Table Of ContentAndreas Klocke
Klaus Hurrelmann Hrsg.
Kinder und
Jugendliche in
Armut
Umfang, Auswirkungen und
Konsequenzen
Andreas Klacke · Klaus Hurrelmann (Hrsg.)
Kinder und Jugendliche in Armut
Andreas Klacke · Klaus Hurrelmann (Hrsg.)
Kinder und Jugendliche
in Armut
Umfang, Auswirkungen und Konsequenzen
Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Die Deutsche Bibliothek-CIP-Einheitsaufnahme
Kinder und Jugendliche in Armut : Umfang, Auswirkungen und
Konsequenzen I Andreas Klocke; Klaus Hurrelmann (Hrsg.).
ISBN 978-3-531-13062-0 ISBN 978-3-663-10472-8 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-663-10472-8
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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1998
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Umschlagbild: Albert Gehlen: Ohne Titel, 1982 (Öl und Lack auf Leinwand, 250 X 200 cm)
Satz: Reinhard Samson
lSBN 978-3-531-13062-0
Inhalt
Andreas Klacke und Klaus Hurrelmann: Einleitung-Kinder und Jugendliche in
Armut ....................................................... 7
Kapitel I Verbreitung und Struktur von Armut bei Kindern und
Jugendlichen .......................................... 25
Hans-lürgen Andreß und Gero Lipsmeier: Kosten von Kindern -Auswirkun
gen auf die Einkommensposition und den Lebensstandard der betroffenen
Haushalte ................................................... 26
Gunter E. Zimmermann: Formen von Armut und Unterversorgung im Kindes-
und Jugendalter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
Petra Buhr: Übergangsphase oder Teufelskreis? Dauer und Folgen von Armut
bei Kindern .................................................. 72
Thomas Olk und Doris Rentzsch: Kinder in ostdeutschen Armutshaushalten ... ~7
Jens S. Dangschat: Sozialräumliche Aspekte der Armut im Jugendalter ..... 112
Andreas Klacke: Kinderarmut in Europa .............................. 136
Kapitel II Auswirkungen und Bewältigung von Armutslagen . . . . . . . . . 160
Matthias Grundmann: Milieuspezifische Einflüsse familialer Sozialisation auf
die kognitive Entwicklung und den Bildungserfolg ... ·. .............. 161
Gerd Hefler, Susanne Rippl und Klaus Boehnke: Zum Zusammenhang von
Armut und Ausländerfeindlichkeit bei west- und ostdeutschen Jugendli-
chen ...................................................... I ~3
Carey Oppenheim und Ruth Lister: Armut und Familienleben am Beispiel der
britischen Gesellschaft ........................................ 205
Andreas Mielck: Armut und Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen: Ergeb-
nisse der sozial-epidemiologischen Forschung in Deutschland ......... 225
Kapitel 111 Armut von Kindern und Jugendlichen als (sozial-)politische
Herausforderung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 250
Michael-Sebastian Honig und Ilona Ostner: Armut von Kindern? Zur sozial-
politischen Konstruktion von Kindheit ........................... 251
6 Inhalt
Roland Merten: Armut als Herausforderung an die Kinder- und Jugendhilfe-
politik ..................................................... 266
Elisabeth Helming: Sozialpädagogische Familienhilfe-Hilfe zur Selbsthilfe für
arme Familien ............................................... 288
Hilde von Balluseck und lsa Trippner: Kinder von alleinerziehenden Sozialhil
feempfängerinnen im Spannungsfeld von Familiendynamik und Armut .. 309
Jonathan Bradshaw: Kinderarmut und Deprivation in Großbritannien ...... 328
Bernhard Claußen: Tendenzen gesellschaftlicher und politischer Armut im
Kindes- und Jugendalter-Sozialpsychologische Aspekte wohlfahrtsstaatli-
cher Transformationen ........................................ 352
Autorenliste .................................................... 371
Einleitung: Kinder und Jugendliche in Armut
Andreas Klacke und Klaus Hurrelmann
In der Bundesrepublik wachsen immer mehr Kinder und Jugendliche in Armut auf.
Seit einigen Jahren rechnen Sozialwissenschaftler einvernehmlich vor, daß Kinder
inzwischen diejenige Altersgruppe sind, die am häufigsten von Armut bedroht ist
(Hanesch u.a. 1994, Hauser 1995, Geißler 1996). Die absolute Zahl der Kinder und
Jugendlichen unter 15 Jahren, die in der Bundesrepublik in Armut leben, liegt bei
etwa 2,8 Millionen. Damit wächstjedes fünfte Kind undjeder fünfte Jugendliche im
Alter bis zu 15 Jahren in (Einkommens-)Armut auf (Datenreport 1997, S. 523).
Kinder und Jugendliche in Armut, das ist eine soziale Tatsache, die in den
modernen Wohlfahrtsgesellschaften, und besonders in der Bundesrepublik Deutsch
land, seit geraumer Zeit als erledigt oder zumindest als vernachlässigbare Größe
angesehen wurde. Die sozialstaatliche Kompensation sozialer Ungleichheit in ihrer
Extremausprägung Armut war ein Garant für eine unbeschwerte und chancenreiche
Kindheit und Jugend. Wohl gab es immer soziale "Randgruppen" und einkommens
schwache Haushalte, in denen auch Kinder und Jugendliche heranwuchsen, aber
diese Haushalte waren zum einen nicht sehr häufig und zum anderen boten die Ex
pansion des Bildungswesens, die Dynamik des Arbeitsmarktes sowie allgemeine
Wohlstandszuwächse gerade auch diesen Kindern und Jugendlichen ausreichend
Chancen und Teilhabemöglichkeiten.
In den 1990er Jahren hat sich diese Situation in ganzEuropagrundlegend geän
dert (siehe Klocke in diesem Band). Wachsende Arbeitslosigkeit bedroht die Jugend
lichen nicht erst bei ihrem Eintritt in die Berufswelt, sondern greift über die Arbeits
losigkeit der Eltern schon früh in die kindliche und jugendliche Sozialisation ein.
Hinzu tritt eine neuartige "Spreizung" der Sozialstruktur, eine Zunahme an den Polen
"arm" und "reich" des sozialen Ungleichheitsspektrums. Das heißt, wir haben heute
mehr Haushalte, die im Bereich der Armut und des "prekären Wohlstands" (Hübin
ger 1996) leben, ebenso wie eine wachsende Zahl von Haushalten im gehobenen
Einkommensbereich (Zimmermann 1995). Diese Scherenentwicklung des sozialen
Lebensstandards in der Bundesrepublik führt dazu, daß die gesellschaftliche Norm
des "guten Lebens" für immer weniger Kinder und Jugendliche erreichbar ist. Denn
Kinder und Jugendliche orientieren ihre Teilhabechancen in Konsum und Freizeit an
einer sozialen Welt, die ganz überwiegend dem Lebensstil der oberen Hälfte des
sozialen Spektrums entspringt. Auch das "Mithalten-Können" innerhalb der-näheren
Freundesgruppe, in Nachbarschaft oder Schule ist wichtig und fordert permanent
8 Andreas Klocke und Klaus Hurrelmann
Vergleichsprozesse heraus. Die kommerzielle Werbung und die Massenmedien
unterstreichen und verstärken diese Tendenzen.
Aufwachsen in Armut kann deshalb zu einer psychosozialen Belastung fort
schreiten, die einen Ausschluß aus vielen sozialen und kulturellen Lebensbereichen
nach sich zieht und damit die Startchancen nachhaltig beeinträchtigt. Für Kinder und
Jugendliche haben Armutssituationen daher einen oftmals schicksalhaften Charakter,
denn sie können die Auswirkungen weniger kaschieren als die Erwachsenen und
erfahren sie wohl auch unmittelbarer. Können Erwachsene freigewählte Entschei
dungen des Verzichts "vorspielen", so wird ein Nicht-Mithalten-Können an den
jugendlichen Alltagsroutinen von den Gleichaltrigen schnell als Mangel entlarvt. So
gesehen, ist ein regressiver Prozeß der sozialen Randstellung und der negativen
Attributation und Erwartungshaltung der sozialen Umwelt erwartbar (Böhnisch
1995).
Aber nicht alle Kinder und Jugendlichen erfahren Armut als unabänderliches
Schicksal sozialer Marginalisierung; viele meistern aktiv ihre Lebensumstände. Von
den 2,8 Millionen unter 15jährigen, die in der Bundesrepublik in Armut leben (Da
tenreport 1997 S. 523), erfahren nicht alle eine signifikante Beeinträchtigung ihrer
Entwicklungschancen, sondern auch innerhalb dieser sozialen Gruppe wächst ein
großer Teil "unbeeindruckt" von der objektiven Lebenslage auf und berichtet in Um
fragen ein subjektiv hohes Wohlbefinden (Klocke 1996). Dieser Hinweis ist keine
politische Entwarnung oder Verharmlosung, sondern soll einer möglichen Stigmati
sierung der von Armut betroffenen Kinder und Jugendlichen entgegenwirken.
Unbestritten ist: Kinder und Jugendliche in Armut tragen ein objektiv höheres
Risiko einer mißlingenden Sozialisation -das macht die eigentliche sozialpolitische
Brisanz dieser Entwicklung aus. Jedoch sind Kurzschlüsse wie "Armut führt zu
Gewalt" oder "Armut bedeutet Drogenmißbrauch" unangebracht. Denn der weitaus
größte Teil der Kinder und Jugendlichen in Armut wächst in einer bescheidenen,
aber unauffälligen Familiensituation auf, in der eine Orientierung an den Normen
und Werten der bürgerlichen Gesellschaft nicht nur hoch geschätzt wird, sondern
oftmals die einzige Form der Teilhabe an der Gesamtgesellschaft darstellt. Der unter
schwellige Zwang zur Konformität ist typisch für viele Menschen in Armut, die ja in
der überwiegenden Zahl im Verborgenen leben. Die Pluralität der Lebensformen, die
die Soziologie für die breiten Mittelschichten in der Bundesrepublik nachgewiesen
hat, findet ihre Verlängerung auch in das untere Armutssegment der sozialen Hier
archie, und zwar nicht als homogener pauperisierter Lebensstil, sondern als heteroge
ne Vielfalt an Haushaltskontexten und Lebensformen in der Armut.
1 Die Verbreitung und Struktur von Armut bei Kindern und Jugendlichen
Das Thema Armut war in Deutschland nach dem Rückgang der Nachkriegsarmut in
den Sozialwissenschaften lange Zeit nicht mehr diskutiert und öffentlich erforscht
worden. Erst in den 1980er Jahren begann eine intensive Beschäftigung mit dem
Einleitung -Kinder und Jugendliche in Armut 9
Phänomen der "neuen Armut". Unter diesem Stichwort wurde die Heterogenität der
Armutspopulation diskutiert. Hintergrund war, daß immer weniger die "traditionellen
Armen" (Obdachlose, Gelegenheitsarbeiter) das Bild der Armut beherrschten, son
dern aus verschiedenen Gründen zunehmend Normalhaushalte von Armut bedroht
wurden und in Armut gerieten. Dies hat das Bild der Armut verändert. Bis dahin
bezeichnete Armut eine abgeschottete und damit in beide Richtungen nahezu un
durchlässige Grenze zwischen gesellschaftlich integrierten und ausgegrenzten Men
schen. Zur Armutsbevölkerung zählten dauerhaft marginalisierte Gruppen wie Ob
dachlose, Sozialhilfeempfänger, Gelegenheitsarbeiter, ausländische Mitbürger und
eine "Randschicht" von sozial schwachen Haushalten, die oftmals in der Generatio
nenfolge in Armut lebten. Die Gruppe der Armen war damit weitgehend der öffentli
chen Wahrnehmung entzogen. Armut galt in einer Größenordnung von etwa 5% der
Bevölkerung als unabänderlich.
Heute ist das Armutsrisiko in die "normalen Schichten" der Gesellschaft vor
gedrungen. So zählt zur Gruppe der Niedrigeinkommensbezieher (weniger als 60%
des Durchschnittseinkommens) etwajeder fünfte Bundesbürger; und sogar 45% aller
Westdeutschen waren im Zeitraum von acht Jahren (1984 bis 1992) mindestens ein
Jahr lang hiervon betroffen (Leibfried/Leisering 1995, siehe Buhr in diesem Band).
Damit hat sich die Perspektive geändert: Armut und Niedrigeinkommen ist nicht
mehr das Schicksal einer kleinen, randständigen und sozialpolitisch vernachlässigten
Gruppe, sondern das Armutsrisiko gehört heute zur Lebenswirklichkeit einer großen
Zahl von Normalbürgern, Normalarbeitnehmern und Normalfamilien.
Ein Blick auf die Einkommensverteilung in der Bundesrepublik weist aus, daß
neben den etwa 9 Millionen Einkommensarmen weitere 20 Millionen Bundesbürger
im prekären Wohlstand (50-75% des Durchschnittseinkommens) leben (Hübinger
1996). Insgesamt steht somit jeder dritte Bundesbürger in unsicheren finanziellen
Lebensverhältnissen. Auch kann in der Bundesrepublik mittlerweile eine große
Gruppe von Haushalten identifiziert werden, die nach offiziellen Maßstäben in Ein
kommensarmut leben, obwohl zumindest ein Haushaltsmitglied einer regulären
Arbeit nachgeht. Nach Analysen des Sozioökonomischen Panels sind etwa 5% aller
Erwerbstätigen einkommensarm (siehe Zimmermann in diesem Band). Mit Bezug
auf die 5,3 Millionen einkommensarmen Menschen in der Bundesrepublik bedeutet
dies, daß etwa ein Drittel der Armen (1,8 Millionen Menschen) erwerbstätig sind.
Von diesen "working poor" sind in der Bundesrepublik sogar zwei Drittel vollzeit
erwerbstätig.
Diese Hinweise auf das gewachsene Armutsrisiko für "Normalhaushalte" deuten
schon an, daß Armut jeweils in Relation zum durchschnittlichen Lebensstandard in
der Bundesrepublik betrachtet wird. In der Armutsforschung wird diese Konzeption
als "relative Armut" bezeichnet. Armut kann aber auch "absolut" definiert werden.
Damit ist ein Niveau des Lebensstandards bezeichnet, unterhalb dessen die un
umgänglich lebensnotwendigen Grundlagen (Essen, Kleidung und Wohnen) fehlen.
Die Gruppe der Obdachlosen, die auf etwa 900.000 geschätzt wird, kann im großen
und ganzen als in absoluter Armut lebend verstanden werden, denn hier sind die als
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lebensnotwendig angesehenen Grundlagen des Lebens nicht auf Dauer und in aus
reichendem Maße gesichert: Obdach, Nahrung und Kleidung. Obwohl diese Gruppe
natürlich Anspruch auf Sozialhilfe hat, löst sie ihnjedoch oftmals nicht ein (verdeck
te Armut). Damit lebt sie faktisch in "absoluter" Armut. Gleiches gilt mit Bezug auf
die Straßenkinder in den bundesdeutschen Großstädten, deren Zahl auf etwa 50.000
geschätzt wird. Auch hier erhält der Begriff der absoluten Armut seine Berechtigung.
Grundsätzlich haben alle Menschen in der Bundesrepublik Anspruch auf staatli
che Unterstützungsleistungen, die Hunger und Obdachlosigkeit dämpfen oder ver
meiden sollen. Wenn wir trotzdem von Armut in der Bundesrepublik sprechen, dann
ist damit eine relative Armut gemeint. Die relative Armut bezeichnet Personen oder
Familien (Haushalte), die über nur so geringe materielle, kulturelle und soziale Mittel
verfügen, daß sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in der Bundesre
publik als unterste Grenze des Akzeptablen annehmbar ist. Damit wird zugleich
deutlich, daß es sich bei dieser Armutsdefinition um eine politisch und gesellschaft
lich ausgehandelte Konvention und nicht um eine wissenschaftlich objektiv festleg
bare Grenze handelt (Hauser 1995).
Um diese Grenze der relativen Armut, also die Nicht-Teilhabe an der üblicher
weise vorherrschenden soziokulturellen Lebensweise in der BRD, zu bestimmen,
sind verschiedene Wege vorgeschlagen worden:
I. Es wird der Bezug von Sozialhilfe (laufende Hilfe zum Lebensunterhalt) als
Kriterium der Armutsbestimmung gewählt. Die laufende Hilfe zum Lebens
unterhalt bezieht sich auf den Mindestbedarf von Personen/Haushalten. Die
Regelsätze werden über den Warenkorb bzw. über die Verbrauchsstichprobe
bestimmt. Ein besonderes Problem der Sozialhilfe als Gradmesser der Armut ist
die Dunkelziffer. Schätzungen gehen, je nach sozialer Gruppe, von 30% bis 50%
der Berechtigten aus, die von ihrem Rechtsanspruch keinen Gebrauch machen.
Die Sozialhilfe ist ein staatliches Instrument zur Bekämpfung der Armut. Konse
quenterweise wird die Quote der Sozialhilfeempfänger als Datum der "bekämpf
ten Armut" ausgewiesen. Da jeder Bundesbürger in einer sozial unzureichenden
Lebenssituation - unabhängig vom eigenen Verschulden - rechtlich einen An
spruch auf Sozialhilfe hat, ist aus Sicht der Bundesregierung(en) konsequenter
weise Armut kein gesellschaftlich relevantes Problem in der Bundesrepublik.
Lediglich die Dunkelziffer ("verdeckte Armut") und die wachsende Zahl der
"bekämpften Armut" (steigende Zahlen der Sozialhilfeempfänger) läßt gesell
schaftspolitische Aussagen und Interpretationen zu.
2. Das Durchschnitts-Äquivalenzeinkommen. An Hand der Einkommenssituation
der Haushalte läßt sich die Einkommensverteilung nach Niedrigeinkommens
und Armutsquoten organisieren. Dies ist der in der Wissenschaft verbreitetste
Zugang. Konventionell wird "relative Armut" ausgewiesen, indem sie als 50%
vom äquivalenzgewichteten Durchschnittseinkommen (arithmetisches Mittel)
definiert ist. Das äquivalenzgewichtete Durchschnittseinkommen berücksichtigt
die Anzahl der Personen im Haushalt, die von dem monatlichen Haushaltsnetto-