Table Of ContentHandbuch Migrationsarbeit
Britta Marschke (cid:129) Heinz Ulrich Brinkmann (Hrsg.)
Handbuch Migrationsarbeit
2., überarbeitete und aktualisierte Aufl age
Mit einem Grußwort von Prof. Dr. Maria Böhmer
Herausgeber
Dr. Britta Marschke Dr. Heinz Ulrich Brinkmann
Freie Universität Berlin Alft er, Deutschland
Deutschland
ISBN 978-3-531-19944-3 ISBN 978-3-531-19945-0 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-531-19945-0
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Lektorat: Dr. Cori A. Mackrodt, Stefanie Loyal
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Inhaltsverzeichnis
Maria Böhmer
Grußwort 9
Heinz Wrich BrinkmanniBritta Marschke
MigranUnnenarbeit - eine Einführung 11
Teil A Theoretische Einführung
Heinz Wrich Brinkmann
1.1 Soziodemografische Merkmale der Migrationsbevölkerung 21
Heinz Wrich Brinkmann
1.2 Soziale und politische Teilhabe 41
Britta MarschJce
1.3 Gesellschaftliche Teilhabe und Chancengleichheit als Indikatoren
für Integration 61
Britta Marschke
1.4 Interkulturelle Arbeit zwischen Anspruch und WIrklichkeit 79
Karin Weiss
1.5 Migrantenorganisationen als Motoren der Integrationsarbeit 93
Teil B Aktivierung von Migrantinnen und Migranten
in Theorie und Praxis
2.1 Frühkindliche Bildung 107
Drcmt Lengyel/Vesna nie
2.1.1 Frühkindliche Bildung 109
~enAkyol
2.1.2 Die Kindervilla Waldemar 121
BriUa Marschke
2.1.3 Ideen zum Nachahmen 127
2.2 Schule und Migration 129
Clemens Seyfried
2.2.1 Migrationsarbeit als Vertrauensarbeit in der Schule 131
Tanja Helmig
2.2.2 Der "Mercator-Förderunterricht" 143
6 Inhaltsverzeichnis
Dane KrauselÖzkan Kalkan
2.2.3 "IDEA-Basiskompetenzförderprogramm 149
BriUa Marschke
2.2.4 Ideen zum Nachahmen 157
2.3 Berufliche Bildung 159
Mona Granato
2.3.1 Bildungspläne, Einmündung und Abschluss einer beruflichen
Ausbildung 161
Werner Stein
2.3.2 Integration in Integrationskursen?! - Zwischenrufe aus der Praxis 179
Harald Haase
2.3.3 Fallmanagement - eine berufliche Chance für jugendliche Mi-
granUnnen? 187
Briua Marschke
2.3.4 Ideen zum Nachahmen 195
2.4 Elternbildung 197
Dursun Tan
2.4.1 Elternbildung 199
Kazim Erdogan
2.4.2 Multikulturelle Elternarbeit in Berlin-Neukölln 211
Mahmut GergerlilCorinna Gruber
2.4.3 Zugehende Arbeit mit MigranUnnen bei der städtischen Bil-
dungsberatung International (BBI), München 219
Briua Marschke
2.4.4 Ideen zum Nachahmen 227
2.5 Freizeit in der Migration 229
Philip Anderson
2.5.1 MigrantInnen und die Freizeit 231
Robert Claus
2.5.2 Der Fußballverein Türkiyemspor 241
Roed Saleh
2.5.3 Das Projekt "Stark ohne Gewalt" 247
BriUa Marschke
2.5.4 Ideen zum Nachahmen 253
2.6 Islam und ethische Erziehung 255
Haci-Halil Uslucan
2.6.1 Ethische Erziehung in mus1imischen Familien 257
Inhaltsverzeichnis 7
Bekir Alboga
2.6.2 Die DITlB-Mannheimer Moschee als Ort der Aktivierung 271
BriUa Marschke
2.6.3 Ideen zum Nachahmen 279
2.7 Ältere MigrantInnen 281
Gürcan KökgiranlA nna-Lena Kökgiran
2.7.1 Altwerden in der Migration 283
Ali UstalarlCharlotte Wienecke
2.7.2 Das Projekt "Netzwerk ältere MigrantInnen" in Kiel-Gaarden 295
BriUa Marschke
2.7.3 Ideen zum Nachahmen 301
2.8 Politische Bildung 303
Gudrun Hentges
2.8.1 Politische Bildung für MigrantInnen 305
Nesrin Kaygusuz
2.8.2 Das Projekt "Heimat ist hierlu 319
Ursula Klimiont
2.8.3 Regionale Bildungsträger: Das Bildungszentrum der Stadt
Nümberg 325
Heinz Wrich Brinkmann
2.8.4 Ideen zum Nachahmen 329
Britta MarschkelHeinz Wrich Brinkmann
Fazit 333
Literaturverzeicltnis 339
AutorInnen 377
Register 379
Personenregister 379
Sachregister 387
Abkürzungen 401
Grußwort
Die erfolgreiche Integration der über 15 Millionen Menschen aus Zuwandererfa
milien ist entscheidend für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Um die
Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen, als Zuwanderer sich weitgehend
selbst überlassen wurden, müssen wir einen Paradigmenwechsel von der nach
holenden zur vorbereitenden Integrationspolitik einleiten: Zuwanderung und
Integration müssen stets in einem Zusammenhang betrachtet werden.
Die vorbereitende Integration sollte schon im Herkunftsland beginnen: mit
dem Erwerb der deutschen Sprache und der Wahrnehmung von speziellen In
tegrationsangeboten. Damit Zuwanderer nach ihrer Ankunft in Deutschland so
schnell wie möglich Fuß fassen können.
Unser Grundsatz in der Integrationspolitik ist es, Integration verbindlicher zu
gestalten. Dafür stehen u.a. das Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und
Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen, der Nationale Ak
tionsplan Integration und die individuellen, passgenauen Integrationsvereinba
rungen.
Integration geht uns alle an: jeden Einzelnen, die Gesellschaft, Politik und
Wirtschaft, aber auch Bund, Länder und Kommunen. Zahlreiche Institutionen
und Persönlichkeiten engagieren sich hier bereits. Gute Beispiele können den
Weg weisen. Für eine gelingende Integration hat es sich als hilfreich erwiesen,
wenn unterschiedliche Ansätze miteinander verknüpft und Akteure sowie Initi
ativen vor Ort besser vernetzt werden. Das vorliegende Handbuch Migratirmsar
beil leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Der Erfolg der ersten Auflage zeigt dies
deutlich. Experten aus Theorie und Praxis beschreiben darin nicht nur, welche
Ansätze und Projekte es gibt, sie legen auch zukunftsweisende Konzepte vor.
Das Handbuch deckt die gesamte Bandbreite der Integrationsarbeit ab, von der
frühkindlichen Bildung bis zum Alterungsprozess. Es verknüpft theoretische
Überlegungen mit praktischen Erkenntnissen und gibt zahlreiche Empfehlungen
für die Integrationsarbeit.
Ich danke den Herausgebern sowie den Autorinnen und Autoren. Das Hand
buch Migralionsarbeil ist ein Gewinn für alle, die sich mit dem Thema Integration
auseinandersetzen.
Prof Dr. Maria Böhmer
Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin
Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration
Heinz Ulrich Brinkmann/Britta Marschke
MigrantInnenarbeit - eine Einführung
1 Zielsetzung des Handbuches
Zwischen der Fertigstellung der Manuskripte für die 1. Auflage im Jahre 2010
und der nun vorliegenden 2., überarbeiteten und erweiterten Auflage ist der Pro
zess der Integration weiter vorangeschritten. Es hatte allerdings auch vorüber
gehend beunruhigende Anzeichen einer sich verstärkenden, polarisierenden De
batte gegeben. Die bereits mit den Interviews im Vorfeld seines Buches von Thilo
Sarrazin' aufgebrochene intensivierte Diskussion über den Stand der Integration
- ja sogar um pro & contra Immigration - führte zu einer verstärkten Beschäf
tigung auch mit den grundlegenden Fragen aller damit zusammenhängenden
Bereiche. Auf beiden Seiten der lebhaften und engagiert geführten Debatte betei
ligten sich bekannte Persönlichkeiten. Bei allen dysfunktionalen Aspekten dieser
oft sehr emotional geführten Debatte kam es aber auch zu einer großen Sensi
bilisierung über den Kreis der vormals Beteiligten hinaus, und es wurden neue
Maßnahmen zur Vertiefung der Integration eingeleitet. Dass es letztendlich zu
einer Vertiefung der Integration keine Alternative gibt, ist allen mit der Materie
befassten Personen sehr wohl bewusst, und findet seinen Niederschlag auch in
der Meinung der Bevölkerung.
Diese Veränderungen von öffentlicher Diskussion und Integrationspolitik -
sowie die erzielten Verkaufszahlen - machten eine Neuauflage unseres Handbu
ches erforderlich. Herausgeber und Autorlnnen sind dieser Verpflichtung gerne
nachgekommen. Die Beiträge wurden überwiegend überarbeitet, teilweise sogar
gründlich umgestaltet bzw. weitgehend neu geschrieben; die Buchkapitel 2.1.2,
2.3.2, 2.5.3, 2.8.2 und 2.8.3 wurden unverändert von der 1. Auflage übernom
men, da eine Überarbeitung großteils nicht nötig war, zu einem kleinen Teil aus
Zeitgründen nicht überarbeitet werden konnten. Neu hinzugekommen ist eine
Analyse der Integrationskurse (Kapitel 2.3.2). Die grundlegenden Fragen von
Migration und Integration sind bestehen geblieben, die Probleme auf Seiten der
Migrations-und der Aufnahmegesellschaft sind in ihren Grundstrukturen eben
falls unverändert geblieben. Die Arbeit mit und für Migrantlnnen muss deshalb
in ähnlichen Bahnen fortgeführt werden, auch wenn sich leichte Erfolge und Sen
sibilisierungen auf beiden Seiten abzeichnen. Aus diesen Gründen haben wir uns
entschieden, Ansatz und Gliederung des Buches beizubehalten.
Denn Migrantinnen und Migranten aus verschiedenen Ländern, mit deutscher
oder ausländischer Staatsangehörigkeit, sind in unserer Gesellschaft Realität ge
worden. Die Politik bekennt sich auch seit einiger Zeit dazu, dass Deutschland
ein Einwanderungsland ist. Integrationsgipfel, Indikatoren für eine gelungene
Integration und Islamkonferenz sind einige Beispiele für die gegenwärtige The-
1 Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen.. München 2010, wies bereits vor
Erscheinen der Taschenbuchversion (Anfang 2012) etwa 1,5 Mio. verkaufte Hardcover-Exemplare
auf. Zu seiner Leserschaft vgl. T. Kniobe 2011.
B. Marschke, H. U. Brinkmann (Hrsg.), Handbuch Migrationsarbeit,
DOI 10.1007/978-3-531-19945-0_1, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2014
12 Heinz U1rich Brinkmann/Britta Marschke
matisierung. "Integration" bedeutet nichts anderes als die Einbindung unter
schiedlicher soziodemografischer Gruppen in ein gesellschaftliches Leben. Kri
tische Vorwürfe einer Multikulti-Träumerei sind kaum noch zu hören, denn das
Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster Herkunft in Deutschland ist
Fakt - in der Gegenwart und auch in der Zukunft.
Gleichzeitig müssen wir jedoch feststellen, dass gesellschaftliche Teilhabe und
Chancengleichheit für Menschen ohne deutschen Pass - aber auch für deutsche
StaatsbürgerInnen, deren Eltern oder Großeltern keinen deutschen Pass hatten
- noch nicht realisiert sind. In allen gesellschaftlichen Teilbereichen sind Migran
tinnen und Migranten benachteiligt: bei frühkindlicher Bildung, bei Schule und
Ausbildung, auf dem Arbeitsmarkt, bei der sozialen Integration, beim Einkom
men, bei der gesellschaftlichen und politischen Partizipation, beim Wohnen und
bei der Gesundheit.
Mit der Anerkennung des Einwanderungslandes Deutschland und der Tatsa
che der Benachteiligung werden nun Fragen aufgeworfen: Wie können Benach
teiligungen abgebaut werden? Was kann die deutsche Mehrheitsgesellschaft tun
und was können die Minderheiten tun? Wie kann ein Gleichgewicht hergestellt
werden? Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um eine Integration im
Sinne einer echten Teilhabe zu erreichen?
Das Handbuch Migrationsarbeit versucht Antworten auf diese Fragen zu geben.
Das Buch richtet sich an WissenschaftlerInnen, die sich für den Blick der Prak
tikerInnen und deren Erfahrungen interessieren, und vor allem an engagierte
PraktikerInnen in der Migrationssozialarbeit, in den unzähligen kleinen und gro
ßen Vereinen, im öffentlichen Dienst, in Kitas, Schulen, in der Politik und in der
Wirtschaft. Anregungen zum Nachdenken, neue Erkenntnisse aus Wissenschaft
und Forschung werden in diesem Handbuch mit Ideen und praktischen Hin
weisen zum Nachmachen kombiniert. Den Herausgebern ist es dabei wichtig,
der Vielfalt des Themas auch hinsichtlich der Herkunft der AutorInnen und der
Projekte gerecht zu werden.
2 Definitionen und Differenzierungen
Grundlage für das vorliegende Handbuch sind die Gruppen der Migrantinnen
und Migranten bzw. die Menschen mit Migrationshintergrund.2 Die Definiti
on von "Migrationshintergrund" basiert auf dem Vorschlag der Konferenz der
für Integrationsfragen zuständigen Ministerinnen und Minister mit folgenden
Merkmalen:'
• Ausländerinnen und Ausländer (auch soweit sie schon in Deutschland
geboren sind);
• im Ausland geborene und zugewanderte Personen seit dem 1.01.1950;
• Eingebürgerte;
, Den Begriff "MigrantJnnen" verwenden wir aus Vereinfachungsgründen für alle in den offiziellen
Statistiken als "Personen mit Migrationshintergrund" Bezeichneten; er schließt also die 2. und 3. Ge
nerationen ein. Die 1. Generation der selbst nach Deutschland Gekommenen bezeichnen wir auch als
"ZuwanderInnen" .
, Zu den einzeinen Begriffen und Abgrenzungen vgl. die Ausarbeitung von UslucanlBrinkmann
2013: Abschnitt 5; s.a. Statistisches Bundesamt 2012b: 5 f., 375, 378, 380 f.; Statistisches Bundesamt
2012a: 40.