Table Of ContentHandbuch Psychosoziale Prozessbegleitung
Andrea Behrmann
Klaus Riekenbrauk
Iris Stahlke
Gaby Temme (Hrsg.)
Handbuch Psychosoziale
Prozessbegleitung
Verlag Barbara Budrich
Opladen • Berlin • Toronto 2022
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
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Gedruckt auf säurefreiem und alterungsbeständigem Papier.
Alle Rechte vorbehalten.
© 2022 Verlag Barbara Budrich GmbH, Opladen, Berlin & Toronto
www.budrich.de
ISBN 978-3-8474-2587-8 (Paperback)
eISBN 978-3-8474-1776-7 (eBook)
DOI 10.3224/84742587
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Umschlaggestaltung: Eva Mutter, Barcelona
Satz: Angelika Schulz, Zülpich
Druck: paper & tinta, Warschau
Printed in Europe
Geleitwort von Martina Peter
„Es macht einen Unterschied, ob Menschen begleitet werden!“ Dieser Aussage einer Psy-
chosozialen Prozessbegleiterin im Interview auf der Informationsplattform der Bundes-
regierung „hilfe-info.de“ kann man nur zustimmen. In dem Interview wird ganz anschau-
lich deutlich, wie die Psychosoziale Prozessbegleitung Opfern von schweren Gewalt- oder
Sexualtaten dabei helfen kann, mit den Belastungen eines Strafverfahrens besser umgehen
zu können und hierdurch keine zweite Traumatisierung erfahren zu müssen.
Die Psychosoziale Prozessbegleitung ist seit 2017 als Anspruch auf fachlich qualifizier-
te, nicht-rechtliche Begleitung für Opfer von Straftaten in der Strafprozessordnung veran-
kert (§ 406g StPO). In mehreren tausend Fällen konnte sie seither Betroffene unterstützen.
An die Profession der Psychosozialen Prozessbegleitung werden dabei im Gesetz über
die psychosoziale Prozessbegleitung hohe Ansprüche gestellt: Die Fachkräfte aus dem Be-
reich der Sozialen Arbeit, Psychologie oder Pädagogik müssen eine qualifizierte Aus- oder
Weiter- sowie Fortbildung absolviert haben und ihre Arbeit ist geprägt von der Neutralität
gegenüber dem Strafverfahren und der Trennung von Beratung und Begleitung. In der Pra-
xis bedeutet dies, dass die Psychosozialen Prozessbegleitungen nicht nur beispielsweise
psychotraumatologische Kenntnisse und Methodenkompetenz vorweisen können, sondern
sich auch in den Grundzügen eines Strafverfahrens auskennen.
Das von dem Team der Herausgeberinnen und Herausgeber – Andrea Behrmann, Klaus
Riekenbrauk, Iris Stahlke und Gaby Temme – nun vorgelegte Handbuch soll die Psycho-
sozialen Prozessbegleiterinnen und -begleiter bei ihrer wichtigen und anspruchsvollen Auf-
gabe unterstützen. Das Werk nimmt für sich in Anspruch, eine vollständige Zusammen-
fassung des relevanten viktimologischen und kriminologischen Forschungsstandes, der
rechtlichen Grundlagen und Probleme sowie der Erfahrungen aus der Praxis und aktuellen
Entwicklungen der Psychosozialen Prozessbegleitung zu bieten. Zielgruppen der Psycho-
sozialen Prozessbegleitung werden dabei ebenso beleuchtet wie Fragen der Aus-, Weiter-
und Fortbildung oder die Darstellung von Methoden oder des strafprozessualen Umfelds
der Psychosozialen Prozessbegleitung, um nur einige Themen herauszugreifen.
Mehr als 50 Autorinnen und Autoren konnten gewonnen werden, um möglichst viele
Aspekte dieses wertvollen Unterstützungsangebots für Opfer insbesondere schwerer Straf-
taten zu beleuchten. Stimmen aus der Wissenschaft und aus der Praxis der Psychosozialen
Prozessbegleitung kommen ebenso zu Wort wie solche aus der Justiz. Dieser hervorragende
interdisziplinäre Ansatz trägt dazu bei, das gegenseitige Verständnis zu fördern und ein
kooperatives Zusammenarbeiten all derer zu ermöglichen, die vor, während und nach dem
Verfahren zugunsten der Betroffenen mitwirken.
Ich wünsche daher diesem umfassenden Handbuch viele interessierte Lesende!
Martina Peter
Ministerialrätin im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
Leiterin des Referats RB4 – Internationales Strafverfahrensrecht und Gerichtsverfassung;
Opferschutz und Datenschutz im Strafverfahren
Geleitwort von Thora Ehlting
Mit dem Gesetz über die psychosoziale Prozessbegleitung im Strafverfahren (PsychPbG)
und dem Inkrafttreten zum 01.01.2017 haben verletzte Zeugen*innen einen Rechtsanspruch
auf eine nicht rechtliche Begleitung im Strafverfahren. Bei besonders schutzbedürftigen
Verletzten wird die Begleitung durch den Staat finanziert. Dies gewährleistet den Opfern
von Straftaten eine qualifizierte Unterstützung und Begleitung für die Zeit vor, während
und nach der Gerichtsverhandlung, also für das gesamte Strafverfahren. Während wesent-
liche Aspekte der Psychosozialen Prozessbegleitung bundeseinheitlich geregelt sind, er-
lassen die einzelnen Bundesländer Verordnungen und Ausführungsgesetze zur Umsetzung.
Der Bundesverband Psychosoziale Prozessbegleitung e.V. (bpp e.V.) hat mit der Entwick-
lung der Qualitätsstandards dazu beigetragen, die qualitativen Rahmenbedingungen für eine
bundesweit einheitliche und verbindliche Versorgung verletzter Zeugen*innen zu definie-
ren.
Mit diesem Handbuch wird dem noch relativ neuen professionellen Handlungsfeld der
Psychosozialen Prozessbegleitung eine notwendige Arbeitshilfe zur Verfügung gestellt. Die
Beiträge der Experten*innen geben einen Gesamtüberblick über Grundlagen der Psycho-
sozialen Prozessbegleitung, Beteiligte am Strafverfahren, gesellschaftliche Rahmenbedingun-
gen und daraus resultierender Anforderungen an Kommunikation und Interaktion, Schwer-
punkte der Psychosozialen Prozessbegleitung und Zielgruppen, Aus-, Fort- und Weiter-
bildung sowie zukünftige Herausforderungen. Die Inhalte des Handbuches werden sowohl
den zukünftigen als auch den bereits aktiven, qualifizierten Psychosozialen Prozessbegleitun-
gen hilfreich sein und bieten eine Grundlage für eine bundesweit vergleichbare Qualität und
Professionalität.
Im Bericht an den Normenkontrollrat von Februar 2021 benennt das BMJV die Auf-
gabe, den Bekanntheitsgrad der Psychosozialen Prozessbegleitung bei Gerichten und
Staatsanwaltschaften voranzutreiben. Das Handbuch wird auch für die Kooperations-
partner*innen einen guten Einblick in die Tätigkeit und die Haltung der Psychosozialen
Prozessbegleitungen abbilden und das Verständnis der Professionen untereinander erwei-
tern sowie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zur Unterstützung der Verletzten fördern.
Thora Ehlting M.A.
Psychosoziale Prozessbegleiterin, 2. Vorsitzende bpp e.V
Inhaltsverzeichnis
Geleitwort von Martina Peter ............................................................................................ 5
Geleitwort von Thora Ehlting ............................................................................................ 7
Einleitung ....................................................................................................................... 17
Gaby Temme, Iris Stahlke, Klaus Riekenbrauk & Andrea Behrmann
Teil I: Grundlagen .................................................................................. 23
Einleitung ....................................................................................................................... 25
Gaby Temme, Iris Stahlke, Klaus Riekenbrauk & Andrea Behrmann
Viktimologie .................................................................................................................. 27
Otmar Hagemann & Gaby Temme
Traumatische Erfahrungen und ihre möglichen Auswirkungen auf die Betroffenen .......... 53
Sibylle Rothkegel
Opfer und Recht – Rechte der Opfer................................................................................ 67
Gaby Temme
Staatliche Opferentschädigung ........................................................................................ 89
Klaus Riekenbrauk
Das Recht der Psychosozialen Prozessbegleitung .......................................................... 103
Klaus Riekenbrauk
Evaluationen zur Psychosozialen Prozessbegleitung ...................................................... 123
Bettina Zietlow & Laura Treskow
Haltung – Grundlagen und Diskussionen ....................................................................... 133
Stefanie Rosenmüller & Sandra Holzkamp
Best Practice der Psychosozialen Prozessbegleitung – Anforderungen, Haltung,
Handlungsrepertoire...................................................................................................... 147
Andrea Behrmann
Grundlagen und Qualitätsstandards der Psychosozialen Prozessbegleitung ..................... 167
Iris Stahlke & Silke Rabe
Grenzziehung: Unterschiede zwischen Beratung, Zeugen*innenbegleitung und
Psychosozialer Prozessbegleitung ................................................................................. 179
Susanne Hampe
10 Inhaltsverzeichnis
Überblick über die Entwicklung und die rechtlichen Grundlagen der Psychosozialen
Prozessbegleitung in den 16 Bundesländern .................................................................. 187
Iris Stahlke & Gaby Temme
Teil II: Am Strafverfahren Beteiligte .................................................. 253
Einleitung ..................................................................................................................... 255
Gaby Temme, Iris Stahlke, Klaus Riekenbrauk & Andrea Behrmann
Am Strafverfahren Beteiligte – ein Überblick ................................................................ 259
Klaus Riekenbrauk
Polizei .......................................................................................................................... 287
Rita Bley
Staatsanwaltschaft ........................................................................................................ 309
Dagmar Freudenberg
Das Ermittlungsgericht ................................................................................................. 335
Ulrike Stahlmann-Liebelt
Ermittlungsrichterliche Videovernehmung kindlicher und jugendlicher
Opferzeugen*innen am Beispiel des ‚Braunschweiger Modells‘ .................................... 347
Ute Lindemann
Das Gericht im Zwischen- und Hauptverfahren ............................................................. 357
Susanne Wetzel
Rechtliche Vertretung Verletzter ................................................................................... 375
Martina Lörsch
Strafverteidigung .......................................................................................................... 393
Helmut Pollähne
Sachverständige – Forensische Psychologie .................................................................. 411
Luise Greuel
Sachverständige – Aussagepsychologie ......................................................................... 427
Beate Daber
Ergänzungspflegschaft – Funktion und Rolle im Strafverfahren ..................................... 443
Billur Gülgeç-Yerlikaya
Dolmetscher*innen ....................................................................................................... 451
Christiane Jacqueline Driesen