Table Of ContentTechnik, Wirtschaft und Politik
Frieder Meyer-Krahmer
Innovationsökonomie
und Technologiepolitik
Forschungsansätze und politische
Konsequenzen
TECHNIK, WIRTSCHAFT und POLITIK 1
Schriftenreihe des Fraunhofer-Instituts
ftir Systemtechnik und Innovationsforschung (lSI)
Frieder Meyer-Krahmer (Hrsg.)
Innovationsokonomie
und Technologiepolitik
Forschungsansatze und
politische Konsequenzen
Mit 22 Abbildungen
Springer-Verlag
Berlin Heidelberg GmbH
Dr. habil. Frieder Meyer-Krahmer
Leiter des Fraunhofer-Instituts fUr
Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI)
Breslauer StraBe 45
D-76139 Karlsruhe
ISBN 978-3-7908-0689-2 ISBN 978-3-662-12072-9 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-662-12072-9
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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1993
Urspriinglich erschienen bei Physica-Verlag Heidelberg 1993
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Inhaltsverzeichnis
BegriiBung
Ludwig Baumgarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
Kann die Technologiepolitik von der Innovationsokonomie
lernen? Einleitung und Uberblick
Frieder Meyer-Krahmer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
I. Industrieokonomik und Innovationstheorie:
Forschungsfragen, Defizite und neue Ansatze
Neuere Ansatze in der Innovationstheorie und der Theorie
des Technischen Wandels- Konsequenzen fUr eine
lndustrie- und Technologiepolitik
Horst Hanusch und Uwe Cantner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Neuere Ansatze der Industrieokonomik-Konsequenzen
fUr eine lndustrie- und Technologiepolitik
Dietmar Harhoffund Heinz Konig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
Evolutionare Ansatze zu Innovationen, Marktprozessen
und Institutionen sowie einige Konsequenzen fUr die
Technologiepolitik
Giovanni Dosi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
II. Erfolgsfaktoren im Innovationswettbewerb
Die "Zweite Revolution in der Autoindustrie" - eine ver
gleichende Analyse und ihre Schwachen
Alfred Kieser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103
Erfolgsfaktorenforschung tiber Produktinnovationen
Volker Trommsdorf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135
VI Inhaltsverzeichnis
Okologische Innovationen als Differenzierungschance
im international en W ettbewerb
Hans-Gerd Servatius . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150
III. Internationalisierung von FuE:
Nationale Innovationssysteme und strategische Selektion
Die Herausforderung des "Techno-Globalismus":
Auf dem Weg zu neuen Spielregeln
Luc Soete . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 171
Theorie der strategischen Handelspolitik und neue
Wachstumstheorie als Grundlage flir eine Industrie
und Technologiepolitik
Henning Klodt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 196
Freiheit und strategische Hochtechnologiepolitik:
Wer verletzt die Regeln?
Gunter Muller . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 231
Strategische Sektoren der Bundesrepublik Deutschland -
Empirische Befunde und Vermutungen
Frieder Meyer-Krahmer und HariolfGrupp . . . . . . . . . . . . 247
IV. Zusammenfassung der Ergebnisse aus
den drei ThemenblOcken
Berichterstattung zu Abschnitt I
Klaus F. Zimmermann . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 277
Berichterstattung zu Abschnitt II
Ernst HelmsUidter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 285
Berichterstattung zu Abschnitt III
Harald Legler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 291
An hang
Liste der Workshop-Teilnehmer 299
BEGRUSSUNG
Ludwig Baumgarten
Bundesministerium fi.ir
Forschung und Technologie
Heinemannstr. 2
5300 Bonn 2
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich mochte Ihnen die besten GrUBe von Herrn Minister Riesenhuber zu diesem
Workshop tiberbringen. Minister Riesenhuber bedauert es, an dieser Veranstaltung nicht
personlich teilnehmen zu konnen. Er wtinscht der Tagung einen fruchtbaren Verlauf.
Einen Workshop dieser Art unter Beteiligung des Bundesrninisteriums ftir Forschung
und Technologie (BMFT) hates in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Ein Grund
hierft.ir mag sein, daB der Dialog zwischen wirtschaftswissenschaftlicher Politikberatung
und der Forschungs-und Technologiepolitik in den vergangenen Jahren zwar sehr reiz
voll, aber auch nicht immer ganz spannungsfrei war. Die Forschungs-und Technologie
politik nimmt in vielen Bereichen wesentliche Aufgaben an der Nahtstelle zwischen
Wissenschaft und technologischer Entwicklung und darnit an der Nahtstelle von priva
ter, unternehmerischer und staatlicher Verantwortung in unserer Wirtschaftsordnung
wahr. Diese Verantwortung zu definieren, ist eine stetige Aufgabe, die aufbauend bei
spielsweise auf der Theorie des Marktversagens oft nur im Einzelfall moglich ist und
einem Wandel der Herausforderungen unterliegt.
In den USA erleben wir gegenwii.rtig eine Debatte urn die neue Rolle des Staates gegen
tiber einer erodierenden technologischen Wettbewerbsfiihigkeit. Dies ist ein deutlicher
Wandel gegentiber dem Rtickzug auf die zweckfreie Grundlagenforschung, der Anfang
der 80er Jahre in einer anderen gesamtpolitischen Situation das forschungs- und techno
logiepolitische Denken auf der anderen Seite des Atlantik bestimmte.
In wachsendem MaBe wurde in Deutschland in den vergangenen J ahren von Wirtschaft
und Politik der Wunsch an die Technologiepolitik herangetragen, den Dialog zu Per-
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spektiven des technologischen Wandels zu initiieren und moderieren. Es besteht ein
wachsender Bedarf an Orientierungswissen von Untemehmen, Wissenschaft und Staat
im intemationalen Innovationswettbewerb. Die Innovationsforschung kann hierzu viel
beitragen.
Die wirtschaftswissenschaftliche und insbesondere die volkswirtschaftliche Diskussion
des technologischen Wandels in Deutschland konzentriert sich jedoch allzu haufig auf
ordnungspolitische Aspekte der staatlichen Forderung privater FuE-Aufwendungen. Sie
tibersieht dabei den tatsachlichen Urnfang staatlicher Finanzzuwendungen an private
Untemehmen, der mit 1,7 Mrd. DM aus dem Budget des BMFf im Jahr 1991 auBerst
begrenzt war. Mit 500 Mio. DM floB ein GroBteil dieser Mittel an kleine und mittlere
Unternehmen, die im Innovationswettbewerb vor besonderen Herausforderungen
stehen. Ein GroBteil der verbleibenden Mittel sind Aufwendungen fiir den Bau und die
Errichtung von Forschungsgeraten sowie Verbundprojekte, in denen groBe und kleine
Untemehmen zur Bewaltigung von Forschungsaufgaben zusammengebunden werden
und Aufgaben im Bereich der Vorsorgeforschung, wie der Umwelt- und Energiefor
schung. Der Anteil der Grundlagenforschung am Budget des BMFf betragt heute 40%.
Ein intensivierter weltweiter Wettbewerb auf Hochtechnologiemarkten birgt heute viele
Chancen, er kann aber auch aufgrund einer wachsenden Bedeutung von "First-mover
Vorteilen" zu strukturellen Verwerfungen ftir jenen fiihren, der mit diesem Wettbewerb
nicht erfolgreich ist. Die Internationalisierung von Forschung und Technologie wirft
viele Fragen mit hoher Relevanz fiir die Technologiepolitik und Untemehmensstrategien
auf. Zu nennen ware dabei die Frage nach der Qualitat des Forschungs und Technolo
giestandorts Deutschland, fiir den sich in der Innovationsforschung zunehmend der
Begriff des "National System oflnnovation" durchsetzt. Welche Rolle nimmt beispiels
weise die staatlichen FuE-Infrastruktur hierbei ein, insbesondere in den neuen Bundes
landem? Zu nennen ware aber auch die Diskussion urn die Bedeutung der Struktur und
GroBe von Heimatmarkten angesichts einer wachsenden Intemationalisierung von Tech
nologiemarkten oder Deterrninanten und Perspektiven der technologischen Spezialisie
rung der Bundesrepublik Deutschland, die bekanntermaBen ihre Starken auf den soge
nannten Markten der hoherwertigen Technologien hat, aber Wettbewerbsschwachen im
Bereich mancher Spitzentechnologien aufweist.
Das Phanomen des technologischen Wandels, das sich sehr vielfaltig auf unterschied
lichen Markten vollzieht, stellt eine formalisierende und quantifizierende Wissenschaft
wie die Okonomie vor Probleme. Bekannt sind die Diskussionen urn Outputindikatoren
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wie die Patentanalyse. Die okonomische Forschung kann zu Schliisselfragen des inter
nationalen lnnovationswettbewerbs jedoch trotzdem viel beitragen.
Auf der internationalen Ebene entstand in den vergangenen Jahren eine Reihe von For
schungsansatzen, die fiir die technologiepolitische Diskussion reizvoll sind. lch denke
dabei an eine evolutionare Wirtschaftstheorie, die Entwicklungspfade von Technologien
hervorhebt. lch denke aber auch an neue Wachstums- und AuBenhandelstheorien, die
die Bedeutung von Ausbildung, Know-how und ldeen sowie kumulierende und irrever
sible Effekte im Technologiewettbewerb in das Zentrum ihrer Analyse stellen. Vielfal
tige Ergebnisse der lndustrieokonomik, wie der Spill over-Forschung, haben zu diesen
Forschungsfeldem erheblich beigetragen. Angeregt durch das japanische Beispiel gab es
in den vergangenen Jahren eine breite Diskussion urn neue Formen des Technologie
managements in Hochtechnologiesektoren.
Auf die sen Gebieten sind deutsche Forscher nicht gleichwertig vertreten. Arbeiten, die
eine breite intemationale Beach tung gefunden hatten, gab es meines Wissens eher selten.
Angesichts der Bedeutung einer hohen lnnovationsdynamik fiir die deutsche Volkswirt
schaft, die bekanntermaBen auf einem hohen Kostenniveau arbeitet, sehe ich auf diesem
Gebiet in der okonomischen Forschung weite Forschungsfelder.
Dieser Workshop kann ein erster Schritt dazu sein, den Dialog zu den oben angefiihrten
Fragen auszubauen und Forschung anzuregen. Ein wesentliches Ergebnis dieses Semi
nars sollte der Meinungsaustausch dariiber sein, auf welchen Gebieten erfolgverspre
chende Forschungskonzepte klar erkennbar sind. Von besonderem Interesse sind auch
sole he Gebiete, auf denen sich innovationstheoretische und empirische Arbeiten starker
verkniipfen lassen. Das BMFT hat in den vergangenen Jahren zum Teil umfangreiche
empirische Arbeiten unter anderem beim Fraunhofer-lnstitut fiir Systemtechnik und
Innovationsforschung (lSI) und beim Ifo-lnstitut flir Wirtschaftsforschung durchfiihren
lassen und finanziert teilweise die Erhebungen zur FuE in der Wirtschaft beim Stifter
verband. Die so geschaffenen Datengrundlagen werden in den kommenden Jahren wei
terentwickelt. Damit ist eine gute Grundlage fiir eine kreative okonomische Innovations
forschung geschaffen. lch wiirde mich freuen, wenn diese Grundlage in den kommen
den Jahren auch durch Teilnehmer dieses Workshops vermehrt genutzt wiirde. Das
Bundesforschungsministerium wird irn Rahmen seines Ressortauftrags hierbei helfen.
In diesem Sinne wiinsche ich der Veranstaltung einen fruchtbaren Verlauf, viele interes
sante Diskussionen und zukunftsweisende Ergebnisse.
KANN DIE TECHNOLOGIEPOLITIK VON DER INNOVATIONS
OKONOMIE LERNEN? - EINLEITUNG UND UBERBLICK
Frieder Meyer-Krahmer
Fraunhofer-Institut fiir Systemtechnik und
Innovationsforschung (lSI)
Breslauer Str. 48
7 500 Karlsruhe
Aile Denkschulen in den Wirtschaftswissenschaften haben inzwischen die zentrale Rolle
von technischen und organisatorischen Innovationen ftir die Wettbewerbsfahigkeit von
Untemehmen und Nationen und ftir die llingerfristige Entwicklung der Weltwirtschaft
erkannt. In der ersten Halfte dieses Jahrhunderts widmete allerdings die Mehrheit der
Okonomen dem Studium des technischen Wandels nur geringe Aufmerksamkeit und
iiberlieB dies vomehmlich den Historikem und Naturwissenschaftlem. Schumpeter war
einer der wenigen fiihrenden Okonomen, der lnnovationen bereits in das Zentrum seiner
klassischen Arbeit iiber die Theorie der okonomischen Entwicklung (1912) stellte. Die
Situation hat sich in der zweiten Halfte dieses Jahrhunderts drastisch gewandelt.
Wiihrend noch zu Beginn der 60er Jahre z.B. im Bereich der Diffusionsforschung die
Pionierarbeiten von Rogers diesen Forschungsbereich zt>gerlich beginnen lieBen, sind
25 Jahre spiiter eine uniibersehbare Zahl von okonomischen Arbeiten iiber die Diffusion
von Innovationen, insbesondere im Bereich der industriellen Produktion, verfiigbar.
Ahnliches gilt fiir Analysen iiber Forschung und Entwicklung in Untemehmen, die
Quellen und Anstt>Be fiir Innovationen, die Rolle des Patentsystems sowie die Aus
wirkungen von Innovationen auf den AuBenhandel, das Produktivitiitswachstum und die
Beschiiftigung. In diesen und weiteren Gebieten hat sich eine groBe Vielfalt von empiri
schen und theoretischen Arbeiten entwickelt.
Das wachsende Interesse an dieser Forschung gewann in den 60er Jahren insbesondere
in den USA an Dynamik, angespornt und angestoBen durch die Arbeiten von Mansfield,
Nelson, Rosenberg und Scherer. Wahrend noch in dem von Rosenberg 1971 heraus
gegebenen Reader iiber "The economics of technological change" kein einziger Beitrag
von einem Okonomen stammte, der nicht in den USA lebte, hat sich diese Situation in
den letzten 20 Jahren erheblich verlindert, indem europiiische Okonomen substantielle