Table Of ContentMarcel Tyrell
Kapitalmärkte und Banken
GABLER EDITION WISSENSCHAFT
Marcel lyrell
Kapitalmärkte und Banken
Formen der Informationsverarbeitung als
konstitutives Merkmal
Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Reinhard H. Schmidt
Deutscher Universitäts-Verlag
Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek
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Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
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Dissertation Universität Frankfurt, 2000
1. Auflage Juli 2003
Alle Rechte vorbehalten
© Deutscher Universitäts-Verlag/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2003
Lektorat: Brigitte Siegel / Annegret Eckert
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Umschlaggestaltung: Regine Zimmer, Dipl.-Designerin, Frankfurt/Main
Druck und Buchbinder: Rosch-Buch, Scheßlitz
Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier
ISBN-13: 978-3-8244-7364-9 e-ISBN-13: 978-3-322-81389-3
DOI: 10.1007/978-3-322-81389-3
Geleitwort
Jedes Buch hat eine Geschichte und ist von ihr geprägt. Die vorliegende Arbeit von
Herrn Dr. Tyrell, der sich in der Fachwelt schon längst einen sehr guten Namen
gemacht hat, hat eine lange Geschichte, die man ihr allerdings nicht ansieht, denn sie
ist frisch und aktuell. Sie befasst sich zwar mit Theorieentwicklungen, aber Altes ist
ihr nicht so wichtig. Ihr Verfasser ist nicht der Theoriegeschichte verhaftet, sondern
der aktuellen Theorie selbst.
Ursprünglich wollte Herr Tyrell mit seiner Arbeit die Banktheorie aufarbeiten und
dabei verstehen, was eine Bank eigentlich ist. Dabei hat er in dem Konzept der
"Informationsinternalisierung" den theoretischen Schlüssel gefunden, mit dem er die
neuere und formale, modellmäßige Banktheorie erschließen konnte. Aber der Schlüs
sel war auch mit einer Versuchung verbunden, das Tor aufzumachen - und dahinter
lag auch das weite Feld der Kapitalmärkte und ihrer Theorie, und damit der Informa
tionsexternalisierung. Und hier liegt wohl die eigentliche Problemstellung der Arbeit:
Wie weit kommt man bei der Rekonstruktion der Theorieentwicklung, wenn man
Banken und Kapitalmärkte durch diese beiden polaren Modi der Informations
verarbeitung kontrastierend kennzeichnet?
In der jahrelangen gemeinsamen Forschungsarbeit mit Herrn Tyrell habe ich den
Beleg fiir die Fruchtbarkeit seiner dichotomischen Klassifikation gefunden. Die Unter
scheidung von Informationsinternalisierung und -externalisierung ist extrem hilfreich
zum Verständnis von Finanzsystemen, ihren Unterschieden und ihrer Entwicklung. Sie
hat uns bei der Untersuchung der Frage, ob sich die Finanzsysteme in Europa an
einander angleichen, sehr geholfen. Das deutsche Finanzsystem ist durch die Inter
nalisierung von Informationen geprägt. Bei uns werden fiir die Lenkung von Kapital in
großem Umfang Informationen erzeugt und verwendet, die intern gehalten werden,
und nur weil sie intern gehalten werden, können diese Informationen auch komplex
und subtil sein. Das deutsche Finanzsystem funktioniert als ganzes so wie die Bank in
der Theorie - und ganz anders als der Kapitalmarkt.
Im Kapitalmarkt - und allgemeiner: in einem kapitalmarktorientierten Finanzsystem
wie dem englischen - spielt nicht interne, sondern externe Information bzw. die
Informationsexternalisierung die Hauptrolle: Steuerung über den Kapitalmarkt basiert
auf externer Information - aber nicht nur das: Marktpreise machen auch selbst Infor
mation öffentlich, sie tragen sie nach außen. In den Worten von Eugene Fama: "Kurse
reflektieren alle verfiigbaren Informationen".
Der fundamentale Unterschied, wie Information entsteht, verteilt wird und gebraucht
wird, macht den Unterschied zwischen einem bank- und einem kapitalmarkt
orientierten Finanzsystem aus. Er ist auch der Grund, warum, wie es unsere fast immer
VI Geleitwort
zusammen mit Andreas Hackethai verfassten gemeinsamen Arbeiten zu unserem eige
nen Erstaunen gezeigt haben, sich trotz Globalisierung und europäischer Integration
die Finanzsysteme Deutschlands und Großbritanniens in den letzten 20 Jahren nicht an
einander angeglichen haben.
In der vorliegenden Arbeit steht nicht die Nützlichkeit der Klassifikation von Inter
nalisierung und Externalisierung der Information fiir die eher angewandte und empi
rische Forschung im Vordergrund, sondern die Theorie selbst. Herr Tyrell nutzt die
Dichotomie, um an ihr die innere Logik und Entwicklung der Finanztheorie darzu
legen. Theorien werden daraufhin überprüft, ob sie sich den beiden Kategorien fiigen
und diese damit als relevant erweisen.
In diesem Sinne bereitet Herr Tyrell zuerst die "einfachere" Theorie auf: die des
Kapitalmarktes. Am Ende seiner Ausfiihrungen kommt er zu dem Schluss, "dass die
Ausgangshypothese richtig war: Die Informationsexternalisierung über Preise ist das
grundlegende Funktionsprinzip von organisierten Kapitalmärkten."
Dann wendet er sich dem schwierigeren Thema zu: Wie funktionieren - und warum
gibt es überhaupt - Finanzintermediäre und speziell die Banken? Auch hier hilft das
gedankliche Gerüst: Was immer in verschiedenen Theorien der Bank als wesentlich
herausgestellt wird, läuft auf die Internalisierung, das "Innen-Halten", von Informa
tionen hinaus. Das gilt für die Theorien der Diamond-Dybvig-Richtung, die das Wesen
der Bank von ihrer Passivseite her erfassen wollen, und fiir die Diamond-Richtung, in
der die Bank als Kreditkontrolleur modelliert wird, ebenso wie fiir neuere Theorien,
die Banken als echte Intermediäre erklären, die Aktiv- und Passivgeschäft verbinden
und erst dadurch wirtschaftlich lebensfähig werden.
Die Arbeit wird mit "acht theoriegeleiteten Thesen" zum Verhältnis von Kapital
märkten und Banken abgeschlossen. Mit diesem Verhältnis ist nicht nur eine theo
retische Frage angesprochen, wie es im Rahmen der hier vorgestellten Arbeit er
scheinen könnte, sondern ein enorm praktisches Problem. Wer heute in Deutschland in
der "financial industry" Führungsfunktionen ausübt, weiß um seine Bedeutung: War es
nicht vorschnell vor fiinf Jahren zu glauben, dass die dynamischen Kapitalmärkte die
ach so altmodischen Banken als Intermediäre überlagern und gar verdrängen würden?
Und wäre es nicht ebenso leichtfertig, heute zu meinen, der damalige Aufschwung
Börsenboom wäre nur ein Strohfeuer gewesen? Wer Verantwortung trägt, sollte dazu
dem Verhältnis von Banken und Kapitalmärkten mehr sagen können - und wenn er
oder sie eine gewisse theoretische Neigung hat, hilft ihm oder ihr das Buch von Herrn
Tyrell viel mehr, als man auf den ersten Blick denken könnte.
Reinhard H. Schmidt
Vorwort
Die vorliegende Arbeit wurde im Wintersemester 2000 als Dissertation am
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität
Frankfurt am Main angenommen. Sie entstand dort während meiner Tätigkeit als
wissenschaftlicher Mitarbeiter der Wilhelm-Merton-Professur (Lehrstuhl fiir
Internationales Bank-und Finanzwesen).
Mein besonderer Dank gilt meinem Doktorvater, Herrn Prof. Dr. Reinhard H.
Schmidt. Er hat mich zu jeder Zeit in meiner wissenschaftlichen Arbeit bestärkt und
ihm habe ich mein Interesse an den Wirtschaftswissenschaften zu verdanken. Die
Tätigkeit an seinem Lehrstuhl war immer herausfordernd und spannend; sie hat mir
große Freude bereitet. Herrn Prof. Dr. Mark Wahrenburg danke ich fiir die
bereitwillige Übernahme des Zweitgutachtens. Viele seiner Anregungen sind in die
Arbeit eingeflossen.
Mehr als dankbar bin ich Stefanie Grohs und Stefan FeIlermann fiir ihre uner
schöpfliche Unterstützung in den verschiedenen Entstehungsphasen dieser Arbeit. Sie
haben die gesamte Arbeit durchgesehen und mir wertvollste Verbesserungshinweise
und damit die Kraft zum Weiterarbeiten gegeben. Weiterhin danke ich Modibo
Camara, Ralf Elsas, Falko Fecht, Sofia Harrschar-Ehrnborg, Karl-Hermann Fischer,
Andreas Hackethai, Jan Pieter Krahnen, Christian Laux, Alexander Mann, Saki
Papadopoulos, Erik Theissen, Marco Weiß und Barbara Voß rur kritische Anmer
kungen, insbesondere aber fiir viele gemeinsame Gespräche und Diskussionen.
Marcel Tyrell
Inhaltsverzeichnis
Geleitwort ...................................................................................................................... V
Vorwort ....................................................................................................................... VII
Inhaltsverzeichnis ....................................................................................................... IX
Abbildungsverzeichnis ............................................................................................... XV
A. Einleitung .................................................................................................................. 1
1. Problemstellung ...................................................................................................... I
2. Gang der Untersuchung .......................................................................................... 6
B. Information und organisierte Kapitalmärkte - Die "Externa
lisierung" von Informationen durch Preise als konstitutives
Merkmal von Kapitalmärkten und deren Auswirkungen .................................... 9
1. Einleitung und Vorbemerkungen ........................................................................... 9
1.1. Problemstellung ............................................................................................... 9
1.2. Vorgehensweise: Eine Untersuchung modelltheoretischer
Entwicklungen ............................................................................................... 11
2. Grundlagen ........................................................................................................... 13
2.1. Das Gut Information, seine Eigenschaften und deren Auswirkungen .......... l3
2.2. Kapitalmarktfunktionen und Sekundärmarkt ................................................ 20
3. Rationale Erwartungsgleichgewichtsmodelle und Information ........................... 23
3.1. Begriffsbestimmung, Einordnung und Abgrenzung ..................................... 23
3.2.Informationsaggregation in Preisen und die Unmöglichkeit
informationseffizienter Preise -Die Beiträge von Grossman und
Grossman/Stiglitz als Ausgangspunkt der Analyse ....................................... 26
x Inhaltsverzeichnis
3.2. 1. Grossman (1976): Preise als Informationsaggregator: Eine
Fundierung der Hayekschen Position? ................................................. 26
3.2.2.GrossmaniStiglitz (1976, 1980): Die Unmöglichkeit
informationseffizienter Preise .............................................................. 31
3.3. Erweiterungen und Anwendungen der Rationalen
Erwartungsgleichgewichtsmodelle ................................................................ 39
3.3.1.Einordnung und Überblick ................................................................... 39
3.3.2.Erweiterungen des Modellansatzes von Grossman bzw.
GrossmaniStiglitz: Sind die Ergebnisse robust? .................................. 40
3.3.2.l.Die Aggregation von Informationen in Preisen ....................... 40
3.3 .2.2.Informationseffizienz bei kostenverursachender
Informationsbeschaffung ......................................................... 45
3.3.3.Verkaufversus Eigenhandel-Die optimale Allokation von
Information aus Sichtweise eines Informationsproduzenten ............... 51
3.3.3.1. Einordnung ............................................................................... 51
3.3.3 .2. Informationsübertragung ohne G laubwürdigkeits
probleme: Die optimale Wahl der Verwertungs-
strategie eines Informationsmonopolisten ............................... 53
a)Direkter Informationsverkauf. .............................................. 53
b)Die Wahl zwischen indirektem und direktem
Informationsverkauf. ............................................................ 62
c)Informationsallokation und Strategien des
Informationsverkaufs ........................................................... 68
3.3.3.3.Informationsübertragung mit Informations-und
Glaubwürdigkeitsproblemen .................................................... 77
a)Informationsverkauf ohne Kenntnis der
Käuferpräferenzen ................................................................ 77
b )Die Delegation von Entscheidungsmacht an einen
Fondsmanager bei Nichtbeobachtbarkeit der
Informationssignale .............................................................. 78
c)Glaubwürdige Informationsübertragung und direkter
Informationsverkauf. ............................................................ 82
d)Finanzintermediäre als Informationsproduzenten ................ 89
3.4. Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse, Einordnung und Kritik ........ 96
4. Strategisches Verhalten von Marktteilnehmem und Information ........................ 99
4.1. Einordnung und Überblick ............................................................................ 99
Inhaltsverzeichnis XI
4.2.Preisbildungsprozesse bei strategischem Verhalten und das Gut
Information .................................................................................................. 101
4.2.1. Strategisches Verhalten informierter Marktteilnehmer ...................... 101
4.2. 1. l.Kyle (1985): Strategisches Verhalten reduziert den
Informationsgehalt des Preissystems ..................................... 101
4.2. 1.2. Erweiterungen des Modellansatzes von Kyle: Wie
robust sind die Ergebnisse? .................................................... 109
a)Eine Annahmendiskussion ................................................. 109
b )Limitierte Auftragserteilung: Eine grundlegende
Erweiterung ........................................................................ 119
4.2.1.3.Die Interaktion von Informations-und Kapitalmarkt
bei strategischem Verhalten der Anleger ............................... 124
a)Informationsverkauf oder Eigenhandel-Die
optimale Wahl der Verwertungs strategie bei
strategischem Verhalten auf dem Kapitalmarkt... .............. 124
b )Preisvolatilitäten und Handelsvolumina ............................ 137
4.2. 1.4. Zusammenfassung und Einordnung ....................................... 143
4.2.2. Strategisches Verhalten der Market-Maker: GeldIBrief-
Spannen und Marktzusammenbruch .................................................. 144
4.3. Zusammenfassung ....................................................................................... 159
5. Fazit und Anmerkungen ..................................................................................... 160
c.
Information und Banken -Die "Internalisierung" von Infor
mationen in der Bank-Kunden-Beziehung als konstitutives Merkmal
von Banken und deren Auswirkungen ............................................................... 165
1. Einleitung und Vorbemerkungen ....................................................................... 165
I.I.Problemstellung ........................................................................................... 165
1.2. Vorgehensweise: Eine Untersuchung modelltheoretischer
Entwicklungen ............................................................................................. 167
2. Aktivseitige Erklärungsansätze .......................................................................... 170
2.1. Diamond (1984): Der Finanzintermediär als "Delegated Monitor" ............ 170
2.2. Ist der Diamond' sche Finanzintermediär eine Bank? Eine
Annahmendiskussion ................................................................................... 175
2.2.1.Monitoring-Technologie .................................................................... 175
2.2.2.Risikoeinstellung der Agenten ........................................................... 183