Table Of ContentJürgen Bengel Uwe Koch (Hrsg.)
Grundlagen der Rehabilitationswissenschaften
Springer-Verlag Berlin Heidelberg GmbH
Jürgen Bengel Uwe Koch (Hrsg.)
Grundlagen
der Rehabilitations
wissenschaften
Themen, Strategien und Methoden
der Rehabilitationsforschung
Mit 36 Abbildungen und 32 Tabellen
t
Springer
PROFESSOR DR. DR. JÜRGEN BENGEL
Abteilung für Rehabilitationspsychologie
Psychologisches Institut
Universität Freiburg
Belfortstraße 16
79085 Freiburg
PROFESSOR DR. DR. UWE KOCH
Abteilung für Medizinische Psychologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
ISBN 978-3-540-65777-4
Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme
Grundlagen der Rehabilitationswissenschaften: Themen, Strategien und Methoden der Rehabilitationsfor
schung / Hrsg.: Jürgen Bengel; Uwe Koch. - Berlin; Heidelberg; New York; Barcelona; Hongkong;
London; Mailand; Paris; Singapur; Tokio: Springer, 2000
ISBN 978-3-540-65777-4 ISBN 978-3-642-57114-5 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-642-57114-5
Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere die der Über
setzung, des Nachdrucks, des Vortrags, der Entnahme von Abbildungen und Tabellen, der Funksendung,
der Mikroverfilmung oder der Vervielfältigung auf anderen Wegen und der Speicherung in Datenverar
beitungsanlagen, bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten. Eine Vervielfältigung
dieses Werkes oder von Teilen dieses Werkes ist auch im Einzelfall nur in den Grenzen der gesetzlichen
Bestimmungen des Urheberrechtsgesetzes der Bundesrepublik Deutschland vom 9. September 1965 in
der jeweils geltenden Fassung zulässig. Sie ist grundsätzlich vergütungspflichtig. Zuwiderhandlungen un
terliegen den Strafbestimmungen des Urheberrechtsgesetzes.
© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2000
Ursprüuglich erschienen bei Springer-Verlag Berliu Heidelberg New York 2000
Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne
besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und
Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürf
ten.
Produkthaftung: Für Angaben über Dosierungsanweisungen und Applikationsformen kann vom Verlag
keine Gewähr übernommen werden. Derartige Angaben müssen vom jeweiligen Anwender im Einzelfall
anhand anderer Literaturstellen auf ihre Richtigkeit überprüft werden.
Umschlaggestaltung: de'blik, Berlin
Satz: K+V Fotosatz GmbH, Beerfelden
Gedruckt auf säurefreiem Papier SPIN 10674665 22/3130/is - 5 4 3 2 I 0
Vorwort
Das Krankheitsspektrum und damit die Anforderungen an die medizinische
Versorgung haben sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verändert.
Chronische Erkrankungen nehmen in der medizinischen Versorgung einen
wachsenden Anteil im Gesamtspektrum der Erkrankungen ein. Als wesentli
che Einflussfaktoren für die Zunahme chronischer Erkrankungen werden die
veränderte Alterszusammensetzung der Bevölkerung, Veränderungen der Ar
beitsbedingungen und Fortschritte in der akutmedizinischen Versorgung dis
kutiert. Charakteristisch für chronische Erkrankungen sind langfristige, pro
grediente Verläufe, die das Leben der Betroffenen durch wachsende Be
schwerden und Einschränkungen der Funktionsfähigkeit in Beruf und All
tagswelt prägen.
Die angemessene Antwort auf diese Problemlagen der Betroffenen stellen
rehabilitative Maßnahmen dar. Da wegen der Chronizität der Erkrankungen
nur selten eine vollständige Heilung erreicht werden kann, besteht die zentra
le Zielsetzung der Rehabilitation vorrangig darin, Hilfen bei der Bewältigung
der Krankheitsfolgen zu leisten. Dies bedeutet u. a. die Verringerung der Ein
schränkungen und Beeinträchtigungen, die Stabilisierung des gegenwärtigen
Zustandes, die Vermeidung von Maladaption und das Erlernen von kompen
satorischen Leistungen.
Das Rehabilitationssystem der Bundesrepublik kann im internationalen
Vergleich als ein sowohl unter quantitativen als auch unter qualitativen Ge
sichtspunkten sehr gut entwickeltes Versorgungssystem betrachtet werden.
Konzeptionell werden heute ganzheitlich orientierte Kliniken mit umfassen
den integrativen und interdisziplinären Behandlungsansätzen angestrebt. In
den letzten Jahren haben aber weniger diese Stärken, sondern eine zuneh
mende Kritik an der Rehabilitation die öffentliche und politische Diskus
sion bestimmt. Die kritischen Argumente betreffen vor allem die Bedarfs
orientierung, den hohen Institutionalisierungsgrad der medizinischen Re
habilitation mit einer starken Betonung von stationären Leistungen, das
Fehlen ambulanter und wohnortnaher Maßnahmen, die geringe Flexibilität
der Leistungsangebote, die geringe Verzahnung zwischen den verschiede
nen rehabilitativen Versorgungsformen, fehlende Maßnahmen zur Überprü
fung bzw. Weiterentwicklung der Qualität der Versorgung sowie die fehlen
de wissenschaftliche Fundierung der Rehabilitation.
Bis Anfang der Neunziger Jahre bestand im Bereich der medizinischen Re
habilitation in Deutschland eine erhebliche Diskrepanz zwischen den hohen
Aufwendungen für rehabilitative Maßnahmen einerseits und den vergleichs
weise geringen Bemühungen um eine wissenschaftliche Fundierung der reha-
VI Vorwort
bilitativen Praxis andererseits. In den letzten Jahren sind allerdings bemer
kenswerte Veränderungen in der Entwicklung der Rehabilitationsforschung
festzustellen. So kam es im universitären Kontext an verschiedenen Univer
sitäten zur Einrichtung von Stiftungsprofessuren und rehabilitationswissen
schaftlichen Forschungsschwerpunkten. Des Weiteren gab es relevante Ent
wicklungen für die Rehabilitationsforschung im nichtuniversitären Bereich,
dies sowohl bei der Rentenversicherung als wichtigem Kostenträger der Re
habilitation als auch in einzelnen Rehabilitationskliniken. Von besonderer
Bedeutung ist weiterhin der gemeinsam von der Rentenversicherung und
dem Bundesforschungsministerium getragene und 1998 eingerichtete rehabi
litationswissenschaftliche Förderschwerpunkt. Er zielt nicht nur auf einen
Anschub von Forschungsarbeiten in wichtigen, bisher nicht hinreichend be
arbeiteten Themenfeldern der medizinischen Rehabilitationsforschung, son
dern vor allem auch auf die Erreichung von Struktureffekten, die eine länger
fristig angelegte kontinuierliche Forschung in der Rehabilitation ermöglichen
sollen. Weitere Hinweise auf die Entwicklung eines neuen Forschungsfeldes
Rehabilitationswissenschaften sind in dem Ausbau eines eigenen wissen
schaftlichen Kommunikationssystems zu sehen. Zu nennen sind hier u. a.
die seit 1992 stattfindenden Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquien,
die stärkere wissenschaftliche Ausrichtung von Fachzeitschriften im Bereich
der Rehabilitation und die im März 2000 erfolgte Gründung einer Deutschen
Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW).
Das vorliegende Buch unternimmt den Versuch, den Gegenstandsbereich
der Rehabilitationswissenschaften zu definieren und formuliert erstmalig
die wissenschaftlichen und forschungsmethodischen Grundlagen der Reha
bilitation im deutschsprachigen Raum. Die Kapitel dokumentieren den
Stand einer noch jungen Disziplin auf dem Weg der Selbstfindung. Die
ausgewählten Beiträge decken daher den Kanon der Forschungsthemen
und Forschungsstrategien nicht vollständig ab, sie sind auf Erfordernisse
und Spezifika der medizinischen Rehabilitation konzentriert.
Das Buch gliedert sich in vier Bereiche. Im Teil A werden das Selbstver
ständnis und die theoretischen Grundlagen der Rehabilitationswissenschaf
ten thematisiert und die derzeitige Forschungsinfrastruktur sowie die insti
tutionelle Verankerung beschrieben. Teil B gibt einen Überblick über die
zentralen Forschungsthemen. Es soll gezeigt werden, dass der Gegenstand
der Rehabilitationswissenschaften weit über eine Wirksamkeitsforschung
der Rehabilitation hinausgeht: Rehabilitationsbedürftigkeit, Angebotsfor
men, Partizipation am Erwerbsleben sowie ökonomische und systembezo
gene Aspekte stellen wichtige Themen der Rehabilitationsforschung dar.
Teil C behandelt die vielfältigen Forschungsstrategien und Methoden der
Rehabilitationsforschung. Nach zwei einleitenden Übersichtsbeiträgen wer
den sowohl übergreifend allgemeine methodische Überlegungen als auch
konkret rehabilitationsbezogene Strategien und rehabilitationsspezifische
Methoden vorgestellt. Bei allen Beiträgen wird versucht, die jeweiligem Be
sonderheiten für die Rehabilitationsforschung herauszuarbeiten. Teil D ist
übergeordneten Aspekten der Forschungspraxis und der Umsetzung von
Forschungsbefunden sowie ethischen Fragen und speziellen Aspekten des
Datenschutzes gewidmet.
Vorwort VII
Das vorliegende Buch wendet sich sowohl an Rehabilitationsforscher ver
schiedener Fachdisziplinen als auch an Rehabilitationskliniker und Exper
ten aus dem administrativen Bereich. Es wurde mit dem Anspruch kon
zipiert, einen weiteren Beitrag zur Identitätsfindung der Rehabilitationswis
senschaften in Deutschland zu leisten.
Unser Dank gilt allen Autorinnen und Autoren für die geleistete Arbeit
und aufgebrachte Geduld. Besonderer Dank geht an Frau Dipl.-Psych. Gitta
Jacob, Freiburg, die nicht nur die gesamte Redaktion des Bandes übernom
men hat, sondern auch großen Anteil an der inhaltlichen Diskussion und
den Rückmeldungen an die Autoren und Autorinnen hatte. Frau M. Botsch,
Frau I. Gundermann und Herrn A. Treiber, Springer-Verlag Heidelberg, sei
für ihre Unterstützung gedankt.
FreiburglHamburg, im Juli 2000 Jü rgen Bengel
Uwe Koch
Inhaltsverzeichnis
1 Definition und Selbstverständnis
der Rehabilitationswissenschaften .................... . 3
U. KOCH, J. BENGEL
1.1 Die Entwicklung der Rehabilitationswissenschaften
in Deutschland ..................................... 4
1.2 Veränderte Interessenlagen in der Rehabilitationsforschung .,. 7
1.3 Bestimmungsmerkmale der Rehabilitationswissenschaften .... 9
1.3.1 Rehabilitation als wissenschaftlicher Gegenstand. . . . . . . . . . . . 9
1.3.2 Theorieansätze und methodische Zugänge ................ 10
1.3.3 Rehabilitationsforschung als interdisziplinär
und interprofessionell organisierte Wissenschaft . . . . . . . . . . .. 11
1.3.4 Rehabilitationsforschung
als eigenständiger Wissenschaftsbereich .................. 12
1.4 Entwicklungserfordernisse der Rehabilitationswissenschaften .. 14
Literatur .......................................... 17
2 Zur Situation in der Rehabilitationsforschung:
Stand und Bedarf .................................. 19
H. G. HAAF, F. SCHLIEHE
2.1 Einleitung ........................................ . 20
2.2 Der Förderschwerpunkt "Rehabilitationswissenschaften" ..... . 20
2.3 Stand der Rehabilitationswissenschaften ................. . 22
2.3.1 Rehabilitationswissenschaftliche Forschungsbereiche ........ . 22
2.3.2 Rehabilitationsdiagnostik und Prognose
des Rehabilitationserfolgs ............................ . 23
x Inhaltsverzeichnis
2.3.3 Patienten in der Rehabilitation ......................... 23
2.3.4 Evaluation der medizinischen Rehabilitation . . . . . . . . . . . . . .. 24
2.3.5 Reha-Systemforschung................................ 26
2.4 Stand der rehabilitationswissenschaftlichen Methodik ....... . 29
2.4.1 Forschungsansätze in der Rehabilitationsforschung ......... . 29
2.4.2 Messzeitpunkte .................................... . 30
2.4.3 Operationalisierung der Prädiktoren und Zielgrößen ....... . 30
2.5 Ausblick ......................................... . 32
2.5.1 Rehabilitationswissenschaftliche Infrastruktur ............. . 32
2.5.2 Förderschwerpunkt "Rehabilitationswissenschaften " ........ . 32
2.5.3 Stand der Rehabilitationsforschung ..................... . 33
Rehawissenschaftliche Evaluationsstudien ................. 34
Literatur .......................................... 37
3 Zur Theorie der Rehabilitation. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 41
N. GERDES, J. WEIS
3.1 Einleitung ........................................ . 42
3.2 Chronische Krankheiten und ihre Folgen ................ . 43
3.3 Das Krankheitsfolgen-Modell der WHO ................. . 45
3.4 Ein Theoriemodell der Rehabilitation ................... . 47
3.5 Ansatzpunkte für therapeutisches Handeln
in der Rehabilitation ................................ . 53
3.6 Dimensionen der Reha-Bedürftigkeit, der Reha-Ziele
und der Ergebnismessung ............................ . 54
3.7 Theoretische Konzepte der Krankheitsverarbeitung ......... . 56
3.7.1 Ziele der Krankheitsverarbeitung
aus unterschiedlicher Perspektive ...................... . 60
3.7.2 Krankheitsverarbeitung und personale Ressourcen ......... . 61
3.7.3 Erfassung der Krankheitsverarbeitung
und aktuelle Forschungsfragen ........................ . 64
Literatur .......................................... 67
Inhaltsverzeichnis XI
4 Forschungsfragen der Pädagogischen Rehabilitation 69
B. AHRBECK
4.1 Allgemeiner Überblick 70
4.2 Zur Rehabilitation hochgradig hörgeschädigter Menschen ... . 74
4.2.1 Zentrale Forschungsthemen der Hörgeschädigtenpädagogik .. . 74
4.2.2 Frührehabilitation .................................. . 74
4.2.3 Berufliche Eingliederung und Spätrehabilitation ........... . 77
4.3 Zur Rehabilitation psycho-sozial beeinträchtigter Menschen ... 79
4.3.1 Zentrale Forschungsthemen der Verhaltensgestörtenpädagogik . 79
4.3.2 Frührehabilitation .................................. . 79
4.3.3 Spät rehabilitation .................................. . 81
Literatur .......................................... 83
5 Zur Epidemiologie der Rehabilitationsbedürftigkeit 87
V. HEoN-KLlN, H. RASPE
5.1 Kategorien der Versorgungsepidemiologie:
Nachfrage, subjektives Bedürfnis, Bewilligung,
aktuelle Versorgung, Angebot, Bedarf . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 88
5.2 Subjektive Rehabilitationsbedürftigkeit, Antragsintention
und Antragstellung - Schätzmaße für Rehabilitationsbedarf? 91
5.3 Bisherige Methoden und Studien zur Abschätzung
von Versorgungsbedarf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 92
5.4 Kriterien der Begutachtung auf medizinische Rehabilitation
aus der sozialmedizinischen Literatur .................... 94
5.5 Zur epidemiologischen Schätzung des Bedarfs an medizinischer
Rehabilitation durch die Gesetzliche Rentenversicherung:
eine Problemanalyse ................................. 97
5.6 Ausblick 100
Literatur 101