Table Of ContentKLEINE · QUIBELDEY - TYPOLOGIE UNO GESTALT
H~USER
GUORUN KLEINE • JORG QUIBELOEY
• •
TYPOLOGIE UNO GESTALT
Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme
Kleine, Gudrun:
Hauser: Typologie und Gestalt / Gudrun Kleine; Jorg
Quibeldey. - Braunschweig; Wiesbaden: Vieweg, 1993
ISBN 978-3-528-08745-6 ISBN 978-3-322-83183-5 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-322-83183-5
NE: Quibeldey, Jorg:
Die vorliegende Arbeit stutzt sich auf die am Institut fur Baugestaltung an der Technischen Universitat Braunschweig
unter der wissenschoftlichen Leitung von Herrn Professor Gerhard Wagner erarbeitete, 1988 als Institutspublikation
herausgegebene Studie Mehr Familienhiiuser. Struktur und Raum im modernen Einfamilienhaus.
Aile Rechte vorbehalten
© Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig/Wiesbaden 1993
Der Verlag Vieweg ist ein Unternehmen der Verlagsgruppe Bertelsmann International.
Einbandgestaltung: E. Blum/ P. Neitzke, Zurich
Zeichnungen und Layout: Gudrun Kleine, Hannover und Jorg Quibeldey, Braunschweig
Satz: Vieweg, Braunschweig
Lithographie: Schutte & Behling, Berlin
Gedruckt auf saurefreiem Papier
ISBN 978-3-528-08745-6
Inhalt
Vorbemerkung 7
Zur Entwicklung des modernen Hauses 8
Analysen zu Struktur und Raum
5
anhand ausgewahlter Beispiele 13 2
Ludwig Mies
Adolf Loos Haus Moller 53
van der Rohe Landhaus (Projekt) 83
Yuichiro Kodama Haus in Otha 55
Richard Neutra Wohnhaus Kramer 83
Hans Scharoun Haus in der
Frank Lloyd Wright Falling Water 85
WeiBenhofsiedlung 57
Gerrit Rietveld Haus SchrOder 87
F. E. Griblin Haus in West Vancouver 59
Ludwig Mies
van der Rohe Haus Tugendhat 89
Le Corbusier Villa Savoye 91
Richard Meier Douglas House 93
Michael Graves Snyderman House 95
1a Philip Johnson Eigenes Haus 97
Mario Botta Haus in Stabio 1 7 Ludwig Mies
Mario Botta Haus in Riva San Vitale 19 van der Rohe Haus Famsworth 97
Reichlin/Reinhart Cas a Tonini in Torricella 21
Joachim und
Margot Schurmann Haus in Rathfarnham 23 Nachwort 99
Helge Bofinger Haus in Kronberg 25
3
Venturi & Rauch Haus Carl Tucker 27 Literatur 101
Konstantin Melnikow Haus in Moskau 63
Luigi Snozzi Casa Bianchetti 29
Gwathmey/Siegel Benenson Residence 65
Charles Moore Haus in Orinda,
Richard Meier Hoffman House 67
Orinda Sea Ranch 31
Hans Scharoun Haus Moll 69
Peter Eisenman Haus II 33
Fehling & Gogel Haus Schatz 71
1b
Bassi, Galimberti,
Gherra Cas a Decampo 37
Martin Wagner Haus Gygax 39
Heinz Bienefeld Haus Nagel 41
Luigi Snozzi Haus Cavalli 43 4
Le Corbusier Haus in der Heinz Bienefeld Haus Schutte 75
WeiBenhofsiedlung 45 John Hejduk One Half House 77
Mario Botta Haus in Cadenazzo 47 John Hejduk Haus 10 79
Mario Botta Haus in Ligornetto 49 Cesar Pelli Long Gallery House 79 Bildquellen 103
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..... Der Wohnungsbau ist der erste. der sich von einer
auBerlichen Auffassung zu befreien beginnt, der von
innen heraus Forderungen stellt, die ihm zur Echtheit ver
helfen und berOcksichtigt werden mOssen ......
C. Semenzato. The Rotonda. S. 10 H. Poelzig, 1906
Vorbemerkung
Das Einzelhaus ist wegen seines relativ kleinen Pro
gramms und der klar zu definierenden Bedingungen als
Experimentierfeld fOr die architekturtheoretische Diskus
sion besonders geeignet. Die aus heutiger Sicht nahezu
uneingeschrankte Vielfalt der Moglichkeiten in der Kon
zeption freistehender Einzelhauser entspricht einem kom
plexen Katalog unterschiedlicher objektiver Bedingungen
und subjektiver Forderungen an ein Wohngebaude.
Diese Vielfalt ist das eigentliche Thema der folgenden
Darstellung, die anhand einzelner Beispiele versucht, die
Grundlagen der unterschiedlichen Erscheinungen aus der
inneren Struktur heraus darzustellen und objektiv ver
fOg bar zu machen.
Bei der Ordnung der Projekte dominiert dieser struktu
relle Aspekt, so daB der entwicklungsgeschichtliche Zu
sammenhang in den Hintergrund tritt; er wird am Anfang
in graben Zugen dargestellt.
7
Zur Entwicklung des modernen Hauses
Seit den Antangen menschlichen Hausens dienen Struktur
und Gestalt des gebauten Raumes Ober die Zeit hinweg
als allgemeinverstandliche Kommunikationsmittel und
bilden mit den Aspekten reiner Funktionalitat eine un
zertrennliche Einheit. Gleichwohl polarisiert der histo
rische Blick auf die unmittelbare Vorgeschichte des zeit
genossischen Einzelhauses funktionale und reprasentativ
gestalterische Aspekte. Er unterscheidet den weitgehend
anonymen handwerklichen Zweckbau vom gesellschaft
lich reprasentativen Villentyp. Beide entwickelten in ihrer
1 Villa Rotonda, Palladio, 1550
jeweiligen historischen Kontinuitat voneinander verschie
dene typologische Raumordnungen, die die asthetischen
und funktionalen Verhaltnisse der Raume eines Hauses
mehr oder weniger verbindlich als Ausdruck verschiede
ner Formen gesellschaftlichen Lebens definierten. (Man
fred Speidel, Der Vorrang des Raumes in der Baukunst)
Ais exemplarische Formulierung einer klassischen
Villenarchitektur gilt bis heute die palladianische Villa. In
ihrem artifiziellen und verbindlichen Charakter war diese
Ausdruck der herrschaftlichen Macht einer aristokrati
schen, spater auch groBbOrgerlichen Minderheit in einer
Zeit, die das bOrgerliche Wohnen noch nicht zum Thema
einer architekturtheoretischen Auseinandersetzung mach
teo Palladio baut hierarchische Raumfolgen auf, die sich
aus VestibOI, Vorraum, Hauptraum und Loggia zusam
mensetzen, um die herum weniger differenzierte Zweck
raume angeordnet sind. Das franzosische Palais des
18. Jahrhunderts bildet mit einem Raumpaar von Vesti
bOI und Salon eine Achse zwischen Eingang und Garten,
2 Red House, Philip Webb, 1859 an die beidseitig FIOgel mit weiteren reprasentativen
Salen und entsprechenden Nebenraumen anschlieBen. In
ihrer differenzierten Abfolge und im kalkulierten Verhalt
nis der Raume zueinander sind diese Ordnungen Abbild
einer Gesellschaft, in der die Lebens- und Umfangsfor
men einem definierten auBerlichen Kodex unterworfen
waren.
[Q'0 ] 1 entrance
2 dining room Der traditionelle handwerkliche Zweckbau dagegen ent
3 We.. wickelte andere Modelle raumlicher Organisation, etwa
4 office Flur- und Dielenhaus, die an den einfachsten funktionalen
5 kitchen
Bedingungen orientiert sind. Haufig gingen die Wohnbe
6 courtyard
7 living room reiche eine enge Verbindung mit den handwerklichen
8 parlour oder landwirtschaftlichen Zweckraumen ein, was innen
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9 study m. raumliche Flexibilitat und baukorperliches Wachstum er
10 well forderlich machte. Flur und Diele schirmen verschiedene
Raumgruppen voneinander ab und verleihen ihnen im
8
einzelnen eine handlungsbezogene IntimiHit, wie sie in
den anderen Raumordnungen nicht gegeben ist. Die
Diele steht als Arbeits- und Lebensraum inhaltlich und
raumlich im Mittelpunkt, ohne die Raume in einem re
prasentativen Verh8.ltnis anzuordnen.
Diese verschiedenen Raumordnungen sind ein Unter
scheidungskriterium auch in der Auseinandersetzung um
das Wohnhaus seit dem Einsetzen der frOhen Moderne.
Ais Keimzelle des Einfamilienhauses moderner Pragung
kann das englische Landhaus gelten. Die gesellschaft
lichen Veranderungen des frOhen 19. Jahrhunderts, er
starkendes BOrgertum und industrielle Zentralisierung,
stellten grundsatzlich neue Bedingungen an den Woh
nungsbau. Kunstgewerbliche Reformbewegungen in Eng
land und Deutschland definierten das Verhaltnis zwi
3 Haus von Velsen. Zehlendorf. schen Kunst, Handwerk und Industrie neu und schufen
H. Muthesius. 1907/1908
damit die Basis fOr ein verandertes Selbstverstandnis
gezeichnet von Ostendorf
auch in der Architektur. Der bOrgerliche Wohnungsbau
wurde zum Thema einer gleichermaBen sozialutopisch
wie asthetisch orientierten Diskussion. Der Anspruch der
Arts & Crafts-Bewegung unter William Morris, einem
bOrgerlich-handwerklichen Selbstverstandnis neuen Aus
druck zu verleihen, fOhrte zur Ablehnung der historisie
rend en Formensprache und von den der Reprasentation
dienenden Raumkompositionen. Stattdessen ordnete das
englische Landhaus die einzelnen Funktionsraume zu
einem komplexen, die gesamte Baugestalt pragenden
Organismus an.
Muthesius brachte die Idee des Landhauses nach
Deutschland, paBte sie den weniger landlichen als vor
stadtischen Bedingungen an und leitete einen ProzeB ein,
in dessen Foige der Begriff "Wohnen" grundsatzlich neu
interpretiert wurde. Gemessen an den auBeren gesell
schaftlichen Lebensbedingungen wurden die SchlOssel
funktionen
4 Siedlungshaus. H. Tessenow
- Gesellschaft, Kommunikation,
Haus von Velsen (Gegenentwurf).
- Arbeit, HaushaltsfOhrung,
F. Ostendorf
- Individualraume, Ruhe, Schlaf und
- Hygiene
neu definiert und bewertet, wurde das Programm redu
ziert und objektiviert.
Kennzeichnend fOr die Architekturrezeption auch jener
Jahre ist die Unterscheidung zwischen einem klassi
zistisch-reprasentativen und einem modern-funktionalen
Anspruch, die jeweils bOrgerlichen und sozialistischen
Utopien der gesellschaftspolitischen Diskussion korre
spondieren. In dieser engagiert gefOhrten Auseinander
setzung zwischen konservativen und fortschrittlichen
Kraften fOrderte der Deutsche Werkbund maBgeblich die
Entwicklung zum industrienahen, typisierten Bauen.
9
Daneben gab es BemOhungen um einen dritten Weg, der
sich gezielt an den MaBstaben einer selbstbewuBten
neuen Arbeiterschaft orientierte. Heinrich Tessenow ent
wickelte um die Jahrhundertwende schematisierte Ein
familienhauser, die dem gewachsenen BedOrfnis nach
Eigentumsbildung und individueller Lebensgestaltung
des "bOrgerlichen Arbeiters" Rechnung trugen. Der mas
sive Wohnraumbedarf und die begrenzten wirtschaft
lichen Mittel fOhrten zwangslaufig zu einer Typisierung
in Grund- und AufriB und zu einem weitgehendst re
duzierten architektonischen Erscheinungsbild. Entgegen
den BemOhungen des Deutschen Werkbundes, die Typi
sierung als Mittel zur serienreifen industriellen Fertigung
5 Hauser der Zukunft, mit neuartigen technischen Produktionsmitteln einzu
K. Malevitch, 1913
setzen, waren die Hauser Tessenows konventionell
handwerklich konzipiert. Ihre gestalterische Aussage
blieb bieder-regionalistisch, im Kern konservativ, ge
6 Robie-House, F. L. Wright, 1908 nOgte aber zu jeder Zeit, gleich unter welchen ideolo
gischen Vorzeichen, den grundsatzlichen AnsprOchen der
Masse.
Der Stilpluralismus unter dem Begriff Moderne in den
ersten drei Jahrzehnten dieses Jahrhunderts war grund
satzlich mit der volkswirtschaftlichen und politischen
Auseinandersetzung verknOpft. Adolf Loos hatte das Or
nament als "vergeudete Arbeitskraft" und als "ver
geudetes Kapital" geachtet, Poelzig forderte bereits
1906 "unerbittliche Sachlichkeit und geschmackvolle
Durchbildung des klar erkannten Problems". Die
Avantgarde jener Jahre lehnte das bOrgerliche Interieur
ab, da dessen Elemente auf ein Oberkommenes Werte
und Erfahrungssystem verwiesen, das in seiner subjekti
vistischen Vergangenheitsbezogenheit nicht mehr mit
dem fortschrittlichen Orang in der modernen Massen
kultur Obereinzustimmen schien. Der diagnostizierten Er
fahrungsarmut des Einzelnen in einem von Arbeitsteilung
und Massenproduktion bestimmten Alltag der industriel
len Klassengesellschaft entsprach der nackte, aller histo
rischen Rhetorik beraubte Raum. Seine vorrangig am
reinen Gebrauchswert orientierte Gestaltung machte ihn
zu einem kahlen Podium der intellektuellen Auseinander
setzung des neuen - aufgeklarten - Menschen, der in
einem kollektiven Sinnzusammenhang mit der kulturge
sellschaftlichen Entwicklung gesehen wurde. Zugleich
war damit die 6konomische wie' asthetische Voraus
setzung fOr eine dynamisch-plastische Raumgestaltung
geschaffen, aus der heraus die moderne Form ihre neuen
Inhalte bezog.
Deutlichen formalen EinfluB auf die engagierten kOnst
lerischen Gruppen Mitteleuropas nahm eine Ausstellung
der Arbeiten Frank Lloyd Wrights 1910 in Berlin. Aus
10
ganz anderen Voraussetzungen hera us hatte er in den nete AuBenraum wird als hochst artifiziell gestalteter Hof
USA Wohnhauser konzipiert, die das klassische "Kom in den innenraumlichen Kontext integriert (s.a. Mies van
positum aus Zellen" baukorperlich und innenraumlich der Rohe, Barcelona-Pavilion, Hofhauser).
auflosten. Platten und Scheiben formulierten einen Diese neuartigen Wohnhauser sind nur denkbar aufgrund
offen en , flieBenden Raum und verschrankten ihn mit der der programmatischen Teilung des modernen Lebens in
umgebenden Landschaft. Arbeits- und Freizeitzonen und dem enormen Stellen
Die von Poelzig geforderte "unerbittliche Sachlichkeit" in wert, den der individuelle Lebensbereich gewonnen hat.
Form und Funktion unterlag so unterschiedlichen Aus Damit einhergehend treten aber gerade bei Corbusiers
legungen, wie es verschiedene KOnstlergruppen gab. bekanntesten Wohnhausern (Villa Savoye, Villa Stein)
Ganz der romantisch-idealistischen Auffassung des Ju Parallelen zu den klassischen Vorbildern der reprasen
gendstils verhaftet, reprasentiert vor allem Henry van de tativen Villa auf. Er entwickelt eine vergleichbar abge
Velde einen FIOgel der modernen Bewegung, der, auf schlossene und autonome Gestalt.
die kunstgewerblich-handwerkliche Gesinnung der Arts & Das Einfamilienhaus nimmt in der stilgeschichtlichen Ent
Crafts-Bewegung zurOckgreifend, auf der Individualitat wicklung eine zwiespaltige Position ein. Einerseits ist es
7 Barcelona-Pavilion, L. Mies des formschaffenden KOnstlers beharrte. Die spezifische ein geeignetes Objekt, an demsich stiltheoretische
van der Rohe, 1929 Sensibilitat und Begabung des KOnstlers erlaubten es Thesen erproben lassen, andererseits geht der Inhalt der
diesem, den "exakten Sinn" des zu gestaltenden Dinges eigentlichen Diskussion weit Ober die Belange und Moti
8 Villa Savoye, Le Corbusier, 1930 zu erkennen und interpretierend in eine ahistorische, zeit vationen des individuellen Bauens hinaus und richtet sich
gemaBe, aber auch atypische Form zu Obersetzen. vielmehr auf die Probleme des Massenwohnungsbaus in
Die radikalen Verfechter einer rationalistischen Architek stadtebaulichem Rahmen. Besonders deutlich wird das
tur dagegen argumentierten mit der Wirtschaftlichkeit in der Erklarung von La Sarraz, die von den Teilnehmern
des Produktionsprozesses fOr eine Architektur, deren der ersten ClAM 1928 formuliert wurde, im Jahr nach der
Material, Konstruktion und Asthetik an den Bedingungen Etablierung des Internationalen Stils auf der WeiBen
der industriellen Fertigung, also Typisierung und Stan hofausstellung in Stuttgart. Das Kernproblem der wirt
dardisierung, gemessen wurden. 1924 formulierte Mies schaftlichen Rationalisierung fordert vom "Bewohner des
van der Rohe in der Zeitschrift "G" programmatisch: "In Hauses eine Klarung seiner AnsprOche im Sinne einer
der Industrialisierung des Bauwesens sehe ich das Kern weitgehenden Vereinfachung und Verallgemeinerung der
problem unserer Zeit. Gelingt es uns, diese Industria Wohnsitten. Dies bedeutet einen Abbau der heute Ober
lisierung durchzufOhren, dann werden sich die sozialen, schatzten ( ... ) EinzelansprOche zugunsten einer allge
wirtschaftlichen, technischen und auch asthetischen Pro meinen und breiten ErfOliung der heute zurOckgesetzten
bleme leicht losen lassen." AnsprOche der groBen Masse."
Die Zeitschrift war das Organ einer gleichnamigen Das Einfamilienhaus konnte nicht als Trager jener kultur
Gruppe, der, neben Mies, Vertreter des russischen Kon gesellschaftlichen Idee fungieren, aus der heraus es
struktivismus und des "Stijl" angehorten. In einer tech seine stilistische Erscheinung bezog. Ais formales und
nisch-industriellen Asthetik so lite die Trennung von innenraumliches Kunstwerk richtet es sich zwar an den
Ingenieur und Architekt aufgehoben und eine neue Einheit modernen Menschen, der sich nach Ansicht Le Corbu
von Kunst und Technik angestrebt werden. Durch die siers "in sachlichen Geschaften und Fabriken bereits
Elementarisierung der konstruktiven Bestandteile ent wohler White als in seinen verstaubten vier Wanden". Die
stand eine neue VerfOgbarkeit des Innenraums. Le Cor Masse jedoch war weder so modern, wie man glaubte,
busier hatte die industrienahe Trennung der Elemente noch war in jedem Faile die entsprechende gesell
bereits 1914 in den Domino-Systemen realisiert. An die schaftspolitische Identifikation vorhanden, als daB die
Stelle der traditionellen Raumordnung tritt nunmehr ein Idee ihren Adressaten hatte erreichen konnen.
Raumkontinuum, das aufwendig inszenierte Wohn- und So entstanden zur Deckung des allgemeinen Wohnraum
Lebensraume sowie funktional addierte Nebenraume zu bedarfs, ganzlich ungeachtet von diesen Auseinander
einer erlebnisreichen Raumskulptur zusammenfaBt. In setzungen, vornehmlich groBflachige Typenhaussied
seinem BemOhen um eine mod erne Formensprache lungen, wie sie etwa von Tessenow entwickelt worden
ersetzt Le Corbusier die klassischen Ordnungssysteme waren. Bei moglichst reduziertem Zuschnitt sind be
Symmetrie und Hierarchie durch ein Proportionssystem, scheidene Wohn- und Wirtschaftsraume im ErdgeschoB,
dessen freie Gestaltung durch einen festgelegten ,Modu Schlafraume unter dem Dach um eine zentrale Diele
lor' objektiviert wird. Der den Wohnbereichen zugeord- addiert. Die gesichtslose Uniformitat dieser Siedlungen
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