Table Of ContentRadiodiagnostische Ubungen
J. -F. Bonneville F. Cattin
Halswirbelsaule
60 diagnostische Obungen fUr Student en
und praktische Radiologen
Mit 199 Abbildungen
Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York
London Paris Tokyo Hong Kong
Prof. Dr. JEAN-FRANCOIS BONNEVILLE
Dr. FRANCOISE CATTIN
Departement de Neuroradiologie et de Radiologie
Osteo-Articulaire
Centre Hospitalier Universitaire de Besanl$on
H6pital Jean Minjoz
Boulevard Fleming
F-25030 Besanl$on
Ubersetzt aus dem Franz6sischen von Dr. SIEGFRIED BIEN
Abbildungen von MICHEL GAUD RON
ISBN-13:978-3-540-17685-5 e-ISBN-13:978-3-642-72586-9
DOr: 10.1007/978-3-642-72586-9
CIP-Titelaufnahme der Deutschen Bibliothek
Bonneville, Jean-Fran~ois: Halswirbelsiiule: 60 diagnostische Ubungen flir Studenten
und praktische Radiologen / J.-F. Bonneville; F. Catlin. - Berlin; Heidelberg;
New York; London; Paris; Tokyo; Hong Kong: Springer, 1990
(Radiodiagnostische Ubungen)
Franz. Ausg. u. d. T.: Bonneville, Jean-Fran~ois: Rachis Cervical: Trucs et Pieges
ISBN-13:978-3-540-17685-5
NE: Cattin, Fran~oise
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Vorwort
Die Halswirbelsaule wird in jedem Fall mit Hilfe der R6ntgen
standardaufnahmen untersucht, und recht haufig reichen diese
auch zur Diagnosestellung aus.
Fehlbildungen, Tumoren, noch haufiger Verletzungen, Ver
anderungen rheumatischer Art, so gar einfach Schmerzen im
Zervikalbereich machen eine R6ntgenuntersuchung der Hals
wirbelsaule notwendig.
Ihre Auswertung ist schwierig: Urn die Komplexitat zu erken
nen, reicht es schon aus, einmal einen Zervikalwirbel zur Hand
zu nehmen; in der Radiologie wird die Interpretation der Bilder
noch durch die ziegelartige Uberlagerung der Knochenteile,
durch Summationseffekte, dUFCh unterschiedliche Einfallswin
kel der Aufnahmen kompliziert.
Die zwei-oder dreidimensionale Computertomographie, die
hier der einfachen R6ntgenologie an die Seite gestellt wurde,
bildet ein wunderbares Werkzeug zum weiteren Verstandnis: es
ist, als ob der Untersucher bei jeder R6ntgenaufnahme
tiber das entsprechende anatomische Knochensttick verftigen
k6nnte.
Infolgedessen wird alles einfach: die Uberlagerungen 16sen
sich auf, die Fehlerquellen werden klar, die Anatomie trium
phiert. Das Bild lebt.
Besan<;on, 1990 J.-F. BONNEVILLE, F. CATTlN
v
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
R6ntgenbilder, Text und Schemata 2
Sachverzeichnis . . . . . . . . . . .123
VII
Normale Halswirbelsiiule:
Dreidimensionale
Aufnahme
1
1
Fall 1
Seitliches Rontgenbild, ein Normalbefund. Diese Aufnahme werden wir zu
Vergleichszwecken bei allen nachfolgenden pathologischen Aufnahmen der
Halswirbelsaule benotigen. Das Rontgenbild zeigt in korrekter Weise die
gesamte Region: von der Schadel basis bis zum zerviko-thorakalen Dbergang.
Die vorngelegenen Weichteile sind ebenso wie die Dornfortsatze hinten deut
lich sichtbar.
2
Die Halswirbelsaule zeigt eine gleichmaBige, leichte, physiologische Lor- 1
dose beim Blick nach geradeaus. Es werden nun einige Punkte hervorgehoben,
die man automatisch bei der Befundung einer seitlichen Aufnahme der Hals
wirbelsaule analysieren muB.
Die pravertebralen Weichteilveranderungen sind bei Zervikaltraumen ein
wertvolles Zeichen. Sie fehlen selten bei Verletzungen des vorderen Anteils
der Halswirbelkorper, der Bandscheiben oder des vorderen Langsbandes.
Unter ublichen technischen Bedingungen betragt die Starke der pravertebralen
Weichteile in Hohe der Unterkante HWK 2 und HWK 3 weniger als 4-5 mm;
eine Starke von mehr als 7 mm ist stark verdachtig. Unterhalb von HWK 4
oder 5 ist der Retrotrachealraum aufgrund des dort verlaufenden Osophagus
sehr viel breiter; daher kann man hier erst eine Starke von mehr als 17 mm als
verdachtig bezeichnen.
Zwei zusatzliche Zeichen sind in der taglichen Praxis von groBer Bedeu
tung: Die Hinterwand des Nasopharynx verlauft in Hohe HWK 2 stets nach
vorn konkav oder gerade; in Hohe der Basis des Dens axis ist der Durchmesser
der Weichteile fast immer geringer oder gleich groB wie der ap-Durchmesser
der Denbasis.
Die Vorder- und Hinterflachen der Halswirbelkorper sind jeweils in einer
Linie angeordnet, ebenso wie die spinolaminare Linie, die an der Verbindungs
stelle der beiden Laminae in der Mittellinie verlauft. Die spinolaminare Linie
ist in jeder Etage klar gezeichnet und meist nach posterior leicht konkav
geformt. Die Querfortsatze projizieren sich im seitlichen Strahlengang auf die
Wirbelkorper; von HW 3 bis HW 6 zeigt sich vor allem die Projektion des
jeweiligen Tuberculum anterius der Querfortsatze als feine dichte vertikale
Linie im Bereich der oberen Wirbelkorperhalfte und der daruberliegenden
Bandscheibe; meist sind die rechts- und linksseitigen Fortsatze gegeneinander
verschoben. Der HWK 7 erscheint dagegen ohne diese Linie, da sein Querfort
satz kein Tuberculum anterius besitzt.
Die Zwischenwirbellocher sind, mit Ausnahme von HW 2/3 und am
haufigsten HW 7/BW 1, im seitlichen Bild nicht sichtbar. Das Zwischenwirbel
loch von HW 7/BW 1 ist seitlich teilweise sichtbar, da der obere Gelenkfortsatz
von BW 1 aufgrund der leicht abweichenden Orientierung des Pedikels von
BW 1 weiter hinten ge1egen ist als die oberen Gelenkfortsatze der Halswirbel
korper. Oberall sonst projizieren sich die rautenformigen Gelenkfortsatze
ublicherweise hinter die Hinterflache der Wirbelkorper und begrenzen in
dieser Projektion das Zwischenwirbelloch.
Der Raum zwischen der hinteren Begrenzung der Gelenkfortsatze und der
spinolaminaren Linie entspricht der Projektion der Laminae oder Bogen
stucke. Dieser wird als "Sicherheitsraum" bezeichnet, ist normalerweise immer
vorhanden und miBt im Mittel 5 mm. Die Beurteilung dieses Sicherheitsraumes
ist bei der Diagnose einer Einengung oder Erweiterung des Zervikalkanals von
wesentlicher Bedeutung. Die Pedikel sind im Seitenbild der HWS normaler
weise nicht sichtbar.
Aile bisher behandelten Anhaltspunkte und Befunde werden im folgenden
prazisiert und wiederholt.
3
2
a b
4
FaU2 2
Hier 2 weitere Rontgenbilder der normalen Halswirbelsaule, die aber einige
anatomische Varianten zeigen. Sie sollten sich zur Analyse jedes einzelnen der
beschriebenen Punkte zwingen.
a Die Gelenkfortsatze von HW 4, 5 und 6 projizieren sich hier deutlich auf
die Wirbelkorper und die Bandscheiben: Diese nach vorn verlagerte Position
der Gelenkfortsatze ist die Foige einer anatomischen Variante der Borgenwur
zein, die kurzer sind und fast transversal verlaufen. In der Schemazeichnung c
kann man erkennen, daB diese Disposition fur ein enges Zwischenwirbelloch
verantwortlich ist (konstitutionell enges Foramen intervertebrale).
b Dagegen zeigen die Bogenwurzeln hier eine anterior-posteriore Orien
tie rung und sind daher im Seitenbild erkennbar. Daraus folgen weiter hint en
Jiegende Gelenkfortsatze sowie sichtbare zervikale Zwischenwirbellocher (d).
Wenn Sie bewuBt nach allen Punkten gesucht haben, haben Sie sicherlich
auch eine weitere anatomische Abweichung entdeckt: Die Querfortsatze von
HW 6 besitzen keine Tubercula anteria.
c d
5