Table Of ContentHandbuch Regierungsforschung
Karl-Rudolf Korte • Timo Grunden (Hrsg.)
Handbuch
Regierungsforschung
Herausgeber
Univ.-Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte
Dr. Timo Grunden
Universität Duisburg-Essen, Deutschland
ISBN 978-3-531-16059-7 ISBN 978-3-531-94031-1 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-531-94031-1
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Redaktion: Jan Schoofs M.A. (verantwortlich), Dr. Kristina Weissenbach, Patrick Hintze M.A., Björn Bin-
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Inhaltsverzeichnis
Timo Grunden/Karl-Rudolf Korte
Über die Regierung:
Gegenstände der Regierungsforschung und neue Konturen des Regierens . . . . . . . . . . 11
Teil I: Herausforderungen des Regierens und der Regierungsforschung
Werner J. Patzelt
Wertfreie Wissenschaft ?
Motive, Adressaten und Regeln einer praxisnützlichen Politikwissenschaft . . . . . . . . . 33
Steff en Schneider/Frank Nullmeier
Handlungsspielräume des Nationalstaates:
Demokratisches Regieren in der post-nationalen Konstellation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
Nicolai Dose
Von Government zu Governance:
Regieren unter veränderten Bedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
Rolf G. Heinze
Politische Steuerung und gesellschaft liche Selbstregelung:
Welche Handlungsspielräume haben demokratische Regierungen? . . . . . . . . . . . . . . . . 61
Claus Leggewie
Regierende und Regierte:
Normative Fundamente und neue empirische Herausforderungen
für die demokratische Willensbildung und Entscheidungsfi ndung . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
Henning Laux/Hartmut Rosa
Zeithorizonte des Regierens:
Rasender Stillstand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
6 Inhaltsverzeichnis
Ulrich Sarcinelli
Legitimation durch Kommunikation?
Politische Meinungs- und Willensbildung
in der „post-modernen“ Mediendemokratie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93
Christoph Bieber
Ethik und Politikmanagement:
Ein neuer Gegenstand der Regierungsforschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103
Teil II: Die makropolitische Perspektive –
Politische Systeme, Regime und Kulturen
Hans-Joachim Lauth
Regierungssysteme und Demokratietypen:
Parlamentarische und präsidentielle Demokratien,
Verhandlungs- und Wettbewerbsdemokratien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115
Werner Weidenfeld
Europäische Union:
Ein politisches System „neuen Typs“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131
Heinz-Jürgen Axt
Zur Europäisierung der Innen- und Justizpolitik:
Mehr Eff ektivität für weniger Legitimität? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141
Melanie Diermann
Regierungskommunikation:
Zur Bedeutung institutioneller Faktoren
bei der Legitimation politischer Entscheidungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151
Susanne Pickel
Politische Kultur, Systemvertrauen und Demokratiezufriedenheit:
Wann fühlen sich die Bürger gut regiert? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161
Gerd Mielke
Parteiensysteme, gesellschaft liche Konfl ikte und komplexe Wählermärkte:
Zur Repräsentations- und Integrationsfähigkeit politischer Parteien . . . . . . . . . . . . . . 175
Achim Goerres
Gordische Knoten im Akkord:
Einfl ussfaktoren und Strategien sozialpolitischer Reformen
in modernen Wohlfahrtsstaaten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187
Inhaltsverzeichnis 7
Ursula Münch
Eff ektivität und Legitimation föderaler Regierungssysteme:
Bewährungsproben und Perspektiven . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197
Andreas Blätte/Karina Hohl
Gestaltungsspielräume des Regierens in den Ländern:
Landespolitik zwischen Marginalisierung, Blockade und Innovation . . . . . . . . . . . . . . 207
Teil III: Die mesopolitische Perspektive –
Organisationen, Institutionen und Entscheidungsprozesse
Timo Grunden
Formales und informelles Regieren in rechtsstaatlichen Demokratien:
Analysezugänge und Untersuchungsgegenstände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 219
Ralf Tils
Strategisches Regieren:
Möglichkeiten und Grenzen von Strategie im Regierungsprozess . . . . . . . . . . . . . . . . . 229
Ludger Helms
Regierungsführung und Regierungsorganisation:
„Chief Executive Governance“ in westlichen Demokratien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 239
Kai-Uwe Schnapp/Roland Willner
Regierung und Bürokratie:
Zum Einfl uss der Ministerialbürokratie auf das Regierungshandeln . . . . . . . . . . . . . . 247
Uwe Kranenpohl
Verfassungsrechtssprechung:
Regieren mit Richtern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 257
Reimut Zohlnhöfer
Politische Parteien und öff entliche Politik:
Zum Einfl uss von Parteien auf die Staatstätigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 267
Niko Switek
Koalitionsregierungen:
Kooperation unter Konkurrenten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 277
Eva Krick/Julia von Blumenthal
Regieren in der Politikverfl echtung:
Parteienwettbewerb und Verhandlungen in Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 287
8 Inhaltsverzeichnis
Christoph Strünck
Regieren als Verhandeln:
Problemlösungskapazitäten und Legitimationsressourcen
von korporatistischen Verhandlungen und Policy-Netzwerken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 297
Manfred Mai
Regieren mit organisierten Interessen:
Lobbyismus im Wandel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 307
Martin Th unert
Regieren und Politikberatung:
Akteure, Einfl uss und Legitimation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 317
Klaus Kamps
Kommunikationsmanagement und Regierungs-PR:
Fakten, Funktionen, Perspektiven . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 327
Teil IV: Die mikropolitische Perspektive –
Individuelle Akteure, Führungstechniken und -instrumente
Friedbert W. Rüb
Mikropolitologie:
Auf dem Weg zu einem einheitlichen Konzept? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 339
Manuela Glaab
Politische Führung als strategischer Faktor:
Was individuelle Akteure leisten können . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 349
Jan Treibel
Innerparteiliche Entscheidungsprozesse:
Interne Machtverhältnisse und Modi der Entscheidungsfi ndung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 359
Timo Grunden
Politikmanagement:
Der personelle Faktor des Regierens am Beispiel
der persönlichen Berater deutscher Regierungschefs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 371
Helmar Schöne
Steuerung und Fraktionsmanagement von Regierungsfraktionen:
„Die Mehrheit muss stehen“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 381
Inhaltsverzeichnis 9
Manuel Fröhlich
Sprache und Politik:
Aspekte ihres Verhältnisses und ihrer Erforschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 391
Jörg-Uwe Nieland
Informelle Kommunikationskultur:
Netzwerke zwischen Spitzenakteuren der Politik und des Journalismus . . . . . . . . . . . 401
Karl-Rudolf Korte
Machtwechsel in der Kanzlerdemokratie:
Aufstieg und Fall von Regierungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 411
Autorenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 423
Stichwortverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 427
Über die Regierung
Gegenstände der Regierungsforschung und neue Konturen
des Regierens
Timo Grunden und Karl-Rudolf Korte
1 Blickwinkel und Brennpunkte der Regierungsforschung
Was ist der Gegenstand der Regierungsforschung? Die Antwort liegt auf der Hand, könn-
te man meinen: Ihr Gegenstand ist natürlich die Regierung bzw. das Regieren. Doch so
einfach das klingt, so wenig ist damit über den Gegenstand tatsächlich gesagt. Zum einen
ist der Begriff des Regierens das, was die Rechtswissenschaft „unbestimmt“ nennt: Er
erweckt zwar ähnliche Assoziationen, entzieht sich aber einer umfassenden und unan-
fechtbaren Defi nition (Korte 2001); er ist auslegungsfähig und interpretationsbedürft ig.
Mehr noch: „Unbestimmt“ zu sein ist das Schicksal fast aller grundlegenden Begriff e der
Politikwissenschaft . Sei es die „Politik“ selbst (von Alemann 1994), die „Demokratie“
(Schmidt 2008), der „Staat“ (Stammen 1995) oder eben das „Regieren“ – all diese Begriff e
sind nicht nur auslegungsfähig, sie beziehen sich auch aufeinander und die ihnen zuge-
schriebenen Bedeutungen weisen mehr oder minder große Schnittmengen auf. Zum an-
deren erschließt sich ein wissenschaft licher Gegenstand immer erst dann, wenn wir auch
wissen, „welche Art von Fragen sich die betreff ende Disziplin vorlegt“ (Hoerster 2011: 9),
welche Phänomene sie für erklärungsbedürft ig hält und welche Gegenstandsmerkmale
in ihren Fokus geraten.
Als John Locke (1632-1704), bei dem wir uns aus Anlass seines 380. Geburtstags den
Titel für unsere Einleitung entliehen haben, seine Abhandlungen über die Regierung
veröff entlicht, ist sein Gegenstand vor allem einer der Staatsphilosophie: Unter welchen
Prämissen ist eine staatliche Ordnung zu rechtfertigen? Locke gilt neben Montesquieu
als einer der ideengeschichtlichen Urväter der Gewaltenteilungslehre. Aber die konkrete
Form der staatlichen Ordnung, sei sie eine konstitutionelle Monarchie, Oligarchie oder
Demokratie, hat bei Locke noch eine nachgeordnete Bedeutung. Sie ist legitim, solan-
ge sie aus dem Willen des Volkes hervorgeht und die durch das Naturrecht verbürgten
Rechte des Individuums schützt (Th omas 1995). Festzuhalten ist, dass bei Locke wie bei
den meisten „Vorläufern der modernen Demokratietheorie “ (Schmidt 2008: 25) die Re-
gierung normative Ordnungsfragen aufwirft . Regierung, Staat und Herrschaft gelten als
Synonyme und sollten in der Staatsrechtslehre noch bis ins 20. Jahrhundert hinein als
solche verwendet werden. Das wohl eindrucksvollste Beispiel für die Möglichkeit, im
Begriff der Regierung die normative Idee der Staatsordnung mit ihren Funktionen und
der praktischen Ausübung der Regierungsgewalt zu verschmelzen, ist Abraham Lincolns
Karl-Rudolf Korte, T. Grunden (Hrsg.), Handbuch Regierungsforschung,
DOI 10.1007/978-3-531-94031-1_1, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2013