Table Of ContentTerry Eagleton
Ideologie
Eine Einführung
TerryEagleton
Ideologie
Fur Norman Feltes
Terry Eagleton
IDEOLOGIE
Eine Einfiihrung
Ausdem Englischenvon Anja Tippner
Verlag J.B. Metzler
Stuttgart· Weimar
DieDeutsche Bibliothek- CIP-Einheitsaufnahme
Eagleton,Terry:
Ideologie:eine Einfuhrung/ TerryEagleton.
AusdemEng!.vonAnjaTippner.
Stuttgart;Weimar:Metzler 1993
ISBN 978-3-476-00898-5
ISBN 978-3-476-00898-5
ISBN 978-3-476-03466-3 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-476-03466-3
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gen,Ubersetzungen,MikroverfilmungenunddieEinspeicherungundVerarbeitungine!ek
tronischenSysternen.
Titelderenglischen Originalausgabe:»Ideology,An Introduction"
©Verso 1991
© 1993Springer-VerlagGmbHDeutschland
UrsprunglicherschienenbeiJ. B.MetzlerscheVerlagsbuchhandlung
undCarlErnstPoeschelVerlagGmbHinStuttgart·Weimar1993
EIN VERLAG DER SPEKTRUM FACHVERLAGE GMBH
Inhalt
Einleitung
1
I
Wasist Ideologie?
7
II
IdeologischeStrategien
43
III
Vonder Aufklarung zurII. Internationale
77
IV
VonLukacs zu Gramsci
111
V
VonAdorno zu Bourdieu
147
VI
VonSchopenhauerzu Sorel
185
VII
Diskurs und Ideologie
223
Schlufs
253
WeiterfiihrendeLiteratur
257
Register
258
Betrachtenwirnoch einletztes Beispiel,dieEinstellungheutiger
amerikanischerLiberalergegeniiberder unendlichen Hoffnungslosigkeit
und dem Elend imLeben der jungenSchwarzenin amerikanischen
Grolistadten.Sagenwir,daBdiesen]ugendlichengeholfen werden mull,
weilsieunsereMitmenschensind? Magsein, aber moralischundpolitisch
iiberzeugenderist es,siealsunsere amerikanischen Mitbiirgerzu
bezeichnen- daraufzu insistieren,daBesernporend ist,wenn ein
Amerikanerohne Hoffnunglebt,
RICHARD RORTY, Kontingenz,Ironie undSolidaritiit
ZurUnbrauchbarkeitdesIdeologiebegriffssiehe Raymond Geuss,
Die Idee einerkritischen Theorie
RICHARD RORTY, Kontingenz, Ironie undSolidaritiit
Einleitung
Man bedenke folgendes Paradox: Wahrend der [etzten zehnJahre war in der
ganzen Welt ein beachdiches Wiederaufleben ideologischer Bewegungen zu
beobachten. 1m Nahen Osten wurde der islamische Fundamentalismus zu
einereinfluBreichenpolitischenKraft. In dersogenanntenDrittenWelt undin
einer Region GroBbritanniens wogt noch immer der Kampf zwischen einem
revolutionaren Nationalismus und imperialistischen Machten, In einigen
post-kapitalistischen Staaten des Ostblocks ringt ein hartnackiger Neo-Stali
nismus mit einerganzen Reihe oppositionellerKrafte, Die machtigste kapita
listische Nation der Geschichte wird von einem besonders ublen christlichen
Evangelismus iiberrollt.Englandleidetwahrenddessen unterdem ideologisch
unverbliimtesten und aggressivsten Regime seit politischem Menschengeden
ken, und das in einer Gesellschaft, die es traditionell vorzieht, wenn herr
schende Werte unausgesprochen und verdeckt bleiben. Indes wird irgendwo
auf der rive gauche verkiindet, das Konzept der Ideologie sei heutzutage
obsolet.
Wie Iafhsich diese Absurditat erklaren? Wie kommt es,daBsich der Ideo
logiebegriffin einervonideologischen Konflikten geplagtenWelt in den post
modernistischenundpoststrukturalistischenSchriftenin Luftauflost?[l] Das
Thema,mit dem wir uns indiesem Buch beschaftigenwerden,ist dertheoreti
sche Schlussel zu diesem Ratsel. In Kurze lautet meine These wie folgt: Drei
zentrale Doktrinen postmodernen Denkens haben sich zur Diskreditierung
des klassischen Ideologiebegriffs verschworen. Die erste Doktrin weist den
klassischen Begriff der Reprasentation zuriick - und damit eigendich das
empirizistische Reprasentationsmodell, bei dem das Kind Reprasentation
nonchalant mit dem empirizistischen Bade ausgeschiittet wurde. Die zweite
Doktrin vertritt einen epistemologischen Skeptizismus, der behauptet, jeder
[1] ManvergleichedieErkliirungdespostmodernenitalienischenPhilosophenGianniVatti
mo, das Ende der Moderne und dasEnde der Ideologie seienidemisch.-Postmodern Cri
ticism:Postmodern Critique',inDavidWoods,ed.,WritingtheFuture,London1990,p.57.
2 Einleitung
Akr der Identifizierung einer BewuBtseinsform als ideologisch sei bereits mit
einem unhaltbaren Begriff absoluter Wahrheit verbunden. Da die letzte Vor
stellung heute ohnehin nur noch wenige Anhanger findet, glaubt man, die
erste brache in ihrem Gefolge mit zusammen. Wir diirfen Pol Pot nicht als
bigotten Stalinisten brandmarken, denn dies impliziert eine metaphysische
GewiBheit dariiber, was es hieBe, kein bigotter Stalinist zu sein. Die dritte
Doktrin bestimmtdas Verhaltnis von Rationalitat, Interesse und Macht unge
fahr in Nietzsches Stil neu, wodurch, wie man glaubt, das ganze Ideologie
konzept iiberfliissig wird. Diese drei Doktrinen zusammen, so nahmen man
che an, wiirden der Frage nach derIdeologie ein Ende setzen, und dies genau
zu dem historischen Zeitpunkt, da sich muslimische Demonstrantendie Stirn
blutig schlagen und amerikanische Landarbeiter glauben, ihre Himmelfahrt
samt Cadillacsteheunmittelbarbevor.
Hegel bemerkt irgendwo, daB aile groBen weltgeschichtlichen Tatsachen
sich sozusagen zweimal ereignen. (Er hat vergessen hinzuzufiigen: das eine
Mal alsTragodie,das andere Mal alsFarce.) In dergegenwartigenUnterdriik
kung des Ideologiebegriffs kehrt das sogenannte -Ende der Ideologic- der
Nachkriegszeit wieder. Wahrend diese Bewegung zumindest teilweise als
traumatische Reaktion auf die Verbrechendes Faschismus und Stalinismus zu
erklaren ist, entbehrt die heute modische Aversion gegen die Ideologiekritik
jeder politischen Begriindung. Zudem war die -Entideologisierungsschule
offensichtlich cine SchopfungderpolitischenRechten, wahrend unsereeigene
-post-ideologische- Selbstzufriedenheit oft genug linke Ausweispapiere bei
sich tragt. Wahrend die Theoretiker des -Endes der Ideologic- jede Art von
Ideologie als in sich geschlossen, dogmatisch und inflexibcl betrachteten,
begreift das postmoderne Denken Ideologie als vornehmlich teleologisch,
-totalitar-und metaphysisch begriindet. Aufdiese Weise ins Groteske getrie
ben, schreibtsichdas Ideologiekonzeptselbstabo
DiePreisgabedes Ideologiekonzepts hangt mit einerumfassenderenpoliti
schen Erschiitterung ganzer Fraktionen der friiheren revolutionaren Linken
zusammen, die angesichts eines zeitweise im Aufwind befindlichen Kapitalis
mus einen stetigen, kleinlauten Riickzug von soleh -rnetaphysischen- Fragen
wie Klassenkampf, Produktionsweisen, revolutionarern Handeln und dem
Wesen des biirgerlichenStaates antraten. ZugegebenermaBenist esetwas pein
lich fur diese Haltung,daBgeradein demAugenblick,da sie den Ideologiebe
griff als metaphysisches Geschwafel verurteilt, Ideologie an dem art wieder
hervorbricht, wo man sie am allerwenigsten erwartet hatte: in den stalinisti
schen Biirokratien Osteuropas. Bestimmt hat Prasident Ceausescu seine letz
ten Minuten auf dieser Welt damit zugebracht, seinen Henkern darzulegen,