Table Of ContentOlaf Jantz · Susanne Brandes
Geschlechtsbezogene Pädagogik an Grundschulen
Olaf Jantz · Susanne Brandes
Geschlechtsbezogene
Pädagogik
an Grundschulen
Basiswissen und Modelle
Bibliografische Information Der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie;detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
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1.Auflage Oktober 2006
Alle Rechte vorbehalten
©VSVerlag für Sozialwissenschaften | GWVFachverlage GmbH,Wiesbaden 2006
Lektorat:Stefanie Laux
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Umschlaggestaltung:KünkelLopka Medienentwicklung,Heidelberg
Druck und buchbinderische Verarbeitung:Krips b.v.,Meppel
Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier
Printed in the Netherlands
ISBN-10 3-531-15154-1
ISBN-13 978-3-531-15154-0
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Vorwort
Zielgruppe und Praxisfeld dieses Lehrbuchs
Dieses Lehrbuch richtet sich an alle sozialen Fachkräfte in Praxis und Ausbil-
dung (ErzieherInnen, SozialpädagogInnen, LehrerInnen) und an alle Interessier-
ten an Möglichkeiten der Förderung sozialer Kompetenzen bei Mädchen und
Jungen (z.B. auch an Eltern und Ehrenamtliche). Es bietet darüber hinaus eine
grundsätzliche Einführung in die Geschlechtsbezogene Pädagogik. Allerdings
sind die Praxisbeispiele aus dem Entstehungszusammenhang heraus an dem Feld
der Grundschulen orientiert:
Dieser Band wurde im Rahmen des Modellprojekts „Unsere Schule ... – Soziale
Schulqualität an Grundschulen“ als Lehrbrief für Grundschullehrer und Grund-
schullehrerinnen entwickelt. Das Projekt „Unsere Schule ...“ wird von 2004 bis
2007 vom Institut für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung an
der Universität Potsdam (IFK) und dem Institut für berufliche Bildung und Wei-
terbildung in Göttingen (ibbw) durchgeführt und vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.
Dieses Lehrbuch richtet sich damit zunächst an Beschäftigte der Grundschulen.
Da sich unser Erfahrungsschatz jedoch auf alle Schulformen bezieht, sind die
Ausführungen sehr leicht auch auf die weiterführenden Schulen bis hin zu Be-
rufsschulen übertragbar. Bei der Beschreibung weiblicher und männlicher Sozia-
lisation werden besonders die Jugendphasen immer wieder angesprochen und
ausgeführt.
Für den sinnvollen Einsatz dieses Lehrbuchs empfehlen wir, dass sich die Leser
und Leserinnen ein Praxisfeld wählen, um die 10 Übungsaufgaben, jeweils am
Ende jedes Kapitels, ausprobieren zu können. Wir sind der Ansicht, dass die
Verbindung von Theorie (dieses Lehrbuchs) mit der Praxis (eigener Versuche in
Mädchen- und Jungengruppen) das bestmögliche Ergebnis erzielt.
Schließlich sind sämtliche Ausführungen besonders auch für Studierende geeig-
net. Es kann hier ebenfalls sinnvoll sein, die gewonnenen Erkenntnisse in Form
von Praktika und Hospitationen zu erproben.
6 Vorwort
Wir wünschen viel Erfolg und auch viel Spaß in der Arbeit mit Mädchen und
Jungen!
7
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: Das Dreieck von reflexiver Koedukation,
Mädchenarbeit und Jungenarbeit an Grundschulen 11
2 Soziologischer Zugang: Geschlechterverhältnisse in der Schule 19
2.1 Mädchen ist nicht gleich Mädchen und auch Jungen sind NICHT
alle gleich 19
2.2 Kernergebnisse einer 30-jährigen Forschung zu
Geschlechterverhältnissen in der Schule 21
2.2.1 Geschlechtersegregation und Geschlechterhierarchien in
der Schulorganisation 22
2.2.2 Schulbücher und ihre Konstruktion von Geschlecht 23
2.2.3 Geschlechtsbezogene Computernutzung 25
2.2.4 Geschlechtstypische Schulleistungen 28
2.2.5 Geschlechtsbezogene Interaktionen in der Schule 30
2.2.6 Zur Geschichte und Debatte um Koedukation 32
2.2.7 Wege zu mehr Chancengleichheit: Ein erster Ausblick 34
2.3 Folgen für die Pädagogik an Grundschulen I:
Geschlechtsbezogen und geschlechtstypisch statt
geschlechtsspezifisch und die Last mit der Identität! 36
3 Psychologischer Zugang I: Entwicklung im Grundschulalter 41
3.1 Die kognitive Entwicklung: 41
3.2 Die körperliche Entwicklung 49
3.3 Die motorische Entwicklung 49
3.4 Die sozial-emotionale Entwicklung 52
3.4.1 Selbstkonzept 52
3.4.2 Selbstwertgefühl 52
3.4.3 Die Bedeutung des Erziehungsstils (Schule und
Elternhaus) hinsichtlich des Selbstvertrauens der Kinder 54
3.4.4 Definition und Bedeutung von Freundschaften 56
3.4.5 Die Trennung der Geschlechter 57
3.4.6 Das Miteinander von Mädchen und Jungen 60
3.5 Zusammenfassung: Folgen für die Pädagogik an Grundschulen II 60
8 Inhaltsverzeichnis
4 Psychologischer Zugang II: Geschlechtstypisches Verhalten 67
4.1 Geschlechtstypisches Verhalten aus lernpsychologischer Sicht 67
4.2 Kognitionspsychologie und Psychoanalyse: ein integrierendes
Modell 69
4.3 Geschlechtstypisches Erleben von Gewalt 75
4.3.1 Mädchen als Opfer von Gewalt 75
4.3.2 Mädchen als Täterinnen 76
4.3.3 Jungen als Täter und Opfer von Gewalt 78
4.4 Zusammenfassung: Folgen für die Pädagogik an
Grundschulen III 81
5 Modellhafter Zugang I: Junge sein – Mann werden (müssen) 85
5.1 Die Orientierung an der Männerwelt 88
5.2 Ambivalenzen aushalten lernen 96
5.3 Wo geht es lang? 97
5.4 Manifeste Gewalterfahrungen 103
5.5 Jungenarbeit – eine Chance zur Neuordnung 105
5.6 Männliche Suchbewegungen 113
5.7 Zusammenfassung: Folgen für die Pädagogik an
Grundschulen IV 114
6 Modellhafter Zugang II: Mädchen sein – weiblich werden
(müssen) 119
6.1 Weiblichkeit statt Frauenwelt 120
6.2 Verwirrte Wahrnehmungen: Aggression oder Externalisierung? 129
6.3 (K)ein Ort zum MädchenSein 132
6.4 Mädchenkulturen 134
6.5 Chancen für Mädchen: Was hat die Emanzipation gebracht? 142
6.6 Weibliche Suchbewegungen 143
6.7 Zusammenfassung: Folgen für die Pädagogik an Grundschulen V 146
7 Jungenarbeit, Mädchenarbeit, geschlechtsreflektierte
Koedukation an Grundschulen 153
7.1 Was bedeutet geschlechtsbezogene Kompetenz? 154
7.1.1 Jungenarbeit 156
7.1.2 Mädchenarbeit 157
7.1.3 Parallelen von Mädchen- und Jungenarbeit 159
7.1.4 Reflexive Koedukation 161
7.2 Was kann Geschlechtsbezogene Pädagogik leisten? 162
7.3 Methodenbeispiele Geschlechtsbezogener Pädagogik 163
Inhaltsverzeichnis 9
7.3.1 Zugang Selbstbeobachtung 164
7.3.2 Zugang Geschlechtergerechtigkeit 167
7.3.3 Zugang Geschlechterverhältnisse – traditionelle und
moderne Rollen 168
7.3.4 Zugang Selbstbehauptung (am Besten durch externe
TeamerInnen) 172
7.3.5 Zugang Konfliktbewältigung 175
7.3.6 Fazit für Methoden an Grundschulen 176
8 Zusammenfassende Leitlinien für die geschlechtsbezogene Arbeit
an Grundschulen 179
9 Empfohlene Materialien und Internetadressen 183
10 Literaturverzeichnis 187
11
1 Einleitung: Das Dreieck von reflexiver
Koedukation, Mädchenarbeit und Jungenarbeit
an Grundschulen
Einleitung
Es zeigt sich in der Praxis an Grundschulen sowohl für Lehrer und Lehrerinnen
als auch für andere PädagogInnen, dass der geschlechtsbewusste Blick den All-
tag enorm erleichtern kann.
Werden die mädchen- und jungentypischen Verarbeitungen berücksichtigt, dann
sind auch bessere Lernleistungen bei den meisten SchülerInnen beobachtbar. Es
kann sogar so weit pointiert werden, dass eine Pädagogik, die das Geschlecht
nicht berücksichtigt, einen großen Teil ihrer Wirksamkeit einbüßt, da sie die
Widerstände bei Mädchen wie Jungen nicht überwinden kann. Dabei steht immer
wieder die Lernkultur im Zentrum des Erfolgs von pädagogischen Bemühungen.
Ziel des geschlechtsbezogenen Ansatzes ist es, die Handlungsspielräume von
SchülerInnen einerseits und von LehrerInnen andererseits zu vergrößern, sowie
das Verständnis im Sinne einer konstruktiven Konfliktkultur aufzubauen. Wie
können wir als PädagogInnen Mädchen und Jungen sich selbst entdecken lassen
und dabei zugleich kritische und solidarische Unterstützung leisten? Und wie
wird dadurch die Lernleistung der gesamten Gruppe gesteigert?
Die Autorin und der Autor haben ihre langjährigen Erfahrungen in Theorie und
Praxis daraufhin überprüft, welche Erkenntnisse über das JungeSein und über
das MädchenSein hilfreich für Lehrer und Lehrerinnen an Grundschulen sein
können. An dieser Stelle möchten wir allen LehrerInnen Mut machen, sich auf
das „Experiment eigener Weiterentwicklung“ der bereits vorhandenen Fähigkei-
ten einzulassen. Aus der Fortbildungspraxis an Grundschulen haben wir immer
wieder erfahren, dass sich LehrerInnen durch die Beschäftigung mit dem Feld
der Geschlechtsbezogenen Pädagogik bereichert fühlen. Wenn Sie sich die Zeit
nehmen, Ihre Kompetenzen mit diesen Zugängen weiterentwickeln zu lassen,
dann sind sämtliche vorgestellten Methoden gut in den allgemeinen Schulalltag
einbaubar. Die Geschlechtsbezogene Pädagogik stellt damit Nicht eine Zusatz-
aufgabe für LehrerInnen dar, sondern soll nach dem vorliegenden Konzept den
bereits stattfindenden pädagogischen Alltag ergänzen und erleichtern. Der hier
vorliegende Ansatz ist darüber hinaus hervorragend geeignet, um die neuerdings