwungen, sich von seiner schriftstellerischen Phantasie
inspirieren zu lassen. So mancher ‚Fehler‘ in „Salammbö“, etwa die Darstellung des
grausamen Moloch-Opfers, geht auf dieses Dilemma zurück.
Die Erkenntnis, die Flaubert in bezug auf Karthago gewonnen hat, könnte man in
gewissem Sinne auf große Teile der Geschichte Griechenlands in klassischer Zeit über-
tragen. In diesem Fall ist sie sogar noch bestürzender, denn die griechische Klassik ist
doch die Epoche, aus der sich unsere Vorstellungen davon speisen, wie ‚die Griechen‘
waren, durch welche Werte sich ihre Lebenswelt auszeichnete und warum diese Werte
uns móglicherweise heute noch etwas zu sagen haben. Natürlich verfügen wir über ein
hàufig dichtes Quellenmaterial zur Geschichte Athens im fünften und vierten Jahrhun-
dert v. Chr. Die demokratische Verfassung zur Zeit des Perikles ist uns leidlich gut be-
kannt, und einzelne historische Handlungsstránge, etwa die Feldzüge der persischen
Großkönige in Griechenland oder den Peloponnesischen Krieg, können wir dank ver-
gleichsweise zuverlässiger Gewährsmänner wie Herodot und Thukydides detailliert
nachvollziehen. Dem stehen andererseits auch in der athenischen Geschichte Zeiten
gegenüber, die nur sehr unzureichend dokumentiert sind. Ob es sich nun um die forma-
! Der Brief wurde vor dem 24. Okt. 1858 verfaßt; siehe G. Flaubert, (Euvres complétes, Bd. 13: Corres-
pondance 1850—1859, Paris 1974, 642.