Table Of ContentGRUNDRISS DER
AUGENHEILKUNDE
F 'ÜR STUDIERENDE
VON
PROFESSOR DR. F. SCHlECK
GEHEIMER 'MEDIZINALRAT. DIREKTOR DER
UNIVERSITÄTS-AUGENKLINIK INHALLE A.S.
DRITTE
VERBESSERTE UND VERMEHRTE AUFLAGE
MIT 125ZUM TEIL FARBIGEN TEXTABBILDUNGEN
Springer-Verlag Berlin Heidelberg GmbH
1922
ISBN 978-3-662-23611-6 ISBN 978-3-662-25690-9 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-662-25690-9
ALLE RECHTE, INSBESONDERE DAS DEg
ÜBERSETZUNG JN FREMDE SPRACHEN, VORBEHALTEN.
COPYRIGHT BY Springer-Verlag Berlin Heidelberg
Ursprünglich erschienenbei Julius Springerin Berlin in 1922
Vorwort.
Das vorliegende Buch soll ein Grundriß, kein Lehrbuch der Augen
heilkunde sein. Es soll das gesprochene Wort der klinischen Vorlesung
nicht ersetzen, sondern dem Studierenden es erleichtern, daß er dem
Unterrichtfolgenkannunddaß er dasinderKlinik Gehörteund Gesehene
an der Hand der Abbildungen besser behält.
Kürze der Ausdrucksweise, Betonen des Wichtigen, Weglassen
alles weniger Wichtigen, instruktive Abbildungen waren mein Ziel
beim Abfassen des Grundrisses. Demgemäß habe ich Theorien nur
dort eingeflochten, wo sie didaktischen Zwecken unmittelbar dienen.
Ja, ich habe es von diesem Gesichtspunkte auch für erlaubt gehalten
Theorien zu entwickeln, welche zwar nicht allgemeine Anerkennung
gefunden haben, dafür aber dem Studierenden das Eindringen in das
Verständnis des klinischen Vorgangs erleichtern, ohne der Wirklich
keit Zwang anzutun. Auch die pathologische Anatomie ist nur inner
halb dieses Zieles berücksichtigt.
Die stets bewährte wissenschaftliche Zeichnerin Fräulein Wangerin
hat mir durch verständnisvolles Eingehen auf meine Wünsche meine
Aufgabe wesentlich erleichtert, wofür ich ihr noch meinen besonderen
Dank sage.
Halle a. S., im April 1919.
F. Schieck.
Vorwort zur dritten Aufjage.
Die dritte Auflage hat sich über Erwarten schnell nötig gemacht.
Ich sehe in dieser Tatsache ein Zeichen dafür, daß das Buch einem
Bedürfnisse entspricht. Eine Anzahl neuer Abbildungen ist eingefügt
und der Text ist in manchen Kapiteln ergänzt worden.
Halle a. S., im April ]922.
F. Schieck.
InhaItsverzeiehni s,
Seite
Das Sehorgan 1
Die Untersuchungsmethoden des Auges . 7
Refraktion und Akkommodation 15
Die Erkrankungen der Lider 30
Die Erkrankungen der Tränenorgane . 35
Die Erkrankungen der Bindehaut . 38
Die Erkrankungen der Hornhaut 51
Die Erkrankungen des Uvealtraktus 66
Anatomische und physiologische Bemerkungen über Iris und Pupille 67
Die Erkrankungen der Iris und des Corpus ciliare 68
Die Erkrankungen der Aderhaut . 75
Die Erkrankungen der Retina. . 85
Die Erkrankungen des Sehnerven 102
Die Erkrankungen der Sehbahn 114
Die Erkrankungen der Linse 117
Die Erkrankungen der Orbita . 132
Die Erkrankungen der Augenmuskeln 134
Glaukom . . . . . . . . . . . . . 147
Die Mißbildungen des Auges 157
Die Verletzungen des Auges und die sympathische Ophthalmie 160
Sachverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . 168
Das Sehorgan.
Das Augeschließtinder Retina einen nachvorn geschobenen Gehirn
teil ein, der außerhalb der das Zentralnervensystem sonst schützen
den Knochenkapsel gelegen ist, weil seine Funktion an die unmittel
bare Einwirkung der Schwingungen des Lichtäthersgebunden ist. Auch
der Sehnerv ist ein Gehirnteil; er ist umgeben von den Hirnhäuten und
vom Liquor cerebrospinalis umspült.
Die Netzhaut ist in eine kugelige Hülle von festem Bindegewebe
eingeschlossen, die vorn von der durchsichtigen Hornhaut (Kornea),
weiter rückwärts von der Lederhaut (Sklera) gebildet wird. Die Horn
hautkrümmung hat einen etwas kürzeren Radius als die übrige Bulbus
kapsel, so daß die Kornea wie ein Uhrglas dem Auge eingefügt ist und
am Rande derselben sich eine seichte Rinne (Limbus corneae) findet.
Das Innere des Augapfels wird von Bild entwerfenden und Bild
aufnehmenden Organen eingenommen. Die brechenden Medien
sind Hornhaut, Kammerwasser, Linse und Glaskörper. Sie stellen die
physikalis-che Leitung der Sehbahn dar, während die licht
empfindendeNetzhaut, der die Empfindungweiter leitende Sehnerv, der
Tractus opticus, die intrazerebrale Bahn und das in der Hinterhaupts
rinde liegende Sehzentrum die nervöse Leitung bilden. Von hier
aus sorgen eine Anzahl höher geordneter Bahnen, die das Sehzentrum
mit anderen Gehirnteilen verbinden, dafür, daß der in der Rindeange
langte Reiz zum Bewußtsein kommt und richtig verstanden wird
(psychische Leitung).
Der Hauptinhalt desAugapfels (Abb.1)bestehtaus Flüssigkeit. Un
mittelbar hinter der Hornhaut sehen wir die vordere Augenkammer,
in der das Kammerwasser enthalten ist. Hinten wird die Vorder
kammer durch die Hegenbogenhaut (Iris) und den zentralen Teil
der vorderen Linsenkapsel begrenzt. Wo die Hornhautrückfläche zur
Iris umbiegt, liegt der funktionell wichtige Kammerwinkel, der
unseren Blicken dadurch entzogen ist, daß die weiße Lederhaut vorn
etwas auf Kosten der durchsichtigen Hornhautoberfläche übergreift
und den Kammerwinkel verdeckt. Die UmschlagsteIle der Hornhaut
zur Iris wird vom Ligamentum pectinatum gebildet. Dem
Kammerwinkel entlang und von diesem durch das genannte Ligament
und einige Lagen Bindegewebszügegetrennt, zieht in den tieferen Lagen
der Hornhaut-Lederhautlamellen der Sehlemmsche Kanal. Er bildet
einen ringförmigen venösen Sinus. Inihn trittdasdurch das Ligamentum
pectinatum abgefilterte Kammerwasser ein, umauf der Bahn der Venen
das Auge zu verlassen (Abb, 2).
Schieck, Grundriß derAugenheilkunde. 3. Auf!. 1
2 Das Sehorgan.
Hinter der Iris liegt die hintere Augenkam mer. Siewird vorn
von der Rückfläche der Iris, seitlich von den Fortsätzen des Corpus
ciliare und rückwärts vom Aufhängeband der Linse (Zonula Zinnii)
und den peripheren Teilen der vorderen Linsenkapsel begrenzt. Auch
in der hinteren Kammer steht Kammerwasser, das durch diePupille
ungehindert in die vordere Kammer übertreten kann; denn die Iris
rückfläche liegt der Linsenkapsel nur ganz lose auf. DerPupillarrand
der Iris gleitet auf der Kapsel beim Pupillenspiel hin und her.
Weitaus die größte Menge Flüssigkeit enthält der Glaskörper
raum. Normalerweise ist diese nicht frei beweglich, sondern als leicht
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Abb. 1. Schematischer Durchschnitt durch den Augapfel.
gaUertige Masse in einem feinen Gerüstwerk suspendiert. Der Glas
körper (Corpus vitreum) hat folgende Begrenzungen: vorn die Linsen
hinterfläche und die rückwärtigen Fasern des Aufhängebandes der Linse,
weiter nach rückwärts zunächst ein schmales Stück Corpus ciliare,
das von rudimentärer Netzhaut überzogenist, und dann dieInnenfläche
der Netzhaut samt Sehnervenscheibe.
Die Fasern des Glaskörpers sind teilweise aus den Stützfasern
der Retina hervorgegangen und hängen mit der inneren Grenzhaut
derselben organisch zusammen.
Zwischenden vorderen und den hinteren Fasern der Zonula Zinnii
findet sich ein auf dem Durchschnitt dreieckig gestalteter Raum, der
Canalis Petiti, der ebenfalls Flüssigkeit enthält (Abb.2).
Das Sehorgan. 3
Die Netzhaut ist entwickelungsgeschichtlich als eine bläschen
förmige Ausstülpung des Gehirns angelegt, die dann von vorn her ein-
11Intere
Linscnknpsel
Vordere
Linsenkupsel
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sinkt und somit zu einer Duplikatur wird. Die innere Zellage bildet
später die eigentliche Netzhaut, die äußere das Pigmentepithel.
1*
4 Das Sehorgan.
Erstere entwickelt sich zu einem vielzelligen komplizierten Organ,
letzteres bleibt einschichtig und gewinnt als Pigmentzellbelag festen
Anschluß an die Innenfläche der zwischen Netzhaut und Lederhaut
liegenden Aderhaut. Die beiden Blätter der Duplikatur, Netzhaut und
Pigmentepithel, verwachsen nicht miteinander, sondern liegen einander
lose auf. Nur nahe dem Corpus ciliare, wo die lichtempfindliche
Partie der Netzhaut aufhört (Ora scrrata), verschmelzen beideBlätter
miteinander, indem die Netzhaut zu einer einschichtigen Epithellage
wird, die mit dem Pigmentepithel verwächst. So überzieht die rudi
mentäre Netzhaut in doppelter Epithellage vorn die ganze Innenober
fläche des Corpus ciliare und die Rückfläche der Iris. Im Gebiete des
Corpus ciliare ist die als Fortsetzung der Netzhaut geltende innere
Epithellage unpigmentiert, an der Irisrückfläche dagegen pigmentiert,
so daß hier also zwei pigmentierte Zellagen aufeinander liegen (von
PigmentdurchsetzterudimentäreNetzhaut undNetzhautpigmentepithel).
Die Netzhautnervenfasern fließen auf der Sehnervenscheibe
(Papille nervi optici) zum Sehnerven zusammen, welcher durch die
Löcher der Siebplatte (Lamina cribrosa sclerae) den Augapfel verläßt.
Regenbogenhaut (Iris), Strahlenkörper (Corpus ciliare) und Ader
haut (Chorioidea) bilden eine zusammenhängende Haut (Tunica vas
culosa oder Tractus uvealis, kurz Uvea), Am weitesten nach vorn liegt
die Iris; sie scheidet die vordere Augenkammer von der hinteren und
bildet als Umgrenzung der Pupille die Blende des optischen Systems.
Mit ihrem Pupillenrand schleift sie auf der Linsenvorderkapsel, mit
ihrer Wurzel, die den Kammerwinkel begrenzt, geht sie ohne scharfe
Absetzung in den Strahlenkörper über. Dieser hat auf dem Durch
schnittannähernd dreieckige Gestalt, welche bei eintretenderAkkommo
dationsanspannung außerdem wechselt. Seine Fortsätze (Proeessus
ciliares) sind Erhebungen, welche an der Rückfläche des Organs
speichenartig angeordnet sind und nach der Linse zu vorspringen. Von
ihnen spannt sich das Linsenaufhängeband, die Zonula, hinüber
zur Linsenkapsel, auf welcher es sich mit einer Faserreihe vorn, mit
einer anderen hinten anheftet. Dazwischen liegt der schon erwähnte
Canalis Petiti. Treten dureh die Kontraktion der an der Basis des
Dreiecks liegenden Muskulatur des Corpus ciliaro die Fortsätze mit
ihren Kuppen näher an den Linsenäquator heran, dann erschlafft das
Aufhängeband und wölbt sich die Linse stärker (s. S. 28). Außerdem
sondern die Epithelzellen des Strahlenkörpers (also die Zellender rudi
mentären Netzhaut) das Kammerwasser ab. Weiter rückwärts wird
das Corpus ciliare flacher; seine Pars plana geht ganz allmählich in die
Aderhaut über.
WenndieIris als Blende,derStrahlenkörperals QuelledesKammer
wassers undTrägerdesAkkommodationsapparateswirkt, soistdieAder
haut die ernährende Membran der Außenseite der Netzhaut, der Stäb
chen und der Zapfen. Sie ist innen von einer straffen Haut, der Lamina
vitrea oder elastica, bedeckt, der das Pigmentepithel der Netzhaut
aufsitzt. Unmittelbar an diese Lamina grenzt die Kapillarsehichte
(Choriocapillaris), welcherdie eigentliche AufgabederNetzhauternährung
Das Sehorgan. 5
zufällt, während dieäußere ~chichte der Aderhaut von größeren Gefäßen
eingenommen wird. Aufdiese folgt die Lederhaut.
Die Linse ist zwischen hinterer Augenkammer und Glaskörper
in ihrem an die Fortsätze des Strahlenkörpers angehefteten Aufhänge
bande dadurch befestigt,daß das Band mit seinen Fasern in die Linsen
kapsel übergeht. Linse samt Zonula bildet daher die Scheidewand
zwischen Augenkammer und Glaskörperraum.
-.Veun vortlcosa
Mt. veuaceutr
centrnlts retlnne
......,_... .\rt. eil. post. longa
~ . Art, eil. post. brevls
~\
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a.
Abb. Blutgefäßsystem des Auges (nach Th. Leber).
Das Blut.gefäßsystom (Abb. 3) des Auges gliedert sich in die
Bindehaut-, dieZiliar-und die Netzhautgefäße. DasBindehautgefäß·
netz liegt ganz oberflächlich. Schon am ungereizten Auge sind einzelne
kleine Äderchen auf der weißen Lederhaut sichtbar. Sie lassen sich
mitsamt der Conjunctiva bulbi auf der Lederhaut leicht verschieben.
Demgegenüber stellt der Ziliarkreislauf dasjenige Netz dar,
welches die tieferen Tcile des Auges, vorzüglich die Uvea versorgt. Die