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Herbert und Ingeborg Plaeschke I .::> "T"'
Indische Felsentempel
und Höhlenklöster
Ajargä und Elüra
Koehler & Amelang · Leipzig
Fotos von Günter Ncrlich
7 3 6
1. Aufln;e · @ 1982 by Kochlee & Amclang (VOB), Leipzig
Lizenznummer 29SI27j/2409/82 · LSV 8164 · Peinted in the German Democratic Republic
Klischees: Druckerei FortSchritt Erfurt
Gesetzt aus der Garamond-Antiqua, gedruckt und gebunden von den Druckwerkstätten Stollberg VOß
Druck der Farbtnfeln: Druckwerkstätten Stollberg VOB
Druck der Bezüge: II. F. )üttc (VOB), Leipzig
Zeichnungen Hans-Uirich Herold · Gesamtgestaltung Joachim Kölbel
698 117 7
DDR 29,8o.M
Also müssen wir,
wenn von Komposition der Gestalten in Kunst und Dichtkunst nach Indischer Weise die Rede seyn soll,
unsern Gesichtskreis weiter und höher nehmen, wo wir denn in der Vorstellungsart der östlichen Völker
jenseits des Indus bis in die Mongolei, China, Siam, Japan usf. ein Eigenes antreffen werden,
dessen Erklärung schwer, wie mich dünkt, aber nicht unmöglich ist.
Wie an verschiedenen Orten der Erde die Magnetnadel verschieden, jedoch unter Hauptgesetzen dekliniert:
so dekliniert die Einbildungskraft, der Geschmack, die Art der Komposition der Völker,
und doch ist's und bleibt es allenthalben dieselbe Menschheit.
Johann GottEried Herder
Ober Denkmale der Vorwelt
1791
Inhalt
9 Vorwort Die Vihäras (72)
Die Kulträume (71)
Die späten Höhlen <7s)
II AjarJtä 78 Die hinduistischen llöhlentempcl
Der Veranda-Typus (79)
q Die Uöhlenklöstl'r
Der llofhaus-Typus (113)
37 Die Caitya-Hallen Tempel Nr. 15 ( 114)
Die Theraväda-Caitya-Hallen (38) Der Tempel-Typus (115)
Die ~fahayiina-C'litya-Hallen (39)
IJ7 Der Kailäsanätha-Tempcl
42 Die Vihäras
Die Thera\•äda-Vihäras (42) 120 Die Jaina-Tempel
Die Mnhäyäna-Vihäras (44) Tempel Nr. 30 (uo)
Vihära Nr. 6, Untergeschoß (45) Höhle Nr. 31 bis Nr. 34 (125)
Die Vihiiras der Väkäraka-Zeit (45)
127 Die Säulenordnungen
Die jüngeren Vihäras (48)
Die PürQagha~-Säulc (127)
jl Die Säulenordnungen Die Elephanta-Säule (128)
Die Säulen der Thcraväda-Klöster (51) Die Pilastersäule ( 129)
Vihära Nr. 6, Untergeschoß (p)
Die Väkä~nka-Säule (52) 130 Die Portale
Sonderformen der Väkä~aka-Zeit (52)
Die Ajao~ä-Säule (65)
Die Pür(laghata-Säulc (65)
Die Cella-Säulen (66) 1}2 Das Ornament
Die Pilaster (66)
IH Das Lotos-Ornament der frühindischen Kunst
67 Die Fonale
134 Das Ornament des frühen Mittelaltcrs
(,9 Die Kultbildkapellen Das Blattornament des 5· Jahrhunderts (134)
Das Voluten-Noppen-Ornament des 6.Jahr-
hunderrs (139)
70 Elürä Die Wellenbandranke des 7· Jahrhunderts
(145)
70 Die buddhistischen Klöster Das Schnörkelornament des 8. JahrhundertS
Die Caitya-Halle (71) (149)
I )I Bildinhalt und Bildidee 193 Das Menschenbild der indischen Kunst
151 Brahmanismus 198 Ajargä
224 Elürä
152 Buddhismus
Das Leben des Buddha (1 52)
Die Jätakas (154)
Das Mahäyäna-Pantheon (15 5) 230 Anhang
ij6 Jinismus 230 Literaturhinweise
189 Hinduismus 1jl Namen-und Sachverzeichnis
Siva (190)
lH Verzeichnis der Abbildungen :1uf Textseiten
Vi~ou (191)
Die Götterfrauen (192) 234 Verzeichnis der Tafeln
Vorwort
Jeder Kunstinteressierte und Kunstliebhaber, der gene Details sichtbar zu machen. Das fehlende
sich über den europäischen Raum hinaus umgesehen Licht ist wohl auch einer der Gründe, warum viele
hat, denkt, wenn der Name >>AjaQ~<< fällt, sofort an interessante und wichtige Motive bisher nicht als
die weltberühmten Wandmalereien; das Stichwort Foto veröffentlicht worden sind und in diesem
»Elürä<< aber führt ihm zuerst den Kailäsanätha Band erstmals der Öffentlichkeit vorgelegt werden
Tempel vor Augen, jenes Wunderwerk indischer können.
Felsarchitektur, das von der Spitze des Tempel Der Bildautor Günter Nerlich ist ein langjähriger
turms bis zu den unteren Friesen seiner Basis als Indienkenner, der auf zahlreichen Indienreisen und
Monolith aus dem stehenden Fels geschlagen wor während eines sechsjährigen Aufenthalts in Indien
den ist. die wichtigsten indischen Kunststätten und mehr
Doch in Ajaotä gibt es nicht nur die Wandmalerei, fach auch die Höhlen von Ajaotä und Elürä be
die durch zahlreiche, ofl ausgezeichnet illustrierte sucht hat. Er hat dabei mit sicherem Blick für das
Bildbände weltweit bekannt geworden ist, und es nid1t Alltägliche Motive aufgenommen, die bisher
gibt in Elürä nicht nur den Kailäsanätha-Tempel. so gut wie unbekannt geblieben sind.
Die Fülle der Bauformen in beiden Orten und ihr Aus der Fülle der Vorlagen wurden hier
historischer Wandel, der Reichtum der Plastik und schöne und charakteristische Beispiele ausgewählt,
der Reiz der Ornamentik aber sind bis auf wenige neben berühmten Meisterwerken, die in jeder
Ausnahmen außerhalb Indiens so gut wie unbe Kunstgeschichte gewürdigt werden, vorwiegend
kannt. Man muß schon an Ort und Stelle sein, um Höhlen und Bildwerke, die man bisher nur am Ort
die Vielfalt und die künstlerische Qualität indi selbst auf sich wirken lassen konnte. Günter Nerlich
schen Kunstschaffens vom 5· bis zum 8. Jahrhun hat bei der Durchforschung der Höhlen auch Mo
dert kennen und würdigen zu lernen. tive und die Ornamentik aufgenommen, die bis
Der vorliegende Band stellt sich als Aufgabe, den her von der Forschung unbeachtet geblieben sind.
Leser, der nicht umgehend nach Indien fahren kann, Dank dieser Aufnahmen ist es jetzt möglich, hier
in das Wesen und die künstlerischen Probleme der eine neue, sicher fundierte Datierung für die ein
Kunstschulen von Ajaotä und Elürä einzuführen. zelnen Höhlengruppen von Ajaotä und Elürä vor
Dabei stehen nicht die Gemälde, sondern die Pla zulegen. Dafür sei ibm an dieser Stelle gedankt.
stik, das Ornament und die Bauformen der kaum Unser Dank gilt weiterhin Herrn Prof. Dr. Klaus
veröffentlichten Höhlenbauten in Text und Bild Fischer, Bonn; Herrn Dr. James C. Harle, Oxford;
im Vordergrund. Herrn Heinz Kucharski, Leipzig; Herrn Dr. George
Die Kunstdenkmäler von Ajao~ä und Elürä sind Michell, London; Frau Professor Dr. Gritli v.Mit
schwer zu fotografieren, da das Tageslicht nur sehr terwallner, München; Herrn Prof. Dr. Heinz Mode,
spärlich durch winzige Öffnungen ins Innere der Halle; Herrn Dr. V. R. Nambiar, American Insti
Höhlen dringt. Allein durch eine aufwendige Elek tute of Indian Studies, Benares; Frau Dr. Maria
tronenblitztechnik war es möglich, bisher verbor- Schctelich, Leipzig; Herrn Prof. Dr. Dieter Schling-
9
1ofT, München und Herrn Prof. Dr. Waltee Spink, Die hier verwendete wissenschafUiche Umschrifl:
Ann Arbor, die uns durch Bereitstellung von Li indischer Namen und Termini gibt mit Hilfe von
teratur, mit Fotovorlagen für die Ornamentanalyse diakritischen Zeichen das aus 1 ~ Vokal- und ~ 5
oder mit sachlichen Hinweisen bei der Abfassung Konsonantenzeichen bestehende indische Devanä
dieses Bandes geholfen haben. gari-Aiphabet in lateinischen Buchstaben wieder.
Der herzliche Dank der Verfasser gilt auch Herrn Die Aussprache entsprid1t dem deutschen Sprachge
Dr. sc. I I. Faensen, Herrn W. Hermann, Herrn brauch mit folgenden Ausnahmen:
Dr. C. Onasch, dem Illustrator Herrn H.-U. Herold, ca = tscha, ja = dscha, ya = ja, sa und ~a = scha;
dem Buchgestalter Herrn]. Kölbel sowie allen Mit sa wird immer stimmlos gesprochen. iia ist ein nasa
arbeitern des Verlages und der polygraphischen liertes na. Das nachlautendehin den Konsonanten
Betriebe, die keine Mühe gescheut haben, um den verbindungen kha, gha, tha, dha, pha und bha wird
Band in anspred1ender, gut gedruckter und illu deutlich hörbar gesprochen. Mit einem Strich ver
strierter Form herauszugeben. sehene Vokale sind immer lang. r ist ein vokali
Herbeet und Ingcborg Placsd1kc siertes r mit nachlautendem i = r(i).
Ziffern neben den Textzeilen verweisen auf Tafeln, Ziffern mit Sternchen auf Abbildungen im Text.
Ajal)tä
Den westlichen Nordrand des Dekkhan-Plateaus Panther und gelegentlich auch einmal einen Tiger
begrenzen die Inhyädri-oder Ajaotä-Bergc, die et bot sie Jagdgrund und Tränke.
wa auf der Breite von Näsik in östlicher Richtung Ein Rundblick über die gegenüberliegende Feis-
von den Höhenzügen der westlichen Ghäts abzwei t• wand fesselte die Aufmerksamkeit des Jägers. Halb
gen als Wasserscheide zwischen den Tälern des vom Dickicht verborgen, zog sich eine Reihe von
Täpti und der Godävari. Auf der Höhe eines der Felsfassaden über einen halben Kilometer talauf
Pässe oder >Ghäts<, über die seit Jahrhunderten die wärts am linken Wäghora-Ufer entlang. Seine Neu
Handelskarawanen aus Gujarät oder dem nördlichen gier war geweckt, er bahnte sich den Weg durd1
Indien in das Hochland des Dekkhan zogen, liegt Gestrüpp und Dornen und stand bald staunend und
Ajar;1tä, heute ein kleines Dorf, im frühen 18. Jahr bewundernd vor den glanzvollen Überresten einer
hundert eine Grenzfestung des ersten Nizams von 2 vergessenen Epoche der indischen Kultur. Eine vor
Hyderabad. kurzem entdeckte InschriA:, die mit einem Nagel in
Ajaotä ist heute weltberühmt. Die buddhistischen den Malgrund eines Buddhabildes auf einer der
Höhlenklöster und ihre Wandmalereien sind das Säulen in Höhle Nr. ro eingekratzt ist, bat uns den
Ziel zahlreicher Bes11cher aus aller Welt. Bis zum Namen des Entdeckcrs der Klöster und Gemälde
Ende des r8. Jahrhunderts aber waren diese groß von Ajal)tä überliefert: >>John Smith. 28th Cavalry.
artigen Schöpfungen der indischen Kunst aus der 28. 4· !819(<.
buddhistischen Frühzeit wie so viele andere indi Die Kunde von der ncuen Entdeckung verbreitet
sche Kunstdenkmäler verlassen, dschungelüber sich zögernd. 182~ besucht Jamcs E. Alexander
wachsen und vergessen. Ihre Wiederentdeckung AjaQtä und sduckt einen kurzen Bericht an die
verdanken wir einem Zufall. Royal Asiatic s·ociety. Weitere Besucher folgen,
Im April 1819 passiertenAngehörige der britischen aber erst James Fergussons Veröffentlichung aus
Madras-Armee das Ajaotä-Ghät. Eine lokale Über dem Jahre 184; erregt allgemeines Interesse. Die
lieferung berichtet, ein jagdlustiger Offizier habe britisd1c East India Company läßt Kapitän Gill
sich bei den Einwohnern von AjaQtä erkundigt, ob von der Madras-Armee mehrere Jahre abstellen,
es irgendwo in der Umgebung Tiger gäbe. Hirten um die Gemälde zu kopieren. Die Kopien wurden
führten ihn auf eine Felskuppe etwa sechs bis sie nad1 London geschickt, fielen aber leider bis auf
ben Kilometer nordwestlich von AjaQtä, zu deren wenige Ausnahmen dem großen Brand des Kristall
Füßen die Wäghora über einen mehrstufigen Was palastes in Sydenham r86o zum Opfer. Die erste
serfall von der Höhe herabfällt und eine beinahe wissenschaftliche Veröffentlichung mit genaucn Ver
halbkreisförmige Schlucht durch die gelagerten messungen und ausführlicher Beschreibung blieb
S'chichten des Flutbasalts gewaschen hat. Die kaum James Burgess in seinen Werken über die indischen
zugängliche Schlucht, von Buschwerk und Dornen Höhlentempel 188o und r88; vorbehalten. 1896
gestrüpp überwuchert, war der Tummelplatz von veröffentlichte John Griffiths sein umfangreiches
Affen, Papageien und Tauben. Für Wölfe, Bären, Werk mit Kopien der Gemälde von Ajao~ä. Zwi-
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1* Lageplan von Ajal)!ä