Table Of ContentPetra Born
Geschlechtsrolle und diagnostisches Urteil
Pelra Born
Geschlechtsrolle
und diagnostisches
Urteil
f[)fll:\rJ DeutscherUniversitätsVerlag
~ GABLER -VIEWEG -WESTDEUTSCHER VERLAG
Die Deutsche Bibliothek - ClP-Einheitsaufnahme
Bor", Petra:
Geschlechtsrolle und diagnostisches Urteil! Petra Bom. -
Wiesbaden : Dt. Univ.-Verl., 1992
(DUV : Psychologiel
Zugl.: GieBen, Univ., Diss., 1991
ISBN 978-3-8244-4117-4 ISBN 978-3-322-91032-5 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-322-91032-5
Dissertation am Fachbereich Psychologie,
Justus-liebig-Universităt GieBen, 1991
Der Deutsche Universităts-Verlag ist ein Untemehmen der
Verlagsgruppe Bertelsmann Intemational.
~ Deutscher Universităts-Verlag GmbH, Wiesbaden 1992
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Gedruckt oul chlorarrn gebleichtem und săurelreiem Pa pier
ISBN 978-3-8244-4117-4
Statt eines Vorwortes
"Dieses Buch hat viele Fehler und Mängel - dessen bin ich mir ganz be
wußt. Ich fordere daher den Leser auf, sich auf diese Mängel gefaßt zu
machen, wenn ich mich für ihr Vorhandensein auch nicht entschuldigen
kann. Wenn ich ein besseres Buch hätte schreiben können, hätte ich es ge
tan; wenn ich schon länger Englisch sprechen würde als nur ein Jahrzehnt,
wären mein Wortschatz und meine Ausdrucksweise angemessener. Ein
höherer Intelligenzquotient hätte mich befähigt, grundlegendere Struktu
ren zu erfassen und sowohl in meinen Theorien als auch in denen anderer
mehr Widersprüche zu entdecken. Hätte ich nur fünfzig bis hundert Jahre
länger Gelegenheit gehabt, Erfahrungen zu sammeln, dann hätte ich den
Leser mit Fallgeschichten überschüttet. Und wenn ich ein besseres Ge
dächtnis hätte ... , und wenn nicht gerade Krieg wäre ... , usw." (Perls, 1945)
Inhalt
Einleitung 11
I Theoretischer Teil: Begriffsklärung, Forschungsstand
und Hypothesen der Untersuchung
1 Geschlechtsstereotype, Geschlechtsrollen
und Geschlechtsrollenstereotype 15
1.1 Der Versuch einer Begriffsklärung 15
1.2 Geschlechtsstereotype 21
1.3 Geschlechtsrollen 27
1.4 Zusammenfassung 35
2 Geschlechtsstereotype im Konzept
psychischer Gesundheit 36
2.1 Überblick über bisherige Studien 36
2.2 Methodische Grenzen 53
2.3 Zusammenfassung 54
3 Geschlechtsstereotype, Geschlechtsrollen
und diagnostisches Urteil 56
3.1 Überblick über bisherige Studien 56
3.2 Methodische Grenzen 102
3.3 Zusammenfassung 103
4 Entwicklung eines konzeptionellen Rahmens 105
4.1 Standards im Konzept psychischer
Gesundheit 105
8
4.2 Urteilsverzerrungen 106
4.3 Ableitung der eigenen Hypothesen 110
11 Empirischer Teil: Voruntersuchungen und
Hauptuntersuchung
5 Voruntersuchung 1: Konstruktion einer Skala
zur Erfassung von Geschlechtsstereotypen 115
5.1 Methode 115
5.2 Ergebnis 121
5.2.1 Itemselektionskriterien 121
5.2.2 Sukzessive Selektion 125
5.3 Diskussion 137
-Repräsentativität des Itempools 137
-Angemessenheit der Itemselektionskriterien 137
-Angemessenheit des Itemselektionsverfahrens 138
5.4 Zusammenfassung 139
6 Voruntersuchung 2: Prüfung des Fallmaterials 140
6.1 Methode 140
6.2 Ergebnis 152
6.3 Diskussion 153
6.4 Zusammenfassung 153
7 Hauptuntersuchung: Der Einfluß von Geschlechts-
stereotypen und Geschlechtsrollen auf das Konzept
psychischer Gesundheits und das diagnostische Urteil 154
7.1 Methode 154
7.2 Ergebnis 157
7.2.1 Rücklaufcharakteristika 157
7.2.2 Beschreibung der Stichprobe 159
7.2.3 Vorgehen bei der Auswertung 162
9
7.2.4 Prüfung der HypQthese 1: Geschlechtsstereotype
und Gesundheitskonzept 163
-Vergleich der Mittelwerte 163
-Itemanalyse 166
-Geschlechtsstereotype und Gesundheitskonzept -
ein neuer Standard 170
7.2.5 Ein Vergleich -20 Jahre später 171
-Kennwerte 171
-Übereinstimmung der TeilnehmerInnen
hinsichtlich der Charakteristika der gesunden
Person, der gesunden Frau und des
gesunden Mannes 172
-Gesundheitskonzept und soziale Erwünschtheit 173
-Gesundheitskonzept und Geschlechtsstereotypie 174
-Gesundheitswerte 175
-Konzept der gesunden Person versus Konzept der
gesunden Frau und des gesunden Mannes 175
-Die Idealnorm ist weiblich -ein gynäzentrischer
Doppelstandard psychischer Gesundheit? 176
7.2.6 Prüfung der Hypothesen 2 bis 4: Geschlecht,
Geschlechtsrolle und diagnostisches Urteil 178
-Diagnosen 179
-Therapieplanung 181
-Therapieziele 185
-Therapieinhalte 192
-Prognosen 202
-Persönliche Reaktion 203
7.3 Zusammenfassung der Ergebnisse 204
-Geschlechtsstereotype und Gesundheitskonzept 204
-Geschlecht und diagnostisches Urteil 206
-Geschlechtsrolle und diagnostisches Urteil 207
-Geschlechtsrollendevianz und diagnostisches Urteil 208
10
7.4 Diskussion 211
-Theoretische Prägnanz der untersuchten Konstrukte 211
-Angemessenheit der Untersuchungsmethode 212
-Repräsentativität der Stichprobe 213
-Einordnung der Ergebnisse in den bisherigen
Forschungsstand 214
ßI Zusammenfassung 220
Anhang 223
literaturverzeichnis 298
Einleitung
Innerhalb der letzten zwanzig Jahre konstituierte sich ein neuer Bereich
der Psychotherapieforschung - die Untersuchung des geschlechtsstereoty
pen Standards psychischer Gesundheit in Diagnostik und Therapie.
Der möglichen Existenz eines solchen Standards wurde vor 1970
wenig Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl einerseits in der Psychothera
pieforschung eine Fülle von Studien zu TherapeutInnenva.rj.ablen1 durch
geführt wurde und andererseits eine Vielzahl von, im Ergebnis ungewöhn
lich übereinstimmenden, Untersuchungen zu Geschlechtsstereotypen vor
lagen. Die Darstellung dieser Geschlechtsstereotype nach einer vorab
notwendigen Erarbeitung eines begrifflichen Rahmens ist Gegenstand des
ersten Kapitels.
Mit einer Verbindung der beiden genannten Bereiche durch Bro
verman u.a. (1970) war ein neuer Forschungsbereich geschaffen, der am
Ende der 80er Jahre als - im amerikanischen Raum -fest etabliert gelten
kann, während deutschsprachige Untersuchungen nur mühsam und in ver
schwindend geringer Zahl in der grauen Literatur2 zu finden sind. Die er
ste Phase dieses neuen Forschungsbeieiches ist geprägt von den auf die
Arbeit von Broverman u.a. (1970) folgenden Untersuchungen zur Über
prüfung des hypostasierten Doppelstandards im Konzept psychischer Ge
sundheit. Die Ergebnisse dieser ersten Phase werden im zweiten Kapitel
referiert und in ihren methodischen Grenzen diskutiert. In einer daraus
abgeleiteten methodischen Weiterentwicklung ist die Erfassung des Kon
zepts psychischer Gesundheit das erste Ziel dieser Arbeit. In der zweiten
1 Der Sprachgebrauch in dieser Arbeit orientiert sich an den Richtlinien der APA (1977)
und an Guentherodt u.a. (1980).
2 Graue Literatur: unveröffentlichte Diplom-und Doktorarbeiten.
12
Forschungsphase, die zeitlich teilweise parallel zur ersten verlief, wurde
die Annahme untersucht, daß sich dieser postulierte Doppelstandard in
diagnostischen Urteilen niederschlägt, und zwar derart, daß diagnostische
Urteile weniger individuelle Charakteristika als vielmehr kontemporäre
Geschlechtsstereotype reflektieren.
Überblicke zum gegenwärtigen Forschungsstand gelangen trotz na
hezu identischen Pools zugrundegelegter Untersuchungen zu voneinander
abweichenden Antworten auf die Frage, ob der Einfluß dieses Doppel
standards psychischer Gesundheit auf diagnostische Urteile als empirisch
nachgewiesen gelten kann. Die Ursachen dieser differierenden Bewertun
gen werden im dritten Kapitel aufgezeigt. Mit einem daraus abgeleiteten
eigenen Ordnungsansatz werden die Untersuchungen dieses Themen
schwerpunktes strukturiert dargestellt und deren Ergebnisse neu bewertet.
Die Untersuchung diagnostischer Urteile in Abhängigkeit vom Geschlecht
und der Geschlechtsrolle der zu beurteilenden Person ist das zweite Ziel
dieser Arbeit.
Zwei weitere Fragen dieses Forschungsbereiches lassen sich aus den
genannten Fragestellungen unmittelbar ableiten. Findet das kognitive
Konzept eines Doppelstandards psychischer Gesundheit seinen Ausdruck
im Verhalten des/der Therapeuten/in und beeinflußt so den Therapie
prozeß? Und -diese Frage bejaht -führt dies zu einem für den/die Klien
ten/in schädigenden Therapieergebnis? Für die Beantwortung dieser bei
den Fragen, die nicht Gegenstand dieser Arbeit sind, liefern bisher vorlie
gende Studien nur indirekte Hinweise, etwa über den Nachweis sexueller
Kontakte und voyeuristischer Verhaltensweisen in Therapien oder den
Nachweis systematischer Unterschiede im empathischen Verhalten
(Smith, 1980; Murray, 1983). Das in diesem Forschungsbereich beliebte
Untersuchungsparadigma des Analogansatzes findet hier offensichtlich
seine Grenzen.
Auf der Grundlage des bisherigen Forschungsstandes und der Be
rücksichtigung deutlich gewordener methodischer Grenzen wird zum Ab
schluß des theoretischen Teils der Arbeit im vierten Kapitel ein konzep-