Table Of ContentHandbuch der Sentenzen und
Sprichwörter im höfischen
Roman des 12. und 13.
Jahrhunderts, Band 2:
Artusromane nach 1230,
Gralromane, Tristanromane
Bearbeitet von
Tomas Tomasek
Walter de Gruyter
Handbuch der Sentenzen und Sprichwörter
im höfischen Roman des 12. und 13.Jahrhunderts
Band 2
≥
Handbuch der Sentenzen und Sprichwörter
im höfischen Roman des 12. und 13.Jahrhunderts
Herausgegeben von
Manfred Eikelmann und Tomas Tomasek
Walter de Gruyter · Berlin · New York
Handbuch der Sentenzen und Sprichwörter
im höfischen Roman des 12. und 13.Jahrhunderts
Band 2:
Artusromane nach 1230, Gralromane, Tristanromane
Bearbeitet von
Tomas Tomasek
in Zusammenarbeit mit
Hanno Rüther und Heike Bismark
unter Mitwirkung von
Jan Hallmann, Daniela Riegermann, Kerstin Rüther
und Manuela Schotte
Walter de Gruyter · Berlin · New York
Band 1: Einleitung, Artusromane bis 1230
Band 2: Artusromane nach 1230, Gralromane, Tristanromane
(cid:2)(cid:2) GedrucktaufsäurefreiemPapier,dasdieUS-ANSI-NormüberHaltbarkeiterfüllt.
ISBN 978-3-11-017254-6
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PrintedinGermany
Einbandgestaltung:ChristopherSchneider,Laufen
DruckundbuchbinderischeVerarbeitung:Hubert&Co.GmbHundCo.KG,Göttingen
Inhalt
1 Einführung VII
1.1 Begriffe, Vorgehensweise VII
Sentenz und Sprichwort (VII) – Sentenz- und Sprichwortanspielung (X) –
Sentenz- und Sprichwortverwendung (XI) – Zum Verlauf der Untersu-
chung (XII) – Das Tabellenformat (XIII)
1.2 Kurzer Leitfaden zur Tabellenbenutzung XV
1.3 Siglen XVII
2 Artusromane nach 1230 1
2.1 Der Pleier: ›Garel von dem blühenden Tal‹ 2
Inhalt (2) – Tabelle (4) – Auswertung (38)
2.2 Der Pleier: ›Tandareis und Flordibel‹ 42
Inhalt (42) – Tabelle (44) – Auswertung (76)
2.3 Der Pleier: ›Meleranz‹ 79
Inhalt (79) – Tabelle (80) – Auswertung (94)
2.4 ›Wigamur‹ 97
Inhalt (97) – Tabelle (98) – Auswertung (106)
2.5 Konrad von Stoffeln: ›Gauriel von Muntabel‹ 108
Inhalt (108) – Tabelle (110) – Auswertung (126)
3 Gralromane 129
3.1 Wolfram von Eschenbach: ›Parzival‹ 130
Inhalt (130) – Tabelle (134) – Auswertung (194)
3.2 Wolfram von Eschenbach: ›Titurel‹ 203
Inhalt (203) – Tabelle (204) – Auswertung (214)
3.3 Albrecht: ›Jüngerer Titurel‹ 217
Inhalt (217) – Tabelle (222) – Auswertung (372)
3.4 ›Lohengrin‹ 378
Inhalt (378) – Tabelle (380) – Auswertung (398)
VI Inhalt
4 Tristanromane 401
4.1 Eilhart von Oberg: ›Tristrant‹ 402
Inhalt (402) – Tabelle (404) – Auswertung (412)
4.2 Gottfried von Straßburg: ›Tristan‹ 415
Inhalt (415) – Tabelle (418) – Auswertung (536)
4.3 Ulrich von Türheim: ›Tristan‹ 548
Inhalt (548) – Tabelle (550) – Auswertung (566)
4.4 ›Tristan als Mönch‹ 569
Inhalt (569) – Tabelle (570) – Auswertung (576)
4.5 Heinrich von Freiberg: ›Tristan‹ 578
Inhalt (578) – Tabelle (580) – Auswertung (594)
5 Literaturverzeichnis 597
5.1 Primärliteratur 597
5.2 Wörterbücher, Lexika 630
5.3 Forschungsliteratur 632
5.4 Abkürzungen 647
6 Register 650
6.1 Wortregister 650
6.2 Register der Sprechhandlungen 664
6.3 Register der Sentenz- und Sprichwort-Paraphrasen 666
1 Einführung
Seit jeher geben Menschen ihr Orientierungs- und Erfahrungswissen an andere
Menschen weiter, lassen dabei Überlebtes fallen und fügen Neues hinzu, so daß
jede Gesellschaft in jeder Epoche über einen eigenen Fundus an entsprechendem
Wissen verfügt. Wer – wie Linguisten, Historiker, Anthropologen, Sozial-, Kul-
tur- oder Literaturwissenschaftler, an die sich dieser Band vor allem richtet – das
Leben von Gemeinschaften und die Bedeutung ihrer Zeugnisse verstehen möchte,
sollte sich auch mit deren Orientierungs- und Erfahrungswissen beschäftigen, das
sich in Geboten, Parolen, Sprüchen, Anekdoten, Gleichnissen und vielen anderen
Gattungen niederschlägt.
Dieses Wissen im Schrifttum vergangener Kulturen zu erfassen, ist allein wegen
der Historizität von Sprache und Textformen mit hohem Analyseaufwand verbun-
den. Im Falle des in den mittelhochdeutschen Romanen enthaltenen Orientie-
rungs- und Erfahrungswissens der mittelalterlichen höfischen Gesellschaft kommt
hinzu, daß eine große Menge ästhetisch teilweise äußerst anspruchsvollen Materi-
als erschlossen werden muß. Hierzu macht das vorliegende Handbuch, das zwei
zentralen Ausdrucksformen des menschlichen Orientierungs- und Erfahrungswis-
sens – der Sentenz und dem Sprichwort – gewidmet ist, einen Anfang.
1.1 Begriffe, Vorgehen
Eine ausführliche Beschreibung des Untersuchungsansatzes und der Ergebnisse
des mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft an den Universi-
täten Bochum (Leitung: Manfred Eikelmann) und Münster (Leitung: Tomas To-
masek) erarbeiteten zweibändigen ‚Handbuchs der Sentenzen und Sprichwörter
im höfischen Roman des 12. und 13. Jahrhunderts‘ wird die Einleitung des ersten
Bandes enthalten. Vorerst mögen die folgenden Hinweise dem Benutzer als Hilfe-
stellung für den Umgang mit dem präsentierten Material dienen.
Sentenz und Sprichwort
Sentenz und Sprichwort sind prägnante Ausdrucksformen allgemeinen Orientie-
rungs- und Erfahrungswissens, wobei das Sprichwort, wie z.B. André Jolles ge-
zeigt hat, vorwiegend auf letzteres rekurriert, während Sentenzen auch in den Be-
reich des Orientierungswissens ausgreifen (vgl. z.B. die Sentenz GTr 5: „Wer in
guter Absicht unternommene Handlungen nicht wohlwollend aufnimmt, handelt
falsch“). Beiden Textformen ist dieselbe kommunikative Funktion, nämlich einen
Konsens mit dem Rezipienten zu erzeugen, zu eigen, was sie u.a. von Geboten
VIII 1 Einführung
(vgl. z.B. die nicht aufgenommene Stelle GTr 6933) oder religiösen Lehrsätzen
(vgl. z.B. die nicht aufgenommene Stelle JT 31,1) unterscheidet, denen gehorcht
oder geglaubt werden soll. Ihrer Textstruktur nach sind Sentenzen und Sprich-
wörter apodiktisch formulierte, prägnante Aussagen, die auch die Form eines
Ausrufs oder einer (rhetorischen) Frage annehmen können (z.B. UTr 1342; GTr
13777) und die im Unterschied zu Redensarten Satz- bzw. Textwertigkeit besit-
zen. In den höfischen Romanen fungieren sie als Mikrotexte in einem Makrotext.
Während das Sprichwort zu Kürze und idiomatischen, oft bildhaft-konkreten
Wendungen neigt („Lügen haben kurze Beine“; vgl. dazu z.B. Jolles 1982, S.
164ff.), die während seiner Überlieferung relativ stabil bleiben,1 sind Sentenzen
oft etwas umfänglicher und abstrakter gehalten (wie z.B. GTr 1), aber auch sie
weisen durch Strukturelemente wie „Wenn …, dann …“ oder „Wer …, der …“
eine Tendenz zur phraseologischen Prägung auf. Der vorhöfische Stil in Eilharts
›Tristrant‹ begünstigt längere Sentenzen, wohingegen in den Sentenzen der „klas-
sischen“ höfischen Versromane eine Länge von vier Versen nur äußerst selten
überschritten wird (so z.B. in der Schlußsentenz Pz 827,19). Längere Beispiele
berühren sich mit der Kleinform des Spruchs, der im Unterschied zur Sentenz oft
aus mehreren Gedankenschritten aufgebaut oder an seiner Sprechperspektive
(autoritative Ich-Rolle, Ironie u.a.m.) erkennbar ist.
Sprichwörter treten, wie die (im vorliegenden Korpus mehrfach belegte) Bezeich-
nung sprichwort besagt, mit dem Habitus mündlicher Gängigkeit auf, während
Sentenzen schriftlichen Sammlungen wie derjenigen des antiken Autors Publilius
Syrus oder literarischen Werken wie Ovids ›Metamorphosen‹ entstammen und
auch von den mittelalterlichen Romanautoren in großer Zahl geprägt werden; im
Nachhinein können sie, anonymisiert und ggf. stilistisch umgeformt, u.U. als
Sprichwörter umlaufen.
Diese hier nur angedeuteten Zusammenhänge (s. dazu die Einleitung in Band 1
mit ausführlicher Diskussion der Forschung) zeigen, daß die hinsichtlich der Kon-
senserzeugung gleichgerichteten Gattungen der Sentenz und des Sprichworts von
benachbarten Textsorten wie Gebot und Lehrsatz durch funktionale Kriterien ab-
grenzbar sind und sich zudem Merkmale finden lassen, die in Kombination ge-
eignet sind, Sentenzen und Sprichwörter voneinander zu unterscheiden. Auch
1 Stabilität signalhafter Wörter und Textstrukturen einerseits sowie Spielraum zur Variation an-
dererseits sind dialektische Prinzipien der mittelalterlichen Sprichworttradierung, wie sich
z.B. anhand der ‚Vergleichsmaterial’-Spalte zu folgenden Belegen gut erkennen läßt: Gar
7760; 12442; Tan 829; Wigm 1070; 1099,45; Gau 4382,33; 4982; Pz 7,6: 103,23; 116,15;
270,25; 287,9; 289,11; 510,2; 525,6; JT 242,1; 2497,2; 2733,3; 3989,1; 5051,3; 5615,3;
5852,3; 5981,1; Loh 7499, ETr 7256; GTr 1801; 5456; 10426; 15182; 17739; 17802; 19395,
HTr 2188; 4847; 4851.
1 Einführung IX
wenn letzteres im Einzelfall schwierig sein kann, sind die beiden Formen im vor-
liegenden Korpus im allgemeinen gut unterscheidbar, zumal durch geeignetes
Vergleichsmaterial, das den Textstellen in den Tabellen beigegeben ist, zusätzli-
che Hinweise gewonnen werden können. Dazu fünf Beispiele:
1. Gottfried von Straßburg bezeugt die im Sprichwortstil gehaltene Wendung schoene daz
ist hoene (GTr 17802) als bereits zu seiner Zeit in geprägter Form vorliegend, indem er sie
als ein wahres wortelin bezeichnet. Auch die späteren Belege verraten eine relative Festig-
keit der Formulierung und untermauern damit den Status eines mittelhochdeutschen
Sprichworts. Im Vergleichsmaterial schlägt sich dies auch in verschiedenen Sprechertypen
nieder, die diesen im 13. und 14. Jahrhundert offenbar recht bekannten Mikrotext verwen-
den (Erzähler als Didaktiker, Minnesänger in der Ich-Rolle, epische Figuren, Sammlungs-
kontext im 15. Jahrhundert). Eine solche Vielfalt von Sprecherrollen kann in Verbindung
mit der Stabilität signalhafter Textstrukturen ein Indiz für die Sprichwörtlichkeit eines Be-
legs darstellen, wie sich z.B. auch am Vergleichsmaterial zu ETr 7256 (gnâde ist bezzir
denne recht)zeigt.
2. Die Erfahrung, daß es den Menschen leicht fällt, mit fremdem Besitz freigebig zu sein,
wird seit der Antike in unterschiedlichen lateinischen Sentenzen ausgedrückt, und auch die
deutschen Belege bieten differente Vertextungen dieses Gedankens (s. das Vergleichsma-
terial zu JT 4297,3). Der Dichter des ›Jüngeren Titurel‹ hat seine diesbezügliche Sentenz
in eine sprichwortverdächtige Form gebracht (vremde hab tGt hende und herze milte),
doch gibt es keine Indizien dafür, daß seine Formulierung allgemein gängig geworden ist.
3. Dem biblisch belegten Orientierungs- und Erfahrungswissen, daß Hochmut letztlich
immer von Nachteil ist, kommt im höfischen Roman große Bedeutung zu, was zu unter-
schiedlich vertexteten Sentenzen ähnlichen Inhalts geführt hat, die in den untersuchten
Werken mit sprichwörtlichen Prägungen (z.B. Mel 6566) koexistieren. Derartige „parö-
miologische Felder“, in denen ein bestimmtes Orientierungs- und Erfahrungswissen ver-
schieden vertextet wird, lassen sich auch für viele andere Themen ausmachen (s. das Regi-
ster der Sentenz- und Sprichwort-Paraphrasen).
4. Bei der Klassifizierung eines Belegs sind von den Dichtern gelegentlich hinzugesetzte
(auch im Vergleichsmaterial anzutreffende und dort zu beachtende) Statushinweise wie als
ein warez sprichwort giht (GTr 18042) zu berücksichtigen. Ihnen ist im Zweifel zu folgen,
auch wenn wie im Fall von Pz 180,9, JT 2065,2 oder Loh 4066 der Status gemeinschaftli-
cher Rede für Textstellen behauptet wird, die sich kein weiteres Mal belegen lassen. In
diesen Fällen gerät der Autor u.U. in Verdacht, ein Sprichwort zu fingieren. Doch signali-
sieren Rahmenelemente wie als man giht (GTr 1115) oder du hôrtst och vor dir sprechen
ie (Pz 525,2) nicht automatisch Sprichwörtlichkeit, sondern belegen zunächst nur einen
mündlichen Diskurs über ein bestimmtes Orientierungs- und Erfahrungswissen.
5. Wann eine Sentenz ggf. sprichwörtlich wurde, ist oft schwierig zu entscheiden. Dies be-
trifft auch sog. ‚Bibelsprichwörter‘, für die nicht immer zu klären ist, ob sie im 12. und 13.
Jahrhundert bereits in geprägter Form allgemeine Gängigkeit besaßen. Deshalb werden
Mikrotexte, die auf Bibelstellen zurückgehen, in den Tabellen im Zweifel als Sentenzen
klassifiziert (vgl. z.B. GTr 12235, 12251). Ein ähnliches Problem ergibt sich in Fällen wie
dem folgenden: Deutsche Dichter des 13. Jahrhunderts (z.B. der Marner) kennen den Ge-
danken, daß man Toten nicht nachtrauern, sondern sich an die Lebenden halten soll, of-
fenbar durch das französische Sprichwort Li mort aus morz, li vif aus vis (s. das Ver-
gleichsmaterial zu GTr 1872 und HTr 38). Indem sie es in ihren (Schrift-)Texten eindeut-
Description:This compendium provides the first complete methodical documentation of the aphorisms and proverbs in the German medieval romances of Arthur, Tristan, and The Holy Grail . The work collects and classifies the sayings from 21 romances over a period of about 100 years (approx. 1170 - 1300), relates th