Table Of ContentAnnette Niederfranke· Gerhard Naegele
Eckart Frahm (Hrsg.)
Funkkolleg Altern 1
Annette Niederfranke . Gerhard Naegele
Eckart Frahm (Hrsg.)
Funkkolleg Altern 1
Die vielen Gesichter des Alterns
Westdeutscher Verlag
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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden, 1999
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Umschlaggestaltung: Horst Dieter Burkle, Darmstadt
ISBN 978-3-531-13331-7 ISBN 978-3-322-90446-1 (e8ook)
DOl 10.1007/978-3-322-90446-1
Inhalt
Band!
Vorwort ........................................................ 7
I. Die Farben des Herbstes.
Die vielen Gesichter des Alters heute
Annette Niederfranke, Reinhard Schmitz-Scherzer,
Sigrun-Heide Filipp . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 11
II. »Vor Greisengrau steh auf«.
Alte Menschen im Spiegel der Geschichte und der Kulturen
Leopold Rosenmayr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 51
III. Lebenserfahrung und Lebenssinn.
Biographische Aspekte des Alterns
Sigrun-Heide Filipp ......................................... 101
IV. Von der Pyramide zum Pilz.
Demographische Veranderungen in der Gesellschaft
Hans Peter Tews ............................................ 137
V. Reife Leistung.
Psychologische Aspekte des Alterns
Andreas Kruse, Ursula Lehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 187
VI. Warum altern wir?
Biologische Aspekte des Alterwerdens
Thomas Dandekar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 239
VII. Der Zahn der Zeit.
K6rperliche Veranderungen im Alter
Elisabeth Steinhagen-Thiessen, Norbert Wrobel, Markus Borchelt. .. 277
VIII. Vergessen und Traurigkeit.
Psychische Veranderungen im Alter
lens Bruder. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 319
IX. Grenzsituationen.
Auseinandersetzung mit Sterben und Tod
Reinhard Schmitz-Scherzer, Andreas Wittrahm. . . . . . . . . . . . . . . . . .. 377
Anhang ......................................................... 423
Hinweise zur L6sung der Ubungsaufgaben ..................... 423
Glossar. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 435
Autoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 447
Sachregister. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 451
Personenregister. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 456
6 Inhalt
Band 2
X. Das Alter ist weiblich.
Frauen und Manner altern unterschiedlich
Annette Niederfranke. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
XI. Leistung und Erfahrung.
Altern in der Arbeitsgesellschaft
Gerhard Backer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 53
XII. Friih beginnen.
Perspektiven fUr ein produktives Altern
Detlef Knopf, Gerhard Schauble, Ludger Veelken 97
XIII. Armut und Reichtum.
Einkommen und Konsumverhalten alterer Menschen
Winfried Schmahl, Uwe Fachinger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 159
XlV. Intimitat auf Abstand.
Familienbeziehungen und soziale Netzwerke
Insa Fooken. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 209
Xv. Die Kreise werden enger.
Wohnen und Alltag im Alter
Winfried Saup, Monika Reichert. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 245
XVI. Halt der Generationenvertrag?
Soziale Sicherung im Alter
Bert Rurup ................................................ 287
XVII. Pravention und Intervention.
Die gesundheitliche Versorgung im Alter
Stefan Garres, Roland Schmidt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 341
XVIII. Von Mensch zu Mensch.
Hilfe und Pflege im Alter
Willi Ruckert. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 399
XIX. Neue Markte und Berufe.
Altern schafft Bedarf
Gerhard Naegele. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 435
Xx. Krieg der Generationen?
Die politische Macht der Alteren
Martin Kohli, Sighard Neckel, Jurgen Wolf .................... . 479
Anhang ........................................................ . 515
Hinweise zur Lasung del' Ubungsaufgaben .................... . 515
Glossar ............................ , ...................... . 530
Autoren .................................................. . 547
Sachregister ............................................... . 552
563
Altern. Lernen
Ein Vorwort
Annette Niederfranke, Gerhard Naegele, Eckart Frahm
Das Alter gibt es nicht: Sowohl der Prozess des Alterns als auch das Alter als
Lebensphase sind vielschichtig und vielgesichtig. Alles altert: Kein Lebensbe
reich und kein gesellschaftliches Feld bleiben von Alterungsprozessen un
beriihrt; sie beeinflussen das Miteinander auf allen Ebenen der GeseHschaft,
unter anderem in Wissenschaft, Politik oder Wirtschaft. Deshalb miissen Alte
rungsprozesse sowohl in ihrer umfassenden gesellschaftspolitischen Dimen
sion als auch in ihren Auswirkungen auf das Individuum betrachtet werden.
Dem Facettenreichtum des Alterns und den zahlreichen (korperlichen, psychi
schen, sozialen, gesellschaftlichen, okonomischen und politischen) Einflussfak
tor en auf Alternsprozesse kann nur eine diszipliniibergreifende Auseinander
setzung, verb un den mit einem Dialog zwischen Theorie und Praxis, gerecht
werden. Die Betrachtung aus unterschiedlichen Blickwinkeln und mit ver
schiedenen Zielrichtungen ergibt erst in der Zusammenschau ein umfassendes,
der Vielschichtigkeit der Thematik angemessenes Bild.
Das solI in zwanzig Studieneinheiten geleistet werden. Die KomplexiUit und
Mehrdimensionalitat des Themenfeldes »Altern« wurde dafUr in vier themati
sche Blocke aufgeteilt, damit sich nicht nur die Inhalte moglichst iibersichtlich
erschlieBen, sondern auch der Stellenwert der einzelnen Aspekte im Gesamt
rahmen deutlich wird.
Mit dem ersten thematischen Block (Studieneinheiten I bis IV) sollen -
auch als motivierender Einstieg in dieses Lernangebot konzipiert - zentrale
Einsichten in Phanomene des Alterwerdens vermittelt werden. Was ist Altern
he ute? Und was begriindet die aktuelle Bedeutung und Popularitat der The
matik? Wirklich neu ist die Tatsache, dass heute die Mehrzahl der Menschen in
den westlichen Industrielandern die ihr biologisch zur VerfUgung stehende Le
benszeit auch tatsachlich weitgehend ausschopft und hochbetagt stirbt. Zu
sammen mit der in den letzten lahrzehnten zu beobachtenden Tendenz zur
Ein- und Zweikindfamilie hat das zu einer negativen demographischen Ent
wicklung gefUhrt, die noch nicht abgeschlossen ist: Aus der bisherigen »Bevcil
kerungspyramide« wird der problematische »Bevolkerungspilz«. Es hangt also
ursachlich mit der Verlangerung der Lebenszeit und den daraus erwachsenden
Konsequenzen fUr den Einzelnen und die Gesellschaft zusammen, dass die
Themen »Alter« und »Altern« zunehmend bedeutsamer und gleichzeitig auch
brisanter werden. Aufgrund der Erkenntnis, dass Altern primar soziales
»Schicksal« ist, beginnt dieses »Funkkolleg Altern« daher mit der Analyse der
gegenwartig vorhandenen Altersbilder, aus denen auch auf die SteHung der al
teren und alten Menschen in unserer Gesellschaft geschlossen werden kann.
8 Vorwort
Ausgehend von dies en unterschiedlichen Vorstellungen yom Alter und von
den Alten wird Altern zunachst als soziales Phanomen beschrieben. Der histo
rischen Betrachtung des Alterns in unserer Kultur - der Veranderung der AI
tersbilder und der SteHung alterer Menschen im Laufe der Geschichte -
schlieBt sich die DarsteHung der SteHung der Alten und des Altwerdens in an
deren Kulturen an. SchlieBlich gilt es herauszuarbeiten, dass Alternsprozesse
immer im Kontext des gesamten Lebenslaufs (Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunft) eines Individuums zu sehen sind. Die im Alter wirksamen Einfluss
faktoren - seien sie okonomischer oder personlichkeitsspezifischer Art - ha
ben ihre Wurzeln immer auch in lebensgeschichtlichen Bedingungen und Zu
sammenhangen. In einem we iter en Schritt werden die demographischen, so
ziostrukturellen und nicht zuletzt auch politischen Rahmenbedingungen auf
gezeigt, unter denen sich Altern heute vollzieht. Hier ruckt das Altern der Ge
samtgesellschaft in den Mittelpunkt der Betrachtung.
1m zweiten Block (Studieneinheiten V bis IX) wird das Alterwerden des In
dividuums (also die Mikroebene) detailliert behandelt. Alternsprozesse haben
Auswirkungen auf die unterschiedlichsten Lebensbereiche. Sie beruhren bio
logische, psychische und soziale Dimensionen. Normales wie krankhaftes, ge
lingendes wie misslingendes Altern werden im Hinblick auf die jeweiligen Ein
flussfaktoren und Auswirkungen analysiert. Kompetenzerhaltung und Kompe
tenzsteigerung im hoheren Lebensalter sind ebenso Thema wie Sterben und
Tod.
Nach den zuvor abgehandelten verschiedenen Dimensionen des Alterns
befasst sich der anschlieBende dritte thematische Block (Studieneinheiten X
bis XV) mit der Analyse der Lebenslagen und Lebenswelten zwischen den
Prozessen auf der individuellen (Mikro-)Ebene und Veranderungen auf der
geseUschaftlichen (Makro-)Ebene. Kennzeichnend fUr die Situation alterer
Menschen ist die Disparitat, die sich in ihren Lebensbedingungen und Lebens
chancen auftut. In Abhangigkeit von verschiedenen Faktoren - unter anderem
GeschlechtszugehOrigkeit, ethnische ZugehOrigkeit, familiare Voraussetzun
gen, soziookonomische Bedingungen - lassen sich unterschiedliche Lebensla
gen voneinander abgrenzen. Unterschiedliche Lebenswelten und die damit
verbundenen Chancen oder Restriktionen konnen das Altern in individuell
unterschiedlicher Weise positiv oder negativ beeinflussen.
1m abschlieBenden vierten Block (Studieneinheiten XVI bis XX) dieses
»Funkkollegs Altern« werden dann Aspekte der sozialen Sicherung und der
Altenpolitik im demographischen Wandel behandelt. In der offentlichen Dis
kussion wird immer wieder die Frage nach der Tragtahigkeit der Systeme der
sozialen Sicherung gestellt. Eine ausreichende soziale Sicherung stellt eine
grundlegende Voraussetzung fUr gelingendes Altern dar. Dazu gehoren die
materielle Absicherung im Alter ebenso wie die Versorgung bei Krankheit,
Hilfsbedurftigkeit und im Pflegefall. Unmittelbar damit verbunden ist die
Frage, ob neue Berufsfelder und Versorgungsstrukturen im Sozialwesen und
im Gesundheitssystem entwickelt werden mussen. Beruhrt wird auch die
Vorwort 9
Frage, welche Rolle die Alten bei der Gestaltung von Politik spielen sollten.
Dabei wird deutlich, dass Altenpolitik als Querschnittsaufgabe in allen Berei
chen der Politik betrieben werden muss.
Das gesamte Lernangebot umfasst zwei Bande: Band 1 »Die vielen Gesichter
des Alterns« enthalt die Studieneinheiten I bis IX, Band 2 »Lebenslagen und Le
benswelten, soziale Sicherung und Altenpolitik« die Studieneinheiten X bis XX.
leder Band enthalt ein umfangreiches Glossar sowie ein Sach- und Personen
register. AuBerdem sind in die jeweiligen Studieneinheiten Ubungsaufgaben ein
gefligt, mit deren Hilfe der Lernfortschritt iiberpriift werden kann.
Die Intention dieser Studientexte lasst sich mit zwei Tatigkeitsworten
knapp beschreiben: altern und lernen - und zwar beides zusammen und als ak
tive Verhaltensweisen verstanden.
Altern gehbrt untrennbar zu unserem Leben, ist eine Erfahrung, die jeder
Mensch macht, sowohl an sich selbst als auch vermittelt durch andere Men
schen. Wann jedoch beginnt das Alter? Beginnt es in der Mitte des Lebens, bei
Frauen etwa mit dem Klimakterium? Beginnt es mit 60 oder gar erst mit 80
lahren? Das sind Fragen, mit denen sich Wissenschaftler seit langem befassen,
auf die sie aber bis heute keine befriedigende Antwort gefunden haben. Neben
der Frage nach dem »objektiven« Beginn des Alters stellt sich auch die nach
der sUbjektiven Wahrnehmung: Wann beginnt flir den Einzelnen das Alter?
Woran erkennt man, dass man alt wird? Diesen und anderen Fragen widmet
sich das »Funkkolleg Altern«
Alterwerden macht nur selten Angst, aber Altsein ist in unserer bisher an
lugendlichkeit und standigem Wandel orientierten Gesellschaft nicht so ein
fach zu akzeptieren. Noch verpflichten die gangigen Leitbilder den Einzelnen
vorrangig auf jugendliche SchOnheit und Attraktivitat, wie sie nicht zuletzt die
Werbung nahelegt. Allerdings zeichnet sich in der letzten Zeit der Trend ab,
auch die mittlere und altere Generation in den Medien unter positiven Vorzei
chen zu thematisieren. In wissenschaftlichen Beitragen, Unterhaltungssendun
gen und in der Werbung werden sie mehr und mehr zum Thema.
Dass wir als Einzelwesen alter werden und mit uns auch unsere Gesell
schaft, ist unmittelbar einsichtig. Noch bleibt allerdings die entscheidende
Frage offen: Wie kann Altern gestaltet werden, damit es sowohl flir den Einzel
nen als auch flir die Gesellschaft als Ganzes iiberwiegend positive Aspekte
aufweist? Das »Funkkolleg Altern« will bei der Beantwortung dieser drangen
den Frage Hilfestellung geben. Zum einen sollen die Lesenden und Lernenden
angeregt werden, sich mit altersbedingten Veranderungen bei sich selbst aktiv
und positiv auseinander zu setzen - mit dem Ziel einer bewussteren Lebensge
staltung. Zum anderen sollen sie flir die demographischen Veranderungen mit
ihren Auswirkungen auf zahlreiche, oft iibersehene Gesellschafts- und Poli
tikbereiche sensibilisiert werden.
Die zwanzig Studieneinheiten dieser beiden Bande haben ihre »Lernerpro
bung« in einem groBen »Feldversuch« bereits erfolgreich hinter sich. Das
Funkkolleg »Altern« wurde in den lahren 1996/97 unter der Federflihrung des
10 Vorwort
Westdeutschen Rundfunks (Redaktion: Klaus-Dieter OETZEL, Florian
QUECKE) realisiert. Die Wissenschaftliehe Leitung lag bei Gerhard NAEGELE
und Annette NIEDERFRANKE, die Studientexte wurden yom Deutsehen Institut
flir Fernstudienforsehung an der Universitat Ttibingen (DIFF) herausgegeben
(Koordinator der Funkkollegs: Eckart FRAHM). Dieses Funkkolleg, legt man
die Urteile der Teilnehmenden zugrunde, war sehr erfolgreieh. Das lag sieher
nieht zuletzt daran, dass bereits im Miirz 1994 mit Hilfe eines umfangreiehen
Fragebogens vorab gekliirt wurde, was (mbgliehe) Teilnehmende bei der Wahl
eines solehen Themas lernen wollten. Die inhaltlichen Priiferenzen der Befrag
ten, deren Merkmalsstruktur weitgehend jenen der spateren Teilnehmenden
entspraehen, wurden bei der inhaltliehen und eurrieularen Festlegung ebenso
berticksiehtigt wie Vorsehlage zur Gestaltung des Lernangebots oder aueh die
Griinde flir eine (mbgliehe) Teilnahme an diesem Medienverbundprojekt
(Hbrfunksendungen, Studientexte, Begleitkurse, Prtifungen). Die Ergebnisse
der Voruntersuehung wurden 1996 in der DIFF-Reihe »Funkkolleg-Werkstatt:
Materialien & Analysen, Nr. 4: Alterns-Bildung« vorgelegt.
Naeh Ablauf des Funkkollegs »Altern« wurden die Teilnehmenden noeh
einmal befragt. Und diese Untersuehungsergebnisse - wie das Lernangebot ge
nutzt und eingesehatzt wurde, welehe Themen noeh gewtinseht wurden u. a. -
konnten dann flir die Gestaltung der vorliegenden Textausgabe genutzt wer
den. Ein soleh aufwendiges Redaktionsverfahren, bei dem also wissensehaftli
cher Ansprueh einerseits und die Aneignungsforderungen der Lernenden an
dererseits umfangreich bertieksichtigt wurden, ist bei der Realisierung eines
Lernangebots sicher nieht die Regel. Dass die Studi~nbriefe beim DIFF sehr
schnell vergriften waren, zeigt aueh, wie wichtig dieses Thema von sehr vielen
Interessenten genommen wurde und, legt man die anhaltende Naehfrage zu
grunde, noch immer wird.
Uwe OPOLKA (DIFF) hat eine erste Uberarbeitung der Studientexte vorge
nommen; die einzelnen Studieneinheiten wurden, soweit notwendig und mbg
lich, aktualisiert und erganzt, einige Beitrage wurden aufgrund der Teilneh
merreaktionen zusatzlieh aufgenommen. Udo SCHWEIZER (DIFF) hat
wahrend der Schlussredaktion alles sorgfaltig tiberprtift und die Texte - auGer
in den historisehen Zitaten - auf den Stand der neuen Reehtsehreibung ge
braeht. Das Funkkolleg, ein Modell wissensehaftlieher Weiterbildung im Medi
enverbund, wurde 1998 naeh tiber 32 lahren eingestellt, von den Teilnehmen
den immer wieder als »eine optima Ie Mbglichkeit der Selbstaufklarung« ein
geschiitzt. Herausgeber und Autoren hoften, dass dieses aueh flir die vorliegen
den Studieneinheiten des »Funkkollegs Altern« gelten mbge.
I. Die Farben des Herbstes.
Die vielen Gesichter des Alters heute
Annette Niederfranke, Reinhard Schmitz-Scherzer,
Sigrun-Heide Filipp
Einfiihrung
Horen oder 1esen sie das Wort »Alter«, fallen vie1en Menschen eher negative
als positive Merkmale ein: Verlust an Korperkraft und geistiger VitaliUit, Ver
lust wichtiger sozia1er Rollen, Verlust von Freunden und Angehorigen, Isolie
rung und moglicherweise Einsamkeit. Viel zogerlicher werden positive Veran
derungen und damit Gewinne im Prozess des Alterwerdens benannt: Reife,
grol3ere Ubersicht, Sicherheit in der Entscheidung. Auch in der veroffentlich
ten Meinung iiberwiegen bei der Bilanzierung von Alternsprozessen nicht sel
ten negative Merkmale: Der Leistungsverfall im Alter wird iiberschatzt. Attri
bute hingegen, die mit Jugend verbunden werden, sind eindeutig positiver ge
farbt: Wachstum, Attraktivitat, Dynamik, Zugewinn an Einflul3, Aufbau beruf
licher und sozialer Raume, Integration in die Gesellschaft. Diese Merkmale
werden zunehmend auch zu Leitideen bestimmter Gruppen von Alteren: der
sogenannten »jungen« oder »neuen« Alten. Sie reprasentieren einen neuen
Typus des alteren Menschen: gesundheitlich auf der Hohe, vielfaltig interes
siert, geistig aktiv, in der Gesellschaft prasent, finanziell gut abgesichert, mobil
usw.
Fast hat es den Anschein, als sei der »Jungbrunnen« und damit die Vorstellung,
sich ewige Jugend zu erhalten oder sie zuriickzugewinnen, ein Wunschbild unserer
Gesellschaft. Zwar ist ewige Jugend unerreichbar, aber Verjiingung und die Be
wahrung von Jugendlichkeit im oben geschilderten Sinne scheinen als gesellschaft
liche Zielvorgabe wie als individueller Wunsch erstrebenswert und durch verschie
dene MaBnahmen auch erreichbar. Belegen lasst sich dies etwa mit Entwicklun
gen auf dem Modemarkt: Die Mode fUr Altere hat sich verandert - weg von dun
klen Farben und traditionellem Design hin zu frischen Farben und schwungvollen
Schnitten. Tatsachlich scheint sich im Hinblick auf die Darstellung und Bewertung
von Alter gesellschaftlich einiges verandert zu haben. 1st das ein Beleg fUr die
Existenz eines neuen Altersbildes, mit dem die »jungen« Alten zum Vor- oder gar
Idealbild des Altseins erhoben werden? Verliert damit das Alter seine Schrecken?
Entgegen dies en positiven Trends sind gerade in den letzten Jahren in den
Massenmedien Diskussionen urn die sogenannte »Altenlast«, urn die Zukunft
der Pflege und der finanziellen Absicherung alter Menschen ins Zentrum
geriickt. Der Beitrag der politischen Parteien zur Verscharfung dieser Debat-
Description:Kaum ein Lebensbereich und kaum ein gesellschaftliches Feld bleibt von individuellen und gesellschaftlichen Alternsprozessen unberührt. Ihre Einflüsse reichen von der Wissenschaft über die Politik und das gesellschaftliche Miteinander bis hin zur Gestaltung des Alltagslebens und der Lebenszeit. D